Archiv für den Monat: Dezember 2014

„Gute Aussichten“

“Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie 2014/2015”
Karolin Back, Katharina Fricke, Andrea Grützner, Marvin Hüttermann, Stefanie Schroeder, Jannis Schulze, Kolja Warnecke, Eduard Zent
Fotografie
MARTa Herford, 23.11.2014 – 11.01.2015

Katalogrückseite mit Fotografie von Andrea Grützner
Katalogrückseite mit Fotografie von Andrea Grützner

Ein Wettbewerb für Abschlussarbeiten aus deutschen Studiengängen für Fotografie – und schon zum dritten Mal heißt es: Auftakt im Gehry-Bau des MARTa im ostwestfälischen Herford. Die Preisträger liefern allesamt sehr spannende und sehr unterschiedliche Arbeiten ab. Und in der Jury sitz quasi als „Stargast“ der Britische Fotograf Paul Graham (der auch vor einigen Jahren eine großartige Schau im Museum Folkwang in Essen hatte). Meine persönliche Favoritin: Andrea Grützner mit der Serie „Erbgericht“. Da wird ein Gasthaus fotografiert, montiert, abstrahiert. Da sucht der Betrachter Bezugspunkte, stellt den Bildern Fragen, verliert sich in den Details und staunt über die wunderbaren grafischen Kompositionen. Like! Der Katalog zur Ausstellung kostet 19,95 Euro und ist im Verlag dpunkt erschienen. Darin finden sich neben den ausgestellten Werken schöne Hintergrundinfos zu Künstlern und Bildern. Persönlicher Punktabzug für den Katalog: Typografie und Layout sind leider nicht mein Ding. Mit der Ausstellung geht es nach Herford noch umfangreich und international weiter: Hamburg/Deichtorhallen, Washington DC (USA)/Goethe Institut, Neustadt a.d. Weinstraße/Haardter Schloss, Koblenz/Landesmuseum, Nicosia (Zypern)/Goethe Institut,  Talinn (Estland)/Goethe Institut & Nationalbibliothek, Mexiko City (MexiKo)/Goethe Institut. Alle Infos unter http://guteaussichten.org/. — MM

„Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler“

“Museum Halle – Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler”
Kirchplatz 3
33790 Halle/Westfalen
www.museum-halle.de

Exzentrisch – das dürfte wohl das richtige Wort sein, um das kleine „Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler“ im ostwestfälischen Halle zu beschreiben. In privater Trägerschaft schon 1987 von Ursula Blaschke gegründet und nach eigener Aussage weltweit einzigartig, zeigt das Museum ganz dem Namen nach Kindheits- und Jugendwerke von unterschiedlichsten Künstlern wie August Macke, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Pablo Picasso… All das allerdings weniger geordnet und wohlsortiert, als man es vielleicht erwarten würde. Vielmehr bietet sich im historischen Bruchsteingebäude aus dem 13. Jahrhundert (für das Städtchen Halle ganz passend zum Museum auf jeden Fall ein echtes „Frühwerk“) ein wahres Panoptikum, in dem sich Bücher und Bilder stapeln, in dem man in jeder Ecke unzählige Kleinigkeiten entdeckt oder auch übersieht, in dem viele der vom Boden bis zur Decke gehängten Werke meist  aber auch deutlich Staub ansetzen. Kleine, oft mit Tesafilm angebrachte Papierzettelchen und Zeitungsausschnitte vervollständigen das Bild. Wer also ein typisches Kunstmuseum sucht, in dem man die ausgestellten Werke ganz sicher auch konservatorisch gut aufgehoben weiß, der ist hier eher falsch. Wer sich aber einlässt auf den unkonventionellen Ort mit seiner unkonventionellen Idee, der wird auf jeden Fall außergewöhnliche Eindrücke mit nach Hause nehmen und viel Spaß haben.

Besonders hervorzuheben: Die äußerst freundliche Begrüßung und sehr persönliche Einführung in das Museum, sein Konzept und seine Werke durch Adolf Eickhorst. Herr Eickhorst konnte auch ausführlich über seine Begegnungen mit dem ZERO Künstler Otto Piene (vom dem sich auch einige schöne „Erwachsenen-Arbeiten“ im Haller Museum befinden) berichten, dessen Sky Event in Berlin wir uns im Sommer 2014 direkt nach seinem plötzlichen Tod noch angeschaut hatten. Spannend, keine Frage!

Der Vollständigkeit halber: Zum Zeitpunkt unseres Besuches fand zudem eine kleine Sonderausstellung zu Kindheits- und Jugendwerken von Andy Warhol und John Lennon statt. — MM