Schlagwort-Archiv: Museum Kunstpalast

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Bilder ohne Schatten“

Bilder ohne Schatten
Eine Auswahl aus der Sammlung Kemp
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
25. März – 17. Juli 2018

Foto nicht ganz ohne Schatten: "Bilder ohne Schatten" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast
Foto nicht ganz ohne Schatten: „Bilder ohne Schatten“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast

Knapp 30 Kunstwerke aus der Sammlung Kemp zeigt das Museum Kunstpalast in seinem  Ausstellungssaal im Erdgeschoss. Und immer, wenn etwas aus dem 2011 dem Kunstpalast gestifteten umfangreichen Fundus Willi Kemps präsentiert wird, lohnt sich ein Besuch.

Kemps sammelte, was in der zeitgenössichen Kunst Rang und Namen hat. Und so findet sich denn auch bei all den „schattenlosen“ Werken das who-is-who der Szene: Von Otto Piene bis K.O. Goetz, von Gotthardt Graubner bis Ulrich Erben. Ihnen allen gemein ist nicht nur, dass die gezeigten Bilder keine Schatten haben. Vielmehr haben sie keine Schatten, weil sie nicht abbilden, sondern für sich selbst stehen. Monochrome Malerei, konkrete Kunst, Hard Edge, Informel – all das ist hier zu finden. Eine schöne Schau, die definitiv einen Abstecher lohnt. -MM

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK

„Axel Hütte. Night and Day.“

Axel Hütte. Night and Day.
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
23. September 2017 – 14. Januar 2018

Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König
Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König

Auf geht’s zum zweiten Teil Axel Hütte! Über die „Frühwerk“ Ausstellung im Bottroper Quadrat haben wir schon hier im Blog berichtet. Unter dem Titel „Night and Day“ sind parallel im Düsseldorfer Kunstpalast Hütte-Arbeiten von Mitte der 90er Jahre bis heute zu entdecken. Über 70 großformatige Aufnahmen seit 1995 zeigt die Ausstellung, und das ist wirklich beeindruckend (keine Frage: die monumentalen Formate tragen ihren Teil dazu bei). Verdichtete Naturaufnahmen aus Brasilien und Venezuela, in denen sich ein Dschungel als eine Art Wimmelbild anbietet, aus dem sich hunderte von Details langsam ins Bewusstsein arbeiten, so man sich denn etwas Zeit dafür nimmt. Nachtaufnahmen, die internationale Metropolen innehalten lassen, nebelumhüllte Wälder, Stille, Einsamkeit. Und alles stets eingefangen von genau gewählten ungewöhnlichen Standpunkten, die mich als Betrachter leicht verunsichern. Dann wieder strenge Kompositionen in riesigen Formaten wie beispielsweise die rautenförmige Struktur in „Seattle Library-2, USA“ oder die verschiedenen Bilder von Brückenkonstruktionen in Japan, Australien oder auch Deutschland. Und dann sind da noch Arbeiten aus der Antarktis, ganz neu, erst 2017 entstanden. Im tiefblauen „Paradise Bay, Antarctic, 2017“ bin ich lange versunken. Ein bisschen wie die „Seascapes“ von Hiroshi Sugimoto. Nur mit Eis. Stark. -MM

„Die Grosse Kunstausstellung NRW 2017“

„Die Grosse Kunstausstellung NRW 2017“
Museum Kunstpalast
19. Februar – 12. März 2017

"Grosse" Kunst in Düsseldorf: Ein "Systemmer" von David Fried umgeben von Kollegen
„Grosse“ Kunst in Düsseldorf: Ein „Systemmer“ von David Fried umgeben von Kollegen

Alle Jahre wieder – das hört sich nach langweiliger Routine an. Aber mitnichten! „Die Grosse“ ist immer wieder ein Highlight im Düsseldorfer Kunstbetrieb. Bekannte und weniger bekannte Künstler, junge und alte, Bildhauer, Maler, Fotografen. Ein großer Genuss für Auge, Herz und Hirn. Und eine große Versuchung, sind doch fast alle ausgestellten Arbeiten käuflich. Hier stellen wirklich sehr viele tolle Künstlerinnen und Künstler aus – es gibt jede Menge zu sehen.

