Kategorie-Archiv: Allgemein

„OSTER+KOEZLE“

Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie "architectures" in der Künstlerzeiche Unser Fritz 2/2 in Herne Wanne.
Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie „architectures“ in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Herne Wanne.

OSTER+KOEZLE – Fotografisch basierte digitale Kunst zum Thema Raum
Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Herne (Wanne)
28. April – 20. Mai 2018

Schon seit vielen Jahren, seit 1999 nämlich, arbeiten Willy Oster und SG Koezle gemeinsam als OSTER+KOEZLE und verbinden Fotografie, Malerei (ganz ohne Malerei!) und digitale Möglichkeiten zu einem faszinierenden Kosmos rund um das Thema Raum. Wir haben die Bilder des Künstlerduos vor einigen Jahren für uns auf der „GROSSEN“ in Düsseldorf entdeckt (siehe auch Blogposts aus März 2016 und Februar 2018) und uns von Anfang an in die geometrisch anmutenden Kompositionen, die immer mit einer Irritation des Betrachters einhergehen, verguckt. Um so schöner, dass nun in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eine OSTER+KOEZLE Ausstellung zu sehen ist, die schon fast als Retrospektive durchgehen könnte. Aber eben nur fast – denn dafür reichen die 4 Wände der mit 140 Quadratmetern nicht eben kleinen ehemaligen Weißkaue der Zeche dann doch nicht ganz aus. Und trotzdem bekommt der Besucher einen tollen Einblick in fast 20 Jahre gemeinsames Schaffen und in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, was nicht zuletzt an der schlauen Hängung liegt. Jede der vier Wände widmet sich nämlich einer Werkgruppe, startend mit den „rooms“, in denen noch deutlich der eigentliche Ort – eine leere Halle, ein Hausflur… – zu sehen ist, aber durch digital eingeschobene (Farb-) Flächen ein ganz neuer Raum, eine neue Komposition entsteht. Da drängen sich rote, weiße oder schwarze Rechtecke mit einer Selbstverständlichkeit ins Bild, die den Betrachter zunächst irritiert, dann staunen und schließlich nicken lässt: ja, sicher gehört diese Fläche ganz genau so ins Bild. An der nächsten Wand folgen dann die „perspectives“. Das Prinzip bleibt, digitale Farbflächen brechen sich Bahn, strukturieren, erschaffen neu. Die den Arbeiten zugrunde liegenden Fotografien aber beschränken sich auf Details, lassen schon von sich aus keine klare Raumzuordnung zu, sind klar komponierte Konstruktionen. In den „architectures“, Werkreihe (und Wand) Nummer drei, drehen OSTER+KOEZLE den Spieß quasi um: Hier stehen Farbflächen im Vordergrund, aus deren Oberfläche wie mit einem digitalen Skalpell sauber Teile herausgeschnitten wurden und dort Ausschnitte von (Raum-) Fotografien sichtbar werden lassen, was erneut zu einer ganz anderen Wahrnehmung von Raum führt. Die vierte Serie schließlich heißt schlicht schwarz/weiss, und so kommt sie dann auch daher. Aber vorsicht: Was zunächst erscheint wie sehr kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografien von (Raum?) Details, entpuppt sich dann doch wieder als Spiel mit der Wahrnehmung und als bewußte digitale Intervention. Waren diese Flächen wirklich so tiefschwarz? Was stimmt hier nicht? Obwohl doch wirklich alles stimmt…

OSTER+KOEZLE selber haben bei der Ausstellungseröffnung übrigens sichtlich Spaß. So erzählt uns Willy Oster, dessen Wurzeln in der Malerei liegen, zum Beispiel noch, dass es ihn immer besonders gefreut hat, bei der Teilnahme an der „GROSSEN“ Kunstausstellung in Düsseldorf nie bei den Fotografen, sondern stets bei den konkreten Künstlern zu hängen (was ja durchaus passt). Und SG Koezle lächelt verschmitz, wenn er erzählt, dass selbst einem Galeristen nach mehrwöchiger Ausstellung schon mal ein wesentliches Bild-Detail verborgen bleibt: „Aktenordner? Wo soll auf dem Bild denn da ein Aktenordner zu sehen sein?“, wird der Galerist zitiert. Aber wahrscheinlich sollte man sich auch nie ganz sicher sein – vielleicht ist da auch wirklich kein Ordner. Sondern das Spiel mit der Irritation und die Aufforderung zum erneuten Hinschauen.

