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„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Bilder ohne Schatten“

Bilder ohne Schatten
Eine Auswahl aus der Sammlung Kemp
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
25. März – 17. Juli 2018

Foto nicht ganz ohne Schatten: "Bilder ohne Schatten" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast
Foto nicht ganz ohne Schatten: „Bilder ohne Schatten“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast

Knapp 30 Kunstwerke aus der Sammlung Kemp zeigt das Museum Kunstpalast in seinem  Ausstellungssaal im Erdgeschoss. Und immer, wenn etwas aus dem 2011 dem Kunstpalast gestifteten umfangreichen Fundus Willi Kemps präsentiert wird, lohnt sich ein Besuch.

Kemps sammelte, was in der zeitgenössichen Kunst Rang und Namen hat. Und so findet sich denn auch bei all den „schattenlosen“ Werken das who-is-who der Szene: Von Otto Piene bis K.O. Goetz, von Gotthardt Graubner bis Ulrich Erben. Ihnen allen gemein ist nicht nur, dass die gezeigten Bilder keine Schatten haben. Vielmehr haben sie keine Schatten, weil sie nicht abbilden, sondern für sich selbst stehen. Monochrome Malerei, konkrete Kunst, Hard Edge, Informel – all das ist hier zu finden. Eine schöne Schau, die definitiv einen Abstecher lohnt. -MM

„Taten des Lichts – Mack & Goethe“

Taten des Lichts – Mack & Goethe
Goethe-Museum, Düsseldorf
04. März bis 27. Mai 2018

Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.
Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.

„Taten des Lichts – Mack und Goethe“: das ist der Titel der aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer „Schloß Jägerhof“ – vielen auch bekannt unter dem einprägsamen Namen „Goethe-Museum“. Beherbergt das stattliche Rokoko-Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts doch schon seit mehr als 70 Jahren die immense Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs, seines Zeichen Leiter und Inhaber des Insel-Verlages zu Leipzig, als da sind: ca. 5000 Handschriften, Gemälde, graphische Blätter, Büsten, Medaillen und Münzen nebst einer immensen Bibliothek bestehend aus rund 17000 Büchern und 3000 Musikalien (= Notenblätter) aus der Goethe-Zeit. Und natürlich ein Sammelsurium an optischen Geräten, die Goethe zur Untersuchung seines Steckenpferdes benutzt, der Farbenlehre.
Womit wir wieder beim eigentlichen Thema dieses Beitrages sind: den „Taten des Lichts“.
Denn: der große Dichterfürst beschäftigte sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit einer Vielfalt an Farberscheinungen und veröffentlichte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Artikel zur Disziplin „Optik“, Anfang des 19. Jahrhunderts sogar eine umfangreiche Schrift von mehr als 1600 Seiten mit dem Titel „Zur Farbenlehre“ . Goethe unterschied bei seinen wissenschaftlichen Beobachtungen generell zwischen „physiologischen“, „physischen“ und „chemischen“ Farben. Sein Interesse galt beispielsweise sowohl bestimmten Aspekten des menschlichen Sehens wie farbigen Nachbildern, dem Hell-Dunkel-Kontrast, dem Simultan-Kontrast als auch der Ursache für Fehlsichtigkeiten wie z.B. die der Farbenblindheit. Er untersuchte unter dem Aspekt „Farbe“ die Naturerscheinungen Morgenröte, Abendröte, das Himmelsblau, das Mondlicht, interessierte sich aber auch für die Farbigkeit von Seifenblasen und Schatten. Goethe  beschrieb die farbige Erscheinung einiger chemischer Verbindungen und referierte auch über das Prinzip des Färbens und des Bleichens; zudem beschäftigte er sich mit der Farbigkeit von Flora und Fauna, kommentierte aber auch das reale Mischen von Künstlerfarben.
Alles in allem Themen, die auch heute noch viele moderne Künstler interessieren und faszinieren dürften!
So auch einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer und Maler, den Mitbegründer der renommierten Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack. Auch er befaßte sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen Licht und Farbe – sei es im Zusammenhang mit seinen wundervollen Lichtreliefs, seinen gigantischen Licht-Installationen in der Wüste oder aber in seinen chromatischen Bildern und Grafiken. So heißt es auf Macks Internetseite, der Künstler begreife „Farbe als Licht und Licht als Farbe“ (s.a. Beitrag „Licht Schatten“ an anderer Stelle in diesem Blog).
„Taten des Lichts – Mack und Goethe“ im Goethe-Museum bietet nun bis Mitte Mai diesen Jahres die Gelegenheit, die auf 8 Räume des Hauses verteilten Arbeiten der beiden außergewöhnlichen „Lichtkünstler“ auf einen Schlag zu sehen und miteinander in Bezug zu bringen. Im Ausstellungsflyer wirbt man z.B. mit einer einer „vielschichtige(n) Begegnung zwischen Klassik und Moderne“.
Auf mich persönlich – einem Fan von klaren Formen und Strukturen – wirkt die Präsentation der Werke leider ein wenig „strubbelig“, erinnert sie mich doch spontan an eine „Petersburger Hängung“, bei der in meinen Augen besonders die meist überaus farbigen Werke Macks in der holzdominierten Wohnzimmeratmosphäre des Schlosses Jägerhof deutlich an Brillanz verlieren. Aber das ist ja eine reine Geschmacksache und hat nur mittelbar mit der Qualität der gezeigten Exponate zu tun. -AEK

