Archiv für den Monat: Oktober 2016

„Saul Leiter: Retrospektive“

Saul Leiter: Retrospektive
Saul Leiter
FOMU – Fotomuseum Antwerpen, Belgien
28.10.2016 – 29.01.2017

Das Fotomuseum Antwerpen
Schmökerstunde vor dem Antwerpener FOMU: Wer nicht draußen lesen mag, kann auch drinnen Fotos gucken…

Früheste künstlerische Farbfotografie? Da fallen einem wahrscheinlich William Eggleston ein und Stephen Shore. Schnell ist das ganze dann in etwa in den 1970er Jahren verortet. Und dann stößt man plötzlich auf Saul Leiter und muss das Prädikat „Pionier der Farbfotografie“ in seine Richtung verschieben. Schon ab 1946 nutzte der US-Amerikaner auch (in der Fotokunst zu dieser Zeit durchaus verpönte) Farbfilme für seine künstlerischen Aufnahmen und schuf ein großartiges Werk: Vornehmlich New York Street Photography, die auf fast abstrakte Bildkompositionen mit beeindruckenden Farbakzenten setzt. Immer wieder Straßenszenen von Menschen in Wind und Wetter, halb verdeckt durch ganze Vorhänge von fallenden Schneeflocken, fotografiert durch beschlagene Fenster und verzerrende Spiegel. Die Ausstellung im Antwerpener FOMU zeigt neben den beeindruckenden Farbfotografien auch Schwarz-Weiß-Arbeiten sowie Gemälde und Übermalungen des Künstlers. Leiter nämlich hat sich klar sowohl als Fotograf und als Maler gesehen. Noch eine Überraschung also. Und zwar eine unbedingt sehenswerte! Eine Leiter Retrospektive gab es übrigens schon 2012 in den Hamburger Deichtorhallen (was leider an mir vorbeigegangen ist, aber Antwerpen hat das ja geradegerückt…). Zur Hamburger Ausstellung ist ein schöner Katalog im Kehrer Verlag erschienen, der weiterhin im Buchhandel erhältlich ist. -MM

„MACBA Collection 31“

MACBA Collection 31
MACBA – Museu D’Art Contemporani de Barcelona, Spanien
17.06.2016 – Juni 2017

Kunst im kurvenreichen Richard Meier Bau: Das MACBA in Barcelona
Kunst im kurvenreichen Richard Meier Bau: Das MACBA in Barcelona

Ein weißer Bau von Richard Meier, der sich kräftig von den umliegenden Gassen abhebt – so setzt das Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona schon architektonisch ein zeitgenössisches Ausrufezeichen (und bietet gleichzeitig auf dem Vorplatz reichlich Raum für ebenfalls sehr zeitgenössische Skater, denen man prima zuschauen kann). Aber hier soll es ja um das Innenleben gehen – also nichts wie rein!

Erfahrung, Zeit und Konflikt – das sind die drei Hauptthemen, mit denen sich die Ausstellung „MACBA Collection 31“ beschäftigt. Und dabei setzt man ausschließlich auf Werke aus der hauseigenen Sammlung. Motto: Die eigene Sammlung ist der Kern für die Identität eines Museums und bestimmt gleichzeitig dessen Fähigkeit, mit der Gegenwart zu korrespondieren, mit künstlerischen Positionen Fragen aufzuwerfen, manchmal auch Antworten, immer jedoch Denkanstöße zu geben. Und das gelingt: Über 80 Werke von 50 Künstlern aus fünf Jahrzehnten werden präsentiert und beleuchten auf vielfältige Weise grundlegende, teils archaische, immer aber auf eigene Art aktuelle Themen. Auf den Punkt bringt das zum Beispiel eine wunderbare Installation von Hans-Peter Feldmann, in der 100 Porträt-Fotografien chronologisch in einem Raum angeordnet sind. Jedes Foto zeigt ein anderes Familienmitglied, jedes steht für ein Lebensjahr. So betrachtet man Menschen im Alter von 0 bis 100 Jahren, verfolgt das Nebeneinander der Generationen und auch das grundsätzliche Älterwerden, die Vergänglichkeit, aber auch den Neuanfang. In der Mitte des Raumes steht ein Blumenstrauß in einer Vase und verwelkt langsam. Pathetisch? Vielleicht, aber wirksam. Ich habe mich lange in diesem Raum aufgehalten. Einen Eindruck der gesamten Ausstellung (auch des Feldmann-Raumes) kann man sich übrigens online verschaffen: Auf der MACBA-Website findet sich unter „Explore the exhibition at home “ ein Link zur virtuellen Tour (hier im Blog natürlich auch)! -MM