Kategorie-Archiv: Architektur

„Möbel und Innenarchitektur“

„Möbel und Innenarchitektur“
Lippisches Landesmuseum Detmold
Dauerausstellung

Sitzgelegenheit im Lipperland: Die feine Stuhlsammlung unterm Dach des Lippischischen Landesmuseums
Sitzgelegenheit im Lipperland: Die feine Stuhlsammlung unterm Dach des Lippischischen Landesmuseums

Wer sich für Architektur interessiert, ist ja oftmals auch dem Sitzmöbel nicht abgeneigt – gilt doch gerade der Stuhl als die kleine aber feine Form der Baukunst, der sich schon seit Jahrzenten neben Designern auch die berühmtesten Architekten widmen. Und so wird dem Stuhl in Museen gehuldigt, zum Beispiel im formidablen Vitra Design Museum, im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder auch im Kölner Museum für angewandte Kunst. Dass jedoch ausgerechnet das Lippische Landesmuseum in Detmold – an sich Regionalmuseum mit Wurzeln im naturhistorischen Bereich – eine tolle Stuhlsammlung beherbergt, dürfte für viele eine echte Überraschung sein. Hintergrund: Architektur und Innenarchitektur lernt man an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (ehemals FH Lippe). Und so ist vor vielen Jahren eine Kooperation zustande gekommen, deren Resultat die Ausstellung „Möbel und Innenarchitektur“ ist. Und da sind sie alle zu bestaunen, die alten, neuen und vielleicht zukünftigen Sitz-Klassiker: Rietvelds Zig-Zag Stoel oder verschiedene Eames Modelle, Alvar Aaltos kurvige Holzwunder oder futuristische Alu-Entwürfe von Konstantin Grcic, spacige (und tolle) neue Entwürfe wie das Dai Sofa von Kazuko Okamoto oder die stilprägenden Plastik-Ikonen Verner Pantons aus den 60ern. All das dargeboten auf zwei Etagen unterm Dach in einer toll gemachten Präsentation auf schrägen Podesten. Und ganz frische Entwürfe von experimentierfreudigen lokalen Studierenden gibt’s auch noch dazu. Klasse Sache! Freunde von Stuhl & Design: Kommt nach Detmold! -MM

„Fotonoviembre 2017″

„Fotonoviembre 2017″
TEA Tenerife Espacio de Las Artes, Santa Cruz de Tenerife, Spanien
9. November 2017 bis zum 28. Februar 2018

Schön, schön, schön! Die Sichtachsen im Tenerife Espacio de las Artes sind toll. Eine Augenfreude für Architektur-Fans!
Schön, schön, schön! Die Sichtachsen im Tenerife Espacio de las Artes sind toll. Eine Augenfreude für Architektur-Fans!

Hoppala – da staunt der Architekturfreund in Santa Cruz auf Teneriffa. Ganz sicher hat er nämlich bereits zielgerichtet Santiago Calatravas berühmtes Auditorio de Tenerife, das wirklich spektakuläre Opernhaus der Insel, besucht. Dass aber dann im renovierten Altstadtviertel von Santa Cruz plötzlich das TEA auftaucht – zumindest für mich war das beim ersten Besuch eine echte Überraschung. Ein tolles Gebäude, entworfen von Herzog & de Meuron und Virgilio Gutiérrez. Reingehen, staunen und phantastische Sichtachsen erleben. Also zunächst gilt: Egal was läuft – allein schon das Haus ist einen Besuch wert.

Aktuell ist das TEA ein Teil des „Internationalen Festivals der Fotografie von Teneriffa“ – genannt „Fotonoviembre“ (das zeitgleich an diversen Orten auf der Insel stattfindet). Und Fotonoviembre ist definitiv ein Festival für Experimente, ungewöhnliche Ideen, komplexe Konzepte. Nicht leicht zugänglich, aber wie so oft lohnt sich das Einlassen darauf – dann sind echte Perlen zu entdecken. Eine davon ist eine Serie von Fotografien (?) des Meeres. Abstrakt, jeweils 111 x 173 cm groß, immer monochrom, ausschließlich das Meer als blaue Fläche zeigend, aber in unterschiedlichen Farbschattierungen. Das ist zunächst eine ästhetisch fein austarierte Installation, die mir in ihrer geometrisch grafischen Anmutung wirklich gefällt.

