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„OSTER+KOEZLE“

Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie "architectures" in der Künstlerzeiche Unser Fritz 2/2 in Herne Wanne.
Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie „architectures“ in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Herne Wanne.

OSTER+KOEZLE – Fotografisch basierte digitale Kunst zum Thema Raum
Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Herne (Wanne)
28. April – 20. Mai 2018

Schon seit vielen Jahren, seit 1999 nämlich, arbeiten Willy Oster und SG Koezle gemeinsam als OSTER+KOEZLE und verbinden Fotografie, Malerei (ganz ohne Malerei!) und digitale Möglichkeiten zu einem faszinierenden Kosmos rund um das Thema Raum. Wir haben die Bilder des Künstlerduos vor einigen Jahren für uns auf der „GROSSEN“ in Düsseldorf entdeckt (siehe auch Blogposts aus März 2016 und Februar 2018) und uns von Anfang an in die geometrisch anmutenden Kompositionen, die immer mit einer Irritation des Betrachters einhergehen, verguckt. Um so schöner, dass nun in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eine OSTER+KOEZLE Ausstellung zu sehen ist, die schon fast als Retrospektive durchgehen könnte. Aber eben nur fast – denn dafür reichen die 4 Wände der mit 140 Quadratmetern nicht eben kleinen ehemaligen Weißkaue der Zeche dann doch nicht ganz aus. Und trotzdem bekommt der Besucher einen tollen Einblick in fast 20 Jahre gemeinsames Schaffen und in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, was nicht zuletzt an der schlauen Hängung liegt. Jede der vier Wände widmet sich nämlich einer Werkgruppe, startend mit den „rooms“, in denen noch deutlich der eigentliche Ort – eine leere Halle, ein Hausflur… – zu sehen ist, aber durch digital eingeschobene (Farb-) Flächen ein ganz neuer Raum, eine neue Komposition entsteht. Da drängen sich rote, weiße oder schwarze Rechtecke mit einer Selbstverständlichkeit ins Bild, die den Betrachter zunächst irritiert, dann staunen und schließlich nicken lässt: ja, sicher gehört diese Fläche ganz genau so ins Bild. An der nächsten Wand folgen dann die „perspectives“. Das Prinzip bleibt, digitale Farbflächen brechen sich Bahn, strukturieren, erschaffen neu. Die den Arbeiten zugrunde liegenden Fotografien aber beschränken sich auf Details, lassen schon von sich aus keine klare Raumzuordnung zu, sind klar komponierte Konstruktionen. In den „architectures“, Werkreihe (und Wand) Nummer drei, drehen OSTER+KOEZLE den Spieß quasi um: Hier stehen Farbflächen im Vordergrund, aus deren Oberfläche wie mit einem digitalen Skalpell sauber Teile herausgeschnitten wurden und dort Ausschnitte von (Raum-) Fotografien sichtbar werden lassen, was erneut zu einer ganz anderen Wahrnehmung von Raum führt. Die vierte Serie schließlich heißt schlicht schwarz/weiss, und so kommt sie dann auch daher. Aber vorsicht: Was zunächst erscheint wie sehr kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografien von (Raum?) Details, entpuppt sich dann doch wieder als Spiel mit der Wahrnehmung und als bewußte digitale Intervention. Waren diese Flächen wirklich so tiefschwarz? Was stimmt hier nicht? Obwohl doch wirklich alles stimmt…

OSTER+KOEZLE selber haben bei der Ausstellungseröffnung übrigens sichtlich Spaß. So erzählt uns Willy Oster, dessen Wurzeln in der Malerei liegen, zum Beispiel noch, dass es ihn immer besonders gefreut hat, bei der Teilnahme an der „GROSSEN“ Kunstausstellung in Düsseldorf nie bei den Fotografen, sondern stets bei den konkreten Künstlern zu hängen (was ja durchaus passt). Und SG Koezle lächelt verschmitz, wenn er erzählt, dass selbst einem Galeristen nach mehrwöchiger Ausstellung schon mal ein wesentliches Bild-Detail verborgen bleibt: „Aktenordner? Wo soll auf dem Bild denn da ein Aktenordner zu sehen sein?“, wird der Galerist zitiert. Aber wahrscheinlich sollte man sich auch nie ganz sicher sein – vielleicht ist da auch wirklich kein Ordner. Sondern das Spiel mit der Irritation und die Aufforderung zum erneuten Hinschauen.

Mein Fazit: Wunderbar ausgeklügelte  Kompositionen, klare Bezüge zur konkreten Kunst und zur Farbfeldmalerei, die Faszination für die Schönheit, die abstrahierten Architekturen und deren Details innewohnt und vor allem: das lustvolle Spiel mit der Irritation, die all den Bildern eine immense Spannung geben und dazu führen, lange zu schauen und den eigenen Blick zu hinterfragen. Auf zur Zeche Unser Fritz! -MM

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK