Archiv für den Monat: März 2015

„Die GROSSE 2015″

Aktueller Flyer zur "GROSSEN" mit einer Arbeit von Felix Droese
Aktueller Flyer zur „GROSSEN“ mit einer Arbeit von Felix Droese

“DIE GROSSE Kunstausstellung NRW 2015”
Museum Kunstpalast
07. März bis 29. März 2015

Nach dem Motto „alle Jahre wieder“ gibt es auch heuer eine Neuauflage der beliebten Ausstellung „DIE GROSSE Kunstausstellung NRW Düsseldorf“ im Museum Kunstpalast. Gezeigt werden zahlreiche Exponate aus den Genres Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Videokunst. Wie schon seit mehr als 100 Jahren wurden deren Schöpfer – 130 Künstlerinnen und Künstler – auch dieses Jahr von einer stetig wechselnden, aus Kolleginnen und Kollegen bestehenden Jury ausgesucht.

Die im Zusammenhang mit dieser traditionsreichen Ausstellung – von Insidern liebevoll kurz „DIE GROSSE“ genannt – vergebenen Ehrungen erfuhren dieses Jahr Felix Droese („Kunstpreis der Künstler“) und David Pollmann („Förderpreis“).

Mein persönlicher Favorit: David Fried mit einer hochglänzenden Stahlskulptur aus seiner Serie „Stemmer“! Gefreut habe ich mich zudem, die Arbeit „Halde“ von Ubbo Kügler und die Graphik „Gletscherschwund“ von Ansgar Skiba – zwei Künstler, die ich persönlich kenne und sehr schätze – unter den Exponaten zu entdecken.

Das Besondere an „DER GROSSEN“: Alle ausgestellten Kunstwerke können wie in einer Galerie direkt vor Ort erworben werden. Details – so auch Preise – findet man in einem handlichen Ausstellungskatalog (€ 18,00).

Unser Tipp: In Kürze (April/Mai 2015) besteht für interessierte KünstlerInnen die Möglichkeit, sich fürs nächste Jahr über ein Online-Portal beim Veranstalter, dem Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e.V., zu bewerben! Viel Glück! -AEK

„Uecker“

Viel Papier: diverse Informationen zur Uecker Ausstellung
Viel Papier: diverse Informationen zur Uecker Ausstellung

“Uecker”
Günther Uecker – Malerei – Skulptur – Zeichnung

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K 20
07. Februar bis 10. Mai 2015

Endlich: Eine ausführliche Einzelausstellung zum umfangreichen Werk Günther Ueckers in seiner langjährigen Wahlheimat Düsseldorf! Denn der Umzug des 1930 in Wendorf/Mecklenburg geborenen Künstlers in die Westdeutsche Kunststadt erfolgte bereits vor 60 Jahren: 1955 begann Uecker ein Kunststudium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei dem von ihm verehrten Otto Pankow. Knapp 20 Jahre später, 1974, wird er dann selbst Professor an dieser Akademie: Er erhält den neu geschaffenen Lehrstuhl für Freie Kunst.

Im Erdgeschoss der Kunstsammlung am Grabbeplatz zu sehen sind viele bedeutende Werkblöcke des Künstlers aus unterschiedlichen Materialien, so z.B. Brief an Peking (19 großformatige Leintücher mit schriftlichen und malerische Zeichen), Verletzung des Menschen durch den Menschen (eine Papierarbeit bestehend aus einzeln gerahmten Blättern, beschrieben von Uecker mit 60 Wörtern), Terrororchester (eine Installation mit ca. 30 originellen Klangobjekten) und natürlich zahlreiche Nagelfelder – die Markenzeichen Ueckers bestehend aus mit Leinwand bespannten Holzträgern, Farbe und Nägeln. Auch eine Sandmühle konstruiert aus Sand, Holz, Seilen und einem Motor zieht im K 20 meditativ ihre Kreise. Und auch nach fast 50 Jahren noch top-aktuell nicht nur im Design: Ueckers Lichtregen, ein begehbares (!) Lichtobjekt bestehend aus an der Decke hängenden filigran wirkenden Aluminiumröhren mit Schlitzen auf unterschiedlichen Höhen, durch die das Licht in verschiedenen Richtungen scheint.