"Secrets in the open sea" - Minimalismus mit Geheimnissen
„Secrets in the open sea“ – Minimalismus mit Geheimnissen

Aber die Bilder haben ein Geheimnis. Nein, nicht eines, sondern mehrere (und so heißen sie auch „Secrets in the open sea“): Zunächst mal ist der Urheber unbekannt. Die Bilder – 29 an der Zahl, von denen sechs im TEA gezeigt werden – wurden 1993 gefunden – und zwar während des Abrisses der vom Krieg verwüsteten Geschäftsviertel in Beirut. Aber es wird noch spannender: Bei der Konservierung und Analyse der Arbeiten in Laboratorien in Frankreich und Großbritannien wurden aus den Prints winzige schwarz-weiß Bilder extrahiert, allesamt unterschiedliche Gruppenbilder von Männern und Frauen. Diese wiederum konnten alle identifiziert werden – es handelt sich ausschließlich um Menschen, die zwischen den Jahren 1975 und 1991 im Mittelmeer umgekommen waren. Was für eine Geschichte! Da kann man wirklich ins Staunen kommen, oder? Faszinierend. –MM

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ / „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ /
„Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

MARTa, Herford
05. November 2017 bis 07. Januar 2018 / 14. Oktober 2017 bis 04. Februar 2018

Ausstellungen zu Gerrit Rietveld und Mart Stam im Herforder Museum MARTa
Gerrit und Mart im Marta: 2 Ikonen erobern Herford

Liebhaber der modernen Architektur sollten in diesem Winter unbedingt das MARTa in Herford besuchen! Präsentiert das Museum für Kunst, Architektur und Design doch gleich zwei der bedeutendsten Pioniere der Architektur und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts: Mart Stam und Gerrit Rietveld.
“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ bietet eine hervorragende Übersicht zum facettenreichen Leben und Werk des niederländischen Designers und Architekten Mart Stam, welcher sich schon in jungen Jahren einen Namen aufgrund seiner Teilnahme am Stuttgarter Projekt „Weißenhof-Siedlung“ machte (s.a. an anderer Stelle in diesem Blog). Neben einer Vielzahl an Texten zu den einzelnen Stationen Stams gibt es anschauliche Originalpläne, Fotografien und historisches Filmmaterial wie z.B. den 1931 entstandenen Dokumentarfilm von Ella Bergmann-Michel „Wo wohnen alte Leute“ über die moderne und zukunftsweisende Architektur des Budge-Heims in Frankfurt. Und natürlich dürfen auch zwei Modelle von Stams berühmtem Freischwinger nicht fehlen, gilt er doch als künstlerischer Urheber für den „Stuhl ohne Hinterbeine“. Unbedingt empfehlenswert ist zudem der ca. ½ stündige Film am Ende des Ausstellungsparcours, indem auch ehemalige Wegbegleiter wie Max Bill über ihre teilweisen skurrilen, persönlichen Begegnungen mit Mart Stam berichten.
Im Erdgeschoß des wirklich wunderbaren, von keinem geringeren als dem Stararchitekten Frank Gehry entworfen Museumsbaus gibt es mit „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst“ die sicherlich auf den ersten Blick optisch ansprechendere Ausstellung. Gezeigt werden ca. 140 Exponate aus der weltweit umfangreichsten Rietveld-Sammlung des Centraal Museums Utrecht . Allem voran natürlich Gerrit Rietvelds berühmter „Rot-Blauer Stuhl“. Anlaß der Ausstellung ist das 100jährige Jubiläum der niederländischen Künstlergruppe De Stijl , der neben Rietveld als Schlüsselfigur u.A. auch die Maler Piet Mondrian und Friedrich Vordemberge-Gildewart angehörten. Ergänzt wird das Werk Rietvelds durch Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie z.B. Imi Knöbel, Erik van Lieshout, Silvie Fleury, Sofia Hulté, Katja Mater, El Lissitzky und natürlich Rietvelds Weggefährten von De Stijl – Piet Mondrian, Theo van Doesburg und Friedrich Vordemberge-Gildewart.
Unser Tipp: Absolut lohneswert nicht nur für Rietveld-Fans ist ein Besuch des 1924 erbauten „Haus Schröder“ in Utrecht!  Einen Vorgeschmack auf das wirklich phantastische Gebäude bekommt man schon in der Herforder Ausstellung über ein Architekturmodell, Fotos, Bauzeichnungen und Filmmaterial vermittelt. Eine ausführliche Führung durch das Original bringt einem die architektonischen Finessen des Baus und des individuellen Interieurs natürlich deutlich näher! -AEK