Mein Fazit: Wunderbar ausgeklügelte  Kompositionen, klare Bezüge zur konkreten Kunst und zur Farbfeldmalerei, die Faszination für die Schönheit, die abstrahierten Architekturen und deren Details innewohnt und vor allem: das lustvolle Spiel mit der Irritation, die all den Bildern eine immense Spannung geben und dazu führen, lange zu schauen und den eigenen Blick zu hinterfragen. Auf zur Zeche Unser Fritz! -MM

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

FORT Limbo

FORT Limbo
Langen Foundation, Neuss

10.09.2017 – 08.04.2018

Die Langen Foundation in Neuss
Limbo in der Langen Foundation: Ausstellungen im Tadao Ando Bau sorgen immer wieder für Überraschungen!

Mit der Ausstellung „Limbo“ des in Berlin lebenden Künstlerduos FORT haben mich die Kuratoren der Langen Foundation echt ein wenig überfordert! Da hat sich glattweg eine Art „kulturelle Hilflosigkeit“ eingestellt.
Laut Ausstellungsfleyer arbeiten Jenny Kropp (*1978 in Frankfurt a. Main) und Alberta Niemann (*1982 in Bremen) bereits seit 10 Jahren zusammen und beschäftigen sich „in ihren meist ortsbezogenen Arbeiten“…“mit dem Verschwimmen der Grenzen von Alltäglichem und Mystischem, von Rationalem und Irrationalem und machen für die Betrachter erfahrbar, wie brüchig diese Ordnung ist.“
Das Werk „Limbo“ (engl.: = die Vergessenheit; die Vorhölle) zeigt z.B. einen verwaisten Zookäfig mit davorgestellten Besucherbänken und erinnert mich in der Tat an zum Glück wenige Zoobesuche in den 1970ern – nur der typische Geruch fehlt. „Little Darlings“ ist eine Gruppierung architektonisch unterschiedlich gestalteter Hundehütten, darunter ein spartanischer Iglu, eine klassische Bauhausvilla, ein traditionelles Fachwerkhaus und eine südländische Finca. Bei dem Kunstwerk „One in a Million“ stehe ich vor einem Schaufenster voller 08/15-Pullover-bekleideter Torsi. Auch die katapultieren mich schlagartig zurück in meine Kindheit… Am ehesten inspirieren mich mehrere an die Wand gelehnte weiß lackierte Wohnungstüren (Titel habe ich leider nicht mehr parat) mit den verschiedensten abgetretenen Fußmatten davor – wer mag da wohl gewohnt haben?
Um ehrlich zu sein: ich bin froh, als Wahl-Neusserin keinen großen Anfahrtsweg gehabt zu haben. Zudem hatten wir den Besuch ja mit der spannenden Schütte-Ausstellung in der Neusser Skulpturenhalle verbunden. Kurz: Besonders viel konnte ich mit der Ausstellung nicht so recht anfangen. Aber vielleicht gefällt es Euch besser?! (Kommentar unbedingt erwünscht!)
Aber aufgepaßt: Wenn Ihr einen Museumsbesuch für Februar 2018 im Rheinland einplant, dann solltet Ihr auf jeden Fall die “Fünfte Jahreszeit“ im Hinterkopf haben! So ist die Langen Foundation z.B. an Weiberfastnacht (8. Februar) und Rosenmontag (12. Februar) geschlossen! -AEK

„Leeds Art Gallery“

Leeds Art Gallery„, Leeds
…seit dem 13. Oktober 2017

Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery
Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery

