Archiv für den Monat: November 2017

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ / „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ /
„Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

MARTa, Herford
05. November 2017 bis 07. Januar 2018 / 14. Oktober 2017 bis 04. Februar 2018

Ausstellungen zu Gerrit Rietveld und Mart Stam im Herforder Museum MARTa
Gerrit und Mart im Marta: 2 Ikonen erobern Herford

Liebhaber der modernen Architektur sollten in diesem Winter unbedingt das MARTa in Herford besuchen! Präsentiert das Museum für Kunst, Architektur und Design doch gleich zwei der bedeutendsten Pioniere der Architektur und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts: Mart Stam und Gerrit Rietveld.
“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ bietet eine hervorragende Übersicht zum facettenreichen Leben und Werk des niederländischen Designers und Architekten Mart Stam, welcher sich schon in jungen Jahren einen Namen aufgrund seiner Teilnahme am Stuttgarter Projekt „Weißenhof-Siedlung“ machte (s.a. an anderer Stelle in diesem Blog). Neben einer Vielzahl an Texten zu den einzelnen Stationen Stams gibt es anschauliche Originalpläne, Fotografien und historisches Filmmaterial wie z.B. den 1931 entstandenen Dokumentarfilm von Ella Bergmann-Michel „Wo wohnen alte Leute“ über die moderne und zukunftsweisende Architektur des Budge-Heims in Frankfurt. Und natürlich dürfen auch zwei Modelle von Stams berühmtem Freischwinger nicht fehlen, gilt er doch als künstlerischer Urheber für den „Stuhl ohne Hinterbeine“. Unbedingt empfehlenswert ist zudem der ca. ½ stündige Film am Ende des Ausstellungsparcours, indem auch ehemalige Wegbegleiter wie Max Bill über ihre teilweisen skurrilen, persönlichen Begegnungen mit Mart Stam berichten.
Im Erdgeschoß des wirklich wunderbaren, von keinem geringeren als dem Stararchitekten Frank Gehry entworfen Museumsbaus gibt es mit „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst“ die sicherlich auf den ersten Blick optisch ansprechendere Ausstellung. Gezeigt werden ca. 140 Exponate aus der weltweit umfangreichsten Rietveld-Sammlung des Centraal Museums Utrecht . Allem voran natürlich Gerrit Rietvelds berühmter „Rot-Blauer Stuhl“. Anlaß der Ausstellung ist das 100jährige Jubiläum der niederländischen Künstlergruppe De Stijl , der neben Rietveld als Schlüsselfigur u.A. auch die Maler Piet Mondrian und Friedrich Vordemberge-Gildewart angehörten. Ergänzt wird das Werk Rietvelds durch Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie z.B. Imi Knöbel, Erik van Lieshout, Silvie Fleury, Sofia Hulté, Katja Mater, El Lissitzky und natürlich Rietvelds Weggefährten von De Stijl – Piet Mondrian, Theo van Doesburg und Friedrich Vordemberge-Gildewart.
Unser Tipp: Absolut lohneswert nicht nur für Rietveld-Fans ist ein Besuch des 1924 erbauten „Haus Schröder“ in Utrecht!  Einen Vorgeschmack auf das wirklich phantastische Gebäude bekommt man schon in der Herforder Ausstellung über ein Architekturmodell, Fotos, Bauzeichnungen und Filmmaterial vermittelt. Eine ausführliche Führung durch das Original bringt einem die architektonischen Finessen des Baus und des individuellen Interieurs natürlich deutlich näher! -AEK

„Gute Aussichten 2017/18. Junge Deutsche Fotografie.“

Gute Aussichten 2017/18. Junge Deutsche Fotografie.
NRW-Forum, Düsseldorf
24. November 2017 – 4. Februar 2018

Gute Aussichten 2017/18: Blick in die Ausstellung, im Hintergrund "Places of Disquiet" von Ricardo Nunes
Gute Aussichten 2017/18: Blick in die Ausstellung, im Hintergrund „Places of Disquiet“ von Ricardo Nunes