„Leeds Art Gallery“

Leeds Art Gallery„, Leeds
…seit dem 13. Oktober 2017

Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery
Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery

Nach langer Schließung und intensiver Restaurierung des viktorianischen Glasdaches heißt es in West-Yorkshires Metropole Leeds nun „We’re Back!“. Die Leeds Art Gallery ist wieder geöffnet, und ganz ohne Eintritt zahlen zu müssen darf man sich Kunst, Architektur und neuem Dach hingeben. Letzteres ist überigens wirklich toll geworden – die große Glasdecke im Viktorianischen Central Court beeindruckt. Und auch sonst macht der Besuch große Freude. In einem Teil des Erdgeschosses findet sich die Ausstelleung „Artist Rooms – Joseph Beuys„, die eine kompakte Einführung in Beuys‘ Leben und Werk gibt und Skulpturen, Zeichnungen und Multiples von den 50er bis in die 80er Jahre bietet. Die Ausstellung „Shelter from the Storm“ liefert einen umfassenden Überblick zum Schaffen des Künstlers John Sell Cotman, der als einer der wichtigsten Aquarellisten des 19. Jahrhunderts gilt (beide zu sehen vom 13. Oktober bis zum 21. Januar 2018). Ansonsten ist unter anderem eine wunderbare Auswahl von Werken aus der hauseigenen Sammlung zu finden. Und – ein echter Hingucker – im großzügigen Treppenaufgang eine große neue Wandmalerei des deutschen Künstlers Lothar Götz, die mit ihren bunten geometrischen Formen als Gegensatz zur Viktorianischen Gebäudearchitektur in ihren Bann zieht.  Kurz und gut: Wer in Leeds ist, sollte auf jeden Fall in die Art Gallery hereinschauen! -MM

„bauhaus in bewegung“

„bauhaus in bewegung“
bauhaus archiv – museum für gestaltung
berlin
01.märz – 13. november

besonderes berliner bau - das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert
besonderer berliner bau – das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert

von den weit mehr als 175 museen in berlin ist das bauhaus-archiv sicherlich nicht das größte und bekannteste – für mich persönlich jedoch eines der schönsten und interessantesten! beherbergt es doch viele der wunderbaren arbeiten, die zwischen 1919 und 1933 in der von walter gropius gegründeten kunstschule von zahlreichen, noch heute namentlich bekannten lehrern (e.g. lyonel feininger, wassily kandinsky, paul klee, johannes itten, josef albers, oskar schlemmer und lászló moholy-nagy) und schülern (e.g. max bill, wilhelm wagenfeld, marcel breuer, anni albers, marianne brandt, gunta stölzl, andreas feininger, lux feininger und fritz winter) geschaffen wurden!
beim betreten der aktuellen themenausstellung „bauhaus in bewegung“ wird einem sofort klar: die idee „bauhaus“ hat auch heute, rund 100 jahre später, nichts an reiz verloren! denn: im gegensatz zur nicht nur damals üblichen klassischen akademieausbildung setzte man am bauhaus auf eine ausgewogene kombination aus bildender, angewandter und darstellender kunst. so gab es in der „kathedrale der kunst“ keine „klassen“, sondern „werkstätten“, in denen nicht selten parallel gemalt, skizziert, fotografiert, gebaut, getischlert, geschmiedet, getöpfert, gewebt, gesungen, geschauspielert, geschrieben und gedichtet wurde. die meisten der exponate – ein äußerst kreatives sammelsurium aus gemälden, skulpturen, fotografien, skizzen, modellen, möbeln, wandteppichen, lampen, keramiken, schmuck und gegenständen des täglichen gebrauchs – wirken daher auch im 21. jahrhundert eher äußerst modern, denn verstaubt antiquarisch. und sind somit echte „designklassiker“.
einige von ihnen und zahlreiche andere schöne dinge kann man übrigens direkt im anschluss an den ausstellungsbesuch im benachbarten museumsshop käuflich erwerben. keine angst – hier gibt es design für jeden geldbeutel.
aber aufgepasst: im herbst 2017 ist erst einmal schluss mit den inspirierenden ausflügen nach berlin-tiergarten! passend zum 100-jährigen jubiläum wird das 1979 nach einem gropius-entwurf gebaute und in betrieb genommene haus erst einmal saniert und um einen neubau des berliner architekturbüros staab architekten erweitert. die wiedereröffnung ist für 2021 geplant – hoffen wir mal, daß es dem bauhaus archiv berlin in diesem punkt besser ergeht als dem berliner flughafen… -AEK

