Schlagwort-Archiv: Bucerius Kunst Forum

“Anton Corbijn. The Living and the Dead“

Anton Corbijn. The Living and the Dead
Bucerius Kunst Forum, Hamburg
07.06.2018 – 06.01.2019

Reingeschaut: Aus dem Foyer des Bucerius Kunst Forum blinzelt Sinhead O'Connor von Anton Corbijns Fotografie zurück...
Reingeschaut: Aus dem Foyer des Bucerius Kunst Forum blinzelt Sinhead O’Connor von Anton Corbijns Fotografie zurück…

Seit mehr als 15 Jahren schon gehört das Bucerius Kunst Forum am Rathausmarkt für uns fest zur Hamburger Kunstmeile und ist somit neben der Kunsthalle, dem Museum für Kunst und Gewerbe und den Deichtorhallen ein gern besuchtes Ziel im Rahmen unserer regelmäßigen Städtetouren durch Hamburg.
Bei unserem diesjährigen Besuch in der Adventszeit hatten wir das Vergnügen, zahlreiche Stars der Musikszene bestaunen zu können. Denn die Ausstellung „The Living and the Dead“ des Niederländischen Fotografen und Filmregisseurs Anton Corbijn zeigt vor allem fantastische Portraits berühmter Musiker, aber auch anderer Prominenter wie z.B. Schauspieler, bildende Künstler, Modeschöpfer und Models.
So begegnet uns z.B. das „who is who“ der Musikwelt der letzten 40 Jahre. Ob Klassik oder Pop, ob Rock oder Independent: Anton Corbijn hat sie anscheinenden alle vor dem Objektiv gehabt. Darunter auch viele meiner absoluten Favoriten wie z.B. David Bowie, Nick Cave, Blixa Bargeld, John Cale (dessen Konzert in der Elbphilharmonie am Abend des 07.12.18 übrigens großartig war!), Björk sowie die Urbesetzung von Kraftwerk. Und natürlich Joy Division, über deren legendären Sänger Ian Curtis (1956 -1980) Corbijn im Jahre 2007 seinen ersten Spielfilm „Control“ drehte (ein absolutes Muß nicht nur für Joy Division Fans!). Für mich das Besondere an Corbijns Fotografien: Man ist als Betrachter „ganz nah“ dran. Die Celebrities wirken natürlich, eher wie zufällig in den Fokus gerückt denn aufwendig inszeniert.

Einen kleinen Einblick in Corbijns hervorragende Art zu arbeiten – nicht nur in Hinblick auf sein fotografisches Werk, sondern auch bei den von ihm entworfenen Plattencovern und Musikvideos – erhält man in einem die Ausstellung begleitenden Dokumentarfilm mit diversen Ikonen der Musikszene wie z.B. Martin Gore (Depeche Mode), Bono (U2) und Herbert Grönemeyer (unbedingt ansehen – es lohnt sich!)

Witzig, aber darum künstlerisch nicht weniger wertvoll wirkt auf mich die in der zweiten Etage ausgestellte Serie „a.somebody, 2001- 2002“. Die Selbstportraits zeigen Corbijn recht perfekt gestylt als Musikeridole seiner Jugend. So verkörpert er z.B. Janis Joplin, George Harrison, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Freddy Mercuri, Bob Marley und John Lennon.

Etwas ernster hingegen kommt „Cemeteries, 1982 – 1983“ rüber, eine frühe Serie Cobijns, für die er Grabmonumente auf Friedhöfen Österreichs, Norditaliens und Südfrankreichs fotografierte. Allesamt Cobijn-Kunstwerke mal ohne Personen oder gar Persönlichkeiten.

Kurz: Anton Corbijn zählt für mich zu den großen zeitgenössischen Fotografen (und Filmregisseuren) und ist deutlich mehr als „nur“ ein Musik-Fotograf. – AEK