Archiv für den Monat: April 2016

Horst – Photographer of Style

Horst – Photographer of Style
Horst P. Horst
NRW Forum, Düsseldorf
12.02- – 22-05.2016

Horst P. Horst im NRW Forum
Wenn die bunten Fahnen wehen… werden auch die Fotografien von Horst P. Horst im Düsseldorfer NRW Forum gezeigt.

Einmal mehr zeigt sich das Düsseldorfer NRW-Forum als Zentrum der Kunstfotografie, gilt Horst P. Horst doch nicht nur als „Magier des Lichts“, sondern auch als einer der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Gerne wird er in einem Atemzug mit Irving Penn (den ich sehr schätze, vielleicht auch, weil dessen Retrospektive im Essener Folkwang Museum im Herbst 1987 die erste von mir bewusst besuchte Foto-Ausstellung war) oder Richard Avedon genannt. Und so gibt es denn auch viel zu sehen in der Ausstellung, die die Düsseldorfer vom Londoner Victoria & Albert Museum übernommen haben: 250 Fotografien aus sechs Jahrzehnten, viel Mode, Celebrities, aber auch wunderbare Naturaufnahmen, zumeist Nahaufnahmen von Pflanzen oder Muscheln, die mit ihren faszinierenden abstrakten Strukturen eine ganz eigene Ästhetik bieten. Besonders gut gefallen mir immer wieder Horsts spätere Farbfotografien. Die gesättigten, sehr leichtenden Farben in Verbindung mit sehr klarem, fast geometrisch inszeniertem Bildaufbau sind stark. Wer sich Herrn Horst mit nach Hause nehmen möchte: Zur Ausstellung ist der Katalog „Horst: Photographer of Style“ erschienen. Kostenpunkt: 49,90 EUR im Knesebeck Verlag. -MM

 

“Sigmar Polke – Gerhard Richter – Schöne Bescherung”

“Sigmar Polke – Gerhard Richter – Schöne Bescherung”
Museum Morsbroich, Leverkusen
13.03. – 28.08.2016

Auch von hinten schön anzusehen: das Museum Morsbroich mit Parkanlage.
Auch von hinten schön anzusehen: das Museum Morsbroich mit Parkanlage.

Fast 50 Jahre währte die Künstlerfreundschaft von Sigmar Polke (*13.02.1941; +10.06.2010) und Gerhard Richter (*09.02.1932): Sie lernten sich 1962 an der Düsseldorfer Kunstakademie kennen und veranstalteten schon bald gemeinsame Ausstellungen. So gestalteten sie sogar für eine Präsentation in der Hannoveraner „galerei h“ 1966 ein gemeinsames Künstlerbuch – eine Collage basierend auf einem Groschenroman der Science-Fiction-Reihe „Perry Rhodan“ mit eigenen Texten und privaten, meist extra für diesen Anlass inszenierten Fotografien. Ab den frühen 70ern trennten sich die Wege der beiden zusehends. Dennoch gab es in ihren Werken immer wieder Parallelitäten.
Und genau hier setzt die aktuelle Präsentation in der Grafiketage des Museum Morsbroich in Leverkusen an: Im Fokus stehen dort vor allem Richters Künstlerbuch „EIS“ (1972) und seine Edition „November“ (1980) sowie ein von Polke im Jahr 1985 gestaltetes Stenogrammheft „Ohne Titel“ und ein von ihm 1979 umgearbeiteter „Diabolic“-Comic. (Sicherlich interessant für Richter- und/oder Polke-Fans: Anlässlich der Ausstellung erscheinen all diese Arbeiten als Publikationen in Faksimile und limitierter Auflage!).
Ergänzt wird die Schau zudem durch zahlreiche Drucke Richters aus den Jahren 1965 bis 1974, die das Museum Morsbroich sein Eigen nennen darf. Auch gibt es einige frühe Richter-Gemälde aus der Leverkusener Sammlung zu bestaunen. Alles in allen mal wieder eine besondere Schau in dem von der Schließung bedrohten Haus (siehe hierzu auch Marcus´ gesonderten Beitrag). -AEK

 

