Archiv für den Monat: Februar 2018

„Carmen Herrera: Lines of Sight“

Carmen Herrera: Lines of Sight
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
02. Dezember 2017 – 08. April 2018

Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20
Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20

Was gibt es doch für Geschichten! Da studiert eine junge Frau Architektur in Havanna, dann Malerei in News York, ist mit Barnett Newman befreundet, zieht nach Paris, kennt Sonia Delaunay, malt und konstruiert und malt… und wird über Jahrzehne hinweg von der Kunstwelt schlichtweg ignoriert. Aber sie macht weiter, malt und malt und malt. 1915 wurde Carmen Herrera in Havanna geboren. Und sie musste tatsächlich zunächst stolze 89 (neunundachtzig!) Jahre alt werden, bevor sie ihr erstes Bild verkaufte. Heute ist sie bereits 102, arbeitet noch immer in News York und gilt als eine der Pionierinnen der geometrischen Abstraktion in Amerika.

Die Ausstellung im Düsseldorfer K20 zeigt über 70 Arbeiten Herreras. Malerei, Grafik, Skulptur, die ältesten Werke von 1947, die jüngsten erst 2017 fertiggestellt. Und die Bilder und Skulpuren sind wirklich toll. Oft klar komponierte Farbflächen, meist nur aus zwei Farben bestehend, die mir ihre Signalstärke und Flächigkeit förmlich um die Ohren hauen. Welch eine Energie! Skulpturen, sogenannte „estructuras“, die wie dreidimensional gewordene Bilder aus der Wand wachsen. Und andere, freistehende Skulpturen, die erst heute durch ihre vollkommen plane Lackierung ihre volle Wirkung entfalten (war es Herrera doch offenbar ein Anliegen, den individuellen Pinselstrich aus ihren Arbeiten zu verbannen). Herrera zeigt mit ihrer scharfen Linienführung „klare Kante“, ist sich trotz des fast ein ganzes Leben andauernden „übersehen werdens“ treu geblieben – über so viele Jahre und Jahrzehnte. Wie schön ist es da, dass diese Künstlerin ihren späten Ruhm, ihre Anerkennung noch erleben darf. Und wier schön ist es, dass sie noch immer Werke von großer Kraft schafft. In der Ausstellung ist ein Video zu sehen, das Carmen Herrera bei der Arbeit zeigt. Das spricht Bände. Anschauen! -MM

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK