Kategorie-Archiv: Modelle

„Taten des Lichts – Mack & Goethe“

Taten des Lichts – Mack & Goethe
Goethe-Museum, Düsseldorf
04. März bis 27. Mai 2018

Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.
Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.

„Taten des Lichts – Mack und Goethe“: das ist der Titel der aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer „Schloß Jägerhof“ – vielen auch bekannt unter dem einprägsamen Namen „Goethe-Museum“. Beherbergt das stattliche Rokoko-Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts doch schon seit mehr als 70 Jahren die immense Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs, seines Zeichen Leiter und Inhaber des Insel-Verlages zu Leipzig, als da sind: ca. 5000 Handschriften, Gemälde, graphische Blätter, Büsten, Medaillen und Münzen nebst einer immensen Bibliothek bestehend aus rund 17000 Büchern und 3000 Musikalien (= Notenblätter) aus der Goethe-Zeit. Und natürlich ein Sammelsurium an optischen Geräten, die Goethe zur Untersuchung seines Steckenpferdes benutzt, der Farbenlehre.
Womit wir wieder beim eigentlichen Thema dieses Beitrages sind: den „Taten des Lichts“.
Denn: der große Dichterfürst beschäftigte sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit einer Vielfalt an Farberscheinungen und veröffentlichte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Artikel zur Disziplin „Optik“, Anfang des 19. Jahrhunderts sogar eine umfangreiche Schrift von mehr als 1600 Seiten mit dem Titel „Zur Farbenlehre“ . Goethe unterschied bei seinen wissenschaftlichen Beobachtungen generell zwischen „physiologischen“, „physischen“ und „chemischen“ Farben. Sein Interesse galt beispielsweise sowohl bestimmten Aspekten des menschlichen Sehens wie farbigen Nachbildern, dem Hell-Dunkel-Kontrast, dem Simultan-Kontrast als auch der Ursache für Fehlsichtigkeiten wie z.B. die der Farbenblindheit. Er untersuchte unter dem Aspekt „Farbe“ die Naturerscheinungen Morgenröte, Abendröte, das Himmelsblau, das Mondlicht, interessierte sich aber auch für die Farbigkeit von Seifenblasen und Schatten. Goethe  beschrieb die farbige Erscheinung einiger chemischer Verbindungen und referierte auch über das Prinzip des Färbens und des Bleichens; zudem beschäftigte er sich mit der Farbigkeit von Flora und Fauna, kommentierte aber auch das reale Mischen von Künstlerfarben.
Alles in allem Themen, die auch heute noch viele moderne Künstler interessieren und faszinieren dürften!
So auch einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer und Maler, den Mitbegründer der renommierten Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack. Auch er befaßte sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen Licht und Farbe – sei es im Zusammenhang mit seinen wundervollen Lichtreliefs, seinen gigantischen Licht-Installationen in der Wüste oder aber in seinen chromatischen Bildern und Grafiken. So heißt es auf Macks Internetseite, der Künstler begreife „Farbe als Licht und Licht als Farbe“ (s.a. Beitrag „Licht Schatten“ an anderer Stelle in diesem Blog).
„Taten des Lichts – Mack und Goethe“ im Goethe-Museum bietet nun bis Mitte Mai diesen Jahres die Gelegenheit, die auf 8 Räume des Hauses verteilten Arbeiten der beiden außergewöhnlichen „Lichtkünstler“ auf einen Schlag zu sehen und miteinander in Bezug zu bringen. Im Ausstellungsflyer wirbt man z.B. mit einer einer „vielschichtige(n) Begegnung zwischen Klassik und Moderne“.
Auf mich persönlich – einem Fan von klaren Formen und Strukturen – wirkt die Präsentation der Werke leider ein wenig „strubbelig“, erinnert sie mich doch spontan an eine „Petersburger Hängung“, bei der in meinen Augen besonders die meist überaus farbigen Werke Macks in der holzdominierten Wohnzimmeratmosphäre des Schlosses Jägerhof deutlich an Brillanz verlieren. Aber das ist ja eine reine Geschmacksache und hat nur mittelbar mit der Qualität der gezeigten Exponate zu tun. -AEK

Thomas Schütte

Thomas Schütte
Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung, Neuss
12.01.2018 – 18.03.2018

Eingang zur Schütte-Ausstellung in der Skulpturenhalle in Neuss
Schütte bei Schütte: Hinter den Glastüren der Skulpturenhalle warten wundersame Wesen des Düsseldorfer Bildhauers.