„Pizza is God“

„Pizza is God“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl...
Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl…

Nun denn: die Pizza hat ihre erste hochoffizielle eigene Kunstausstellung. Zusammengetragen wurden Werke unzähliger Künstler, die sich allesamt mit dem schmackhaften Teigfladen beschäftigen. Und ja: Nahrung und essen an sich sind natürlich nicht erst seit gestern wichtiges Sujet der Kunst. Und da die Pizza mittlerweile in die Liste der immateriellen Güter des Weltkulturerbes ausgenommen wurde, bot sie sich wohl besonders an fürs Rampenlicht. „Was macht die Faszination der Pizza aus?“ – so fragt die Website zur Ausstellung, die „die kulturelle Bedeutung und ikonische Kraft der Pizza“ untersuchen will. Ein Schelm, wer beim Lesen dieser Zeilen nicht wenigstens ein bisschen grinsen muss. Durchaus haben mir einige Werke in der Ausstellung gefallen. Und die Beziehung zur Pizza hat in jedem einzelnen Sinn gemacht. Aber ich gebe zu: Die Pizza als sinnstiftendes und verbindendes Element für eine Kunstausstellung scheint mir… gewagt. Aber Kunst muss ja auch Spaß machen, und das funktioniert ganz sicher nicht schlecht zwischen Teig und Lieferkarton. Und ich wage jetzt auch mal was: Ich schlage den Burger, vielleicht in einer Doppelausstellung mit dem Hot Dog vor. Obwohl ich Pizza eigentlich lieber mag. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. –MM

„Herlinde Koelbl“

„Herlinde Koelbl“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Koelbl "unterm Dach rechts" - eine große Fotografin mit einer etwas zu kleinen Ausstellung im NRW Forum
Koelbl „unterm Dach rechts“ – eine große Fotografin mit einer etwas zu kleinen Ausstellung im NRW Forum

Der Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V. hat Herlinde Koelbl in die „BFF-Hall of Fame“ aufgenommen. Keine Frage: Da gehört sie auch hin. Besonders bekannt für ihre fotografischen Langzeitstudien (zum Beispiel von Angela Merkel und weiteren Politikern und Wirtschaftsführern, die sie in ihrem wunderbaren Zyklus „Spuren der Macht“ portraitierte), hat es Koelbl in all ihren Bildern stets verstanden, Geschichten zu erzählen. Die Fotos faszinieren, seien es die Gegenüberstellungen von Menschen in ihrer Privat- und Arbeitskluft („Kleider machen Leute“), die intime Nähe in der Serie „Haare“ oder aber die „Targets“, meist Menschen nachempfundene Ziele für militärische Schießübungen auf der ganzen Welt.