Nach langer Schließung und intensiver Restaurierung des viktorianischen Glasdaches heißt es in West-Yorkshires Metropole Leeds nun „We’re Back!“. Die Leeds Art Gallery ist wieder geöffnet, und ganz ohne Eintritt zahlen zu müssen darf man sich Kunst, Architektur und neuem Dach hingeben. Letzteres ist überigens wirklich toll geworden – die große Glasdecke im Viktorianischen Central Court beeindruckt. Und auch sonst macht der Besuch große Freude. In einem Teil des Erdgeschosses findet sich die Ausstelleung „Artist Rooms – Joseph Beuys„, die eine kompakte Einführung in Beuys‘ Leben und Werk gibt und Skulpturen, Zeichnungen und Multiples von den 50er bis in die 80er Jahre bietet. Die Ausstellung „Shelter from the Storm“ liefert einen umfassenden Überblick zum Schaffen des Künstlers John Sell Cotman, der als einer der wichtigsten Aquarellisten des 19. Jahrhunderts gilt (beide zu sehen vom 13. Oktober bis zum 21. Januar 2018). Ansonsten ist unter anderem eine wunderbare Auswahl von Werken aus der hauseigenen Sammlung zu finden. Und – ein echter Hingucker – im großzügigen Treppenaufgang eine große neue Wandmalerei des deutschen Künstlers Lothar Götz, die mit ihren bunten geometrischen Formen als Gegensatz zur Viktorianischen Gebäudearchitektur in ihren Bann zieht.  Kurz und gut: Wer in Leeds ist, sollte auf jeden Fall in die Art Gallery hereinschauen! -MM

„Ulrich Rückriem: Multiples 1969 bis heute“

Ulrich Rückriem: Multiples 1969 bis heute. Sammlung Jacobs
Kunsthalle Bielefeld, Bielefeld
02.September – 22. Oktober 2017

Schöner Brocken (aber kein Multiple): Rückriems "Dolomit, gespalten" (1977) im Skulpturenpark der Kunsthalle Bielefeld
Schöner Brocken (aber kein Multiple): Rückriems „Dolomit, gespalten“ (1977) im Skulpturenpark der Kunsthalle Bielefeld

Wirklich alle Multiples des vor allem als Bildhauer bekannten Künstlers Ulrich Rückriem zeigt die Kunsthalle Bielefeld. Möglich wurde das durch eine einzigartige Schenkung: die „Sammlung Jacobs“ ist tatsächlich die einzige bekannte vollständige Sammlung der Rückriem Multiples und wurde der Kunsthalle überlassen. Neben spannenden Rückriem-typischen Skulpturen aus feinsäuberlich geometrisch gesprengten Steinquadern finden sich auch Mappen mit Druckgrafiken. Und natürlich sind auch die zwei schon lange dem Museum gehörenden – und nicht „multiplen“ 😉 –  Werke „Dolomit, gespalten“ und „Dolomit, geschnitten, gespalten“ zu sehen. Wer die besondere Skulpturenwelt Rückriems mag und sich zudem der Arbeitsweise des Künstlers in einem langen zeitlichen Bogen nähern möchte, sollte Bielefeld unbedingt einen Besuch abstatten. Es lohnt sich! Kleiner Zusatzhinweis: Auch einen Besuch wert sind in jedem Falle die „Skulpturenhallen Ulrich Rückriem“ im Kulturzentrum Sintsteden im beschaulichen Rommerskirchen! -MM

“Jasper Morrison: Thingness“

Jasper Morrison: Thingness
bauhaus archiv – museum für gestaltung, Berlin
22. März bis 23. Oktober 2017

Blick in die Jasper Morrison Ausstellung
Blick in die Jasper Morrison Ausstellung: Viel hat er entworfen – und feinsäuberlich auf Staffeleien drapiert…

Seit 35 Jahren entwirft der Brite Jasper Morrison Möbel, Geschirr, Alltagsgegenstände jeder Art. Und das macht er offenbar gut (weil sehr erfolgreich) und auf besondere Art (weil stets auf die Zweckmäßigkeit fokussiert). Ich selber habe mich schon vor Jahren in einen fast prototypischen Morrison Stuhl verguckt. Der „Ply Chair“ besticht als schlichtes Holzmöbel (oder eher: Skulptur?), dem man sein Konstruktionsprinzip genau ansieht und der dann wesentlich bequemer ist als man erwartet. Ok, er ist auch einfach schön. Im Berliner Bauhaus Archiv wird Morrison nun seine erste Retrospektive ausgerichtet. An den vielen ausgestellten Gegenständen ist wunderbar abzulesen, wie Morrison neben der erwähnten Zweckmäßigkeit immer wieder auf aktuelle Wohntrends als auch – ganz im Sinne des Bauhauses – auf die Möglichkeit der industriellen Fertigung eingeht. Zudem erwähnenswert: Die ausgestellten Fotografien des Designers. Hier zeigt sich das auf genaues Hinsehen, Analysieren und Hinterfragen geschulte Auge des Briten. Wer das selber zu Hause erleben möchte: Einfach mal im Web nach Büchern von Morrison suchen.  Lohnt sich! -MM

„Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus“

Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus
Museum Ludwig, Köln
18. Februar – 14. Mai 2017

Freundliche Farben, tragisches Ende: Die Otto-Freundlich-Retrospektive in Köln ist eine wirklich umfassende Schau zu Leben und Werk des Künstlers.
Freundliche Farben, tragisches Ende: Die Otto-Freundlich-Retrospektive in Köln ist eine wirklich umfassende Schau zu Leben und Werk des Künstlers.

