Schlagwort-Archiv: Albers

„Josef Albers. Interaction“

„Josef Albers. Interaction“
Villa Hügel, Essen
16. Juni bis 7. Oktober 2018

Quadratisch, praktisch? Auf jeden Fall: gut! Die große Josef Albers Retrospektive in Essen.
Quadratisch, praktisch? Auf jeden Fall: gut! Die große Josef Albers Retrospektive in Essen.

Hoch über dem Essener Ruhrtal thront die Villa Hügel mitten in ihrem 28 Hektar großen Park. Bis 1945 war sie mit 269 Räumen nicht ganz kleines Wohnhaus der Familie Krupp und repräsentationsmäßig hochgerüsteter Empfangsplatz der Industriellen-Dynastie. Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen finden seit 1953 statt. Heute gehört das beeindruckende Areal der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Und die zeigt jetzt, anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens, in Kooperation mit dem Bottroper Josef Albers Museum Quadrat eine große Josef Albers-Retrospektive.

Startend mit seiner Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau schlägt die Schau einen großen Bogen in die USA, wohin Josef und seine Frau (und fantastische Künstlerin – siehe den Bericht über ihre Ausstellung im K20) Annie Albers 1933 emigrierten, nachdem die Nazis für die Schließung des Bauhaus‘ gesorgt hatten.

Und da hängen sie nun, die vielen wunderbaren Quadrate, aber auch andere Albers-Bilder. Werke eines Künstlers, der Fläche, Raum, aber vor allem die Farbe selber und ihre Wechselwirkungen in unverwechselbarer Art untersucht, der „Farbe denken“ wollte und in seiner Serie „Hommage to the Square“ mit über 2000 Bildern immer wieder zeigt, wie Farben sich gegenseitig beeinflussen. Minimalistisch, seriell. Und das im Interieur der Villa Hügel, die sich trotz ihrer bürgerlichen Wurzeln eher wie ein spätes Schloss gibt. Welch ein Kontrast!

Mehr als 130 Arbeiten zeigt die Ausstellung und gibt einen umfangreichen Einblick in das vielfältige Schaffen Josef Albers‘. „Interaction“ lässt verstehen, welchen künstlerischen Einfluss er hatte (zum Beispiel auf die Minimal Art) – nicht zuletzt auch durch seine Lehrtätigkeit, denn der frühere Bauhaus-Meister leitete in den USA die Design Abteilung an der Yale University in New Haven. Alles in allem eine wirklich spannend kuratierte Schau, die neben vielen im Bottroper „Quadrat“ (immer einen Besuch wert!) beheimateten Arbeiten auch eine große Anzahl Werke zeigt, die sonst nur in den USA zu sehen sind. Das ist sehenswert. Und wer Josef Albers‘ Credo „sehen lernen“ noch besser verstehen will, dem sei die in allen Buchhandlungen bestellbare DVD „To Open Eyes“ anempfohlen, die Albers in Interviews und live als Lehrer zeigt. Spannend. -MM

„Annie Albers“

Annie Albers
K20 – Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
09. Juni – 09. September 2018

Harte Schale, textiler Kern: Annie Albers im Düsseldorfer K20
Harte Schale, textiler Kern: Annie Albers im Düsseldorfer K20

Viel zu lange wurde eigentlich viel zu wenig über Annie Albers und ihre Arbeit geredet. Kurz vor dem 100jährigen Bauhaus Jubiläum kommt die große Retrospektive im K20 gerade recht, um hier ein wenig Abhilfe zu schaffen. Ganz im Sinne des Bauhaus-Gedankens hat Annie Albers Kunst und Handwerk, Schauobjekt und Gebrauchsgegenstand, Design und Lehre miteinander verknüpft. Zunächst tat sie das als Bauhaus-Studentin und (als Nachfolgerin Gunta Stölzls) Leiterin der Textilwerkstatt. Später dann, nach der durch die Nationalsozialisten veranlassten Schließung des Bauhauses, im Exil als Lehrende am Black Mountain College in den USA. Und sie kann für sich beanspruchen, das Weben als Kunstform der Moderne etabliert zu haben. Ihre gewebten abstrakten Bilder, aus denen sich textile Strukturen hervorarbeiten, lassen ahnen, wie intensiv sie sich mit Material und Technik, mit einer für textile Medien passenden Formensprache auseinandergesetzt hat. Und sie machen auch staunen darüber, wie faszinierend diese Kunst sein kann. Außerdem wird auch Annie Albers‘ Beitrag zum modernen Design gewürdigt, zeigt die Ausstellung doch nicht nur textile Bilder, sondern auch diverse Gebrauchs-Designs wie Textilmuster und Entwürfe. Albers „Idee des gewebten Fadens als Form einer universellen Sprache“ (so die Ausstellungsmacher) kann im K20 plastisch erlebt werden. Sehenswert. -MM

