Archiv für den Monat: Mai 2017

„NPG – Die Sammlung“

„Die Sammlung“
National Portrait Gallery, London
Dauerausstellung

Die National Portrait Gallery: Altehrwürdige Mauern mit tollem Porträt-Inhalt aus unzähligen Epochen
Die National Portrait Gallery: Altehrwürdige Mauern mit tollem Porträt-Inhalt aus unzähligen Epochen

Zeichnungen, Malerei, Fotografien, Drucke – in der Londoner „National Portrait Gallery“ findet sich alles, was mit Portraits zu tun hat. Schon zwei Mal haben wir hier über Besuche berichtet (Giacometti und Simon Schama’s Face of Britain). Und doch soll nochmals ganz generell auf diesen schönen Ort der Portrait- (Portät-? Immer noch gewöhnungsbedürftig…)-Kunst hingewiesen werden. Gesichter, Techniken, Besonderheiten aus diversen Epochen vom 16. Jahrhundert bis heute werden gezeigt. Und wie meist in Großbritannien ist der Eintritt für die „normale“ Sammlung kostenlos. Wer also gerade mal in der Nähe von Trafalgar- und Leicester-Square unterwegs ist, sollte den Abstecher in die NPG auf jeden Fall wagen. Ausprobieren lohnt! -MM

„Foam Talent | London: 24 young artists shaping the future of photography”

„Foam Talent | London: 24 young artists shaping the future of photography”
Beaconsfield Gallery, Vauxhall, London, UK
18.05. – 18.06.2017

Galerie mit Atmosphäre: Internationale "FOAM" Talente stellen in London/Vauxhall aus
Galerie mit Atmosphäre: Internationale „FOAM“ Talente stellen in London/Vauxhall aus

Regelmäßig zeichnet die in Amsterdam ansässige Organisation Foam Fotografie-Talente aus – unter anderem verbunden mit einer Ausstellung im stets sehenswerten Foam Museum in der Keizersgracht. Und manchmal wandert diese Ausstellung dann noch weiter – wie zum Beispiel in diesem Fall in Richtung Beaconsfield Gallery in London. 24 Fotografinnen und Fotografen, alle unter 35 (das ist Voraussetzung bei „Foam Talent“), zeigen also ihre Arbeiten in einer sehenswerten Gruppenausstellung. Die Räume sind spannend (zum Teil unterm Dach, zum Teil in einem Gewölbe unterhalb der Bahnlinie), die Bilder ebenso. Zunächst mal ist auch hier erneut Andrea Grützner mit Teilen ihrer Serie „Erbgericht“ zu sehen. Hier im Blog haben wir schon ein paar Mal über sie geschrieben. Und ich tue das gerne und immer wieder, weil die sehr grafischen und fast abstrakten Bilder so toll sind (ja, ich oute mich als eine Art „Fan“). Aber auch sonst gibt es sehr viel zu entdecken. Zum Beispiel die „Rio de Janeiro“ Arbeiten der Österreicherin Stefanie Moshammer, die in eindringlicher Farbigkeit und klarer Komposition zwischen Dokumentation und konzeptioneller Fotografie changieren. Oder eine Serie von Antonio Ottomanelli, in der er fotografisch den Weg einer Drone in Kabul verfolgt. Vielfalt prägt die Ausstellung, immens viele fotografische Ansätze, die sich da gegenüber gestellt werden. Viel Inspiration! –MM

„The Designmuseum“

The Designmuseum“, London
…seit dem 24. November 2016

Innenansicht London Design Museum in Kensington
Starker Innenauftritt unter imposantem Dach: Das Londoner Design Museum an neuer Stelle in Kensington

Design, Design, Design – davon gibt es im Londoner Design-Museum wahrlich reichlich. Bislang (seit 1989) in einem toll umgebauten früheren Lagerhaus für Bananen direkt an der Themse und nahe der Tower Bridge untergebracht, müssen sich Design-Liebhaber nun gen West-London aufmachen: Seit dem 24. November befindet sich das Museum im ehemaligen Commonwealth Institute in Kensington – und hat sage und schreibe drei mal mehr Platz als am alten Standort. Die Architektur des denkmalgeschützten Gebäudes ist atemberaubend (…dieses Dach…Wahnsinn!), der Umbau gelungen. Und doch – mein Herz hängt an der alten Location, die wir in der Vergangenheit schon mehrfach besucht haben. Ja, sie war kleiner – aber für meine Begriffe schlichtweg näher dran am Design. Aber genug genörgelt: Wer so einiges über Industriedesign, Stuhlklassiker & Co. lernen möchte, ist auch in Kensington bestens aufgehoben! -MM

“Alberto Giacometti“

“Alberto Giacometti“
Tate Gallery of Modern Art, London
10. Mai bis 10. September 2017

Zwei Riesen auf einem Blick: Ein schreitender Mann Giacometti´s und der Turm der Tate Modern
Zwei Riesen auf einem Blick: Ein schreitender Mann Giacometti´s und der Turm der Tate Modern

