Archiv für den Monat: Juni 2015

„4 REAL & TRUE 2 – Wim Wenders. Landschaften. Photographien.“

„4 REAL & TRUE 2 – Wim Wenders. Landschaften. Photographien.“
Wim Wenders
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
18.4.2015-16.8.2015

Wim Wenders zum 75.! Das abgebildete Faltblättchen gibt's umsonst - der Eintritt kostet 12 Euro. Und die sind gut angelegt!
Wim Wenders zum 70.! Das abgebildete Faltblättchen gibt’s umsonst – der Eintritt kostet 12 Euro. Und die sind gut angelegt!

Wenders ist ein Reisender und ein Suchender. Einer, der Bilder erkennt, wenn sie sich vor ihm auftun. Atmosphärische Bilder, Stimmungen fängt er ein. Und überträgt sie dann auf den Betrachter. Das gelingt ihm immer wieder mit seinen Filmen – und ebenso mit seinen Fotografien, für mich gerade mit seinen Farbfotografien (und mir kommen große Namen wie William Eggleston und Joel Meyerowitz in den Kopf). Zum 70. Geburtstag des Regisseurs und Fotografen zeigt das Museum Kunstpalast eine in jeder Hinsicht sehenswerte Ausstellung. Fast 80 großformatige Bilder entführen den Besucher in Bildwelten, in denen man sich verlieren kann. Menschenleer. Michelangelo Antonioni, großer italienischer Regisseur, mit dem Wenders einst zusammenarbeiten durfte, fällt mir ein. Hier sollte man Zeit mitbringen, das lohnt sich. So wie Wenders-Filme stets ihren ganz eigenen Rhythmus finden, tut es auch den Fotos im Kunstpalast gut, sie in Ruhe wirken zu lassen. So fand ich die zum Teil wirklich lautstarken Führungen störend (warum nur muss alles in voller Lautstärke erklärt werden, wo doch die entsprechende Funktechnik mit „Knopf im Ohr“ für alle Teilnehmer vorhanden ist? Nervig.). Aber mit ein paar Ausweichmanövern haben sich dann immer wieder die stillen Momente eingestellt. Schön. Nachdenklich. Ein wenig melancholisch. Anschauen. -MM

„Aus der Reihe bewegt. Druckgraphik von Camille Graeser.“

„Aus der Reihe bewegt. Druckgraphik von Camille Graeser.“
Camille Graeser
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
18.4.2015 –  26.7.2015

Konkret relaxen: Die Liegestühle vor dem Museum Kunstpalast laden zur Pause vor dem Besuch der Graeser-Ausstellung
Konkret relaxen: Die Liegestühle vor dem Museum Kunstpalast laden zur Pause vor dem Besuch der Graeser-Ausstellung

Und wieder wird’s „konkret“! Dem Düsseldorfer Museum Kunstpalast wurde Mitte der neunzehnhundertachtziger Jahre der Großteil der Druckgrafik des „Zürcher Konkreten“ Camille Graeser vermacht. Und dieser kleine Schatz wird in der schönen Retrospektive nun endlich wieder gezeigt. Farbige Formen ordnen sich in den geometrisch-mathematischen Kompositionen. Und immer wieder tanzt das eine oder andere Element aus der Reihe, purzelt in vielen Arbeiten ein vorwitziges Quadrat heraus aus der straffen Gliederung seiner Kollegen. So spielt Camille Graeser durchgängig mit den scheinbar strengen Bildelementen. Und hat mich an vielen Stellen lächeln lassen. -MM

“China 8 – zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr“

“China 8 – zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr“
NRW-Forum, Düsseldorf
15. Mai bis 13. September 2015

Künstlerisches Muskelpaket vor dem NRW-Forum: Die Skulptur "Bending" von Yue Minjun im Rahmen der China 8 Ausstellung
Künstlerisches Muskelpaket vor dem NRW-Forum: Die Skulptur „Bending“ von Yue Minjun im Rahmen der China 8 Ausstellung

„China 8“ – so lautet das Motto einer neunteiligen Ausstellung parallel in 8 Städten an Rhein und Ruhr, die rund 120 chinesischen Künstlern eine Plattform bietet, ungefähr 500 Exponate auszustellen. Damit ist „China 8“ – so sagen es zumindest die Organisatoren – „die bislang größte museale Schau zeitgenössischer Kunst aus China“ in Deutschland!

Der von uns besuchte Part „Overview – Blicke auf China“ im Düsseldorfer NRW-Forum versteht sich als „Entrée“ der Gesamtausstellung. Denn hier sind alleine 35 – also ungefähr ein Drittel – der beteiligte Künstler und Künstlerlinnen mit ihren Arbeiten aus den unterschiedlichsten Genres vertreten. So gibt es Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, aber auch Skulpturen, Fotografien und Videos. Ob das Gezeigte alles eine „typisch chinesische“ Handschrift aufweist, das mag ich von dieser Stelle her nicht beurteilen. Für mich gab es jedoch einige durchaus spannende Arbeiten, unabhängig von ihrer Herkunft. Mein persönliches Highlight: Die Fotografie „Gaze of the Field“ von Liang Weizhou aus dem Jahr 2012.

