Kategorie-Archiv: Bühne

„bauhaus in bewegung“

„bauhaus in bewegung“
bauhaus archiv – museum für gestaltung
berlin
01.märz – 13. november

besonderes berliner bau - das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert
besonderer berliner bau – das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert

von den weit mehr als 175 museen in berlin ist das bauhaus-archiv sicherlich nicht das größte und bekannteste – für mich persönlich jedoch eines der schönsten und interessantesten! beherbergt es doch viele der wunderbaren arbeiten, die zwischen 1919 und 1933 in der von walter gropius gegründeten kunstschule von zahlreichen, noch heute namentlich bekannten lehrern (e.g. lyonel feininger, wassily kandinsky, paul klee, johannes itten, josef albers, oskar schlemmer und lászló moholy-nagy) und schülern (e.g. max bill, wilhelm wagenfeld, marcel breuer, anni albers, marianne brandt, gunta stölzl, andreas feininger, lux feininger und fritz winter) geschaffen wurden!
beim betreten der aktuellen themenausstellung „bauhaus in bewegung“ wird einem sofort klar: die idee „bauhaus“ hat auch heute, rund 100 jahre später, nichts an reiz verloren! denn: im gegensatz zur nicht nur damals üblichen klassischen akademieausbildung setzte man am bauhaus auf eine ausgewogene kombination aus bildender, angewandter und darstellender kunst. so gab es in der „kathedrale der kunst“ keine „klassen“, sondern „werkstätten“, in denen nicht selten parallel gemalt, skizziert, fotografiert, gebaut, getischlert, geschmiedet, getöpfert, gewebt, gesungen, geschauspielert, geschrieben und gedichtet wurde. die meisten der exponate – ein äußerst kreatives sammelsurium aus gemälden, skulpturen, fotografien, skizzen, modellen, möbeln, wandteppichen, lampen, keramiken, schmuck und gegenständen des täglichen gebrauchs – wirken daher auch im 21. jahrhundert eher äußerst modern, denn verstaubt antiquarisch. und sind somit echte „designklassiker“.
einige von ihnen und zahlreiche andere schöne dinge kann man übrigens direkt im anschluss an den ausstellungsbesuch im benachbarten museumsshop käuflich erwerben. keine angst – hier gibt es design für jeden geldbeutel.
aber aufgepasst: im herbst 2017 ist erst einmal schluss mit den inspirierenden ausflügen nach berlin-tiergarten! passend zum 100-jährigen jubiläum wird das 1979 nach einem gropius-entwurf gebaute und in betrieb genommene haus erst einmal saniert und um einen neubau des berliner architekturbüros staab architekten erweitert. die wiedereröffnung ist für 2021 geplant – hoffen wir mal, daß es dem bauhaus archiv berlin in diesem punkt besser ergeht als dem berliner flughafen… -AEK

“Kraftwerk 3-D”

„Kraftwerk 3-D“
Lichtburg Essen
22.11.2015, 23.59 Uhr

 

Kraftwerk-CDs - so weit man schauen kann....
Kraftwerk-CDs – so weit man schauen kann…

Irgendwie gehört dieser Beitrag über ein Konzert der Düsseldorfer Gruppe „Kraftwerk“ nicht hier hin – oder doch?!

Seit 40 Jahren bin ich nun begeisterter Fan dieser Kultband. Angefangen hat die Schwärmerei für mich 1975 im zarten Alter von 10 mit dem Erscheinen des Albums „Radio-Aktivität“. Ich weiß es noch heute: Meine ältere Schwester erstand die LP (für die jüngeren Leser: LP = Langspielplatte) über die Fernsehzeitung „Hörzu“. Als Gimmick dazu gab es einen Bogen Strahlenwarnzeichen-Aufkleber. Aber die waren für kleine Schwestern natürlich Tabu. Was habe ich sie damals darum beneidet!!!

Nun, inzwischen ist eine Menge Zeit ins Land gegangen. Und mit ihr eine Menge Kraftwerk-Platten, Kraftwerk-CDs und Kraftwerk-DVDs. (Ich muss nicht erwähnen, dass ich sie inzwischen natürlich alle selber besitze, oder?)

Nur eines war für mich bislang immer noch offen – der Besuch eines Kraftwerk-Konzerts. Waren (und sind) diese doch rar gesät und irre schnell ausverkauft! Um so glücklicher war ich, als Marcus mich Anfang Juni mit Karten für eine „Spätvorstellung“ (Beginn: 23.59 Uhr!!!) am Sonntag, den 22. November 2015 in der Lichtburg Essen, Deutschlands größtem Filmpalast, überraschte.

Nun zum eigentlichen Event: Das Konzert war einfach wundervoll und glich – wie von uns erwartet – eher einer Performance, denn einer schnöden Popmusikveranstaltung! Die vierköpfige Band spielte die komplette Aufführung vor einer 3D-Videoprojektion – ein Konzept, mit dem Kraftwerk bereits seit Herbst 2011 auf Tour ist. Angefangen hat diese Art der Präsentation im Kunstbau der städtischen Galerie im Lenbachhaus (München). Seitdem gab es aber auch Termine in anderen Museen, so z.B. in der Neuen Nationalgalerei (Berlin), im NRW-Forum (Düsseldorf) und in der Tate Modern Turbine Hall (London). Im Museum of Modern Art (New York) spielte man 2012 z.B. acht Konzerte – zu jedem Kraftwerk-Album eins.