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„bauhaus in bewegung“

„bauhaus in bewegung“
bauhaus archiv – museum für gestaltung
berlin
01.märz – 13. november

besonderes berliner bau - das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert
besonderer berliner bau – das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert

von den weit mehr als 175 museen in berlin ist das bauhaus-archiv sicherlich nicht das größte und bekannteste – für mich persönlich jedoch eines der schönsten und interessantesten! beherbergt es doch viele der wunderbaren arbeiten, die zwischen 1919 und 1933 in der von walter gropius gegründeten kunstschule von zahlreichen, noch heute namentlich bekannten lehrern (e.g. lyonel feininger, wassily kandinsky, paul klee, johannes itten, josef albers, oskar schlemmer und lászló moholy-nagy) und schülern (e.g. max bill, wilhelm wagenfeld, marcel breuer, anni albers, marianne brandt, gunta stölzl, andreas feininger, lux feininger und fritz winter) geschaffen wurden!
beim betreten der aktuellen themenausstellung „bauhaus in bewegung“ wird einem sofort klar: die idee „bauhaus“ hat auch heute, rund 100 jahre später, nichts an reiz verloren! denn: im gegensatz zur nicht nur damals üblichen klassischen akademieausbildung setzte man am bauhaus auf eine ausgewogene kombination aus bildender, angewandter und darstellender kunst. so gab es in der „kathedrale der kunst“ keine „klassen“, sondern „werkstätten“, in denen nicht selten parallel gemalt, skizziert, fotografiert, gebaut, getischlert, geschmiedet, getöpfert, gewebt, gesungen, geschauspielert, geschrieben und gedichtet wurde. die meisten der exponate – ein äußerst kreatives sammelsurium aus gemälden, skulpturen, fotografien, skizzen, modellen, möbeln, wandteppichen, lampen, keramiken, schmuck und gegenständen des täglichen gebrauchs – wirken daher auch im 21. jahrhundert eher äußerst modern, denn verstaubt antiquarisch. und sind somit echte „designklassiker“.
einige von ihnen und zahlreiche andere schöne dinge kann man übrigens direkt im anschluss an den ausstellungsbesuch im benachbarten museumsshop käuflich erwerben. keine angst – hier gibt es design für jeden geldbeutel.
aber aufgepasst: im herbst 2017 ist erst einmal schluss mit den inspirierenden ausflügen nach berlin-tiergarten! passend zum 100-jährigen jubiläum wird das 1979 nach einem gropius-entwurf gebaute und in betrieb genommene haus erst einmal saniert und um einen neubau des berliner architekturbüros staab architekten erweitert. die wiedereröffnung ist für 2021 geplant – hoffen wir mal, daß es dem bauhaus archiv berlin in diesem punkt besser ergeht als dem berliner flughafen… -AEK

„Sammlung Moderne“

Sammlung Moderne
Kunstsammlung der Ruhr-Universität Bochum, Campusmuseum
permanent

etwas versteck: der Eingang zum Campusmuseum der RUB
Etwas versteckt: der Eingang zum Campusmuseum der RUB

Selbst Studenten der Ruhr-Universität Bochum kennen es nicht – das Campusmuseum mit seiner großartigen „Sammlung Moderne“! Seit nun mehr als 40 Jahren liegt es in direkter Nachbarschaft zur Universitätsbibliothek und somit genau gegenüber vom architektonisch recht auffälligen „Audi Max“ (= Auditorium Maximum) am Forumsplatz. Es beherbergt griechische und römische Kleinkunst, aber auch eine internationale Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst. Und genau diese hat es uns natürlich angetan.

Denn: Zu sehen sind im Wechsel hochkarätige Werke von z.B. Josef Albers, Bernd und Hilla Becher, Joseph Beuys, Max Bill, Alberto Giacometti, Gotthard Graubner, Andreas Gursky, Candida Höfer, Donald Judd, Lucio Fontana, Imi Knöbel, Günter Fruhtrunk, Norbert Kricke, Bruce Naumann, Arnulf Rainer, Erich Reusch, Gerhard Richter, Emil Schumacher, Richard Serra, Frank Stella, Thomas Struth, Cy Twombly, Victor Vasarely und Wols. Wow! Ein weiteres Highlight: eine Sandmühle von Günther Uecker (die leider zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht in Betrieb war).

Darüber hinaus gibt es noch über den ganzen Campus verteilt zahlreiche „Kunst am Bau“-Objekte – heißt: über 20 Wandmalereien und Reliefs, so z.B. von Josef Albers, Rupprecht Geiger, Günter Fruhtrunk, Erwin Heerich, Ulrich Rückriem und Victor Vasarely. Um sie alle zu finden benötigt man jedoch auch als Alumni einen guten Lageplan.

Und wenn man schon mal an der Ruhruniversität in Bochum-Querenburg ist, dann sollte man auch nicht verpassen, einen Rundgang über das ganze Gelände inklusive Unicenter zu machen – denn entgegen allen Unkenrufen verfügt dieses Areal mit Gebäuden vornehmlich aus den 60ern über einen ganz besonderen architektonischen Charme. -AEK