Wann immer Ihr die Möglichkeit habt, die Tate Gallery of Modern Art in London zu besuchen: Tut´s!
Die „Tate Modern“ – so wird das Museum kurz und knapp von Einheimischen und Insidern genannt – ist nicht nur eines der weltweit größten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst, sondern in meinen Augen auch eines der schönsten! Ihr findet das imposante Gebäude – ein von den Stararchitekten Herzog & de Meuron im Jahr 2000 umgebautes und 2016 erweitertes Kraftwerk – direkt am Themseufer im Stadtteil Soutwark.
In der kostenlosen (!) Dauerausstellung zeigt man zu verschiedenen, immer mal wieder wechselnden Themen Werke von der klassischen Moderne bis hin zur Gegenwartskunst. Die Liste der dort vertretenden Künstler ist riesig und beinhaltet so bekannte Namen wie z.B. Joseph Beuys, Louise Bourgeois, George Braque, Paul Cézanne, Salvador Dali, Marcel Duchamp, Paul Gaugin, Vicent van Gogh, Rebecca Horn, Agnes Martin, Piet Mondrian, Nam June Paik, Pablo Picasso, Jackson Pollock, Gerhard Richter, Mark Rothko, Ed Rusha, Cy Twombly und Andy Warhol.
In der wirklich imposanten ehemaligen Turbinenhalle/heutigen Eingangshalle gibt es zudem immer mal wieder große Einzelobjekte (z.B. die Riesenspinne „Maman“ von Louise Bourgeois) und/oder Installationen (aktuell z.B. Bruce Nauman´s sphärisch und unheimlich klingende Soundinstallation „Raw Materials“) zu bestaunen.
Und dann sind da natürlich auch noch diverse (kostenpflichtige!) Sonderausstellungen (s.a. „Wolfgang Tillmanns: 2017“). Mein absolutes Glück bei meinem diesjährigen Londonbesuch: Von Mitte Mai bis Mitte September präsentiert die Tate Modern mehr als 250 Werke des großartigen Schweizer Malers, Grafikers und Bildhauers Alberto Giacometti! Ausgestellt werden frühe und späte Giacomettis; Zeichnungen, Ölgemälde, Gipsskulpturen, Holzskulpturen und Bronzen; Diegos, Annettes und Carolines;  schreitende Männer und stehende Frauen; … . Einfach wunderbar (und durchaus das mit knapp 19 (!!!) Pfund extrem hohe Eintrittsgeld wert).
Empfehlenswert ist in diesem Museum der Superlative auch ein Bummel durch die vier (!) Museumsshops – natürlich allesamt bestens ausgestattet mit Katalogen, Fachbüchern, Postkarten, Kunstdrucken, T-Shirts, Künstlermaterialien, Schmuckstücken und anderen meist schönen Souveniers.
Und wenn Euch mal der Hunger plagt, dann locken zahlreiche Tate Modern Bars, Cafés und Restaurants.
Mein Tipp: Nicht verpassen solltet Ihr auf jeden Fall den Fahrstuhl zum „viewing level“ in die 10. Etage! Dort oben gibt es nicht nur einen Kiosk mit Softdrinks, Bier, Wein, Kaffee und Snacks, sondern auch einen phantastischen 360° Rundblick über ganz London. Und den natürlich – analog zur Dauerausstellung in den unteren Etagen :-) – in fein englischer Manier kostenlos. -AEK

„Wolfgang Tillmans: 2017“

„Wolfgang Tillmans: 2017“
Tate Modern, London, UK
15.02. – 11.06.2017

Vitrinen, Bücher, Wandbilder: Typischer Tillmans Raum in der Tate Modern
Vitrinen, Bücher, Wandbilder: Typischer Tillmans Raum in der Tate Modern

Wolfgang Tillmans, weltbekannter Fotograf und erster mit dem Turner-Preis ausgezeichneter Nicht-Brite, lebte lange im Vereinigten Königreich. Jetzt stellt er erstmalig in der Tate Modern aus. Ein ganzer Etagenflügel steht ihm zur Verfügung, und er bespielt die Räume in bekannter Manier: Fotos in verschiedensten Größen, sehr konkretes, viel abstraktes, zum Teil einfach an die Wand genagelt, zum Teil gerahmt, manchmal in Acrylkästen, all das arrangiert über ganze Wandflächen hinweg. Porträts, Landschaften, Stillleben. Eindrücke aus allen Lebensbereichen, privates, politisches. Einfache Kost und leichtverdauliche Schönheiten sind Tillmans Sache sicher nicht. Da stehen wir nun in dieser Welt – was machen wir draus?, so scheint er zu fragen. Und lässt uns darüber nachdenken. –MM

