Kategorie-Archiv: Fotografie

„OSTER+KOEZLE“

Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie "architectures" in der Künstlerzeiche Unser Fritz 2/2 in Herne Wanne.
Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie „architectures“ in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Herne Wanne.

OSTER+KOEZLE – Fotografisch basierte digitale Kunst zum Thema Raum
Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Herne (Wanne)
28. April – 20. Mai 2018

Schon seit vielen Jahren, seit 1999 nämlich, arbeiten Willy Oster und SG Koezle gemeinsam als OSTER+KOEZLE und verbinden Fotografie, Malerei (ganz ohne Malerei!) und digitale Möglichkeiten zu einem faszinierenden Kosmos rund um das Thema Raum. Wir haben die Bilder des Künstlerduos vor einigen Jahren für uns auf der „GROSSEN“ in Düsseldorf entdeckt (siehe auch Blogposts aus März 2016 und Februar 2018) und uns von Anfang an in die geometrisch anmutenden Kompositionen, die immer mit einer Irritation des Betrachters einhergehen, verguckt. Um so schöner, dass nun in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eine OSTER+KOEZLE Ausstellung zu sehen ist, die schon fast als Retrospektive durchgehen könnte. Aber eben nur fast – denn dafür reichen die 4 Wände der mit 140 Quadratmetern nicht eben kleinen ehemaligen Weißkaue der Zeche dann doch nicht ganz aus. Und trotzdem bekommt der Besucher einen tollen Einblick in fast 20 Jahre gemeinsames Schaffen und in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, was nicht zuletzt an der schlauen Hängung liegt. Jede der vier Wände widmet sich nämlich einer Werkgruppe, startend mit den „rooms“, in denen noch deutlich der eigentliche Ort – eine leere Halle, ein Hausflur… – zu sehen ist, aber durch digital eingeschobene (Farb-) Flächen ein ganz neuer Raum, eine neue Komposition entsteht. Da drängen sich rote, weiße oder schwarze Rechtecke mit einer Selbstverständlichkeit ins Bild, die den Betrachter zunächst irritiert, dann staunen und schließlich nicken lässt: ja, sicher gehört diese Fläche ganz genau so ins Bild. An der nächsten Wand folgen dann die „perspectives“. Das Prinzip bleibt, digitale Farbflächen brechen sich Bahn, strukturieren, erschaffen neu. Die den Arbeiten zugrunde liegenden Fotografien aber beschränken sich auf Details, lassen schon von sich aus keine klare Raumzuordnung zu, sind klar komponierte Konstruktionen. In den „architectures“, Werkreihe (und Wand) Nummer drei, drehen OSTER+KOEZLE den Spieß quasi um: Hier stehen Farbflächen im Vordergrund, aus deren Oberfläche wie mit einem digitalen Skalpell sauber Teile herausgeschnitten wurden und dort Ausschnitte von (Raum-) Fotografien sichtbar werden lassen, was erneut zu einer ganz anderen Wahrnehmung von Raum führt. Die vierte Serie schließlich heißt schlicht schwarz/weiss, und so kommt sie dann auch daher. Aber vorsicht: Was zunächst erscheint wie sehr kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografien von (Raum?) Details, entpuppt sich dann doch wieder als Spiel mit der Wahrnehmung und als bewußte digitale Intervention. Waren diese Flächen wirklich so tiefschwarz? Was stimmt hier nicht? Obwohl doch wirklich alles stimmt…

OSTER+KOEZLE selber haben bei der Ausstellungseröffnung übrigens sichtlich Spaß. So erzählt uns Willy Oster, dessen Wurzeln in der Malerei liegen, zum Beispiel noch, dass es ihn immer besonders gefreut hat, bei der Teilnahme an der „GROSSEN“ Kunstausstellung in Düsseldorf nie bei den Fotografen, sondern stets bei den konkreten Künstlern zu hängen (was ja durchaus passt). Und SG Koezle lächelt verschmitz, wenn er erzählt, dass selbst einem Galeristen nach mehrwöchiger Ausstellung schon mal ein wesentliches Bild-Detail verborgen bleibt: „Aktenordner? Wo soll auf dem Bild denn da ein Aktenordner zu sehen sein?“, wird der Galerist zitiert. Aber wahrscheinlich sollte man sich auch nie ganz sicher sein – vielleicht ist da auch wirklich kein Ordner. Sondern das Spiel mit der Irritation und die Aufforderung zum erneuten Hinschauen.