Sofort begeistern mich zum Beispiel einige orangerote Skulpturen, filigrane Geflechte, die wie Seifenblasen-Skelette fast schwebend den Boden kaum berühren. Mir kommen die „In Bed with Lucy and Dolly“ Arbeiten von David Fried in den Sinn (tatsächlich Photogramme von Seifenblasen) – und wirklich: Treffer! Die „Systemmer“ Skulpturen sind von Fried. Und am liebsten würde ich eine mitnehmen. Aber da reichen weder Platz noch Geldbeutel…

Und dann ist da „City Squash“, die fantastische Fotografie eines Squash Courts von Bianca Voss. Wand, Boden, Spielfeldlinien bilden eine sehr grafische Komposition. Die durch abertausende Ballberührungen abgenutzte Wand lässt einen das trockene „Plock“ unzähliger Spiele geradezu hören. Trotz Leere und Abwesenheit ist die Aura der Spieler noch deutlich da. Schönheit und Tristesse… Das ist wunderbar!

Oder die Arbeit „Casa“ von Christine Erhard, die wie eine Kombination aus Fotografie und Grafik wirkt, den Betrachter in verrätselte Architekturen und Geometrien zieht. Ich finde Linien und Flächen, suche nach dem Abbild einer Fassade? Eines Innenraumes? Da hat man lange zu schauen.

Kurz und gut: „Die Grosse“ ist immer wieder toll. Nicht verpassen. Und auch für 2018 schon rot im Kalender ankreuzen! -MM

“Lyonel Feininger – Zwischen den Welten”

nur für kurze Zeit: die Kirche von Gelmeroda in Duesseldorf
Nur für kurze Zeit: die Kirche von Gelmeroda in Duesseldorf…

“Lyonel Feininger – Zwischen den Welten”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
11.11. 2016 bis 22.01.2017

Schon mehr als zwanzig Jahre gehört Lyonel Feininger zu meinen absoluten Lieblingskünstlern! Seine Werke – egal ob Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen oder Holzschnitte – faszinieren mich jedes mal wieder aufgrund ihres unverwechselbaren, prismatisch-kubistischen Stils. Eben „echt Feininger“.
Die aktuelle Ausstellung „Lyonel Feininger – Zwischen den Welten“ zeigt einen repräsentativen Ausschnitt seines Grafischen Werkes. Bestaunt werden können in Düsseldorf typische Feininger Motive wie witzige Karikaturen, kabbelige Seestücke, geheimnisvolle Häuserzeilen bei Nacht, verschiedenste Dorfansichten vor allem aus dem Weimarer Umland und – mein absoluter Favorit – die Dorfkirche in Gelmeroda! (Tipp: Das Gotteshaus gilt als erste Autobahnkirche der Neuen Bundesländer und kann seit 1994 von Jedermann besichtigt werden.)
Überaus glücklich macht mich auch ein unverhofftes Wiedersehen mit einer kleinen Auswahl der „Stadt am Ende der Welt“ – aus Holz geschnitzte und anschließend kolorierte Häuser, Eisenbahnen und Figuren im unverkennbaren Feininger-Stil, ursprünglich vom Künstler für seine Söhne als Spielzeug angefertigt.
Der Ausstellungstitel „Zwischen den Welten“ bezieht sich übrigens auf Feiningers Biographie: Der 1871 in New York geborene Künstler kam erst als 16-Jähriger in die Heimat seiner deutschenstämmigen Eltern, wo er die nächsten 40 Jahre seines Lebens verbringen sollte. Sein Umzug zurück nach New York erfolgte eher unfreiwillig: Feiningers Werk wurde von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft, so daß er mit der gesamten Familie 1937 in die Staaten emigrierte. Dort lebte und arbeitete er noch fast 20 Jahre, ehe er 1956 im Alter von 85 verstarb. Ganz vergessen konnte er seine alte Heimat jedoch nie – noch im Exil entstanden zahlreiche großartige Werke auf Basis von Skizzen und Erinnerungen aus und an Deutschland. AEK