„Documenta 14“

„Documenta 14“
Kassel
10.06. – 17. 09.2017

Documenta: "Pantheon der Bücher"; "Liegen statt stehen"
Documenta draußen. Im Hintergrund der Pantheon der Bücher, vorne links innen als Wohnräume gestaltete Röhren: „Liegen statt stehen“ von Hiwa K.

Eines gleich vorweg: Ja, Teile der Documenta haben auch in Athen stattgefunden (8.4.-16-7-). Wir aber waren „nur“ in Kassel, und darum also soll’s hier gehen. Wobei das nicht bedeutet, dass im teils beschaulichen Hessen nicht jede Menge Griechenland steckt – zumindest, was die Kunst angeht. So wird das Museum Fridericianum, quasi traditionelle Documenta Hauptspielstätte, zum Athener Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST): Erstmals wird in Deutschland die EMST-Sammlung gezeigt, während das (ganz neue) Athener Museumsgebäude vollständig zum Documenta-Spielort wird. Und der Griechische Touch steht dem Fredericianum gut! Spannend zum Beispiel die Installation Acropolis Redux (The Director’s Cut) (2004) des Südafrikaners Kendell Geers. Ein riesiges Stacheldrahtlager, das so manche aktuelle Assoziation zulässt. Überzeugend auch Costas Varotsos auf Glas gedruckte, dann zerbrochene Flaggen (Ohne Titel, 2017) diverser Staaten, die den Boden eines ganzen Raumes im Turm bedecken und plakativ aber doch filigran viel über unsere Gegenwart sagen. Dafür hat sich das Anstehen (es dürfen immer nur wenige Personen eintreten) allemal gelohnt. Zugegeben, vieles der weiteren EMST-Sammlung erscheint im Documenta Kontext dann doch geradezu traditionell und nicht sonderlich verstörend. Aber vielleicht macht gerade das die Schau im Fredericianum zur kontrapunktischen Oase, die der an vielen Stellen bemüht wirkenden Documenta 14 durchaus gut tut.

Unübersehbar auf dem Friedrichsplatz thront Der Pantheon der Bücher (1983/2017) von Marta Minujins. Dieses Scheingebäude, dessen Säulen mit unzähligen verbotenen Büchern bestückt sind (mitbringen erlaubt!) kommt zunächst aus der Ferne beeindruckend daher, während sich die pompösen architektonischen Strukturen dann beim Näherkommen in profane Baugerüste verwandeln. Und beim Wandeln durch die Säulen stellt man verwundert fest, welcherlei Bücher schon irgendwo auf der Welt verboten waren oder sind. Mir wäre Harry Potter zumindest nicht direkt eingefallen…