Neben der reinen Kunst präsentiert die Ausstellung auch die umfangreiche Dokumentation zu Ueckers Werk. An verschiedenen „Inseln“ erhält der Besucher die Möglichkeit, zahlreiche Film- und Zeitungsausschnitte in Ruhe zu studieren. Wer noch mehr Zeit und Muße hat, der kann sich auch in einem Kino-Raum sieben verschiedene Filme über das Leben und Schaffen des Künstlers anschauen.

Im „Labor“ des K 20 gibt es schließlich basierend auf einem Konzept Günther Ueckers parallel zur Ausstellung für alle Museumsbesucher die Möglichkeit, mit den Materialien Papier und Graphitstift persönliche „Briefe an einen Unbekannten“ zu verfassen! Veröffentlicht werden diese Werke dann durch eine simple Hängung an den zahlreichen im Raum gespannten Wäscheleinen mit Hilfe von Wäscheklammern.

Eine wahrlich pfiffige Idee: Neben einer Sonderausgabe der „Uecker-Zeitung“ erhält man am Eingang eine Art „Schnellhefter“, in dem man zu den einzelnen Werkkomplexen aushängende Informationen zum persönlichen „Minikatalog“ im handlichen DIN A 4-Format zusammenstellen kann. Wer dazu keine Lust hat: Keine Angst! Den ausführlichen, hochwertigen Ausstellungskatalog gibt es für € 36,00 als Museumsausgabe.

Und wer sich ganz besonders verwöhnen möchte, der hat direkt vor Ort die Möglichkeit, die eigens von Günther Uecker für diese Ausstellung angefertigte Edition „Handlungen“, 2014 zu erstehen – eine signierte und nummerierte Original-Lithographie von 1 Stein (schwarz) in einer Auflage von 100/10 e.a./10 h.c. -AEK

„Augenzwinkern“

Holtappel-Oberhausen
kleiner Aufsteller vor dem Museumsshop: Die Holtappel-Ausstellung sollte man nicht übersehen

„Augenzwinkern“
Rudolf Holtappel – Fotografie

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
8. Februar bis 3. Mai 2015

Während im Hauptgebäude die große Herlinde Koelbl Ausstellung stattfindet, sollte man auch nicht versäumen, sich im „kleinen Schloss“ gegenüber die Fotografien von Rudolf Holtappel anzusehen. Lange Zeit war Holtappel – 1923 in Münster geboren, größtenteils in Oberhausen lebend –  in der journalistischen Fotografie, der Werks- und Theaterfotografie zu Hause. Später widmete er sich dann auch der „künstlerischen“ Fotografie. Eine schöne Ausstellung eines echten Chronisten des Ruhrgebiets. Besonders haben mir persönlich die Bilder der erstmals gezeigten Serie zu „Übergängen und Ortsschildern“ der Ruhrgebietsstädte gefallen. Die Schwarzweißaufnahmen zeigen Stadtgrenzen, die in der quasi übergangslosen Aneinanderreihung von Ortschaften im Ruhrgebiet in der alltäglichen Wahrnehmung völlig untergehen. Holtappel hat jedoch die Ortseingangs- und -ausgangsschilder gelb koloriert, so dass hier die gezogenen „Verwaltungsgrenzen“ sichtbar werden, wo echte Brüche gar nicht vorhanden sind. Eine schöne Idee von einem Mann, dessen Herz offenbar wirklich für die Region schlug. Rudolf Holtappel verstarb im Jahr 2013.

Tipp: Im Shop sind noch signierte Exemplare des Holtappel Bildbandes über Warenhäuser zu bekommen! -MM

„Herlinde Koelbl – Fotografien von 1980 bis heute“

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Nettes Begleitheft: Für 4 Euro gibt es das Ludwig Galerie typische Heftchen mit den wichtigsten Informationen

„Das deutsche Wohnzimmer, Spuren der Macht, Haare und andere menschliche Dinge
– Fotografien von 1980 bis heute“
Herline Koelbl
Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
25.01.2015 – 03.05.2015

Herlinde Koelbl ist wahrlich eine beeindruckende Künstlerin. Und so lohnt sich denn auch der Besuch der Oberhausener Ludwig Galerie in jedem Falle – egal, ob man besonderes Interesse an Fotografie, an Geschichten und Geschichte oder an Menschen hat.

