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„Emil Schumacher – Inspiration und Widerstand“

Emil Schumacher – Inspiration und Widerstand
Museum Küppersmühle, Duisburg
15. November 2018 – 10.März 2019

nformeller Innenhafen - Emil Schumacher im Museum Küppersmühle
Informeller Innenhafen – Emil Schumacher im Museum Küppersmühle

Emil Schumacher im Museum Küppersmühle. Wie wunderbar! Gut 80 Arbeiten aus 5 Jahrzehnten und ein echtes Erlebnis! Im Foyer begrüßt uns eine riesenhafte Fotografie des Ateliers von Emil Schumacher. Vor vielen Jahren hatten wir tatsächlich die Möglichkeit, dieses Atelier (als es noch am ursprünglichen Ort existierte) mit Schumachers Sohn Ulrich zu besuchen – und die Erinnerung ist sofort wieder da: Farbe über Farbe, Dosen, Tuben, Pinsel, Quaste, Stöcke, einfach alles. Zentimerterdicke Farbschichten wuchern über eine Staffelei, fast ein eigenes Kunstwerk. Und irgendwie stömt Informel aus allen Ecken.

Und das gilt auch für die Duisburger Ausstellung. Hinter dem Atelier-Foto startet sie mit Werken aus den 50er Jahren – noch deutlich weniger abstrakt – und führt bis zum letzten Bild aus dem Jahr 1999. Das tolle an den Arbeiten Emil Schumachers ist für mich immer wieder, dass jedes einzelne Werk unglaublich kraftvoll von seiner eigenen Entstehungsgeschichte erzählt. Da werden dickste Farbschichten auf den Untergrund geworfen, gerakelt und geritzt, geschrundet, Lack und Asphalt genutzt, es wird ausgekratzt, Stein, Asche, alles eingesetzt, wieder zerstört, zerhämmert … Bis sich dann schließlich aus all dem ein atemberaubendes Bild herausschält.

Eine tolle Retrospektive, deren Besuch sich allemal lohnt. Auch zu empfehlen: Der schön gemachte Katalog aus dem Wienand Verlag (im Museum 25,- Euro), der die Ausstellung nochmals Revue passieren lässt und zeigt, warum Emil Schumacher einer der wichtigsten Deutschen Nachkriegskünstler ist. Wer den Besuch bis März nächsten Jahres nicht schafft: Das wunderbare Emil Schumacher Museum in Hagen ist ebenfalls immer einen Besuch wert. Und dort findet man durchgehend reichlich Arbeiten von ihm (und übrigens auch das dort in Teilen nachgebildete Atelier!) -MM

“Auf dem Weg zur Avantgarde – Die Künstlergruppe junger westen“

Auf dem Weg zur Avantgarde – Die Künstlergruppe junger westen“
Kunsthalle Recklinghausen
07. Mai bis 13. August 2017

Moderne Kunst im alten Bunker: Die renovierte Kunsthalle Recklinghausen zelebriert den "jungen westen".
Moderne Kunst im alten Bunker: Die renovierte Kunsthalle Recklinghausen zelebriert den „jungen westen“.

Wer hätte das gedacht? Glaubt man dem Ausstellungsfleyer hatte bei der Gründung der Künstlergruppe „junger westen“ vor nunmehr 70 Jahren kein geringerer als der Bottroper Bauhausmeister Josef Albers die Finger im Spiel! Inspirierte er doch seinen Freund, den späteren Recklinghäuser Kunsthallendirektor Franz Große-Perdekamp, bereits 2 Jahre nach Kriegsende zu einer Aufsehen erregenden Kunstausstellung in ungewöhnlichen Räumlichkeiten: Große-Perdekamp präsentierte die für die damalige Zeit äußerst experimentell und unkonservativ wirkenden Werke der Ruhrgebietler Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Ernst Herrmann, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann und Hans Werdehausen origineller Weise mitten am Recklinghäuser Markt in der mangels Angebot leeren Lebensmitteletage des Kaufhauses Althoff  – das Vestische Museum der Stadt inklusive seiner Bestände waren bereits 1944 einem Luftangriff zum Opfer gefallen.

Zum siebzigsten Gründungsjubiläum der Gruppe erinnern heuer nicht weniger als sechs RuhrKunstMuseen in diversen Ausstellungen und Veranstaltungen an die sechs Kunstpioniere der Deutschen Nachkriegszeit. Der Schwerpunkt der Kunsthalle Recklinghausen liegt dabei mit Exponaten aus der Zeit von 1947 bis 1962 stark auf der Metamorphose vom bildnerisch Gegenständlichen zum Abstrakten.

Besonders gefallen mir die für Gustav Deppe typischen Industrielandschaften mit modernen Hochspannungsmasten, Kränen und Fabriktürmen. Aber auch die meist kubistisch anmutenden Arbeiten Heinrich Siepmanns. Ebenfalls spannend: die filigranen Objekte Ernst Hermanns (anfassen wie immer verboten!). Und – wen wundert´s – natürlich die immer informeller werdenden Werke des jungen Emil Schumachers! (Kleiner Tipp: bedeutend mehr Schumacher zeigt das Emil Schumacher Museum in Hagen!) Zudem gibt es in Recklinghausen Kunst von mit der Gruppe befreundeten Künstlern – Emil Cimiotti, K. O. Götz, Georg Meistermann und HAP Grieshaber.

Ein weiteres Bonbon dieser Ausstellung: Zur Kunst gibt es noch zahlreiche dokumentarische Fotografien und einen längeren „historischen“ Fernsehbeitrag (unbedingt ansehen – ein echtes Zeitzeugnis!).

Ach ja, für all diejenigen, die es noch nicht wissen… Auch heute noch lieben es die Recklinghäuser Kunstkonsumenten avantgardistisch: Die Kunsthalle Recklinghausen ist seit 1950 in einem ehemaligen Hochbunker schräg gegenüber dem Hauptbahnhof beherbergt. Aber keine Angst! Die Räumlichkeiten haben durch diverse Um- und Anbauten ihren Schrecken, jedoch nicht an architektonischem Reiz verloren. AEK