“Die Grosse Kunstausstellung NRW 2016”

“Die Grosse Kunstausstellung NRW 2016”
Museum Kunstpalast
21. Februar bis 13. März 2015

Highlight in Düsseldorf: Die Grosse Kunstausstellung NRW 2016
Große Kunst in Düsseldorf: „Die Grosse Kunstausstellung NRW“ ist auch 2016 ein Highlight

Schön! Es ist wieder soweit: Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast wird bespielt durch „Die Grosse Kunstausstellung NRW“. Und was soll ich sagen? Erneut lohnt sich der Besuch in jeder Hinsicht. Die Vielfalt der NRW-Kunstszene in Malerei, Skulptur, Fotografie und Co. inspiriert, ist frisch und der Besuch ist von Anfang bis Ende ein Erlebnis. Besonders schön: Der Kunstpalast ist wieder extrem gut besucht, die regionale Kunsszene stößt also auf reges Interesse, auch ohne dass ausschließlich auf große Namen gesetzt wird. Die vielen vertretenen Künstlerinnen und Künstler sollen hier gar nicht alle aufgezählt werden (einen guten Überblick liefert die Website der Ausstellung). Den diesjährigen Kunstpreis der Künstler erhielt Benjamin Katz (zur Ausstellung ist eine schöne und preiswerte Auflage von Fotografien erschienen), Träger des Förderpreises ist Andrej Wilhelms.

Mir persönlich hat vieles gut gefallen, erwähnen möchte ich beispielhaft die Fotos und Montagen des Teams Oster + Koezle, die oft geometrisch komponierte Fotografien mit grafischen Eingriffen versehen und so den Blickwinkel des Betrachters buchstäblich verrücken. Und – ein schönes Wiedersehen – die wunderbaren Arbeiten von Thomas Wrede, der den Betrachter mit Fotografien von gebauten Modellen in nicht-existente und doch überaus reale Welten stößt und damit so manche Frage aufwirft.

Also dann: „Die Grosse“ sollte auch schon für 2017 ihren festen Platz im persönlichen Kunstkalender erhalten! -MM

“Erika Kiffl – Fotografie – von Ai Weiwei bis Gerhard Richter”

“Erika Kiffl – Fotografie – von Ai Weiwei bis Gerhard Richter”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
7. August bis 18. Oktober 2015

Erika Kiffl porträtierte den inzwischen recht bekannten Chinesischen Künstler Ai Weiwei bereits 1995 in seinem Atelier
Erika Kiffl porträtierte den inzwischen recht bekannten Chinesischen Künstler Ai Weiwei bereits 1995 in seinem Atelier…

Nicht zum ersten Mal präsentiert das Museum Kunstpalast im kleinen Saal Fotografien der Rheinischen Kunstszene. Aktuell sind sie von Erika Kiffl, einer der führenden Fotografinnen der Deutschen Gegenwartskunst.

Zu sehen sind rund 100 Arbeiten, und diese fast ausschließlich in Schwarz-Weiß. Kiffl, die einst selber an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, ist ganz nah dran an ihren Motiven. Sie ermöglicht uns Betrachtern einen fast intimen Blick auf Arbeitswelt und Arbeitsweise der Künstlerinnen und Künstler, entstehen ihre Werke doch direkt am „Tatort“ der Kunst, meist in deren Atelier.

Von den Rheinländern sind z.B. Gerhard Hoehme, Gerhard Richter, Ulrike Rosenbach und Günther Uecker in der Ausstellung vertreten. Erika Kiffl war und ist jedoch auch international tätig. So begegnete sie auf zahlreichen Reisen in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts auch vielen zur damaligen Zeit nicht ganz unumstrittenen Künstlern – so z.B. Arnulf Rainer in Österreich und diversen (mir bislang absolut unbekannten) Protagonisten der Solidarność-Bewegung in Polen. Mitte der 90er knüpfte sie zudem Kontakte zur modernen Asiatischen Kunstszene. So porträtierte sie bereits 1995 Ai Weiwei, den hierzulande inzwischen wohl bekanntesten Vertreter der zeitgenössischen Chinesischen Kunst. Und die Kiffl-Fotografie des Werkes „Marco Polo“ von Nam June Paik auf der Biennale in Venedig aus dem Jahr 1993 gilt im Museum Kunstpalast sogar als „Kunstwerk des Monats Oktober“!