Die große Retrospektive eines Mannes, dessen Werk lange Zeit nur wenig präsent schien in der Öffentlichkeit, zeigt das Museum Ludwig in Köln. Es geht um Otto Freundlich, abstrakter Künstler des 20. Jahrhunderts, Maler, Bildhauer, Erschaffer von Mosaiken und Fenstern. Von den Nazis als „entartet“ gebranntmarkt und 1943 in einem KZ ermordet. Einer der ersten, in den Worten der Kuratorin auch „der originellsten Abstrakten“. Und eine lehrreiche und sehenswerte Ausstellung, die mit Hilfe von rund 80 Ex­po­nat­en Werk, Denken und Leben Freundlichs skizziert. Freundlich, so die Ausstellungsmacher auf der Museumswebsite, verstand Abstraktion „als Aus­druck ein­er radikalen Neuerung, die weit über die Kunst hi­naus­ging. Die gekrümmten Flächen sein­er Gemälde re­flek­tieren et­wa das Raumkonzept der Physik Al­bert Ein­steins, mit der er früh ver­traut war. Die Über­win­dung der Ge­gen­ständlichkeit hat aber auch eine soziale Di­men­sion. Für Fre­undlich war alle dingliche Wahrneh­mung von Be­sitz­denken durch­drun­gen und damit über­holt.“ Das lässt sich in der Ausstellung gut verfolgen und nachvollziehen. Und gleichzeitig kann man sich hineinziehen lassen in die wunderbare strahlende Farbigkeit von Freundlichs Kompositionen. Ein großer Schatz, den das Museum Ludwig da aus unzähligen Leihgaben zusammengetragen hat. Zu spät für einen Besuch in Köln? Der kosmische Kommunismus geht weiter im Kunstmuseum Basel vom 10. Ju­ni bis zum 10. Septem­ber 2017! -MM

„Tony Cragg: A Rare Category of Objects“

Tony Cragg: A Rare Category of Objects
Yorkshire Sculpture Park, Wakefield
04.03. bis 03.09.2017

Wuppertal? Wakefield! Cragg Skulpturen im Yorkshire Sculpture Park
Wuppertal? Wakefield! Cragg Skulpturen im Yorkshire Sculpture Park

Der Brite Tony Cragg ist ja nicht nur international bekannter Bildhauer, sondern gerade aus der Region rund um Düsseldorf nicht mehr wegzudenken. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie residiert schon seit vielen Jahren in Wuppertal, wo er einen wunderbaren Skulpturenpark rund um das Haus Waldfrieden eingerichtet hat. Immer einen Besuch wert! Und nun startet die bislang größte Tony Cragg Ausstellung im Vereinigten Königreich, seiner alten Heimat. Wir hatten das große Glück, beim Besuch des Yorkshire Sculpture Parks schon vor der Eröffnung viele Exponate anschauen zu können, zum Teil auch den Aufbau mitzuerleben. Das ist schon beeindruckend, wenn meterhohe Großskulpturen per Lastenkran mit größter Vorsicht vom Hänger gehievt werden. Apropos beeindruckend: Die Cragg Arbeiten finden im Yorkshire Sculpture Park eine wirklich tolle Heimat auf Zeit. Mitten im ländlichen Teil West Yorkshires gelegen und bereits vor 40 Jahren eröffnet, bietet dieser erste permanente Skulpturenpark Englands eine atemberaubende Szenerie. Hügel, Seen, Wälder – wunderbar.

