Archiv für den Monat: Februar 2017

„Tony Cragg: A Rare Category of Objects“

Tony Cragg: A Rare Category of Objects
Yorkshire Sculpture Park, Wakefield
04.03. bis 03.09.2017

Wuppertal? Wakefield! Cragg Skulpturen im Yorkshire Sculpture Park
Wuppertal? Wakefield! Cragg Skulpturen im Yorkshire Sculpture Park

Der Brite Tony Cragg ist ja nicht nur international bekannter Bildhauer, sondern gerade aus der Region rund um Düsseldorf nicht mehr wegzudenken. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie residiert schon seit vielen Jahren in Wuppertal, wo er einen wunderbaren Skulpturenpark rund um das Haus Waldfrieden eingerichtet hat. Immer einen Besuch wert! Und nun startet die bislang größte Tony Cragg Ausstellung im Vereinigten Königreich, seiner alten Heimat. Wir hatten das große Glück, beim Besuch des Yorkshire Sculpture Parks schon vor der Eröffnung viele Exponate anschauen zu können, zum Teil auch den Aufbau mitzuerleben. Das ist schon beeindruckend, wenn meterhohe Großskulpturen per Lastenkran mit größter Vorsicht vom Hänger gehievt werden. Apropos beeindruckend: Die Cragg Arbeiten finden im Yorkshire Sculpture Park eine wirklich tolle Heimat auf Zeit. Mitten im ländlichen Teil West Yorkshires gelegen und bereits vor 40 Jahren eröffnet, bietet dieser erste permanente Skulpturenpark Englands eine atemberaubende Szenerie. Hügel, Seen, Wälder – wunderbar.

Keine leichte Sache: Craggs Großskulpturen beim Aufbau der Aussenausstellung im YSP
Keine leichte Sache: Craggs Großskulpturen beim Aufbau der Aussenausstellung im YSP

Und darin zu finden sind Skulpturen von Weltgrößen wie Henry Moore und Barbara Hepworth (beide mit starkem Bezug zur Region) bis hin zu ganz aktuellen Arbeiten zum Beispiel von Julian Opie, der in einer seiner LED Skulpturen ein stilisiertes Pferd durch die Landschaft galoppieren lässt. Und nun also bis September Tony Cragg ganz umfassend mit einer Vielzahl von Werken. Organische Säulen winden sich gen Himmel, wundersame Wesen ducken sich in Hecken, majestätisch wirkende Formationen thronen auf Hügelkuppen. Und in der „Underground Gallery“, einem der Indoor-Ausstellungsplätze im Park, sind weitere, meist kleinere (nun ja, zumindest im Vergleich) Skulpturen zu finden. Das hilft natürlich auch, wenn’s regnet ;-). So oder so: Cragg und der „YSP“ passen perfekt zusammen. Materialität, Landschaft, organische Formen und eine gewisse Einzigartigkeit. Wie schön. -MM

„Hepworth Family Gift“

„Hepworth Family Gift“
The Hepworth Wakefield, Yorkshire, UK
Dauerausstellung

Kunst-Kuben fast mitten im Fluss: Das Hepworth Museum in Wakefield
Kunst-Kuben fast mitten im Fluss: Das Hepworth Museum in Wakefield

Ein schönes, ein beeindruckendes Museum ist es, das David Chipperfield (unter anderem Architekt des neuen Teils des Essener Folkwang Museums) in West Yorkshire gebaut hat. Direkt am River Calder in der durch nunmehr verschwundenen Steinkohlebergbau industriell geprägten Region erhebt es sich als geometrisch verschachteltes Kunstwerk, das sich aber nicht in den Vordergrund drängt, sondern den Ort wirken lässt. Und das gilt umso mehr im Inneren. Chipperfield hat Räume und Sichtachsen erdacht, die der Kunst Raum geben und gleichzeitig stets die Verbindung nach Außen suchen. Klasse! Für mich ist allein das Gebäude schon einen Besuch wert. Und diesen Besuch wollte ich eigentlich schon machen, als das Hepworth im letzten Jahr mit einer umfangreichen Fotoausstellung des großartigen Martin Parr zum „Rhubarb Triangle“ glänzte. Hat nicht geklappt. Aber auch jetzt gibt es viel zu sehen. Und zwar nicht zuletzt die Dauerausstellung von Arbeiten der aus Wakefield stammenden Bildhauerin Barbara Hepworth. Gezeigt wird in mehreren Räumen unter anderem eine einzigartige Sammlung von Arbeitsmodellen für Bronzeskulpturen, die die Hepworth Familie dem Museum gespendet hat. Beeindruckend: Diese Vorstufen sind in Originalgröße angefertigt und zum Teil fast 6 Meter hoch. Neben den Hepworth Arbeiten hat mir aber noch etwas anderes besonders gut gefallen: Das Museum ist auch die Heimat der Wakefield Collection of Modern British Art. Und versteht sich als Ort des Lernens und der kreativen Auseinadersetzung mit Kunst. So haben sich im Rahmen des „young peoples programme“ junge Leute mit selbst ausgewählten Sammlungswerken beschäftigt und zu jeder dieser Arbeiten gemeinsam Gedichte verfasst. Klingt komisch? Von wegen! Die sind verdammt gut. Kurz zusammengefasst: Ich mag das Museum. Besuchen lohnt sich! -MM

