Schlagwort-Archiv: K20 – Kunstsammlung NRW

„Annie Albers“

Annie Albers
K20 – Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
09. Juni – 09. September 2018

Harte Schale, textiler Kern: Annie Albers im Düsseldorfer K20
Harte Schale, textiler Kern: Annie Albers im Düsseldorfer K20

Viel zu lange wurde eigentlich viel zu wenig über Annie Albers und ihre Arbeit geredet. Kurz vor dem 100jährigen Bauhaus Jubiläum kommt die große Retrospektive im K20 gerade recht, um hier ein wenig Abhilfe zu schaffen. Ganz im Sinne des Bauhaus-Gedankens hat Annie Albers Kunst und Handwerk, Schauobjekt und Gebrauchsgegenstand, Design und Lehre miteinander verknüpft. Zunächst tat sie das als Bauhaus-Studentin und (als Nachfolgerin Gunta Stölzls) Leiterin der Textilwerkstatt. Später dann, nach der durch die Nationalsozialisten veranlassten Schließung des Bauhauses, im Exil als Lehrende am Black Mountain College in den USA. Und sie kann für sich beanspruchen, das Weben als Kunstform der Moderne etabliert zu haben. Ihre gewebten abstrakten Bilder, aus denen sich textile Strukturen hervorarbeiten, lassen ahnen, wie intensiv sie sich mit Material und Technik, mit einer für textile Medien passenden Formensprache auseinandergesetzt hat. Und sie machen auch staunen darüber, wie faszinierend diese Kunst sein kann. Außerdem wird auch Annie Albers‘ Beitrag zum modernen Design gewürdigt, zeigt die Ausstellung doch nicht nur textile Bilder, sondern auch diverse Gebrauchs-Designs wie Textilmuster und Entwürfe. Albers „Idee des gewebten Fadens als Form einer universellen Sprache“ (so die Ausstellungsmacher) kann im K20 plastisch erlebt werden. Sehenswert. -MM

„Carmen Herrera: Lines of Sight“

Carmen Herrera: Lines of Sight
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
02. Dezember 2017 – 08. April 2018

Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20
Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20

Was gibt es doch für Geschichten! Da studiert eine junge Frau Architektur in Havanna, dann Malerei in News York, ist mit Barnett Newman befreundet, zieht nach Paris, kennt Sonia Delaunay, malt und konstruiert und malt… und wird über Jahrzehne hinweg von der Kunstwelt schlichtweg ignoriert. Aber sie macht weiter, malt und malt und malt. 1915 wurde Carmen Herrera in Havanna geboren. Und sie musste tatsächlich zunächst stolze 89 (neunundachtzig!) Jahre alt werden, bevor sie ihr erstes Bild verkaufte. Heute ist sie bereits 102, arbeitet noch immer in News York und gilt als eine der Pionierinnen der geometrischen Abstraktion in Amerika.

Die Ausstellung im Düsseldorfer K20 zeigt über 70 Arbeiten Herreras. Malerei, Grafik, Skulptur, die ältesten Werke von 1947, die jüngsten erst 2017 fertiggestellt. Und die Bilder und Skulpuren sind wirklich toll. Oft klar komponierte Farbflächen, meist nur aus zwei Farben bestehend, die mir ihre Signalstärke und Flächigkeit förmlich um die Ohren hauen. Welch eine Energie! Skulpturen, sogenannte „estructuras“, die wie dreidimensional gewordene Bilder aus der Wand wachsen. Und andere, freistehende Skulpturen, die erst heute durch ihre vollkommen plane Lackierung ihre volle Wirkung entfalten (war es Herrera doch offenbar ein Anliegen, den individuellen Pinselstrich aus ihren Arbeiten zu verbannen). Herrera zeigt mit ihrer scharfen Linienführung „klare Kante“, ist sich trotz des fast ein ganzes Leben andauernden „übersehen werdens“ treu geblieben – über so viele Jahre und Jahrzehnte. Wie schön ist es da, dass diese Künstlerin ihren späten Ruhm, ihre Anerkennung noch erleben darf. Und wier schön ist es, dass sie noch immer Werke von großer Kraft schafft. In der Ausstellung ist ein Video zu sehen, das Carmen Herrera bei der Arbeit zeigt. Das spricht Bände. Anschauen! -MM