Keine leichte Sache: Craggs Großskulpturen beim Aufbau der Aussenausstellung im YSP
Keine leichte Sache: Craggs Großskulpturen beim Aufbau der Aussenausstellung im YSP

Und darin zu finden sind Skulpturen von Weltgrößen wie Henry Moore und Barbara Hepworth (beide mit starkem Bezug zur Region) bis hin zu ganz aktuellen Arbeiten zum Beispiel von Julian Opie, der in einer seiner LED Skulpturen ein stilisiertes Pferd durch die Landschaft galoppieren lässt. Und nun also bis September Tony Cragg ganz umfassend mit einer Vielzahl von Werken. Organische Säulen winden sich gen Himmel, wundersame Wesen ducken sich in Hecken, majestätisch wirkende Formationen thronen auf Hügelkuppen. Und in der „Underground Gallery“, einem der Indoor-Ausstellungsplätze im Park, sind weitere, meist kleinere (nun ja, zumindest im Vergleich) Skulpturen zu finden. Das hilft natürlich auch, wenn’s regnet ;-). So oder so: Cragg und der „YSP“ passen perfekt zusammen. Materialität, Landschaft, organische Formen und eine gewisse Einzigartigkeit. Wie schön. -MM

„Neal Preston: In the Eye of the Rock ‚n Roll Hurricane“

Neal Preston: In the Eye of the Rock ‚n Roll Hurricane
Neal Preston
Theater Gütersloh, Gütersloh
27.10. – 27.11.2016

Neal Preston Ausstellung im Theater Gütersloh
Lichtwürfel mit Rock ‚n Roll Inhalt: Das übergangsweise zum Ausstellungshaus verwandelte Theater Gütersloh

Schon seit 40 Jahren lichtet Neal Preston die großen Namen des Rock ‚n Roll ab. Eine Auswahl von gut 70 dieser Fotografien zeigt das Theater Gütersloh in seinem großen Foyer, das nun tatsächlich wie ein echter Ausstellungsraum wirkt. Dreckig schwitziger Rock ‚n Roll im weißen Kubus für (normalerweise) darstellende Künste – das ist ein feiner Gegensatz. Und so begegnen dem Betrachter im Ambiente der Hochkultur also viele große Namen einer zum Teil schon vergangenen Zeit. Springsteen, Led Zeppelin, Jagger, Queen… Wer mag, bekommt dazu direkt auch einen Audioguide und kann zu vielen Fotos gleich die dazugehörige Geschichte erfahren. Eine kurzweiliger Spaziergang durch Jahrzente von Musik. Mein Favorit? Ein Portrait von John Lydon, alias Johnny Rotten. Bei diesem Preston-Foto quillt Punk aus jeder Pore. -MM

 

„Kaleidoscope“

„Kaleidoscope“
Arken Museum for Moderne Kunst, Ishøi, Dänemark
2.1.2016 – 5.2.2017

Arken Museum, Ishoj
Viel Kunst im Beton: Arken feiert den 20. Geburtstag

Arken – das ist ein betongewordenes Segel im dänischen Ishøi vor den Toren Kopenhagens, prall gefüllt mit moderner zeitgenössischer Kunst. Schon vor 20 Jahren haben wir dieses Kleinod zum ersten Mal kurz nach der Eröffnung besucht – und jetzt sind wir pünktlich zum Geburtstag wiedergekommen. Denn in der Tat: Zum 20. feiert Arken sich selber und zeigt in seiner 150 Meter langen „Kunst-Achse“ eine riesige Auswahl aus dem umfangreichen Bestand. Die Werke – Bilder, Fotografien, Installationen, Skulpturen… – sind dabei nicht chronologisch geordnet, sondern vermischen sich im zeitlichen Chaos. Dafür aber korrespondieren sie miteinander, suchen Bezüge oder folgen einfach einer ähnlichen Ästhetik. Auf jeden Fall ein schönes Wiedersehen!

Niki in der Arche: Eingang zur großen Saint Phalle Schau
Niki in der Arche: Eingang zur großen Saint Phalle Schau

Neben der Jubiläumsausstellung wurden zudem zwei weitere Sonderausstellungen gezeigt: Zum einen eine umfangreiche Niki de Saint Phalle Schau, zum anderen eine nicht weniger große Gerda Wegener Retrospektive. Und auch immer einen Besuch wert: Die ständige Damien Hirst Ausstellung. Viel zu sehen also in Ishøi – und dem trägt die deutliche Erweiterung der Ausstellungsfläche seit der Eröffnung vor zwei Jahrzenten klar Rechnung.

Fazit: Wer in Kopenhagen weilt, sollte der Arche in Ishøi stets einen Besuch abstatten – das lohnt sich immer! -MM