Kategorie-Archiv: Malerei

„Emil Schumacher – Inspiration und Widerstand“

Emil Schumacher – Inspiration und Widerstand
Museum Küppersmühle, Duisburg
15. November 2018 – 10.März 2019

nformeller Innenhafen - Emil Schumacher im Museum Küppersmühle
Informeller Innenhafen – Emil Schumacher im Museum Küppersmühle

Emil Schumacher im Museum Küppersmühle. Wie wunderbar! Gut 80 Arbeiten aus 5 Jahrzehnten und ein echtes Erlebnis! Im Foyer begrüßt uns eine riesenhafte Fotografie des Ateliers von Emil Schumacher. Vor vielen Jahren hatten wir tatsächlich die Möglichkeit, dieses Atelier (als es noch am ursprünglichen Ort existierte) mit Schumachers Sohn Ulrich zu besuchen – und die Erinnerung ist sofort wieder da: Farbe über Farbe, Dosen, Tuben, Pinsel, Quaste, Stöcke, einfach alles. Zentimerterdicke Farbschichten wuchern über eine Staffelei, fast ein eigenes Kunstwerk. Und irgendwie stömt Informel aus allen Ecken.

Und das gilt auch für die Duisburger Ausstellung. Hinter dem Atelier-Foto startet sie mit Werken aus den 50er Jahren – noch deutlich weniger abstrakt – und führt bis zum letzten Bild aus dem Jahr 1999. Das tolle an den Arbeiten Emil Schumachers ist für mich immer wieder, dass jedes einzelne Werk unglaublich kraftvoll von seiner eigenen Entstehungsgeschichte erzählt. Da werden dickste Farbschichten auf den Untergrund geworfen, gerakelt und geritzt, geschrundet, Lack und Asphalt genutzt, es wird ausgekratzt, Stein, Asche, alles eingesetzt, wieder zerstört, zerhämmert … Bis sich dann schließlich aus all dem ein atemberaubendes Bild herausschält.

Eine tolle Retrospektive, deren Besuch sich allemal lohnt. Auch zu empfehlen: Der schön gemachte Katalog aus dem Wienand Verlag (im Museum 25,- Euro), der die Ausstellung nochmals Revue passieren lässt und zeigt, warum Emil Schumacher einer der wichtigsten Deutschen Nachkriegskünstler ist. Wer den Besuch bis März nächsten Jahres nicht schafft: Das wunderbare Emil Schumacher Museum in Hagen ist ebenfalls immer einen Besuch wert. Und dort findet man durchgehend reichlich Arbeiten von ihm (und übrigens auch das dort in Teilen nachgebildete Atelier!) -MM

„HABITAT – Lukas Frese // Malerei“

„HABITAT – Lukas Frese // Malerei“
Galerie Augarde, Daun
17. November 2018 – 16. Februar 2019

Ausstellungsansicht "HABITAT - Lukas Frese // Malerei" in der Galerie Augarde, Daun
Sonnige Zeiten für Kunst in der Eifel: Ausstellungsansicht „HABITAT – Lukas Frese // Malerei“ in der Galerie Augarde, Daun

Die kleine aber feine Galerie Augarde im schönen Eifelstädtchen Daun überrascht immer wieder mit spannenden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Galeristin Stefanie Mayer-Augarde zieht da keine Grenzen – ob Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie … wesentlich ist die Qualität. Und so werden aktuell noch bis Mitte Februar 2019 Werke des Münchner Malers Lukas Frese in der Einzelausstellung HABITAT präsentiert. Frese zeigt zum Beispiel Stadtansichten, Landschaften, aber auch Portraits. Fast allen gemeinsam ist eine Kombination aus fein ausgearbeiteten Details mit Blöcken, die die Bilder teilweise fragmentieren, fast schon verpixeln. Ganz besonders haben mir zwei Frauenportaits gefallen, die sich in einer melancholischen Stimmung aus fast monochromen Hintergünden herausarbeiten. Doch Teile der Gesichter werden wieder herausgelöscht, Frese übermalt, setzt eine Rolle ein als Malwerkzeug, abstrahiert, verallgemeinert das figürliche Bild und lässt es so ein Stück weit allgemeingültig werden. Ich habe lange vor den beiden Bildern gestanden und mich sehr gefreut, sie zu entdecken. An einem Samstagnachmittag mitten in der Eifel. Wer hätte das gedacht? -MM

 

“By the Sea – Jan Toorop, Piet Mondrian and Jacoba van Heemskerck”

By the Sea – Jan Toorop, Piet Mondrian and Jacoba van Heemskerck
Gemeentemuseum, Den Haag
14. Juli – 18. November 2018

Wilde Art-Deco Architektur: Das Gemeentemuseum ist ein architektonischer Hingucker!
Wilde Art-Deco Architektur: Das Gemeentemuseum ist ein architektonischer Hingucker!

