Archiv für den Monat: Februar 2015

„The Theory of Freedom“

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Ausschnitt aus dem Programmheft „Freaky Spring“ der Rotterdamer Kunsthalle

“The Theory of Freedom”
Bjørn Melhus
Kunsthalle Rotterdam
24.01.2015 – 01.03.2015

In der Rotterdamer Kunsthalle zeigt der norwegisch-deutsche Künstler Bjørn Melhus seine Mehrkanal-Installation „The Theory of Freedom“.  Eine komplette Halle bespielt er mit im leichten Rund nebeneinander angeordneten Großleinwänden und einer immensen Sound-Installation. Vor den Leinwänden liegen große Sitzsäcke – Besucher können sich hineinfläzen und das komplette Spektakel von A bis Z auf sich wirken lassen. Was ist Freiheit? Melhus zeigt eine Welt von abgeschotteten Gemeinschaften, geht auf Religion, Kapitalismus, Globalisierung ein und nutzt in seinen Dialogen Zitate aus Fernsehen und Internet. Die neoliberalen Ideen der russisch-amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand werden mit stereotypen Szenen à la  amerikanisches Mainstream Kino vermischt. Hört sich zu verkopft an? Zugegeben: Das alles kann recht düster sein (und der wunderbar treibend hypnotische Soundtrack tut das seinige dazu). Aber Melhus hat auch eine riesengroße Portion Humor. Ayn Rand portraitiert er als tyrannische, peitschenbewährte Herrin – und spielt sie und auch alle sonstigen Charaktere der Inszenierung kurzerhand selber. Das ganze wirkt spielerisch und gleichzeitig verstörend. Eine Mischung aus Sitcom, Sozialreportage, Science Fiction und Katastrophenfilm. Ja, lachen darf man auch! Gut angelegte Zeit! -MM

„Shift and Drift“

tent-shift&drift„Shift and Drift“
Tent Rotterdam
05.02.2015 – 19.04.2015

Das „Tent“ hat sich auf zeitgenössische Kunst aus Rotterdam spezialisiert und bietet den lokalen Kunstschaffenden damit eine tolle Ausstellungsbühne.  In der aktuellen Ausstellung „Shift and Drift“ sind 17 Künstlerinnen und Künstler mit diversen Arbeiten zu sehen. Hintergrund: Sie alle wurden unterstützt durch den „CBK Rotterdam’s Onderzoek & Ontwikkeling (Research & Development) grant“, ein Programm, mit dem außergewöhnliche Projekte Rotterdamer Künstler gefördert werden.  Ein schöner Rundgang durch die aktuelle lokale Kunstszene. Dabei sind Jan Adriaans, Fatima Barznge, Kevin Gallagher, Anita Hrnic, Maarten Janssen, Simon Kentgens, Ine Lamers, Kiki Lamers, Jan van de Pavert, Onno Poiesz, Wouter Venema, Lorelinde Verhees, Sjoerd Westbroek, Lucian Wester, V&B (Alex Jacobs en Ellemieke Schoenmaker), Efrat Zehavi und Timmy van Zoelen. -MM

„La La La Human Steps“

LaLaLa-HumanSteps
Kunst zeigt Leben – Ausschnitt der Einladung mit einer Arbeit von Inez van Lamsweerde & Vinoodh Matadin

„La La La Human Steps – 100 Kunstwerke & 4 Tanz-Duette in Rotterdam“
Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam
07.02.2015 – 17.05.2015

Kunst ist keine Fiktion. Das Leben, unser Leben, wird in der Kunst reflektiert. Das ist das Thema der Ausstellung „La La La Human Steps“, in der – Untertitel est omen 😉 – 100 Kunstwerke gezeigt werden, quer durch Epochen, Stile und Techniken. Zeichnungen, Videos, Fotografie, Malerei, Installationen von vielen bekannten Namen wie Éduard Manet, Cindy Sherman oder Bill Viola geben einen Einblick – ja, genau: ins Leben. Sehr beeindruckt hat mich eine Arbeit der finnischen Künstlerin Salla Tykkä. Ein vierminütiger Schwarzweißfilm eines Boxkampfes zwischen einer schlanken, drahtigen jungen Frau und einem massigen, großen, klar älteren Mann. Der beginnt mit einer englischen Texteinblendung, in etwa „Ich wollte einen Film über meine Mutter machen, aber musste ständig an meinen Vater denken.“ Tochter und Vater im Ring. Ein ungleicher, aber scheinbar doch nicht unfairer Kampf. Geschwindigkeit, Wildheit, Weiblichkeit gegen Größe und Masse. Und dann, vom Betrachter nicht zu sehen, scheint auch die Mutter die Szene zu betreten: Eher fröhliche Orchestermusik überdeckt dem Kampf, die Boxer verlassen den Ring schließlich zusammen.