Mein Fazit: Wunderbar ausgeklügelte  Kompositionen, klare Bezüge zur konkreten Kunst und zur Farbfeldmalerei, die Faszination für die Schönheit, die abstrahierten Architekturen und deren Details innewohnt und vor allem: das lustvolle Spiel mit der Irritation, die all den Bildern eine immense Spannung geben und dazu führen, lange zu schauen und den eigenen Blick zu hinterfragen. Auf zur Zeche Unser Fritz! -MM

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Pizza is God“

„Pizza is God“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl...
Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl…

Nun denn: die Pizza hat ihre erste hochoffizielle eigene Kunstausstellung. Zusammengetragen wurden Werke unzähliger Künstler, die sich allesamt mit dem schmackhaften Teigfladen beschäftigen. Und ja: Nahrung und essen an sich sind natürlich nicht erst seit gestern wichtiges Sujet der Kunst. Und da die Pizza mittlerweile in die Liste der immateriellen Güter des Weltkulturerbes ausgenommen wurde, bot sie sich wohl besonders an fürs Rampenlicht. „Was macht die Faszination der Pizza aus?“ – so fragt die Website zur Ausstellung, die „die kulturelle Bedeutung und ikonische Kraft der Pizza“ untersuchen will. Ein Schelm, wer beim Lesen dieser Zeilen nicht wenigstens ein bisschen grinsen muss. Durchaus haben mir einige Werke in der Ausstellung gefallen. Und die Beziehung zur Pizza hat in jedem einzelnen Sinn gemacht. Aber ich gebe zu: Die Pizza als sinnstiftendes und verbindendes Element für eine Kunstausstellung scheint mir… gewagt. Aber Kunst muss ja auch Spaß machen, und das funktioniert ganz sicher nicht schlecht zwischen Teig und Lieferkarton. Und ich wage jetzt auch mal was: Ich schlage den Burger, vielleicht in einer Doppelausstellung mit dem Hot Dog vor. Obwohl ich Pizza eigentlich lieber mag. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. –MM

„Herlinde Koelbl“

„Herlinde Koelbl“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Koelbl "unterm Dach rechts" - eine große Fotografin mit einer etwas zu kleinen Ausstellung im NRW Forum
Koelbl „unterm Dach rechts“ – eine große Fotografin mit einer etwas zu kleinen Ausstellung im NRW Forum

Der Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V. hat Herlinde Koelbl in die „BFF-Hall of Fame“ aufgenommen. Keine Frage: Da gehört sie auch hin. Besonders bekannt für ihre fotografischen Langzeitstudien (zum Beispiel von Angela Merkel und weiteren Politikern und Wirtschaftsführern, die sie in ihrem wunderbaren Zyklus „Spuren der Macht“ portraitierte), hat es Koelbl in all ihren Bildern stets verstanden, Geschichten zu erzählen. Die Fotos faszinieren, seien es die Gegenüberstellungen von Menschen in ihrer Privat- und Arbeitskluft („Kleider machen Leute“), die intime Nähe in der Serie „Haare“ oder aber die „Targets“, meist Menschen nachempfundene Ziele für militärische Schießübungen auf der ganzen Welt.