„Aufschlussreiche Räume – Interieur als Porträt“

„Aufschlussreiche Räume – Interieur als Porträt“
Museum Morsbroich, Leverkusen
31.1.2016 – 24.04.2016

Wer wohnt denn da? Interessante Einblicke im Museum Morsbroich...
Wer wohnt denn da? Interessante Einblicke im Museum Morsbroich…

Wohnst Du noch oder lebst Du schon? So fragt werblich ein bekanntes Möbelhaus daher. Und irgendwie spiegelt sich darin ein Stück Zeitgeist, wird hier doch durchaus die gewollte Individualität des eigenen Zuhauses in den Vordergrund gestellt. (Ja, nun – wie individuell es ist, sich mit global vertriebenen Einheits-Möbeln auszustatten, das sei mal dahingestellt. Doch gleiches ließe sich auch rund um Design-Klassiker diskutieren). Im Leverkusener Museum Morsbroich stellt man sich auf jeden Fall dem Thema „Interieur als Porträt“ und geht der Frage nach, inwieweit Wohnungseinrichtungen Aufschluss über die Persönlichkeit ihrer Bewohner geben. Ein schöner Ansatz, der viele interessante kurative Möglichkeiten bietet. Mir persönlich haben besonder die „Garagenbilder“ von Simone Demand gefallen. Die seriellen Foto-Arbeiten aus der Serie „Freude am Leben“ zeigen das Innenleben von Garagen aus dem stets gleichen Blickwinkel. Der eigene Blick wandert über die dort gelagerten Gegenstände. Und plötzlich machen sich die Gedanken auf die Reise und forschen nach dem, der diese Garage besitzt, nach dem Leben dieser Person. Und ein Stück auch nach dem eigenen Leben. Immer wenn das passiert, macht mir Kunst besonderen Spaß. Wie schön, dass es Morsbroich noch gibt! -MM

“Tony Cragg – Parts of the World – Retrospektive”

“Tony Cragg – Parts of the World – Retrospektive”
Von der Heydt-Museum Wuppertal
19.04. – 14.08.2016

statt Löwen Skulpturen von Tony Cragg: Der Eingangsbereich des Wuppertaler Von der Heydt-Museums
statt Loewen Skulpturen von Tony Cragg: Der Eingangsbereich des Wuppertaler Von der Heydt-Museums

Kaum zu glauben, aber wahr: Das Von der Heydt-Museum Wuppertal hat es endlich geschafft! Bis Mitte August zeigt man dort im gesamten Haus eine Retrospektive des aktuell sicherlich bedeutendsten zeitgenössischen Künstlers der Stadt, Tony Cragg. Wohnt und arbeitet der gebürtige Brite doch bereits seit mehr als 45 Jahren in Wuppertal und eröffnete sogar im Jahre 2008 mit dem zwischen Elberfeld und Barmen gelegenen Skulpturenpark Waldfrieden eines der größten Künstlermuseen weltweit.
Zu sehen sind frühe Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken, spannende Fotografien, Objekte und Kollagen, aber vor allem die für Cragg so typischen, meist recht großen Skulpturen aus z.B. Bronze, Edelstahl, Holz, Stein, Gips, Kunststoff oder Wachs. Egal wo man hinsieht, überall stehen sie, diese überdimensionalen „Handschmeichler“ des ehemaligen Professors und Rektors der Düsseldorfer Kunstakademie. Wirklich beeindruckende Gebilde mit skurrilen organischen Formen. In „natur“, bunt lackiert oder spiegelglänzend. Ein Modell ist sogar komplett mit einer Oberfläche aus Spielwürfeln überzogen! Man muss sich arg zusammenreißen, um sie nicht zu berühren. Trotz ihres sicherlich nicht geringen Gewichts wirken sie irgendwie „leicht“, vor allem aber „anziehend“.
Kurz: Wieder einmal eine großartige Ausstellung in Wuppertal unter Gerhard Finckh! -AEK

„Mario Merz“

„Mario Merz“
Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung
, Neuss
10.04. – 14.08.2016

Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung in Neuss
Tolle Architektur: die neue Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung in Neuss