„Welt oder Photographie als soziale Praxis“

„Welt oder Photographie als soziale Praxis“
Hochschule Düsseldorf
Düsseldorf Photo Weekend 2017
03. bis 05.02.2017

Tolle Fotografie hinter Hochschul-Fassade: Der Nachwuchs punktet beim Photo Weekend
Tolle Fotografie hinter Hochschul-Fassade: Der Nachwuchs punktet beim Photo Weekend

Ein schon von außen architektonisch spannender Campus ist das allemal, was die Hochschule Düsseldorf an der Münsterstraße zu bieten hat. Während des Düsseldorf Photo Weekend 2017 ist aber auch das Innenleben ein besonderer Hingucker. Mareike Foecking (hier im Blog haben wir schon ihre Ausstellung 2016 im NRW Forum besprochen), ihrerseits Professorin an der Peter Behrens School of Arts/HSD, hat die Ausstellung mit Arbeiten von Studierenden kuratiert. Herausgekommen ist eine sehenswerte Schau, in der man viel Zeit verbringen kann, spannende Ansätze von (zumeist) fotografischen Arbeiten findet und ebebso Gespräche mit den Künstlern, die zum Teil anwesend sind und freudig Auskunft geben. Aus der riesigen Anzahl der Ausstellenden nenne ich hier stellvertretend Luisa Laustroer, die mit der gezeigten Serie „Hübsch“ eine feministische Position einnimmt und die Gleichberechtigung der Geschlechter vor dem Hintergrund aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen fokussiert. Ein inspirierendes Gepräch! Alles in allem ein unbedingt lohnender Besuch. Drei Tage sind für diese Ausstellung definitiv viel zu wenig. Schon für die Fotobücher könnte man Stunden aufbringen. Alle Beteiligten hätten mehr Zeit und damit auch (noch) mehr potentielle Besucher verdient. Ich freue mich auf eine Fortsetzung! -MM

„Strauss ist raus“

„Strauss ist raus“
Ehemalige Strauss Filiale Friedrichstr. 61c, Düsseldorf
Düsseldorf Photo Weekend 2017
28.01. bis 19.02.2017

 
Leeres Schaufenster mit Ausstellungsplakaten: Strauss ist raus, Kunst ist drin
Leeres Schaufenster mit Ausstellungsplakaten: Strauss ist raus, Kunst ist drin

Das ist mal wieder eine dieser wunderbaren Locations, in die man beim Düsseldorf Photo Weekend hineinstolpern kann: Die Einzelhandelskette Strauss verschwindet aus den Städten – und eine leergeräumte Düsseldorfer Filiale wird kurzerhand zum Interims-Ausstellungsraum gemacht. Eine schöne Sache, die sich der 701 e.V. da hat einfallen lassen! So wird die leere Strauss-Filiale selbst zum Thema. Julia Gräb zum Beispiel befasst sich in ihren ausgestellten Fotos mit der Verlassenheit leerstehender Gebäude. Und der Gursky Schüler Atit Sornsongkram zeigt in seinen Fotografien von leerstehenden Schaufenstern geometrisch kubische Kompositionen von abstrakter Schönheit. Raum und Leere. Strauss ist raus. Die Kunst drin. Zumindest bis zum 19. Februar. -MM