Zum Anlass der Aufnahme in die Hall of Fame also wird Koelbl eine Ausstellung im NRW Forum ausgerichtet. Und von allen wesentlichen Serien ihrer Arbeit sind Teile zu sehen. Das reicht für einen ersten Überblick, und doch wird die Ausstellung Herlinde Koelbl aus meiner Sicht nicht gerecht. Zu dicht gehängt, zu viel auf zu kleinem Raum gewollt. Das ist Schade. Verdient hätte sie einen, wenn nicht gleich beide große Gebäudeflügel im Erdgeschoss des NRW Forums. Denn Koelbl ist sowohl Chronistin, einfühlsame Beobachterin, Fragestellerin und Bildkünstlerin. Eine große Fotografin. –MM

„Louise Dahl-Wolfe: A Style of her Own“

„Louise Dahl-Wolfe: A Style of her Own“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Feine Fotografie im Forum: Louise Dahl-Wolfe mit Modefotos
Feine Fotografie im Forum: Louise Dahl-Wolfe mit Modefotos

Mehr als 100 Fotografien der Modefoto-Pionierin Louise Dahl-Wolfe zeigt das NRW-Forum in einer umfassenden Retrospektive. Großer Unterschied zur Modefotografie ihrer Zeitgenossen: Dahl-Wolfe mochte es „à plein air“, sie führte Ihre Modelle nach draußen, arbeitete unter freiem Himmel und mit natürlichem Licht. Das hat nicht nur eine eigene Ästhetik, sondern bringt plötzlich auch eine andere Art von Natürlichkeit aufs Fotopapier. Unterstrichen wird das noch, weil die abgebildeten Frauen so gar nicht in Heim- und Herd-Klischees passen, sondern selbständig daherkommen, unterwegs sind, Unabhängigkeit ausstrahlen. All das natürlich in hochprofessionellen, fein austarierten Bildkompositionen. Für Freunde der Modefotografie ein Muss. –MM

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK

„Axel Hütte. Night and Day.“

Axel Hütte. Night and Day.
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
23. September 2017 – 14. Januar 2018

Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König
Hütte bei Tag und bei Nacht: Feiner Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast, erschienen bei Walther König

Auf geht’s zum zweiten Teil Axel Hütte! Über die „Frühwerk“ Ausstellung im Bottroper Quadrat haben wir schon hier im Blog berichtet. Unter dem Titel „Night and Day“ sind parallel im Düsseldorfer Kunstpalast Hütte-Arbeiten von Mitte der 90er Jahre bis heute zu entdecken. Über 70 großformatige Aufnahmen seit 1995 zeigt die Ausstellung, und das ist wirklich beeindruckend (keine Frage: die monumentalen Formate tragen ihren Teil dazu bei). Verdichtete Naturaufnahmen aus Brasilien und Venezuela, in denen sich ein Dschungel als eine Art Wimmelbild anbietet, aus dem sich hunderte von Details langsam ins Bewusstsein arbeiten, so man sich denn etwas Zeit dafür nimmt. Nachtaufnahmen, die internationale Metropolen innehalten lassen, nebelumhüllte Wälder, Stille, Einsamkeit. Und alles stets eingefangen von genau gewählten ungewöhnlichen Standpunkten, die mich als Betrachter leicht verunsichern. Dann wieder strenge Kompositionen in riesigen Formaten wie beispielsweise die rautenförmige Struktur in „Seattle Library-2, USA“ oder die verschiedenen Bilder von Brückenkonstruktionen in Japan, Australien oder auch Deutschland. Und dann sind da noch Arbeiten aus der Antarktis, ganz neu, erst 2017 entstanden. Im tiefblauen „Paradise Bay, Antarctic, 2017“ bin ich lange versunken. Ein bisschen wie die „Seascapes“ von Hiroshi Sugimoto. Nur mit Eis. Stark. -MM

„Fotonoviembre 2017″

„Fotonoviembre 2017″
TEA Tenerife Espacio de Las Artes, Santa Cruz de Tenerife, Spanien
9. November 2017 bis zum 28. Februar 2018

Schön, schön, schön! Die Sichtachsen im Tenerife Espacio de las Artes sind toll. Eine Augenfreude für Architektur-Fans!
Schön, schön, schön! Die Sichtachsen im Tenerife Espacio de las Artes sind toll. Eine Augenfreude für Architektur-Fans!