„Otto Dix – Der böse Blick“

„Otto Dix – Der böse Blick“
K20 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
11.02 – 14.05.2017 -> verlängert bis zum 28.05.17

...und am Ende der Straße: Dix im K20
…und am Ende der Straße: Dix im K20

Viel treffender kann man eine Ausstellung wohl nicht betiteln. So böse, wie Otto Dix sich auf seinen Selbstporträts dreinschauen lässt, so böse schauen immer wieder die Menschen auf seinen Bildern. Da schaut einer mit bewusst bösem Blick, um hineinzuschauen ins menschliche Seelenleben, in Untiefen und Wunschträume, aber auch in die dreckige Wirklichkeit mit Lust und Schmutz und Krieg, Huren, Künstlern, verstümmelten Veteranen. Einer, der bewusst provozieren will. Und all dem kann man sich kaum entziehen. Wie ist es nur möglich, mit zartesten Aquarellfarben (ja: ein toller Aquarellist war er, der Herr Dix!) wildeste Deftigkeiten und grausamste Morde aufs Papier zu streichen? Und Ölgemälde, bei denen man sich fragt, ob man selber wohl gerne auch von Dix gemalt worden wäre, oder ob man eher Angst vor dem wahrscheinlich nicht vorteilhaften, aber doch treffenden Ergebnis hätte. Ein Ergebnis, das manches Mal sicher irgendwie entstellt, aber immer weit weg von der Karikatur ist. Nur vier Jahre verbrachte Dix in Düsseldorf, und genau dieser Zeit widmet sich die Ausstellung im K20. Das aber mit ungefähr 200 (!) Gemälden, Grafiken und Aquarellen. Eine beeindruckende Schaffenskraft, die da aufleuchtet. Überhaupt: Voller Kraft sind sie alle, diese gezeigten Werke. Oft auch voller Wut, voller Trauer und voller Krieg. Da reicht eigentlich ein einziges Wort aus: Beeindruckend. Wer es nicht nach Düsseldorf schafft: vom 23.6. bis zum 15.10.17 geht es in der Tate Liverpool weiter. -MM

„Andreas Gursky: nicht abstrakt“

Andreas Gursky: nicht abstrakt
Andreas Gursky
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
02.07. – 06.11.2016

Interviewheft Andreas Gursky / Marion Ackermann
Sonnige Landschaft: Das für einen Euro zu habende Interview von Marion Ackermann mit Andreas Gursky zeigt auf dem Titel die aktuelle Arbeit „Les Mées“ (2016)

Neue Gursky-Arbeiten in Düsseldorf – das ist für Foto-Liebhaber und Freunde der Düsseldorfer Schule natürlich ein Muss. Und durchaus eine lohnende Sache, werden im K20 doch einige Arbeiten zum ersten Mal überhaupt präsentiert, die zudem eigens für diese Ausstellung und die entsprechende Raumsituation erstellt wurden. (Abstrakte?) Tulpenfelder, weite Hügel, die von Solarpanels überzogen sind, Warenlager in riesigen Formaten und all das begleitet (das gab’s bei Gursky auch noch nie) von einer Soundinstallation des Kanadiers Richie Hawtin (eine schöne zusätzliche Ebene zu den Bildern). Auch das Konzept, neben einem reinen „Gursky-Saal“ noch verschiedene seiner Fotografien in die Sammlungsräume des K20 zu integrieren und sie mit ganz unterschiedlichen Werken anderer Künstler in Dialog treten zu lassen, hat mir gut gefallen. Einziger Wehrmutstropfen: Ich hätte mir mehr Fläche gewünscht. Die Ausstellung ist toll, aber überschaubar. Und der Gedanke, weitere Fotografien in den großen Sälen im K20-Erdgeschoss zu sehen, wäre doch wirklich zu verlockend gewesen. -MM

Agnes Martin

Agnes Martin
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
07.11.2015 – 06.03.2016

Künstlerin mit zartem Streifenfaible: Agnes Martin in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW
Künstlerin mit zartem Streifenfaible: Agnes Martin in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW

