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„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Bilder ohne Schatten“

Bilder ohne Schatten
Eine Auswahl aus der Sammlung Kemp
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
25. März – 17. Juli 2018

Foto nicht ganz ohne Schatten: "Bilder ohne Schatten" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast
Foto nicht ganz ohne Schatten: „Bilder ohne Schatten“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast

Knapp 30 Kunstwerke aus der Sammlung Kemp zeigt das Museum Kunstpalast in seinem  Ausstellungssaal im Erdgeschoss. Und immer, wenn etwas aus dem 2011 dem Kunstpalast gestifteten umfangreichen Fundus Willi Kemps präsentiert wird, lohnt sich ein Besuch.

Kemps sammelte, was in der zeitgenössichen Kunst Rang und Namen hat. Und so findet sich denn auch bei all den „schattenlosen“ Werken das who-is-who der Szene: Von Otto Piene bis K.O. Goetz, von Gotthardt Graubner bis Ulrich Erben. Ihnen allen gemein ist nicht nur, dass die gezeigten Bilder keine Schatten haben. Vielmehr haben sie keine Schatten, weil sie nicht abbilden, sondern für sich selbst stehen. Monochrome Malerei, konkrete Kunst, Hard Edge, Informel – all das ist hier zu finden. Eine schöne Schau, die definitiv einen Abstecher lohnt. -MM

„Leeds Art Gallery“

Leeds Art Gallery„, Leeds
…seit dem 13. Oktober 2017

Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery
Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery

Nach langer Schließung und intensiver Restaurierung des viktorianischen Glasdaches heißt es in West-Yorkshires Metropole Leeds nun „We’re Back!“. Die Leeds Art Gallery ist wieder geöffnet, und ganz ohne Eintritt zahlen zu müssen darf man sich Kunst, Architektur und neuem Dach hingeben. Letzteres ist überigens wirklich toll geworden – die große Glasdecke im Viktorianischen Central Court beeindruckt. Und auch sonst macht der Besuch große Freude. In einem Teil des Erdgeschosses findet sich die Ausstelleung „Artist Rooms – Joseph Beuys„, die eine kompakte Einführung in Beuys‘ Leben und Werk gibt und Skulpturen, Zeichnungen und Multiples von den 50er bis in die 80er Jahre bietet. Die Ausstellung „Shelter from the Storm“ liefert einen umfassenden Überblick zum Schaffen des Künstlers John Sell Cotman, der als einer der wichtigsten Aquarellisten des 19. Jahrhunderts gilt (beide zu sehen vom 13. Oktober bis zum 21. Januar 2018). Ansonsten ist unter anderem eine wunderbare Auswahl von Werken aus der hauseigenen Sammlung zu finden. Und – ein echter Hingucker – im großzügigen Treppenaufgang eine große neue Wandmalerei des deutschen Künstlers Lothar Götz, die mit ihren bunten geometrischen Formen als Gegensatz zur Viktorianischen Gebäudearchitektur in ihren Bann zieht.  Kurz und gut: Wer in Leeds ist, sollte auf jeden Fall in die Art Gallery hereinschauen! -MM