Wer bei dieser Düsseldorfer Schau Lust auf „mehr“ bekommen hat, der hat bis Mitte September 2015 Zeit, auch die folgenden Schauplätze z.B. mit einem recht preisgünstigen Kombiticket (€ 18) zu besuchen:

Wichtig für die Tourenplanung: Obige Aufzählung ist allein alphabetisch geordnet und in dieser Form sicherlich nicht geeignet als optimierte Reiseroute. Für mich als waschechtes Kohlenpottkind aus Wanne-Eickel (!) liest sie sich ansonsten wie ein „must-have“ im Hinblick auf die Ruhrgebiets-Museen! Es würde mich übrigens sehr freuen, wenn aufgrund dieser regionenübergreifenden „China 8“-Ausstellung auch zahlreiche „externe“ Kunstinteressierte gerade den Weg in die kleineren Häuser nach Gelsenkirchen (u.A. eine wundervolle Konstruktivismus- und Kinetik-Sammlung!) oder Recklinghausen (u.A. Werke der Künstlergruppe »junger westen« – Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Heinrich Siepmann, Hans Werdehausen, Gustav Deppe, Ernst Hermanns) finden würden.

Zum Schluss noch ein weiterer Tipp: Wer schon mal in Hagen am Osthaus-Museum ist, der sollte auf alle Fälle auch das benachbarte Emil-Schumacher-Museum besuchen. Wie der Name schon vermuten lässt: Das 2009 eröffnete Haus (schöne Architektur!) ist dem Lebenswerk des Hagener Künstlers Emil Schumacher gewidmet und beherbergt eine Vielzahl seiner informellen Arbeiten – Gemälde, Arbeiten auf Papier, Keramiken und Porzellane. Eine wirklich großartige Sammlung! -AEK

“Bernhard Schultze – Werke aus der Sammlung Kemp”

Ausstellung “Bernhard Schultze (1915 – 2005) – Werke aus der Sammlung Kemp
Bernhard Schulze
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
19. April bis 30. August 2015

"Zauselig" auch im Prospekt: Abbildung der Bernhard Schultze Arbeit "Magischer Migolf" im Flyer zur Ausstellung
„Zauselig“ auch im Prospekt: Abbildung der Bernhard Schultze Arbeit „Magischer Migolf“ im Flyer zur Ausstellung

Nach Arbeiten von Winfred Gaul, Karl Otto Götz und Gotthard Graubner zeigt das Museum Kunstpalast nun Werke von Bernard Schultze aus der ihm im Jahre 2011 geschenkten Sammlung von Ingrid und Willi Kemp.

Bernhard Schultze, vor dem zweiten Weltkrieg zeitweise Student an der Kunstakademie Düsseldorf, zählt zu den Pionieren des Informel. Gemeinsam mit Karl Otto Götz, Otto Greis und Heinz Kreutz gründete er Anfang der 50er Jahre die Künstlergruppe Quadriga – laut einiger Kunsthistoriker der erste avantgardistische Künstlerverbund Deutschlands.

Die Düsseldorfer Ausstellung zeigt in dieser kleinen Retrospektive nicht nur informelle zweidimensionale Arbeiten auf z.B. Leinwand, Hartfaserplatte oder Papier von Schulz, sondern auch einige seiner bizarren dreidimensionalen Skulpturen, so z.B. „Magischer Migof“, ein filigranes Gebilde aus Draht, Textilien, Plastikmasse und Öl aus dem Jahr 1962. Alles in allem ein gelungenes Potpourri an abstrakter, nicht-geometrischer, gegenstandsloser Kunst nach meinem Gusto.

Gegenstandslos? Bei mir haben die meist sehr farbenfrohen Kunstwerke des mehrfachen documenta-Teilnehmers (documenta 2/1959, documenta 3/1964, documenta 6/1977) oft Assoziationen an organisch-florale Gebilde wie z.B. Bäume, Sträucher, Blumen oder Wurzeln geweckt! Aber diesbezüglich sind der Phantasie ja bekannter Weise auch bei informellen Arbeiten keine Grenzen gesetzt…

Ach ja: Wie schon so oft konnten wir auch bei diesem Besuch des Museums Kunstpalast feststellen, dass diese kleinere Wechselausstellung in den Räumlichkeiten direkt im Erdgeschoss hinter der Museumskasse genauso wie die im Trakt gegenüber (Aus der Reihe bewegt. Druckgraphik von Camille Graeser) eher „stiefmütterlich“ im Vergleich zur großen Wechselausstellung im ersten Obergeschoss (4 REAL & TRUE 2. Wim Wenders. Landschaften. Photographien.) besucht wurde. Schade! Für uns hat sich der Blick in diese scheinbar für viele Besucher etwas weniger attraktiven Museumswinkel auf jeden Fall wieder einmal absolut gelohnt! -AEK