Archiv für den Monat: Januar 2018

FORT Limbo

FORT Limbo
Langen Foundation, Neuss

10.09.2017 – 08.04.2018

Die Langen Foundation in Neuss
Limbo in der Langen Foundation: Ausstellungen im Tadao Ando Bau sorgen immer wieder für Überraschungen!

Mit der Ausstellung „Limbo“ des in Berlin lebenden Künstlerduos FORT haben mich die Kuratoren der Langen Foundation echt ein wenig überfordert! Da hat sich glattweg eine Art „kulturelle Hilflosigkeit“ eingestellt.
Laut Ausstellungsfleyer arbeiten Jenny Kropp (*1978 in Frankfurt a. Main) und Alberta Niemann (*1982 in Bremen) bereits seit 10 Jahren zusammen und beschäftigen sich „in ihren meist ortsbezogenen Arbeiten“…“mit dem Verschwimmen der Grenzen von Alltäglichem und Mystischem, von Rationalem und Irrationalem und machen für die Betrachter erfahrbar, wie brüchig diese Ordnung ist.“
Das Werk „Limbo“ (engl.: = die Vergessenheit; die Vorhölle) zeigt z.B. einen verwaisten Zookäfig mit davorgestellten Besucherbänken und erinnert mich in der Tat an zum Glück wenige Zoobesuche in den 1970ern – nur der typische Geruch fehlt. „Little Darlings“ ist eine Gruppierung architektonisch unterschiedlich gestalteter Hundehütten, darunter ein spartanischer Iglu, eine klassische Bauhausvilla, ein traditionelles Fachwerkhaus und eine südländische Finca. Bei dem Kunstwerk „One in a Million“ stehe ich vor einem Schaufenster voller 08/15-Pullover-bekleideter Torsi. Auch die katapultieren mich schlagartig zurück in meine Kindheit… Am ehesten inspirieren mich mehrere an die Wand gelehnte weiß lackierte Wohnungstüren (Titel habe ich leider nicht mehr parat) mit den verschiedensten abgetretenen Fußmatten davor – wer mag da wohl gewohnt haben?
Um ehrlich zu sein: ich bin froh, als Wahl-Neusserin keinen großen Anfahrtsweg gehabt zu haben. Zudem hatten wir den Besuch ja mit der spannenden Schütte-Ausstellung in der Neusser Skulpturenhalle verbunden. Kurz: Besonders viel konnte ich mit der Ausstellung nicht so recht anfangen. Aber vielleicht gefällt es Euch besser?! (Kommentar unbedingt erwünscht!)
Aber aufgepaßt: Wenn Ihr einen Museumsbesuch für Februar 2018 im Rheinland einplant, dann solltet Ihr auf jeden Fall die “Fünfte Jahreszeit“ im Hinterkopf haben! So ist die Langen Foundation z.B. an Weiberfastnacht (8. Februar) und Rosenmontag (12. Februar) geschlossen! -AEK

Thomas Schütte

Thomas Schütte
Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung, Neuss
12.01.2018 – 18.03.2018

Eingang zur Schütte-Ausstellung in der Skulpturenhalle in Neuss
Schütte bei Schütte: Hinter den Glastüren der Skulpturenhalle warten wundersame Wesen des Düsseldorfer Bildhauers.

Endlich! Nach knapp zwei Jahren ist es soweit: die im April 2016 eröffnete Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung Neuss präsentiert „Thomas Schütte“! (wir berichteten bereits an anderer Stelle über das neue Haus in Neuss in direkter Nähe zur Museumsinsel Hombroich und zur Langen Foundation).
Ausgestellt sind rund 30 größere, aber auch zahlreiche kleine Arbeiten des in Düsseldorf lebenden und arbeitenden ehemaligen Richter-Schülers und Gewinners des „Goldenen Löwen“ als bester Künstler der Kunstbiennale Venedig 2005.
Schon im Nebenraum des „Kassenhäuschens“ – offiziell „Kuratorenzimmer“ genannt – gibt es ein ganzes Regal mit Miniatur-Modellen aus den verschiedensten Schaffensphasen des Künstlers zu bestaunen. Hier finde ich z.B. auch Schüttes ersten Entwurf für die Neusser Skulpturennhalle – eine flach liegende Streichholzschachtel mit einem gewellten Pringles-Chip als Dach.
Im Hauptgebäude wird die Kunst dann gleich viel größer: Direkt am Eingang steht z.B. die Skulptur „Großer Geist Nr.10“ – ganz klar mein Favorit in dieser Ausstellung. Fast genauso ansprechend: „Zombie IX“ – quasi ein „Großer Geist“, aus dem die Luft rausgelassen wurde. Ebenfalls toll: drei überdimensionierte „Engel“ aus Edelstahl und Silikon, deren kleines Vorbild übrigens auch im anfangs erwähnten Kunst-Setzkasten zu finden ist. Im Zentrum der Halle, rund um 6 rote „Glasgeister“, hängen aber auch einige spannende Skizzenbücher Schüttes.
Alles in allem bietet die Schau einen guten Überblick über das bisherige Werk des international anerkannten Bildhauers. Man ist auf jeden Fall froh, dass das selbstgenannte Todesdatum Schüttes „25.3.1996“ in seinem Kunstwerk „Mein Grab“ (1981) nicht der Realität entspricht, sondern zur Kategorie „fake news“ gehört :-)…
Zum Schluß dieses Beitrags noch ein praktischer Hinweis: die Skulpturenhalle Neuss kann nur am Wochenende (Fr – So, 11 – 17 Uhr) besichtigt werden! -AEK

„Axel Hütte. Night and Day.“

Axel Hütte. Night and Day.
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
23. September 2017 – 14. Januar 2018

Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König
Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König

Auf geht’s zum zweiten Teil Axel Hütte! Über die „Frühwerk“ Ausstellung im Bottroper Quadrat haben wir schon hier im Blog berichtet. Unter dem Titel „Night and Day“ sind parallel im Düsseldorfer Kunstpalast Hütte-Arbeiten von Mitte der 90er Jahre bis heute zu entdecken. Über 70 großformatige Aufnahmen seit 1995 zeigt die Ausstellung, und das ist wirklich beeindruckend (keine Frage: die monumentalen Formate tragen ihren Teil dazu bei). Verdichtete Naturaufnahmen aus Brasilien und Venezuela, in denen sich ein Dschungel als eine Art Wimmelbild anbietet, aus dem sich hunderte von Details langsam ins Bewusstsein arbeiten, so man sich denn etwas Zeit dafür nimmt. Nachtaufnahmen, die internationale Metropolen innehalten lassen, nebelumhüllte Wälder, Stille, Einsamkeit. Und alles stets eingefangen von genau gewählten ungewöhnlichen Standpunkten, die mich als Betrachter leicht verunsichern. Dann wieder strenge Kompositionen in riesigen Formaten wie beispielsweise die rautenförmige Struktur in „Seattle Library-2, USA“ oder die verschiedenen Bilder von Brückenkonstruktionen in Japan, Australien oder auch Deutschland. Und dann sind da noch Arbeiten aus der Antarktis, ganz neu, erst 2017 entstanden. Im tiefblauen „Paradise Bay, Antarctic, 2017“ bin ich lange versunken. Ein bisschen wie die „Seascapes“ von Hiroshi Sugimoto. Nur mit Eis. Stark. -MM