In den stilvollen Räumlichkeiten der Lichtburg gab es eine gelungene Zusammenstellung aus allen Werken inklusive meiner persönlichen Highlights „Radioaktivität“, „Trans Europa Express“, „Computerwelt“ und „Die Mensch-Maschine“. Aber auch die bei mir nicht ganz so beliebten Ohrwürmer „Tour de France“, „Autobahn“ und „Das Modell“ durften nicht fehlen. Als Vorlage zu den 3D-Videoprojektionen dienten übrigens immer die jeweiligen Plattencover. Und das alles natürlich in einem absolut perfektem Sound inklusive erstklassiger 3D-Optik. Nicht umsonst spricht man auf der hauseigenen Webseite von der „Mensch-Maschine KRAFTWERK“ als „ein Gesamtkunstwerk aus Bild und Ton“!

Apropos Mensch… Da standen ja noch vier Personen auf der Bühne… Von der ursprünglichen Besetzung ist nur noch Ralf Hütter dabei. Aber das ist eigentlich auch völlig egal! Denn wie keine andere mir bekannte Band hat es Kraftwerk geschafft, mehr als 40 Jahre lang ohne „Personenkult“ auszukommen. Man zeigt sich dem Zuschauer als Gruppe aus vier gleichgekleideten Körpern hinter vier identischen Stehpulten. Insgeheim habe ich mich während der gesamten Performance immer wieder mal gefragt, ob die wenigen zu beobachtenden Handhabungen der Vier überhaupt in irgendeinem Zusammenhang mit der zu hörenden Musik stehen. Aber das war eigentlich auch ganz egal.

Selbst um 02:14 Uhr mit Blick auf den kommenden Arbeitstag habe ich heimlich gehofft, das Ganze möge niemals aufhören. Trotz der schleichenden Müdigkeit gierten Ohren und Augen nach „Mehr“, gab es doch noch so viele tolle Stücke, die mir in den Kopf kamen…

Nun – Ich brauche nicht zu betonen, dass man mich jederzeit wieder für ein Kraftwerk-Konzert wecken kann, oder?! -AEK

“Visionen einer neuen Welt”

Postkarte mit dem Gemälde "Bauhaustreppe" und Ausstellungsflyer zu Oskar Schlemmer
Postkarte mit dem Gemälde „Bauhaustreppe“ und Ausstellungsflyer zu Oskar Schlemmer

“Visionen einer neuen Welt”
Oskar Schlemmer

Staatsgalerie Stuttgart
26. November 2014 bis 06. April 2015 (verlängert bis zum 19. April 2015)

Die Große Landes-Ausstellung Baden-Württemberg 2014 „Oskar Schlemmer: Visionen einer neuen Welt“ ist die erste Retrospektive des 1888 in Stuttgart geborenen Bauhaus-Künstlers nach fast 40 Jahren! Ermöglicht wird dieser eigentlich schon längst fällige Überblick auf das mehr als 30 Jahre umfassende Werk Schlemmers durch eine eher banale Tatsache: Im Jahre 2014 liefen die Nutzungsrechte für Schlemmer-Arbeiten aus, aufgrund dessen seine Erben bislang nahezu jegliche Art der Publikation untersagten.

Das in der Staatsgalerie Stuttgart dargebotene Lebenswerk Oskar Schlemmers zeugt von einer äußerst gelungenen Symbiose der Genres Bildende Kunst und Theater. Zu sehen sind nicht nur bedeutende Gemälde, Skulpturen und Grafiken des Künstlers – so z.B. das berühmte Treppenbild mit den Bauhausstudentinnen aus der Dessauer Webereiklasse – sondern auch zahlreiche Skizzen und sieben im Original erhaltene Kostüme für Schlemmers legendäres „Triadisches Ballett“. Im Mittelpunkt all dieser Arbeiten: der Mensch – von Schlemmer perfekt reduziert auf idealisierte Körper vornehmlich bestehend aus geometrischen Formen.

In Stuttgart erhält man jedoch auch einen Eindruck von Schlemmers letzter Schaffensphase als von den Nazis verfemter Künstler: Zu sehen sind Schlemmers Entwürfe des „Lackkabinetts“ für die Wuppertaler Lackfabrik Herberts – ein vollständig mit Farblackaufstrichen ausgestatteter Raum gedacht als „begehbarer Musterkoffer“.

Ein kleiner Wehrmutstropfen: Bedingt durch den Erfolg der Ausstellung gelingt auch an einem Wochentag oft nur ein begrenzter Blick auf all die wundervollen Exponate. Zur Ausstellung erscheint jedoch ein reich bebilderte Katalog, mit dessen Hilfe man das Gesehene noch einmal in Ruhe zu Hause Revue passieren lassen kann! (Mein Tipp: Katalog unbedingt im Museum für einen Preis von € 29,90 mitnehmen – der spätere Buchhandelspreis beträgt € 49,90!) -AEK