Und schon wieder hat Neuss etwas Neues für Kunstliebhaber im Portfolio! Just Anfang April öffnete die Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung ihre Pforten. Der nach einem Modell des bedeutenden deutschen Bildhauers gebaute Ausstellungsraum – anfänglich eine flach aufliegende Streichholzschachtel mit einem gewellten Kartoffelchip als Dach – liegt in direkter Nachbarschaft zur Langen Foundation  und zur Stiftung Hombroich mit dem Kirkeby-Feld, dem Museum Insel Hombroich und der Raketenstation inklusive Siza-Pavillon.
Für uns erscheint der Bau bereits von Ferne bei der Anfahrt über den Feldweg als architektonischer Traum: Schlicht, vor allem aus Holz, Stein und Beton – einfach wunderschön! In einem nicht minder formschönen Anbau findet man das Dienstgebäude inklusive Kasse und Bibliothek. Und unsichtbar, da unterirdisch, gibt es zudem noch ein 700 qm großes Lager, in dem sowohl Schütte als auch seine Stiftung zahlreiche Arbeiten und Archivmaterialien aufbewahren.
Den Anfang einer sicherlich erfolgreichen Ausstellungsreihe – man plant einen Turnus von zwei Schauen pro Jahr – macht Mario Merz, ein mir bis dahin nicht bekannter Künstler aus Mailand (*1925, +2003) und Hauptvertreter der Arte Povera. Gezeigt werden die für Merz wohl typischen Skulpturen aus diversen Materialien wie z.B. Glas, Stein, Metall und/oder Reisigbündel in Igluform – für den Künstler eine Metapher für die ideale Form des Ursprünglichen. Zudem farbige Wandgemälde, oft in Kombination mit Neonschriftzügen der Fibonacci-Zahlenreihe „1-1-2-3-5-8-13-21-34-55-89-144-…“ – eine bereits in der Antike den Griechen und Indern bekannte unendliche Folge von natürlichen Zahlen, mit der noch heute klassischer Weise Wachstumsvorgänge in Flora und Fauna erklärt werden.
Alles in allem ein wirklich lohneswerter Besuch. Und eines ist Euch natürlich klar: Wir freuen uns schon heute auf die erste Thomas-Schütte-Ausstellung und werden garantiert an dieser Stelle davon berichten! -AEK

„Thomas Struth: Nature & Politics“

Nature & Politics
Thomas Struth
Museum Folkwang, Essen
04.03. – 29.05.2016

Fotokunst im Chipperfied-Bau: Das Museum Folkwang zeigt Thomas Struth.
Fotokunst im Chipperfield-Bau: Das Museum Folkwang zeigt Thomas Struth.

Großformatige, zum Teil geradezu riesenhafte Bilder. Fotografien, die hochkomplexe Orte zeigen. Zum Beispiel Orte, die die meisten Menschen selten bis nie zu sehen bekommen: Forschungseinrichtungen, Labore, konstrukte wissenschaftlicher Höchstleitungen. Das alles komprimiert in exakt durchdachten Bildkompositionen, in denen auch das kleinste Detail hervorsticht (die schiere Größe der Abzüge tut das ihrige hinzu), in denen der Betrachter aber gleichzeitig mit der eigenen Überforderung konfrontiert wird: Die Aufbauten, das Kabelwirrwarr, das Chaos technischer Versuchsanordnungen ist nicht zu durchschauen, geschweige denn zu verstehen. Der Mensch hat viel geschaffen, er glaubt an den Fortschritt – oft auch daran, dass gradezu alles machbar sei. Das jedoch, so leuchtet es in den Bildern Struths auf, ist eine Illusion. Sieht man zum Beispiel auf dem 2,8 mal 3,5 Meter großen Foto einer Bohrinsel die zwei verschwindend kleinen Personen neben ihren Fahrrädern am Bildrand,  wird die Bedeutung des Menschen fast beiläufig wieder zurechtgerückt. Und für alle gezeigten Fotografien gilt: Stets bleibt das Geheimnis. Die geradezu unheimlichen Bilder aus Vergnügungsparks, die Fotografien von durch Robotern durchgeführten Operationen, das riesenhafte Panorama eines Aquariums, vor dem sich Eltern und Kinder die Unterwasserwelt anschauen. Immer lohnt ein langer, ausgiebiger Blick. Und dann folgt Nachdenken. -MM