Fazit: Der eher spontane Abstecher in den kleinen Saal des Museums Kunstpalast als Zugabe zur Ausstellung „Ego Update – Die Zukunft der digitalen Identität“ im NRW-Forum hat sich auch dieses Mal wieder gelohnt! -AEK

„4 REAL & TRUE 2 – Wim Wenders. Landschaften. Photographien.“

„4 REAL & TRUE 2 – Wim Wenders. Landschaften. Photographien.“
Wim Wenders
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
18.4.2015-16.8.2015

Wim Wenders zum 75.! Das abgebildete Faltblättchen gibt's umsonst - der Eintritt kostet 12 Euro. Und die sind gut angelegt!
Wim Wenders zum 70.! Das abgebildete Faltblättchen gibt’s umsonst – der Eintritt kostet 12 Euro. Und die sind gut angelegt!

Wenders ist ein Reisender und ein Suchender. Einer, der Bilder erkennt, wenn sie sich vor ihm auftun. Atmosphärische Bilder, Stimmungen fängt er ein. Und überträgt sie dann auf den Betrachter. Das gelingt ihm immer wieder mit seinen Filmen – und ebenso mit seinen Fotografien, für mich gerade mit seinen Farbfotografien (und mir kommen große Namen wie William Eggleston und Joel Meyerowitz in den Kopf). Zum 70. Geburtstag des Regisseurs und Fotografen zeigt das Museum Kunstpalast eine in jeder Hinsicht sehenswerte Ausstellung. Fast 80 großformatige Bilder entführen den Besucher in Bildwelten, in denen man sich verlieren kann. Menschenleer. Michelangelo Antonioni, großer italienischer Regisseur, mit dem Wenders einst zusammenarbeiten durfte, fällt mir ein. Hier sollte man Zeit mitbringen, das lohnt sich. So wie Wenders-Filme stets ihren ganz eigenen Rhythmus finden, tut es auch den Fotos im Kunstpalast gut, sie in Ruhe wirken zu lassen. So fand ich die zum Teil wirklich lautstarken Führungen störend (warum nur muss alles in voller Lautstärke erklärt werden, wo doch die entsprechende Funktechnik mit „Knopf im Ohr“ für alle Teilnehmer vorhanden ist? Nervig.). Aber mit ein paar Ausweichmanövern haben sich dann immer wieder die stillen Momente eingestellt. Schön. Nachdenklich. Ein wenig melancholisch. Anschauen. -MM

„Aus der Reihe bewegt. Druckgraphik von Camille Graeser.“

„Aus der Reihe bewegt. Druckgraphik von Camille Graeser.“
Camille Graeser
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
18.4.2015 –  26.7.2015

Konkret relaxen: Die Liegestühle vor dem Museum Kunstpalast laden zur Pause vor dem Besuch der Graeser-Ausstellung
Konkret relaxen: Die Liegestühle vor dem Museum Kunstpalast laden zur Pause vor dem Besuch der Graeser-Ausstellung

Und wieder wird’s „konkret“! Dem Düsseldorfer Museum Kunstpalast wurde Mitte der neunzehnhundertachtziger Jahre der Großteil der Druckgrafik des „Zürcher Konkreten“ Camille Graeser vermacht. Und dieser kleine Schatz wird in der schönen Retrospektive nun endlich wieder gezeigt. Farbige Formen ordnen sich in den geometrisch-mathematischen Kompositionen. Und immer wieder tanzt das eine oder andere Element aus der Reihe, purzelt in vielen Arbeiten ein vorwitziges Quadrat heraus aus der straffen Gliederung seiner Kollegen. So spielt Camille Graeser durchgängig mit den scheinbar strengen Bildelementen. Und hat mich an vielen Stellen lächeln lassen. -MM