Wenn man dann noch etwas Glück hat, darf man auch eines der Tanz-Duette erleben. Und wir hatten Glück. Zwei Tänzer des berühmten Rotterdamer Scapino Balletts tanzten mitten in der Ausstellung zu Musik von Lou Reed und John Cale. Und weil das wirklich großartig war, versuchten wir, noch Restkarten für die Scapino Gesamtaufführung von „Songs for Drella“ am gleichen Abend in der Schouwburg zu besorgen. Nochmals Glück gehabt: Das hat geklappt! Die Hommage an Andy Warhol, zum Großteil bestehend aus Musik des gleichnamigen Albums von Reed und Cale, wurde choreographiert von Marco Goecke und Ed Wubbe. Absolut lohnend – und noch bis Mai 2015 in den Niederlanden auf Tour! -MM

„Waxing Arcs“ (Multimedia Führung)

boijmans-ticket„Waxing Arcs“ (Multimedia Führung)
Richard Serra
Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, 11.10.2014 – 11.10.2015

Zwei immens große, rostige Stahlbögen, platziert im Museum Boijmans van Beuningen. Ja, das ist zweifellos Richard Serra wie man ihn kennt. Vielerorts wird sich ja gerne auch ordentlich aufgeregt, wenn es um Serra Skulpturen geht. Das war 1979 in Bochum so (wo bis heute das zunächst auf der Dokumenta VI gezeigte „Terminal“ zu bewundern ist) – das war auch ein Jahr später so, als Serra seine „Waxing Arcs“ speziell für den Raum im Museum Boijmans van Beuningen entwarf und dort aufstellte. Ich für meinen Teil finde die Skulpturen übrigens großartig. Und genau darum finde ich auch die aktuelle Multimedia-Präsentation in Rotterdam großartig. Die erzählt nämlich (Achtung: auf niederländisch oder englisch) direkt am Ort des Geschehens die spannende und wechselvolle Geschichte der Waxing Arcs. Vom ersten Aufbau der Skulptur über diverse Umbauten des Museums und deren Auswirkungen auf die Stahlbögen bis hin zum „Umbau“ der Waxing Arcs selbst. Und dabei wird dem Besucher gleichzeitig der Künstler Serra erheblich näher gebracht oder zumindest verständlicher gemacht. So oder so: Ganz großes Lob für die Ausstellungsmacher. Serras Waxing Arcs, ein ansonsten leerer Raum und neueste Multimedia-Technik, die einen förmlich entführt – so klug und mit so viel Spaß kann man Kunst vermitteln. Top! — MM

Kubushäuser Rotterdam – Museumswohnung

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„Bäume“ mit Betonstämmen – die Kubushäuser in Rotterdam

Man nehme große Würfel, stelle sie auf einer Ecke auf Betonsäulen und statte damit eine große Fußgängerbrücke aus. Das Ergebnis: Die berühmten Rotterdamer Kubushäuser des Architekten Piet Blom. Fraglos ein wirklich ungewöhnliches Architekturexperiment, das sich der Niederländer da ausgedacht hat. Den eigentlichen Wohnraum – die Kuben – sah Blom als Baumkronen, die Säulen, die als Zugang dienen, als Stämme. Und somit steht tatsächlich ein ganzer Hauswald mit 54 Kuben mitten in Rotterdam. Besonders schön ist aber, dass in einem der Häuser eine Museumswohnung eingerichtet ist. Für aktuell 3 Euro hat man die Möglichkeit, sich selbst ein Bild vom wortwörtlich schrägen Leben in dieser besonderen Wohnstätte zu machen. Dass Standardmöbel hier eher schwierig unterzubringen sind, ist selbsterklärend. Und ohne den festen Willen, täglich durchaus steile Treppen erklimmen zu müssen, geht hier gar nichts. Dafür kann man dann aber auch in einer echten Architekturikone wohnen. Wer daran wirklich Interesse hat: Zum Zeitpunkt unseres Besuches standen einige der Häuser zum Verkauf… Mehr Infos unter http://www.kubuswoning.nl/  Im ebenfalls niederländischen Helmond steht übrigens ein weiteres Kubus-Ensemble! –MM

„Rundgang 2015″

Hereinspaziert - um 11 Uhr ist noch gutes Durchkommen am Haupteingang der Düsseldorfer Kunstakademie. Zwei Stunden später wird die Schlange 150 Meter lang sein.
Hereinspaziert – um 11 Uhr ist noch gutes Durchkommen am Haupteingang der Düsseldorfer Kunstakademie. Zwei Stunden später wird die Schlange 50 Meter lang sein.