Hoppala – da staunt der Architekturfreund in Santa Cruz auf Teneriffa. Ganz sicher hat er nämlich bereits zielgerichtet Santiago Calatravas berühmtes Auditorio de Tenerife, das wirklich spektakuläre Opernhaus der Insel, besucht. Dass aber dann im renovierten Altstadtviertel von Santa Cruz plötzlich das TEA auftaucht – zumindest für mich war das beim ersten Besuch eine echte Überraschung. Ein tolles Gebäude, entworfen von Herzog & de Meuron und Virgilio Gutiérrez. Reingehen, staunen und phantastische Sichtachsen erleben. Also zunächst gilt: Egal was läuft – allein schon das Haus ist einen Besuch wert.

Aktuell ist das TEA ein Teil des „Internationalen Festivals der Fotografie von Teneriffa“ – genannt „Fotonoviembre“ (das zeitgleich an diversen Orten auf der Insel stattfindet). Und Fotonoviembre ist definitiv ein Festival für Experimente, ungewöhnliche Ideen, komplexe Konzepte. Nicht leicht zugänglich, aber wie so oft lohnt sich das Einlassen darauf – dann sind echte Perlen zu entdecken. Eine davon ist eine Serie von Fotografien (?) des Meeres. Abstrakt, jeweils 111 x 173 cm groß, immer monochrom, ausschließlich das Meer als blaue Fläche zeigend, aber in unterschiedlichen Farbschattierungen. Das ist zunächst eine ästhetisch fein austarierte Installation, die mir in ihrer geometrisch grafischen Anmutung wirklich gefällt.

"Secrets in the open sea" - Minimalismus mit Geheimnissen
„Secrets in the open sea“ – Minimalismus mit Geheimnissen

Aber die Bilder haben ein Geheimnis. Nein, nicht eines, sondern mehrere (und so heißen sie auch „Secrets in the open sea“): Zunächst mal ist der Urheber unbekannt. Die Bilder – 29 an der Zahl, von denen sechs im TEA gezeigt werden – wurden 1993 gefunden – und zwar während des Abrisses der vom Krieg verwüsteten Geschäftsviertel in Beirut. Aber es wird noch spannender: Bei der Konservierung und Analyse der Arbeiten in Laboratorien in Frankreich und Großbritannien wurden aus den Prints winzige schwarz-weiß Bilder extrahiert, allesamt unterschiedliche Gruppenbilder von Männern und Frauen. Diese wiederum konnten alle identifiziert werden – es handelt sich ausschließlich um Menschen, die zwischen den Jahren 1975 und 1991 im Mittelmeer umgekommen waren. Was für eine Geschichte! Da kann man wirklich ins Staunen kommen, oder? Faszinierend. –MM

Concha Jerez. Interferencias.

Concha Jerez. Interferencias.
CAAM – Centro Atlántico de Arte Moderno
, Las Palmas de Gran Canaria, Spanien
5. Oktober 2017- 7. Januar 2018

Innenansicht des CAAM - Centro Atlántico de Arte Moderno in Las Palmas de Gran Canaria
Käfig? CAAM! Das Centro Atlántico de Arte Moderno in Las Palmas de Gran Canaria überrascht nicht nur mit Gegenwartskunst, sondern auch mit modernster Innenarchitektur mitten in der Altstadt.