Es ist wieder soweit: Die „Guten Aussichten“ sind da. Seit vielen (nunmehr 14!) Jahren der Top-Wettbewerb für junge deutsche Fotografie, findet die Auftaktausstellung nun zum zweiten Mal im NRW-Forum Düsseldorf statt. Die gewohnt hochkarätige Jury (diesmal gibt sich zum Beispiel auch Becher-Schüler Boris Becker die Ehre) hat ganze Arbeit geleistet: Über 200 Motive von acht Fotografinnen und Fotografen haben es in die Ausstellung geschafft. Und wie immer lohnt der Weg. Spannende Ansätze, mannigfaltige Ideen und ungewöhnliche Umsetzungen zeigen, was aktuell in der jungen Szene passiert. Und die PreisträgerInnen sollen hier auch genannt sein: Janosch Boerckel, Stephan Bögel, Alba Frenzel, Laura Giesdorf, Ricardo Nunes, Alexandra Polina, Julian Slagman und Rie Yamada. Alle Informationen zu den einzelnen Ausgezeichneten können zudem prima im Web auf der Seite www.guteaussichten.org recherchiert werden. Eine Extra-Erwähnung soll aber noch Ricardo Nunes mit seiner Arbeit „Places of Discquiet“ bekommen. Nunes fotografiert Vorstädte in Portugal, der Heimat seiner Eltern, die er schon als Kind immer wieder besuchte. Stadtlandschaften, Massenarchitekturen, Betonberge, gleichförmige Fenster und serielle Balkone in formalen Bildkompositionen. Und all das in ein Licht getaucht, das in seiner Intensität dem Betrachter die verlassen wirkende Szenerie förmlich um die Ohren haut. Harte Schatten. „Die Einsamkeit, die mich in Portugal überfällt, hat nichts Friedliches,“ sagt Nunes selber. Aber sehen Sie am besten selbst: Bis zum 4. Februar in Düsseldorf, danach an vielen Orten auf der Welt, z.B. in Hamburg, Hanoi, Nicosia, Mexico City, Koblenz… -MM

„Axel Hütte. Frühwerk.“

Axel Hütte. Frühwerk.
Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop
24. September 2017 bis 7. Januar 2018

Eingang zur Ausstellung "Axel Hütte: Frühwerk"
Eingang zum Frühwerk: Hütte hinter Glastüren

Axel Hütte, nunmehr schon lange weltbekannter Fotograf, Becher-Schüler und somit Teil der berühmten „Düsseldorfer Schule“, gibt sich die Ehre – und zwar gleich doppelt: Das Frühwerk ist im Bottroper Quadrat zu sehen, Arbeiten von Mitte der 90er Jahre bis heute im Düsseldorfer Kunstpalast. Wir sind heute aber im Ruhrgebiet – und mal wieder begeistert vom „Josef Albers Museum Quadrat“. Daher zunächst ganz generell: Wer die Chance hat, hier vorbeizuschauen – der Besuch lohnt immer! Ein toller Bau mit tollem (Skulpturen-)Park und stets spannenden Ausstellungen, die immer ihren Bezug zu den Arbeiten von Albers finden. Ein schönes Kleinod. So jetzt aber zu Axel Hütte.

In Bottrop werden Arbeiten aus den Jahren 1978 bis 1995 gezeigt. Dabei treten insbesondere 3 Motivlinien hervor: Portraits von Künstlerinnen und Künstlern aus Hüttes Umfeld, Architektur und italienische Landschaften. Die Portraits werden besonders spannend durch die akribisch ausgewählten abstrakten Hintergründe. Aber wirklich fasziniert haben mich die Architekturfotos, vor allem die Treppenhäuser und Mietshaus-Flure. Weit weg von einfacher Abbildung formt Hütte hier Kompositionen, die Gültigkeit in sich selber haben. Da hätte ich gerne ein paar Bilder von mitgenommen. Und vielleicht neben ein Erbgericht-Bild von Andrea Grützner oder eine Interieur-Fotomontage von Oster + Koezle gehängt. Ja, das wäre wohl schön gewesen. -MM