“Rundgang 2015”
Kunstakademie Düsseldorf
04.02.2015 – 08.02.2015

Alle Jahre wieder heißt es an der Düsseldorfer Kunstakademie „Türen auf“ – der Rundgang startet. Professorinnen und Professoren wählen Arbeiten der Studierenden ihrer Klassen aus und die gesamte Akademie wandelt sich zum Ausstellungshaus mit einer Art Leistungsschau. Das ganze hat sich über Jahrzehnte hiweg zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt – im letzten Jahr wurden sage und schreibe 45.000 Besucher gezählt.  Und so hat der Rundgang auch durchaus verschiedene Seiten: Zeitweise schieben und drängeln sich die Massen förmlich durch einen Raum nach dem nächsten. Das Angebot an Malerei, Skulptur, Bildhauerei, Fotografie, Video…. ist wahrhaft riesig, vielleicht auch schon ein wenig erschlagend. Und natürlich scheinen es viele Neugierige vor allem zu genießen, hier einen Blick hinter die Kulissen zu werfen (oder, wie in einem Kommentar des Künstlers Lars Julien Meyer zu lesen war, einen „kostenlosen Zoobesuch“ mitzumachen). So oder so: Der Rundgang bietet immer wieder Überblick, Inspiration, spannende Leute und auch die Möglichkeit, sich mit  Künstlern auszutauschen. Man muss sich nur trauen – ansprechen hilft… Vielleicht ein guter Besucher-Vorsatz fürs nächste Jahr!? — MM

„Nuhr um die Welt“

„Nuhr um die Welt“
Dieter Nuhr
Fotografie
Museum Ratingen
29.01.2015 – 07.06.2015

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Das macht nun wirklich Freude! Vergessen wir mal einen Augenblick den berühmten Kabarettisten (was ich eigentlich auch nur ungern mache) und schauen uns die Fotos an, die Dieter Nuhr produziert. Toll – der Mann ist ein exzellenter Fotograf. Motive aus vielen Winkeln der Welt, zumeist ohne Personen zu zeigen, häufig streng grafisch komponiert. Der größte Teil der Bilder wird als C-Prints auf Stoff (!) präsentiert, was den Fotos tatsächlich eine immense Tiefe verleiht. Lieber Dieter Nuhr, ich möchte gerne noch viel mehr davon sehen! Absolut lohnenswert – der Besuch im Museum Ratingen ist ein echter Tipp. Für 20 Euro gibt es zudem auch einen schönen Katalog. — MM

„City on Car“

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„City on Car“ Einladungskarte

“City on Car”
Werner Barfus
Fotografie
Museum Ratingen
24.09.2014 – 01.02.2015

Die Ausstellung „City on Car“  nimmt gerade noch das „Duesseldorf Photo Weekend 2015″ – und damit den Start der Dieter Nuhr Ausstellung am gleichen Ort – mit, was nochmals für einen kleinen Besucherschub für die Werke von Werner Barfus im Museum Ratingen sorgen dürfte. Barfus fotografiert Stadtansichten, die sich in Automobilen spiegeln. Die Bilder – allesamt in quadratischem Format – sind spannend, verleiten oft zur Suche (was sehe ich da eigentlich gerade?), machen aber auch besonders viel Spaß, wenn man sie als abstrakte Fotografien anschaut. Eine kleine, feine Ausstellung! — MM

 

„Branching out“

“Branching out. Positionen zur Natur“ branching-out-ratingen
Oswald Achenbach, Thomas Schütte, Martin Schwenk und Thomas Struth
Zeichnung, Druck, Skulptur, Fotografie
Museum Ratingen
26.09.2014 – 08.02.2015

Vier Künstler, verbunden durch ein  Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie (wobei Achenbach als Vertreter des 19. Jahrhunderts 3 aktuellen Zeitgenossen gegenübersteht), beobachten die Natur und finden ihre ganz eigenen Darstellungswege dieses Themas. Filigrane Zeichnungen Achenbachs, direkt mit Pflanzen hergestellte Drucke Schüttes, an Pilze und allerlei Gewächse erinnernde raumgreifende Skulpturen Schwenks und schließlich – schönes Wiedersehen – Fotografien, „Urwald-„, „Paradiesbilder“ von Struth. Toll, was das kleine Ratinger Museum auf die Beine stellt! — MM