Eine große Retrospektive, die gleich vier bedeutende Museen in Europa und Amerika zeigen (werden) – und zwar für eine Künstlerin, die gar nicht so viele Menschen auf der Liste haben dürften: Agnes Martin. Die amerikanische Malerin beeindruckt durch ein umfassendes Werk (in der Ausstellung werden zirka 130 Arbeiten gezeigt) und auch durch ihr kontinuierliches Schaffen bis ins hohe Alter (Agnes Martin starb 2004 mit 92 Jahren). Mir selber gefallen einerseits besonders die minimalistisch anmutenden Gemälde, die pastellige, beinahe blasse horizontale Streifen zeigen und sehr vorsichtig, fast zärtlich das Spiel von Farbton und Fläche ausloten. Und andererseits haben mich die aus der Ferne fast monochrom wirkenden, großformatigen Gemälde beeindruckt, die sich dann beim Näherkommen, beim genauen Hinsehen als Kombinationen und Reihungen aus Rasterflächen, Punkten, Linien zu erkennen geben. An vielen Stellen der Ausstellung habe ich an Mark Rothko gedacht. Dessen Farbfelder kommen zwar grundsätzlich ganz anders daher, aber der Wunsch an die Betrachter, sich sehr direkt auf die Bilder einzulassen und sie auch emotional wirken zu lassen, scheint mir eine große Parallele.

Die Aufforderung, die Agnes Martin den Betrachtern ihrer Bilder mit auf den Weg gibt, mag ich dann auch gerne übernehmen: „Du gehst einfach hin und sitzt und schaust.“ Nun denn: Die Bilder sind da, Stühle bietet das K20 ebenfalls. Auf geht’s! -MM

 

“Miró. Malerei als Poesie”

 “Miró. Malerei als Poesie”
Jean Miró
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K 20
13. Juni bis 29. September 2015

Buchstabensalat an der Wand: der Eingang zur Miró-Ausstellung im K20
Buchstabensalat an der Wand: der Eingang zur Miró-Ausstellung im K20

Schon 2002 gab es mit „Schnecke Frau Blume Stern“ im Museum Kunstpalast eine große Jean Miró-Ausstellung in Düsseldorf. Damals präsentierte man einen umfassenden Überblick auf die – so heißt es – wohl kreativste Schaffensphase des katalanischen Künstlers, die 1920er und 1940er Jahre. In „Miró. Malerei als Poesie“ liegt der Fokus nun auf der Beziehung von Text und Bild in seinem Oeuvre.

Denn Miró war zeit seines Lebens nicht nur passionierter Kunstmaler, sondern auch leidenschaftlicher Leser klassischer Weltliteratur und zeitgenössischer Texte. Er selber verstand sich als „Malerdichter“ und nannte seine Gemälde, Zeichnungen und Lithographien mit den oft hieroglyphenartigen Figuren und chiffrenhaften Buchstaben und Ziffern „Bild-Geschichten“. Als Vorlage für deren Titel dienten ihm nicht selten konkrete Zitate aus Werken großer Literaten wie z.B. Johann Wolfgang von Goethe oder Jean Cocteau. Zudem war Miró mit einigen bedeutenden Schriftstellern seiner Zeit befreundet. Auch sie kreierten des Öfteren phantasievolle Bildtitel für seine Kunstwerke, arbeiteten aber vor allem gemeinsam mit Miró an aufwendig gestalteten „Malerbüchern“, in denen sich Text und Bild gleichberechtigt gegenüber stehen. Einige von ihnen sind nun in der Kunstsammlung zu bewundern.

Die gesamte Schau umfasst rund 110 Werke aus allen Schaffensphasen des – neben Pablo Picasso – wohl bekanntesten spanischen Künstlers. Ergänzt wird sie zudem durch zahlreiche Objekte aus Mirós privater Bibliothek. Für ihre Präsentation rekonstruierte man im K20 sogar Mirós Leseraum, der in dieser Form selbstverständlich auch von den Ausstellungsbesuchern genutzt werden kann.

Übrigens: Wer „mehr Miró“ wünscht, für den gibt es im Rahmen eines speziellen Begleitprogramms diverse Zusatzveranstaltungen, u.A. Expertenführungen und -vorträge oder gar zweitägige Kunstseminare innerhalb der Kursreihe „Meistersommer!“ Zudem kann natürlich auch ein ausführlicher Ausstellungskatalog (€ 29,90) erworben werden.