Zum Anlass der Aufnahme in die Hall of Fame also wird Koelbl eine Ausstellung im NRW Forum ausgerichtet. Und von allen wesentlichen Serien ihrer Arbeit sind Teile zu sehen. Das reicht für einen ersten Überblick, und doch wird die Ausstellung Herlinde Koelbl aus meiner Sicht nicht gerecht. Zu dicht gehängt, zu viel auf zu kleinem Raum gewollt. Das ist Schade. Verdient hätte sie einen, wenn nicht gleich beide große Gebäudeflügel im Erdgeschoss des NRW Forums. Denn Koelbl ist sowohl Chronistin, einfühlsame Beobachterin, Fragestellerin und Bildkünstlerin. Eine große Fotografin. –MM

„Louise Dahl-Wolfe: A Style of her Own“

„Louise Dahl-Wolfe: A Style of her Own“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Feine Fotografie im Forum: Louise Dahl-Wolfe mit Modefotos
Feine Fotografie im Forum: Louise Dahl-Wolfe mit Modefotos

Mehr als 100 Fotografien der Modefoto-Pionierin Louise Dahl-Wolfe zeigt das NRW-Forum in einer umfassenden Retrospektive. Großer Unterschied zur Modefotografie ihrer Zeitgenossen: Dahl-Wolfe mochte es „à plein air“, sie führte Ihre Modelle nach draußen, arbeitete unter freiem Himmel und mit natürlichem Licht. Das hat nicht nur eine eigene Ästhetik, sondern bringt plötzlich auch eine andere Art von Natürlichkeit aufs Fotopapier. Unterstrichen wird das noch, weil die abgebildeten Frauen so gar nicht in Heim- und Herd-Klischees passen, sondern selbständig daherkommen, unterwegs sind, Unabhängigkeit ausstrahlen. All das natürlich in hochprofessionellen, fein austarierten Bildkompositionen. Für Freunde der Modefotografie ein Muss. –MM

„Carmen Herrera: Lines of Sight“

Carmen Herrera: Lines of Sight
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
02. Dezember 2017 – 08. April 2018

Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20
Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20

Was gibt es doch für Geschichten! Da studiert eine junge Frau Architektur in Havanna, dann Malerei in News York, ist mit Barnett Newman befreundet, zieht nach Paris, kennt Sonia Delaunay, malt und konstruiert und malt… und wird über Jahrzehne hinweg von der Kunstwelt schlichtweg ignoriert. Aber sie macht weiter, malt und malt und malt. 1915 wurde Carmen Herrera in Havanna geboren. Und sie musste tatsächlich zunächst stolze 89 (neunundachtzig!) Jahre alt werden, bevor sie ihr erstes Bild verkaufte. Heute ist sie bereits 102, arbeitet noch immer in News York und gilt als eine der Pionierinnen der geometrischen Abstraktion in Amerika.

Die Ausstellung im Düsseldorfer K20 zeigt über 70 Arbeiten Herreras. Malerei, Grafik, Skulptur, die ältesten Werke von 1947, die jüngsten erst 2017 fertiggestellt. Und die Bilder und Skulpuren sind wirklich toll. Oft klar komponierte Farbflächen, meist nur aus zwei Farben bestehend, die mir ihre Signalstärke und Flächigkeit förmlich um die Ohren hauen. Welch eine Energie! Skulpturen, sogenannte „estructuras“, die wie dreidimensional gewordene Bilder aus der Wand wachsen. Und andere, freistehende Skulpturen, die erst heute durch ihre vollkommen plane Lackierung ihre volle Wirkung entfalten (war es Herrera doch offenbar ein Anliegen, den individuellen Pinselstrich aus ihren Arbeiten zu verbannen). Herrera zeigt mit ihrer scharfen Linienführung „klare Kante“, ist sich trotz des fast ein ganzes Leben andauernden „übersehen werdens“ treu geblieben – über so viele Jahre und Jahrzehnte. Wie schön ist es da, dass diese Künstlerin ihren späten Ruhm, ihre Anerkennung noch erleben darf. Und wier schön ist es, dass sie noch immer Werke von großer Kraft schafft. In der Ausstellung ist ein Video zu sehen, das Carmen Herrera bei der Arbeit zeigt. Das spricht Bände. Anschauen! -MM

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK

„Axel Hütte. Night and Day.“

Axel Hütte. Night and Day.
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
23. September 2017 – 14. Januar 2018

Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König
Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König