„KölnSkulptur #8″

„KölnSkulptur #8“
Skulpturenpark Köln
Juni 2015 – Juni 2017

Einer der Eingänge zum Kölner Skulpturenpark: Das Eingangstor samt Zaun ist auch eine Skulptur!
Zaun? Kunst! Schon die beiden großen Eingangstore des Kölner Skulpturenparks sind selber Skulptur (Edith Dekyndt: „The Fences“)! Also: Keine Fahrräder anketten…

Mitten in Köln, eingebettet zwischen großen Straßen, Brücken und Rhein, stellenweise ordentlich beschallt vom Lärm der Autos, da liegt er, der Skulpturenpark Köln. Und doch ist dieses Kleinod eine wunderbare Insel inmitten der städtischen Hektik. 1997 vom inzwischen verstorbenen Sammlerehepaar Dr. Michael und Dr. Eleonore Stoffel gegründet, ist der Park seit vielen Jahren ein Hotspot für internationale Skulptur. Und das Konzept ist spannend: Alle zwei Jahre wird das Gelände neu bespielt mit der Ausstellungsreihe „KölnSkulptur“, aktuell in der achten Auflage. Und es gibt viel zu sehen: Von den bekannten Granitblöcken Ulrich Rückriems über eine „Weinende Frau“ Thomas Schüttes bis zu einem Bronzekopf Per Kirkebys. Santiage Serra ist mit einem großen schwarzen Sichtbetonwürfel („583 Stunden Arbeit“) vertreten, Nina Carnell zeigt einen Strommast, der auf seiner Wiese steht und seiner eigentlichen Funktion beraubt verloren wirkt („Power (Powerless)“). Besonderes Highlight für mich: Dan Grahams „Greek Cross Labyrinth“. Das begehbare Werk entführt den Besucher in eine Welt von Spiegeln, (halb-)transparenten Durchsichten, Einblicken, Aussichten und Selbstbetrachtungen. Jede Menge Potential zur Reflektion in jedem Sinne. Noch bis einschließlich Juni ist die KölnSkulptur #8 zu sehen. Dann wird umgebaut und am 15. Oktober 2017 eröffnet die neunte Ausgabe. Dann sind wieder zwei Jahre Zeit für einen Besuch! -MM

“Skulpturenpark Waldfrieden”

“Skulpturenpark Waldfrieden”
ganzjährig, Dienstags bis Sonntags

Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal
Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal

Es gibt ihn schon fast seit 10 Jahren zwischen den beiden Wuppertaler Stadtzentren Elberfeld und Barmen, den Skulpturenpark Waldfrieden des Britischen Bildhauers Tony Cragg. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie und seines Zeichen Wahlwuppertaler seit nun mehr fast 50 (!) Jahren bezog das 14 Hektar große Waldgelände am Hesselnberg 2008 und präsentiert dort seitdem nicht nur zahlreiche seiner eigenen phantastischen Werke, sondern auch die anderer namhafter Künstler. Beim Spaziergang auf den festgelegten Parkwegen begegnen einem so z.B. auch Arbeiten von Henry Moore (wie immer wundervoll anzusehende, überdimensionale Handschmeichler, die man natürlich auch hier draußen in freier Natur nicht anfassen darf!), Thomas Schütte, Erwin Wurm, Eva Hild, Hede Bühl, Hubert Kiecol, Richard Deacon und Markus Lüpertz. Um keine der aktuell 40 Skulpturen zu verpassen oder sich gar auf dem hügeligen, wirklich nicht kleinen Gelände zu verlaufen, erhält man am Eingang zur besseren Orientierung einen Übersichtsplan. Für Besucher, die mehr Hintergrundwissen zu Park und Kunst wünschen, findet man auf der Internetseite diverse Angebote zu öffentlichen „Rudelführungen“.

Installation von Klaus Rinke in einem der Ausstellungspavillons im Skulpturenpark Waldfrieden
Da tickt die Uhr… Ein Hauptthema Klaus Rinkes ist „Zeit“

Auch gibt es auf dem Arenal zwei moderne Pavillons für Wechselausstellungen – bis zum 25. Juni z.B. bestückt mit Kunst von Klaus Rinke, der fast zeitgleich zu Tony Cragg im Fach Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte.
Ein weiteres architektonisches Highlight im Park: Die unter Denkmalschutz stehende Villa Waldfrieden. Das 1946 von Franz Krause nach den Richtlinien der anthroposophischen Architektur entworfene Gebäude war lange Zeit bis zu seinem Tod im Jahre 1989 das Wohnhaus des über die Stadtgrenzen Wuppertals hinaus bekannten Lackfabrikanten Kurt Herberts. Aus konservatorischen Gründen ist die Villa in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, kann aber heuer z.B. am letzten Juniwochenende im Rahmen des bundesweiten „Tages der Architektur“ nach entsprechender Anmeldung besichtigt werden.
Kurz: Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Der Skulpturenpark Waldfrieden ist zu jeder Jahreszeit ein Besuch Wert! Ein kleiner Tipp: Festes Schuhwerk kann nicht schaden, Wanderschuhe wären aber deutlich übertrieben. -AEK