Zum Schluss noch ein Hinweis für all die, die im Anschluss an die Sonderschau einen Besuch der wirklich phantastischen Kunstsammlung des Landes Nordrhein-Westfalens geplant haben: Aufgrund eines Umbaus der gesamten ersten Etage kann aktuell (voraussichtlich bis Herbst 2015) nur ein Bruchteil der Kunstschätze allein in der zweiten Etage bewundert werden. Zudem ist der Zugang zum Atelier van Lieshout, dem pfiffig gestalteten Café des K20 mit Blick auf den Grabbeplatz, versperrt. Als Alternative steht hier jedoch ein Ersatzcafé im Foyer des Hauses zur Verfügung. -AEK

„Uecker“

Viel Papier: diverse Informationen zur Uecker Ausstellung
Viel Papier: diverse Informationen zur Uecker Ausstellung

“Uecker”
Günther Uecker – Malerei – Skulptur – Zeichnung

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K 20
07. Februar bis 10. Mai 2015

Endlich: Eine ausführliche Einzelausstellung zum umfangreichen Werk Günther Ueckers in seiner langjährigen Wahlheimat Düsseldorf! Denn der Umzug des 1930 in Wendorf/Mecklenburg geborenen Künstlers in die Westdeutsche Kunststadt erfolgte bereits vor 60 Jahren: 1955 begann Uecker ein Kunststudium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei dem von ihm verehrten Otto Pankow. Knapp 20 Jahre später, 1974, wird er dann selbst Professor an dieser Akademie: Er erhält den neu geschaffenen Lehrstuhl für Freie Kunst.

Im Erdgeschoss der Kunstsammlung am Grabbeplatz zu sehen sind viele bedeutende Werkblöcke des Künstlers aus unterschiedlichen Materialien, so z.B. Brief an Peking (19 großformatige Leintücher mit schriftlichen und malerische Zeichen), Verletzung des Menschen durch den Menschen (eine Papierarbeit bestehend aus einzeln gerahmten Blättern, beschrieben von Uecker mit 60 Wörtern), Terrororchester (eine Installation mit ca. 30 originellen Klangobjekten) und natürlich zahlreiche Nagelfelder – die Markenzeichen Ueckers bestehend aus mit Leinwand bespannten Holzträgern, Farbe und Nägeln. Auch eine Sandmühle konstruiert aus Sand, Holz, Seilen und einem Motor zieht im K 20 meditativ ihre Kreise. Und auch nach fast 50 Jahren noch top-aktuell nicht nur im Design: Ueckers Lichtregen, ein begehbares (!) Lichtobjekt bestehend aus an der Decke hängenden filigran wirkenden Aluminiumröhren mit Schlitzen auf unterschiedlichen Höhen, durch die das Licht in verschiedenen Richtungen scheint.

Neben der reinen Kunst präsentiert die Ausstellung auch die umfangreiche Dokumentation zu Ueckers Werk. An verschiedenen „Inseln“ erhält der Besucher die Möglichkeit, zahlreiche Film- und Zeitungsausschnitte in Ruhe zu studieren. Wer noch mehr Zeit und Muße hat, der kann sich auch in einem Kino-Raum sieben verschiedene Filme über das Leben und Schaffen des Künstlers anschauen.

Im „Labor“ des K 20 gibt es schließlich basierend auf einem Konzept Günther Ueckers parallel zur Ausstellung für alle Museumsbesucher die Möglichkeit, mit den Materialien Papier und Graphitstift persönliche „Briefe an einen Unbekannten“ zu verfassen! Veröffentlicht werden diese Werke dann durch eine simple Hängung an den zahlreichen im Raum gespannten Wäscheleinen mit Hilfe von Wäscheklammern.

Eine wahrlich pfiffige Idee: Neben einer Sonderausgabe der „Uecker-Zeitung“ erhält man am Eingang eine Art „Schnellhefter“, in dem man zu den einzelnen Werkkomplexen aushängende Informationen zum persönlichen „Minikatalog“ im handlichen DIN A 4-Format zusammenstellen kann. Wer dazu keine Lust hat: Keine Angst! Den ausführlichen, hochwertigen Ausstellungskatalog gibt es für € 36,00 als Museumsausgabe.

Und wer sich ganz besonders verwöhnen möchte, der hat direkt vor Ort die Möglichkeit, die eigens von Günther Uecker für diese Ausstellung angefertigte Edition „Handlungen“, 2014 zu erstehen – eine signierte und nummerierte Original-Lithographie von 1 Stein (schwarz) in einer Auflage von 100/10 e.a./10 h.c. -AEK