Ansonsten sind natürlich die über die Stadt verteilten Ausstellungsorte an sich schon sehenswert. Die Documenta Halle als interessanter Museumsbau (mein Favorit dort: Die Arbeit „Sound on Paper“ – Soundinstallation für gerahmtes Papier, Lautsprecher, Oszillator – des Amerikaners Alvin Lucier). Der wild rauchende Zwehrenturm am Fredericianum als Kunstwerk von Daniel Knorr. Die Neue Hauptpost, deren Verladebereich kurzerhand umfunktioniert wurde und sich als „Neue Neue Galerie“ mit nicht immer einfach zu durchschauender Kunst in authentischem Industriecharme schmückt. Und natürlich der stillgelegte U-Bahnhof, der in der Tat eine einzigartige Location ist und den man durch einen rostigen Container auf dem Bahnhofsvorplatz betritt, der gleich Assoziationen zum Thema Flüchtlinge aufkommen lässt. Aber all das ist nur ein Ausschnitt, der Ausstellungsorte gibt es noch viele mehr. Und viel Kunst. Und viel Aussage. Und – wie schon oben angemerkt – viel Bemühen um Aussage, was manchmal etwas angestrengt daherkommt.

Aber was macht die Documenta nun stets irgendwie besuchenswert? Vielleicht ist es die Tatsache, dass ein ansonsten ganz normales, in vieler Hinsicht durchschnittliches Städtchen alle fünf Jahre für mehrere Monate verwandelt wird. Besucher aus der ganzen Welt, Kunst überall, eine Mischung aus Avantgarde und Reihenhaus, Happening und Wiesen-Picknick. Da entsteht eine feine Atmosphäre, die sich gut anfühlt. Also dann: Entweder bis Mitte September hin – oder 5 Jahre warten. -MM

„The Designmuseum“

The Designmuseum“, London
…seit dem 24. November 2016

Innenansicht London Design Museum in Kensington
Starker Innenauftritt unter imposantem Dach: Das Londoner Design Museum an neuer Stelle in Kensington

Design, Design, Design – davon gibt es im Londoner Design-Museum wahrlich reichlich. Bislang (seit 1989) in einem toll umgebauten früheren Lagerhaus für Bananen direkt an der Themse und nahe der Tower Bridge untergebracht, müssen sich Design-Liebhaber nun gen West-London aufmachen: Seit dem 24. November befindet sich das Museum im ehemaligen Commonwealth Institute in Kensington – und hat sage und schreibe drei mal mehr Platz als am alten Standort. Die Architektur des denkmalgeschützten Gebäudes ist atemberaubend (…dieses Dach…Wahnsinn!), der Umbau gelungen. Und doch – mein Herz hängt an der alten Location, die wir in der Vergangenheit schon mehrfach besucht haben. Ja, sie war kleiner – aber für meine Begriffe schlichtweg näher dran am Design. Aber genug genörgelt: Wer so einiges über Industriedesign, Stuhlklassiker & Co. lernen möchte, ist auch in Kensington bestens aufgehoben! -MM

“Skulpturenpark Waldfrieden”

“Skulpturenpark Waldfrieden”
ganzjährig, Dienstags bis Sonntags

Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal
Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal

Es gibt ihn schon fast seit 10 Jahren zwischen den beiden Wuppertaler Stadtzentren Elberfeld und Barmen, den Skulpturenpark Waldfrieden des Britischen Bildhauers Tony Cragg. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie und seines Zeichen Wahlwuppertaler seit nun mehr fast 50 (!) Jahren bezog das 14 Hektar große Waldgelände am Hesselnberg 2008 und präsentiert dort seitdem nicht nur zahlreiche seiner eigenen phantastischen Werke, sondern auch die anderer namhafter Künstler. Beim Spaziergang auf den festgelegten Parkwegen begegnen einem so z.B. auch Arbeiten von Henry Moore (wie immer wundervoll anzusehende, überdimensionale Handschmeichler, die man natürlich auch hier draußen in freier Natur nicht anfassen darf!), Thomas Schütte, Erwin Wurm, Eva Hild, Hede Bühl, Hubert Kiecol, Richard Deacon und Markus Lüpertz. Um keine der aktuell 40 Skulpturen zu verpassen oder sich gar auf dem hügeligen, wirklich nicht kleinen Gelände zu verlaufen, erhält man am Eingang zur besseren Orientierung einen Übersichtsplan. Für Besucher, die mehr Hintergrundwissen zu Park und Kunst wünschen, findet man auf der Internetseite diverse Angebote zu öffentlichen „Rudelführungen“.

