Archiv für den Monat: März 2016

Museum Morsbroich – Quo Vadis?

„Museum Morsbroich – Quo Vadis?“
Museum Morsbroich, Leverkusen
1951 – ?

Das Museum Morsbroich in Leverkusen steht auf er Streichliste der Stadt
Viele Fragezeichen am Himmel. Das Museum Morsbroich in Leverkusen steht auf der Streichliste der Stadt.

In diesem Text soll es ausnahmsweise nicht um eine konkrete Ausstellung gehen. Es geht vielmehr um ein museales Kleinod im Rheinland, um einen besonderen Ort mit besonderer Geschichte und besonderem Charme. Schlagzeilen gab es  zum Museum Morsbroich in Leverkusen in den letzten Wochen so einige. „Museum Morsbroich von Schließung bedroht“ schreibt die Online-Ausgabe des Kunstmagazins Art, die Print-Version im April dann meinungsfreudiger „Sparen mit Schaden“. „Die Gesellschaft wird versaut“ titelte die Rheinische Post zum gleichen Thema mit einem Zitat von Gerhard Richter.

Hintergrund: Die Prüfungsgesellschaft KPMG hat Optimierungspotenziale entdeckt und Maßnahmen vorgeschlagen. Und die Top-Einsparung verspräche eine Schließung des Museums. Fast 800.000 Euro jährlich, heißt es.

Nun ist das Museum Morsbroich etwas besonderes. Als erste Museumsneugründung der Bundesrepublik für Gegenwartskunst ist es seit jeher Plattform für aktuelle Künstlerinnen und Künstler. Es ist Vorreiter und Wegbereiter – bis 1986 (!) gab es in Nordrhein-Westfalen nur zwei Museen für Gegenwartskunst, nämlich Morsbroich und das Kunstmuseum Krefeld. Und in Morsbroich wird hervorragende Kunst gesammelt und Kunst hervorragend präsentiert. Die Ausstellungen im Schloss nehmen Besucher immer wieder mit auf spannende Reisen und bereiten Zusammenhänge so auf, dass Werke lebendig werden, dass Verständnis entsteht, Zugang zur Gegenwartskunst, im besten Fall Begeisterung. Das gilt für aktuelle Ausstellungen wie die im September 2015 hier besprochene „Postminimalistische Kunst aus dem Rheinland“. Und das galt auch in der Vergangenheit, wo mit Ausstellungen wie  „Lenbach“ 2003 oder „Yes Yes Yes Yes“ 2005 und vorher und nacher immer wieder Highlights geschaffen wurden, ohne dabei auf Massen-Kunstspektakel zu setzen. Ruhig, klar, bedächtig, provozierend, erhellend. Morsbroich ist vieles. Und eine Schließung wäre ein immenser Verlust. Für die Stadt, für die Region und für die Menschen – Künstler wie Besucher.

Und ich schließe gerne mit zwei Zitaten, die zur Geschichte des Museums auf seiner Website zu lesen sind: „Das Museum Morsbroich zählt unbestritten zu den wenigen herausragenden Kristallisationspunkten einer Leverkusener Identität.“ Und: „Der Umgang mit dem Morsbroicher Erbe bildet eine Blaupause für die Zukunftsfähigkeit der Stadt Leverkusen.“ So ist es wohl. Und Schließung des Museums hieße daher auch: Selbstdemontage einer Stadt. -MM

„Norbert Thomas: Kein Zufall“

„Norbert Thomas: Kein Zufall“
Norbert Thomas
Von der Heydt Kunsthalle, Wuppertal
28.02-2016 – 24.04.2016

Norbert Thomas in der Wuppertaler von der Heydt Kunsthalle
Kein Zufall, dass Norbert Thomas‘ Malerei und Skulpturen nicht nur in Wuppertal, sondern später auch in Würzburg zu sehen sind.

Es ist ganz wunderbar (und sicher „kein Zufall“), dass die von der Heydt Kunsthalle in Wuppertal Norbert Thomas eine Einzelausstellung widmet. Konkrete Kunst ist das Metier des gebürtigen Frankfurters, und so sind es denn auch klare, grafisch wirkende, ungegenständliche Bilder, Skulpturen, Reliefs, die den Besucher in Wuppertal erwarten. Aber was für welche! Zu einigen Arbeiten gehören mehrere Leinwände, die gegeneinander verdreht an der Museumswand hängen; die für Thomas oft typischen diagonalen Linien und Balken reichen imaginär über den Bildrand hinweg, werden von der nächsten Leinwand wieder aufgenommen, lassen die Arbeit wieder zur Einheit werden. Von anderen Bildern springen einen verschiedengroße Rechtecke förmlich an. Dann wieder gaukeln andere Werke von weitem vor, eigentlich Bilder auf einer Leinwand zu sein – und geben sich beim Näherkommen als Reliefs zu erkennen. Das ist definitiv einen Besuch wert! Und wer’s in Wuppertal nicht schafft: im Sommer wird die Ausstellung im Würzburger Kulturspeicher – sowieso ein wunderbarer Ort für Konkrete Kunst – zu sehen sein. Hingehen! -MM