In Oberhausen erwartet den Besucher zunächst eine Werkschau im besten Sinne. Das heißt: Teile all der großen, zum Teil sehr bekannten Bildserien sind zu finden. Goldmund (inklusive des zum Werk gehörenden Films), Das deutsche Wohnzimmer, Schlafzimmer, Schreiben, Kinder, Beziehungen, USA, Abstrakt, Alter, Kleider machen Leute, Schein und Sein, Haare, Männer, Starke Frauen, die jüdischen Portraits und natürlich auch die schon ikonischen Spuren der Macht (gezeigt werden hier die Serien mit Merkel, Fischer und Schröder). Diese Serien waren – das ist wenig überraschend – auch schon in der bemerkenswerten ersten Koelbl-Gesamtschau 2009 im Berliner Martin-Gropius-Bau in ähnlicher Zusammenstellung zu sehen.

Neu ist in Oberhausen die Serie „Fusionen“ aus den Jahren 2013/2014, gar nicht tauchen dagegen die „Targets“ auf, eine Serie, in der sich die Fotografin jeweils landestypischen „Schießzielen“ und militärischer Ausbildung beschäftigt (die komplette „Targets“-Ausstellung konnte ich 2014 im Deutschen Historischen Museum in Berlin sehen). So oder so: die Oberhausener Ausstellung, mit Herlinde Koelbl selber als Co-Kuratorin entsstanden,  ist ein echtes Geschenk. Das einmalige Zusammenspiel von Fotografie und Texten, Zitaten, Interviews kennzeichnet ihre Arbeit und fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Was sollte man also tun? Zunächst hingehen, schauen und staunen. Und danach am allerbesten das eine oder andere Buch zur Hand nehmen (…der Museumsshop hilft da natürlich weiter). Denn in den Bildbänden finden sich dann auch die vollständigen Texte und Interviews, die untrennbar mit den Fotoarbeiten verbunden sind. Also los – nichts wie hin! -MM

„Rotterdam in the Picture“

rotterdamInThePicture
Broschüre zu aktuellen Ausstellungen im Nederlands Fotomuseum – auf dem Cover des Bildbandes „Exactitudes“

„Rotterdam in the Picture – 175 Jahre Fotografie in Rotterdam“
Nederlands Fotomuseum, Rotterdam
24.01.2015 – 17.05.2015

Die große Ausstellung rund um Fotografie in Rotterdam haben wir uns am 15. Februar angeschaut. Da geben sich Reportage, Kunst, Geschichte und Stadtentwicklung ein Stelldichein. Und – wie nicht anders zu erwarten – die Anzahl der gezeigten Künstler und Arbeiten ist immens. Das ganze ist also nicht nur interessant für Rotterdam-Fans, sondern auch und gerade Foto-Freunde kommen auf ihre Kosten. Viele der ausgestellten Fotografien haben mir sehr gefallen. Herausstellen möchte ich drei Arbeiten des Gespanns Ellie Uyttenbroek und Ari Versluis. Schon seit vielen Jahren arbeiten die beiden an dem Projekt „Exactitudes“, bei dem sie Portraits von jeweils 12 Personen, angeordnet in einem 3×4 Raster, zusammenfassen. Die gezeigten Menschen sind jeweils einem bestimmten gemeinsamen „Typus“, einer Art sozialen Gruppe zugeordnet, sie kleiden sich auffällig ähnlich und werden pro Serie stets in der gleiche Pose abgelichtet. In der Ausstellung gezeigt wurden die „Neighbours“, „Moroccies“ und „Gabberbitches“. Am besten selber anschauen. Das geht übrigens auch sehr gut zu Hause: Zum Gesamtprojekt gibt es eine schöne Website! Und im Museumsshop habe ich auch noch den Bildband „Exactitudes“ gefunden, in dem sich unzählige dieser „Typologien“ finden. Das ist eine echte Empfehlung – viel Spaß beim anschauen und erforschen der Bilder garantiert! Das Buch ist (englischsprachig) in der aktuellen Auflage im Dezember 2014 erschienen bei Nai010 Publishers. -MM

Rotterdam – Architektur & Ausstellungen 02/2015 (Überblick)

Rotterdam_2015
Erasmus-Brücke und im Hintergrund Koolhaas‘ „De Rotterdam“: Prägende Elemente der Skyline.