Endlich! Nach knapp zwei Jahren ist es soweit: die im April 2016 eröffnete Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung Neuss präsentiert „Thomas Schütte“! (wir berichteten bereits an anderer Stelle über das neue Haus in Neuss in direkter Nähe zur Museumsinsel Hombroich und zur Langen Foundation).
Ausgestellt sind rund 30 größere, aber auch zahlreiche kleine Arbeiten des in Düsseldorf lebenden und arbeitenden ehemaligen Richter-Schülers und Gewinners des „Goldenen Löwen“ als bester Künstler der Kunstbiennale Venedig 2005.
Schon im Nebenraum des „Kassenhäuschens“ – offiziell „Kuratorenzimmer“ genannt – gibt es ein ganzes Regal mit Miniatur-Modellen aus den verschiedensten Schaffensphasen des Künstlers zu bestaunen. Hier finde ich z.B. auch Schüttes ersten Entwurf für die Neusser Skulpturennhalle – eine flach liegende Streichholzschachtel mit einem gewellten Pringles-Chip als Dach.
Im Hauptgebäude wird die Kunst dann gleich viel größer: Direkt am Eingang steht z.B. die Skulptur „Großer Geist Nr.10“ – ganz klar mein Favorit in dieser Ausstellung. Fast genauso ansprechend: „Zombie IX“ – quasi ein „Großer Geist“, aus dem die Luft rausgelassen wurde. Ebenfalls toll: drei überdimensionierte „Engel“ aus Edelstahl und Silikon, deren kleines Vorbild übrigens auch im anfangs erwähnten Kunst-Setzkasten zu finden ist. Im Zentrum der Halle, rund um 6 rote „Glasgeister“, hängen aber auch einige spannende Skizzenbücher Schüttes.
Alles in allem bietet die Schau einen guten Überblick über das bisherige Werk des international anerkannten Bildhauers. Man ist auf jeden Fall froh, dass das selbstgenannte Todesdatum Schüttes „25.3.1996“ in seinem Kunstwerk „Mein Grab“ (1981) nicht der Realität entspricht, sondern zur Kategorie „fake news“ gehört :-)…
Zum Schluß dieses Beitrags noch ein praktischer Hinweis: die Skulpturenhalle Neuss kann nur am Wochenende (Fr – So, 11 – 17 Uhr) besichtigt werden! -AEK

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ / „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ /
„Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

MARTa, Herford
05. November 2017 bis 07. Januar 2018 / 14. Oktober 2017 bis 04. Februar 2018

Ausstellungen zu Gerrit Rietveld und Mart Stam im Herforder Museum MARTa
Gerrit und Mart im Marta: 2 Ikonen erobern Herford