Auf geht’s zum zweiten Teil Axel Hütte! Über die „Frühwerk“ Ausstellung im Bottroper Quadrat haben wir schon hier im Blog berichtet. Unter dem Titel „Night and Day“ sind parallel im Düsseldorfer Kunstpalast Hütte-Arbeiten von Mitte der 90er Jahre bis heute zu entdecken. Über 70 großformatige Aufnahmen seit 1995 zeigt die Ausstellung, und das ist wirklich beeindruckend (keine Frage: die monumentalen Formate tragen ihren Teil dazu bei). Verdichtete Naturaufnahmen aus Brasilien und Venezuela, in denen sich ein Dschungel als eine Art Wimmelbild anbietet, aus dem sich hunderte von Details langsam ins Bewusstsein arbeiten, so man sich denn etwas Zeit dafür nimmt. Nachtaufnahmen, die internationale Metropolen innehalten lassen, nebelumhüllte Wälder, Stille, Einsamkeit. Und alles stets eingefangen von genau gewählten ungewöhnlichen Standpunkten, die mich als Betrachter leicht verunsichern. Dann wieder strenge Kompositionen in riesigen Formaten wie beispielsweise die rautenförmige Struktur in „Seattle Library-2, USA“ oder die verschiedenen Bilder von Brückenkonstruktionen in Japan, Australien oder auch Deutschland. Und dann sind da noch Arbeiten aus der Antarktis, ganz neu, erst 2017 entstanden. Im tiefblauen „Paradise Bay, Antarctic, 2017“ bin ich lange versunken. Ein bisschen wie die „Seascapes“ von Hiroshi Sugimoto. Nur mit Eis. Stark. -MM

„Gute Aussichten 2017/18. Junge Deutsche Fotografie.“

Gute Aussichten 2017/18. Junge Deutsche Fotografie.
NRW-Forum, Düsseldorf
24. November 2017 – 4. Februar 2018

Gute Aussichten 2017/18: Blick in die Ausstellung, im Hintergrund "Places of Disquiet" von Ricardo Nunes
Gute Aussichten 2017/18: Blick in die Ausstellung, im Hintergrund „Places of Disquiet“ von Ricardo Nunes

Es ist wieder soweit: Die „Guten Aussichten“ sind da. Seit vielen (nunmehr 14!) Jahren der Top-Wettbewerb für junge deutsche Fotografie, findet die Auftaktausstellung nun zum zweiten Mal im NRW-Forum Düsseldorf statt. Die gewohnt hochkarätige Jury (diesmal gibt sich zum Beispiel auch Becher-Schüler Boris Becker die Ehre) hat ganze Arbeit geleistet: Über 200 Motive von acht Fotografinnen und Fotografen haben es in die Ausstellung geschafft. Und wie immer lohnt der Weg. Spannende Ansätze, mannigfaltige Ideen und ungewöhnliche Umsetzungen zeigen, was aktuell in der jungen Szene passiert. Und die PreisträgerInnen sollen hier auch genannt sein: Janosch Boerckel, Stephan Bögel, Alba Frenzel, Laura Giesdorf, Ricardo Nunes, Alexandra Polina, Julian Slagman und Rie Yamada. Alle Informationen zu den einzelnen Ausgezeichneten können zudem prima im Web auf der Seite www.guteaussichten.org recherchiert werden. Eine Extra-Erwähnung soll aber noch Ricardo Nunes mit seiner Arbeit „Places of Discquiet“ bekommen. Nunes fotografiert Vorstädte in Portugal, der Heimat seiner Eltern, die er schon als Kind immer wieder besuchte. Stadtlandschaften, Massenarchitekturen, Betonberge, gleichförmige Fenster und serielle Balkone in formalen Bildkompositionen. Und all das in ein Licht getaucht, das in seiner Intensität dem Betrachter die verlassen wirkende Szenerie förmlich um die Ohren haut. Harte Schatten. „Die Einsamkeit, die mich in Portugal überfällt, hat nichts Friedliches,“ sagt Nunes selber. Aber sehen Sie am besten selbst: Bis zum 4. Februar in Düsseldorf, danach an vielen Orten auf der Welt, z.B. in Hamburg, Hanoi, Nicosia, Mexico City, Koblenz… -MM