Installation von Klaus Rinke in einem der Ausstellungspavillons im Skulpturenpark Waldfrieden
Da tickt die Uhr… Ein Hauptthema Klaus Rinkes ist „Zeit“

Auch gibt es auf dem Arenal zwei moderne Pavillons für Wechselausstellungen – bis zum 25. Juni z.B. bestückt mit Kunst von Klaus Rinke, der fast zeitgleich zu Tony Cragg im Fach Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte.
Ein weiteres architektonisches Highlight im Park: Die unter Denkmalschutz stehende Villa Waldfrieden. Das 1946 von Franz Krause nach den Richtlinien der anthroposophischen Architektur entworfene Gebäude war lange Zeit bis zu seinem Tod im Jahre 1989 das Wohnhaus des über die Stadtgrenzen Wuppertals hinaus bekannten Lackfabrikanten Kurt Herberts. Aus konservatorischen Gründen ist die Villa in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, kann aber heuer z.B. am letzten Juniwochenende im Rahmen des bundesweiten „Tages der Architektur“ nach entsprechender Anmeldung besichtigt werden.
Kurz: Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Der Skulpturenpark Waldfrieden ist zu jeder Jahreszeit ein Besuch Wert! Ein kleiner Tipp: Festes Schuhwerk kann nicht schaden, Wanderschuhe wären aber deutlich übertrieben. -AEK

„Hepworth Family Gift“

„Hepworth Family Gift“
The Hepworth Wakefield, Yorkshire, UK
Dauerausstellung

Kunst-Kuben fast mitten im Fluss: Das Hepworth Museum in Wakefield
Kunst-Kuben fast mitten im Fluss: Das Hepworth Museum in Wakefield

Ein schönes, ein beeindruckendes Museum ist es, das David Chipperfield (unter anderem Architekt des neuen Teils des Essener Folkwang Museums) in West Yorkshire gebaut hat. Direkt am River Calder in der durch nunmehr verschwundenen Steinkohlebergbau industriell geprägten Region erhebt es sich als geometrisch verschachteltes Kunstwerk, das sich aber nicht in den Vordergrund drängt, sondern den Ort wirken lässt. Und das gilt umso mehr im Inneren. Chipperfield hat Räume und Sichtachsen erdacht, die der Kunst Raum geben und gleichzeitig stets die Verbindung nach Außen suchen. Klasse! Für mich ist allein das Gebäude schon einen Besuch wert. Und diesen Besuch wollte ich eigentlich schon machen, als das Hepworth im letzten Jahr mit einer umfangreichen Fotoausstellung des großartigen Martin Parr zum „Rhubarb Triangle“ glänzte. Hat nicht geklappt. Aber auch jetzt gibt es viel zu sehen. Und zwar nicht zuletzt die Dauerausstellung von Arbeiten der aus Wakefield stammenden Bildhauerin Barbara Hepworth. Gezeigt wird in mehreren Räumen unter anderem eine einzigartige Sammlung von Arbeitsmodellen für Bronzeskulpturen, die die Hepworth Familie dem Museum gespendet hat. Beeindruckend: Diese Vorstufen sind in Originalgröße angefertigt und zum Teil fast 6 Meter hoch. Neben den Hepworth Arbeiten hat mir aber noch etwas anderes besonders gut gefallen: Das Museum ist auch die Heimat der Wakefield Collection of Modern British Art. Und versteht sich als Ort des Lernens und der kreativen Auseinadersetzung mit Kunst. So haben sich im Rahmen des „young peoples programme“ junge Leute mit selbst ausgewählten Sammlungswerken beschäftigt und zu jeder dieser Arbeiten gemeinsam Gedichte verfasst. Klingt komisch? Von wegen! Die sind verdammt gut. Kurz zusammengefasst: Ich mag das Museum. Besuchen lohnt sich! -MM