Die niederländische Metropole, nach Amsterdam zweitgrößte Stadt unserer Nachbarn, stand schon seit längerer Zeit auf unserer Wunschliste – und das aus mehreren Gründen:

  • Von Rotterdam war uns bislang nur der riesige Industriehafen und der Europort als Fährhafen Richtung England aus eigener Anschauung bekannt.
  • Der Krieg hat vom alten Rotterdam nicht viel übrig gelassen. Über die Jahre hinweg haben dann immer mehr berühmte Architekten ihre Gebäude in Rotterdam verwirklicht. Herausgekommen ist eine extrem moderne Stadt, die aber mit Grachten, kleinen Häfen und Anlegestellen und einem großen Kulturangebot eine sehr spannende Mischung bietet.
  • Jede Menge vielversprechende Kunstmuseen.

Im Februar 2015 hat es nun endlich mit dem Besuch geklappt. Und in der Tat: Wer Kunstmuseen mag, ist in Rotterdam garantiert nicht schlecht aufgehoben. Wir haben uns diverse Ausstellungen angeschaut, einige davon sind hier im Blog auch näher besprochen, einige mögen noch folgen. Hier zunächst eine rückblickende Übersicht:

  • „Sara Vanderbeek: Sensory Spaces“; Museum Boijmans van Beuningen (14.02.2015)
  • „Richard Serra: Waxing Arcs“; Museum Boijmans van Beuningen (14.02.2015)
  • „La La La Human Steps – 100 Kunstwerke & 4 Tanz-Duette in Rotterdam“; Museum Boijmans van Beuningen (14.02.2015)
  • „Uitgelicht: Georges Robèr en Reinoud van Vught“; Museum Chabot (14.02.2015)
  • „Out There – part 2“; Nederlands Fotomuseum (13.02.2015)
  • „Rotterdam in the Picture“; Nederlands Fotomuseum (15.02.2015)
  • „Björn Melhus: The Theory of Freedom“; Kunsthalle Rotterdam (15.02.2015)
  • „Ron van der Ende: The Factory Set““; Kunsthalle Rotterdam (15.02.2015)
  • „Simon Crofts: The horizon is calling…“; Kunsthalle Rotterdam (15.02.2015)
  • „Woody van Amen, Hidde van Schie: New Romantic Spirit“; Tent (15.02.2015)
  • „Shift & Drift“; Tent (15.02.2015)
  • „Art In The Age Of… Energy and Raw Material“; Witte de With Center for Contemporary Art (15.02.2015)
  • „Mahony: Safe Harbour“; Witte de With Center for Contemporary Art (15.02.2015)
  • „Willem de Rooij: Character Is Fate “; Witte de With Center for Contemporary Art (15.02.2015)

Da wird klar: Es gibt eine Menge zu entdecken. Viele der erwähnten Ausstellungen sind jedoch durchaus überschaubar, so dass auch tatsächlich genug Zeit für die persönlichen Highlights da war. Und auch die Architektur ist nicht zu kurz gekommen. Das neue Rem Koolhaas (OMA) Gebäude „De Rotterdam“ ist allemal einen Besuch wert, prägt es die Skyline doch nachhaltig – besonders im Zusammenhang mit der ikonischen Erasmus-Brücke von Ben van Berkel. Piet Bloms Kubus Häuser sind außergewöhnlich (mehr dazu auch hier im artreview Blog), die bewohnbare Markthalle von Winy Maas (MVRDV) erstaunlich, die bauten von Renzo Piano, Kees Christiaanse, Willem Gerhard Quist und und und… Einen guten Überblick gibt die Website „Architecture in Rotterdam“

Unser Gesamteindruck: Eine tolle und sehr sympathische Stadt. Rotterdam hat uns garantiert nicht zum letzten Mal gesehen! Wer einen guten Überblick zu Rotterdam mit all seinen Facetten sucht, dem sei die offizielle Website von Rotterdam Info empfohlen! -MM