Hinter dicken und alten Mauern residiert das „Atlantische Zentrum für Moderne Kunst“ in Las Palmas. Da erwartet man die museal-moderne Innenarchitektur mit ihren weißen Wänden zunächst gar nicht, erlebt aber eine spannende Überraschung. Selbst ohne Ausstellung wäre der Bau in Las Palmas Altstadt wirklich einen Besuch wert gewesen – am besten mit Architekturführung (die aber leider nicht angeboten wird. Einige Hintergrundinfos finden sich aber auf der Museumswebsite).

Spielt aber jetzt keine Rolle, denn es gibt ja eine aktuelle Ausstellung: Der in Las Palmas geborenen Konzeptkünstlerin Concha Jerez wird gleich eine ganze Retrospektive ausgerichtet. Kein Wunder, gilt sie doch als wirklich außergewöhnliche Künstlerin in Spanien, als Pionierin der Konzeptkunst, der sie sich seit über 40 Jahren widmet. Dabei setzt Jerez auf unterschiedlichste Medien, nutzt Geräusche, Fotos, Druck, Objekte, Videos, aber auch Internet und Radio. Und dabei drehen sich ihre Arbeiten um Konzepte wie Erinnerung, Zweideutigkeit, Zeit – oder eben die Einmischung, die Interferenz. Und bei all dem schwingen stets deutlich kritische Untertöne mit, Jerez ist eine politische Künstlerin, die Gesellschaft kommentiert. Keine ganz leichte Kost, die da quasi unter Palmen serviert wird. Aber eine zum Nachdenken. –MM

“Martín y Sicilia – Perdona por las Cosas Que te Dije en Invierno“

Martín y Sicilia im Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael, Puerto del Rosario Fuerteventura
Martín y Sicilia im Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael, Puerto del Rosario Fuerteventura

“Martín y Sicilia – Perdona por las Cosas Que te Dije en Invierno“
Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael, Puerto del Rosario Fuerteventura
26.Oktober 2017 – 12. Januar 2018

Vielleicht verschlägt es ja auch Euch mal z.B. im Zuge einer Kanaren-Kreuzfahrt in die Inselhauptstadt Fuerteventuras, Puerto del Rosario?! Dann solltet Ihr auf jeden Fall dem Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael einen Besuch abstatten. Denn in dem wirklich pfiffig umgebauten ehemaligen Kino – ca. 15 Minuten fußläufig vom Kreuzfahrtterminal entfernt – findet Ihr auf mehreren Etagen Gemälde, Plastiken und audiovisuelle Kunstwerke vor allem von kanarischen Künstlern.
Aktuell zeigt man die Ausstellung „Perdona por las Cosas Que te Dije en Invierno“ (= „Entschuldige bitte die Dinge, die ich im Winter gesagt habe“) des Künstlerduos „Martín y Sicilia“. Jose Arturo Martín und Javier Sicilia – beide Anfang der 1970er auf Teneriffa geboren – arbeiten bereits seit mehr als 20 Jahren zusammen. Ihre Werke – klassische Tafelbilder auf Leinwand und eindimensionale Skulpturen/Installationen aus Holz – würde ich dem Realismus zuordnen. Auf den ersten Blick handelt es sich um banale Alltagsthemen, die jedoch für mich vor allem aufgrund einer besonderen Art von perspektivischer Darstellung alles andere als alltäglich-langweilig sind. So haben Martín und Sicilia die Begabung, auf ein Format von ca. 3 x 4 m ganze Wohnungen bestehend aus Küche, Schlafzimmer und Bad zu zaubern. Nicht selten sind die Künstler übrigens selber in den Motiven zu finden.
Ein weiterer Ausflugstipp auf Fuerteventura: Überall in Puerto del Rosario sind spannende Street Murals („hochwertige Grafittis“) und beeindruckende Skulpturen zu finden. Interesse zu Details? Die erhaltet Ihr im örtlichen tourist office in Form von Flyern/Lageplänen (aktuell: „Puerto zu Fuß – eine kulturell Reiseroute um die Hauptstadt zu entdecken“ und „Street Mural Guide of Puerto del Rosario“). -AEK