Liebhaber der modernen Architektur sollten in diesem Winter unbedingt das MARTa in Herford besuchen! Präsentiert das Museum für Kunst, Architektur und Design doch gleich zwei der bedeutendsten Pioniere der Architektur und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts: Mart Stam und Gerrit Rietveld.
“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ bietet eine hervorragende Übersicht zum facettenreichen Leben und Werk des niederländischen Designers und Architekten Mart Stam, welcher sich schon in jungen Jahren einen Namen aufgrund seiner Teilnahme am Stuttgarter Projekt „Weißenhof-Siedlung“ machte (s.a. an anderer Stelle in diesem Blog). Neben einer Vielzahl an Texten zu den einzelnen Stationen Stams gibt es anschauliche Originalpläne, Fotografien und historisches Filmmaterial wie z.B. den 1931 entstandenen Dokumentarfilm von Ella Bergmann-Michel „Wo wohnen alte Leute“ über die moderne und zukunftsweisende Architektur des Budge-Heims in Frankfurt. Und natürlich dürfen auch zwei Modelle von Stams berühmtem Freischwinger nicht fehlen, gilt er doch als künstlerischer Urheber für den „Stuhl ohne Hinterbeine“. Unbedingt empfehlenswert ist zudem der ca. ½ stündige Film am Ende des Ausstellungsparcours, indem auch ehemalige Wegbegleiter wie Max Bill über ihre teilweisen skurrilen, persönlichen Begegnungen mit Mart Stam berichten.
Im Erdgeschoß des wirklich wunderbaren, von keinem geringeren als dem Stararchitekten Frank Gehry entworfen Museumsbaus gibt es mit „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst“ die sicherlich auf den ersten Blick optisch ansprechendere Ausstellung. Gezeigt werden ca. 140 Exponate aus der weltweit umfangreichsten Rietveld-Sammlung des Centraal Museums Utrecht . Allem voran natürlich Gerrit Rietvelds berühmter „Rot-Blauer Stuhl“. Anlaß der Ausstellung ist das 100jährige Jubiläum der niederländischen Künstlergruppe De Stijl , der neben Rietveld als Schlüsselfigur u.A. auch die Maler Piet Mondrian und Friedrich Vordemberge-Gildewart angehörten. Ergänzt wird das Werk Rietvelds durch Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie z.B. Imi Knöbel, Erik van Lieshout, Silvie Fleury, Sofia Hulté, Katja Mater, El Lissitzky und natürlich Rietvelds Weggefährten von De Stijl – Piet Mondrian, Theo van Doesburg und Friedrich Vordemberge-Gildewart.
Unser Tipp: Absolut lohneswert nicht nur für Rietveld-Fans ist ein Besuch des 1924 erbauten „Haus Schröder“ in Utrecht!  Einen Vorgeschmack auf das wirklich phantastische Gebäude bekommt man schon in der Herforder Ausstellung über ein Architekturmodell, Fotos, Bauzeichnungen und Filmmaterial vermittelt. Eine ausführliche Führung durch das Original bringt einem die architektonischen Finessen des Baus und des individuellen Interieurs natürlich deutlich näher! -AEK

„bauhaus in bewegung“

„bauhaus in bewegung“
bauhaus archiv – museum für gestaltung
berlin
01.märz – 13. november

besonderes berliner bau - das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert
besonderer berliner bau – das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert

von den weit mehr als 175 museen in berlin ist das bauhaus-archiv sicherlich nicht das größte und bekannteste – für mich persönlich jedoch eines der schönsten und interessantesten! beherbergt es doch viele der wunderbaren arbeiten, die zwischen 1919 und 1933 in der von walter gropius gegründeten kunstschule von zahlreichen, noch heute namentlich bekannten lehrern (e.g. lyonel feininger, wassily kandinsky, paul klee, johannes itten, josef albers, oskar schlemmer und lászló moholy-nagy) und schülern (e.g. max bill, wilhelm wagenfeld, marcel breuer, anni albers, marianne brandt, gunta stölzl, andreas feininger, lux feininger und fritz winter) geschaffen wurden!
beim betreten der aktuellen themenausstellung „bauhaus in bewegung“ wird einem sofort klar: die idee „bauhaus“ hat auch heute, rund 100 jahre später, nichts an reiz verloren! denn: im gegensatz zur nicht nur damals üblichen klassischen akademieausbildung setzte man am bauhaus auf eine ausgewogene kombination aus bildender, angewandter und darstellender kunst. so gab es in der „kathedrale der kunst“ keine „klassen“, sondern „werkstätten“, in denen nicht selten parallel gemalt, skizziert, fotografiert, gebaut, getischlert, geschmiedet, getöpfert, gewebt, gesungen, geschauspielert, geschrieben und gedichtet wurde. die meisten der exponate – ein äußerst kreatives sammelsurium aus gemälden, skulpturen, fotografien, skizzen, modellen, möbeln, wandteppichen, lampen, keramiken, schmuck und gegenständen des täglichen gebrauchs – wirken daher auch im 21. jahrhundert eher äußerst modern, denn verstaubt antiquarisch. und sind somit echte „designklassiker“.
einige von ihnen und zahlreiche andere schöne dinge kann man übrigens direkt im anschluss an den ausstellungsbesuch im benachbarten museumsshop käuflich erwerben. keine angst – hier gibt es design für jeden geldbeutel.
aber aufgepasst: im herbst 2017 ist erst einmal schluss mit den inspirierenden ausflügen nach berlin-tiergarten! passend zum 100-jährigen jubiläum wird das 1979 nach einem gropius-entwurf gebaute und in betrieb genommene haus erst einmal saniert und um einen neubau des berliner architekturbüros staab architekten erweitert. die wiedereröffnung ist für 2021 geplant – hoffen wir mal, daß es dem bauhaus archiv berlin in diesem punkt besser ergeht als dem berliner flughafen… -AEK