Archiv für den Monat: Dezember 2016

„Jeff Cowen: Photoworks“

Jeff Cowen: Photoworks
Jeff Cowen
Ludwigmuseum im Deutschherrenhaus, Koblenz
30.10.2016 – 22.01.2017

Junge Kunst in alten Mauern: Jeff Cowen stellt im Koblenzer Ludwigmuseum im Deutschherrenhaus aus
Junge Kunst in alten Mauern: Jeff Cowen stellt im Koblenzer Ludwigmuseum im Deutschherrenhaus aus

Jeff Cowen stammt aus New York, lebt in Berlin wird nun vom Koblenzer Ludwigmuseum mit seiner ersten musealen Einzelausstellung präsentiert. Über zwei Etagen verteilen sich die großformatigen „Fotoarbeiten“, die irgendwo in einer fast poetischen Zwischenwelt von Fotografie und Malerei angesiedelt sind. Cowen fotografiert analog, entwickelt selber und greift in diesen Prozeß ein, bearbeitet Fotopaper mit Chemikalien, collagiert, erstellt so Unikate, die oftmals eine geradezu plastische Wirkung haben. Diese wird noch unterstützt durch die durchgängig einheitliche Rahmung der Werke: Alle Arbeiten befinden sich in Objektrahmen, immer mehrere Zentimeter von der schützenden Glasoberfläche entfernt und durch einfache, silberfarbene „Pins“ an der Rückwand befestigt. Eine schöne und passende Präsentation. Besonders gut haben mir die überlebensgroßen Porträts gefallen, die den Betrachter auf den ersten Blick viele Jahrzehnte in der Foto-Geschichte zurückversetzen, fast glauben machen, hier historische Aufnahmen zu sehen, dann aber mit Wucht eine ungeheure Modernität ausstrahlen. Die Ausstellung bleibt noch bis zum 22. Januar 2017 in Koblenz, ab März 2017 wird sie im Museum Huis Marseille, eine schöne Adresse für Fotografie in Amsterdam, zu sehen sein. -MM

„Geliebte Feinde – Symbolismus heute: von Peter Doig bis Thomas Schütte“

„Geliebte Feinde – Symbolismus heute: von Peter Doig bis Thomas Schütte“
Clemens Sels Museum, Neuss
23.10.16 bis 19.02.17

Bjørn Melhus in Neuss - der Flyer zur Ausstellung
Bjørn Melhus in Neuss – der Flyer zur Ausstellung

Und wieder einmal lockt das kleine Clemens Sels Museum mit großen Namen! Denn derzeit zu Gast in Neuss sind Peter Doig (GB), Bjørn Melhus (NO), Thomas Schütte (D) und Christoph Worringer (D), allesamt international agierende Künstler.
Der Titel der noch bis zum Februar 2017 andauernden Sonderaustellung lautet „Geliebte Feinde – Symbolismus heute“ und bezieht sich lt. hauseigener Webseite auf „die Faszination und die Lust am Umgang mit vieldeutigen, symbolisch aufgeladenen Bildern“ der vier eingangs genannten Kunstschaffenden. Gezeigt werden insgesamt ca. 80 Werke: klassische Tafelbilder, Zeichnungen, Druckgrafiken, Skulpturen und Videos.
Letztere stammen von Bjørn Melhus und begeistern mich mal wieder auf ganz besondere Art. Wieso? Das kann ich eigentlich gar nicht genau beschreiben. Schon im Foyer werde ich magisch angezogen vom erotisch hypnotisch anmutenden Soundtrack seines ca. 5-minütigen Kurzfilms „no sunshine“ aus dem Jahr 1997. Im zweiten Stockwerk ist es dann soweit: In einem Orange-farbenem Vorführraum werde ich Zeuge einer unglücklichen Liebesbeziehung zwischen zwei Melhus-Klonen im Star Trek Look mit Playmobil-artiger Plastikfrisur. Scheint anfänglich noch alles hell und heil, so endet das Ganze wie von einem bösen Virus aus dem Weltall infiziert unglücklich im Dunkeln, eben ohne sunshine. Schade – ich hätte den beiden wirklich mehr Glück in der Liebe gewünscht! Auf einem recht kleinen Bildschirm mit Kopfhörer gibt es noch weitere Melhus-Werke zu bestaunen. So z.B. „blue moon“ – Melhus als blauer Schlumpf in einer amerikanischen Wüste, der als europäischer Exportschlager den gleichnamigen Elvis-Presley-Hit zum Besten gibt – oder „Zauberglas“ – Melhus in einer Doppelrolle als junges Mädchen in einem Fernseh-Bildschirm und als sich rasierender stattlicher Herr vor der Mattscheibe.
Nun gibt es zu all diesen Video-Werken natürlich ausgiebige kunstwissenschaftliche Erklärungen. Wer ein wenig hin und her googelt, stößt zum Beispiel auf hergeleitete Parallelen zu Rainer Werner Fassbender oder gar zu Platon. Da halte ich es etwas schlichter und lasse die Melhus-Arbeiten mal einfach so auf mich wirken. Und dabei frage ich mich – zumal mir der Zugang zu Video-Kunst oft nicht leicht fällt – warum gerade diese fantastischen One-Man-Shows so faszinierend sind. Die Musik? Der riesige Spieltrieb und die Verkleidungslust, die mir aus den Bildern entgegenkommen? Die Ironie als ständiger Begleiter? Ganz ehrlich, ich bin mir noch nicht sicher. Aber eines ist klar: ich schaue weiter und genieße… -AEK