“Henry Moore – Impuls für Europa“

“Henry Moore – Impuls für Europa“
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
11.11. 2016 bis 19.03.2017

Moore in Münster - schöne Skulpturen, schöne Architektur
Moore in Münster – schöne Skulpturen, schöne Architektur

Eigentlich hatten wir schon viel früher einen weiteren Besuch des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster geplant. Galt es doch, den im Herbst 2014 fertiggestellten modernen Anbau an den Neorenaissance-Altbau aus dem Jahre 1908 zu begutachten!
An diesem Wochenende war es dann soweit: Es hieß „Auf nach Münster zur Henry Moore-Sonderausstellung!“ Was soll ich sagen – beides hat uns nicht enttäuscht!
Der vom Berliner Büro Staab Architekten realisierte Umbau ist einfach umwerfend! Schon die beiden Eingänge „Domplatz“ und „Rothenburg“, aktuell bestückt mit Skulpturen von Henry Moore, wirken offen und einladend. In beiden Fällen gelangt man direkt in das helle, wirklich imposante Foyer mit einer Fläche von 700 m2 und Höhe von 14 m! Hier befinden sich neben den Kassen und Garderoben gleichzeitig die Eingänge zum Museumsshop, zur Bibliothek und zum Museumsrestaurant. Zudem gibt es natürlich auch auf der Eingangsebene einen Durchgang zum ursprünglichen Haus. Zur Kunst im 1. und 2. Obergeschoß gelangt man über lange Treppen am Rande der großzügigen Eingangshalle. Ein Weg, den auch Fußfaule nicht scheuen sollte, beschert er einem doch garantiert immer wieder neue, spannende Architektur-Perspektiven.
Insgesamt verfügt das erweiterte LWL-Museum nun über 7500 m2 Ausstellungsfläche für seine mehr als 300.000 (!) Exponate. Man sollte also schon ein wenig Zeit mitbringen, um einen näheren Blick in die 51 (!), allesamt farblich individuell gestalteten Ausstellungsräume werfen zu können. Thematisch geordnet erwartet den Besucher vor allem Kunst und Kultur der letzten 1000 Jahre. Der Sammlungsschwerpunkt liegt dabei auf Mittelalterlicher Sakralkunst Westfalens, Kunstwerken der Renaissance, des Barocks und des 19. Jahrhunderts sowie den von uns geliebten Werken der klassischen Moderne (z.B. Kirchner, Macke, Marc und Nolde) und der Gegenwartskunst (z.B. Albers, Frühtrunk, Piene, Richter, Serra, Stella und Trockel). Aufgrund des offenen Museumsbaus wird der lange Rundgang über zwei Etagen jedoch nie langweilig, eröffnen sich doch nicht selten spontan und unerwartet Sichtachsen in benachbarte Museumsbereiche, in die Innenhöfe oder auf die Stadt Münster selber.
Nun aber zu Sonderausstellung „Henry Moore – Impuls für Europa“. Die Werkschau umfaßt alle Schaffensphasen des Britischen Künstlers und zeigt neben 120 Moore-Arbeiten – Plastiken, Skulpturen und Papierarbeiten – auch Werke anderer Künstler. So stand er z.B. im regen Austausch mit Alberto Giacometti, Hans Arp und Barbara Hepworth, inspirierte aber auch jüngere Kollegen wie z.B. Joseph Beuys, Karl Hartung, Norbert Kricke und Bernhard Heiliger. Alles in allem eine wirklich großartige Konstellation! Wobei ich gerne zugebe, dass es mir besonders die vielen verschiedenen Plastiken und Skulpturen angetan haben. Besonders bei den großen Moore-Arbeiten musste ich mich richtig beherrschen, nicht spontan die Hand nach den wundervoll gestalteten Objekten auszustrecken. Während des gesamten Ausstellungsbesuchs schrei ein leises Stimmlein tief in meinem Inneren „Bitte berühr mich!“. Zum Glück bin ich jedoch allzeit stark geblieben… AEK