“Die Grosse Kunstausstellung NRW 2016”

“Die Grosse Kunstausstellung NRW 2016”
Museum Kunstpalast
21. Februar bis 13. März 2015

Highlight in Düsseldorf: Die Grosse Kunstausstellung NRW 2016
Große Kunst in Düsseldorf: „Die Grosse Kunstausstellung NRW“ ist auch 2016 ein Highlight

Schön! Es ist wieder soweit: Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast wird bespielt durch „Die Grosse Kunstausstellung NRW“. Und was soll ich sagen? Erneut lohnt sich der Besuch in jeder Hinsicht. Die Vielfalt der NRW-Kunstszene in Malerei, Skulptur, Fotografie und Co. inspiriert, ist frisch und der Besuch ist von Anfang bis Ende ein Erlebnis. Besonders schön: Der Kunstpalast ist wieder extrem gut besucht, die regionale Kunsszene stößt also auf reges Interesse, auch ohne dass ausschließlich auf große Namen gesetzt wird. Die vielen vertretenen Künstlerinnen und Künstler sollen hier gar nicht alle aufgezählt werden (einen guten Überblick liefert die Website der Ausstellung). Den diesjährigen Kunstpreis der Künstler erhielt Benjamin Katz (zur Ausstellung ist eine schöne und preiswerte Auflage von Fotografien erschienen), Träger des Förderpreises ist Andrej Wilhelms.

Mir persönlich hat vieles gut gefallen, erwähnen möchte ich beispielhaft die Fotos und Montagen des Teams Oster + Koezle, die oft geometrisch komponierte Fotografien mit grafischen Eingriffen versehen und so den Blickwinkel des Betrachters buchstäblich verrücken. Und – ein schönes Wiedersehen – die wunderbaren Arbeiten von Thomas Wrede, der den Betrachter mit Fotografien von gebauten Modellen in nicht-existente und doch überaus reale Welten stößt und damit so manche Frage aufwirft.

Also dann: „Die Grosse“ sollte auch schon für 2017 ihren festen Platz im persönlichen Kunstkalender erhalten! -MM

Clemens Sels Museum Neuss

Clemens Sels Museum, Neuss

der Deilmannbau  - der moderne Part des Clemens-Sels-Museums in Neuss
Ein Kunstwerk für sich:  der Deilmannbau – der moderne Part des Clemens-Sels-Museums in Neuss…

Im Gegensatz zur Museumsinsel Hombroich und der Langen-Foundation liegt das Clemens-Sels-Museum nicht im Neusser Umland, sondern mitten im Stadtzentrum in zwei miteinander verbundenen Gebäuden – dem traditionellen Obertor und dem modernen, vor kurzem frisch restaurierten Deilmannbau.
Auch wenn es dort bei unserem Besuch Anfang März keine Sonderausstellung zu bestaunen gab, möchten wir als Wahl-Neusser natürlich auch diesen Ausstellungsraum kurz in unserem Museumsblog erwähnen.
Wikipedia beschreibt das Clemes-Sels-Museum äußerst treffend als „ein modernes Mehrspartenhaus“, in dem Kunst vom Mittelalter bis hin zur Moderne präsentiert wird. Zudem beherbergt man eine bedeutende archäologische, stadtgeschichtliche und volkskundliche Sammlung, um die Geschichte von Neuss – neben Trier eine der ältesten Städte Deutschlands – zu dokumentieren.
Uns von Artreview haben bei unserem Besuch natürlich die aktuell im Erdgeschoss hängenden Farbmalereien von z.B. Jürgen Paatz und Susanne Stähli besonders gut gefallen. Wunderbar!
Aktuell in Diskussion ist übrigens eine kostenintensive Erweiterung des Museumsbaus als Voraussetzung für die Schenkung einer großen Jugendstilsammlung. Drücken wir also mal kräftig die Daumen, dass die Stadt Neuss die richtige Entscheidung im Sinne der Kunst und der Neusser Bürger trifft. -AEK