Ob mit oder ohne Sonderausstellung: Das Gemeentemuseum Den Haag ist allemal einen Besuch wert. Zunächst ist da das 1935 fertiggestellte Art Deco Gebäude des Architekten H.P. Berlage. Ein wirklich großer Kulturtempel mit viel natürlichem Licht und einem wunderschönen, mittelerweise überdachten Innenhof, der zu Kaffee und Kuchen einlädt.

Dann folgt eine mehr als eindrucksvolle Sammlung: Über 160.000 Kunstwerke beherbergt das Museum, aufgeteilt in diverse Kategorien von Mode über Delfter Porzellan, von Musikinstrumenten bis Mondrian. Und natürlich eine exzellente Dauerausstellung rund um De Stijl (absolut sehenswert).

Neben all den spannenden „Dauer-Exponaten“ (und nochmal: De Stijl anschauen!) haben wir uns die aktuelle Sonderschau „By the Sea“ angesehen. Drei Niederländer aus dem frühen 20. Jahrhundert – Jan Toorop, Piet Mondrian and Jacoba van Heemskerck – werden hier nebeneinandergestellt. Und als verbindendes Glied dient (Überraschung bei dem Ausstellungtitel, oder?) die See. Um genauer zu sein: Die Faszination der Küste Zeelands, die mit ihren bezaubernden Lichtstimmungen viele Künstler in ihre Bann schlug. Und so haben all drei immer wieder Seestücke gemalt, aber auch die charakteristische Landschaft Zeelands, besonders gerne rund um Domburg (heute gerade in den Sommermonaten eine – allerdings noch immer wunderschöne – nordrhein-westfälische Enklave). Licht und Farbe, Farbe und Licht, Himmel, Wasser, Dünen – eine wirklich schöne Ausstellung für Freunde der Landschaftsmalerei. -MM

„Josef Albers. Interaction“

„Josef Albers. Interaction“
Villa Hügel, Essen
16. Juni bis 7. Oktober 2018

Quadratisch, praktisch? Auf jeden Fall: gut! Die große Josef Albers Retrospektive in Essen.
Quadratisch, praktisch? Auf jeden Fall: gut! Die große Josef Albers Retrospektive in Essen.

Hoch über dem Essener Ruhrtal thront die Villa Hügel mitten in ihrem 28 Hektar großen Park. Bis 1945 war sie mit 269 Räumen nicht ganz kleines Wohnhaus der Familie Krupp und repräsentationsmäßig hochgerüsteter Empfangsplatz der Industriellen-Dynastie. Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen finden seit 1953 statt. Heute gehört das beeindruckende Areal der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Und die zeigt jetzt, anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens, in Kooperation mit dem Bottroper Josef Albers Museum Quadrat eine große Josef Albers-Retrospektive.

Startend mit seiner Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau schlägt die Schau einen großen Bogen in die USA, wohin Josef und seine Frau (und fantastische Künstlerin – siehe den Bericht über ihre Ausstellung im K20) Annie Albers 1933 emigrierten, nachdem die Nazis für die Schließung des Bauhaus‘ gesorgt hatten.

Und da hängen sie nun, die vielen wunderbaren Quadrate, aber auch andere Albers-Bilder. Werke eines Künstlers, der Fläche, Raum, aber vor allem die Farbe selber und ihre Wechselwirkungen in unverwechselbarer Art untersucht, der „Farbe denken“ wollte und in seiner Serie „Hommage to the Square“ mit über 2000 Bildern immer wieder zeigt, wie Farben sich gegenseitig beeinflussen. Minimalistisch, seriell. Und das im Interieur der Villa Hügel, die sich trotz ihrer bürgerlichen Wurzeln eher wie ein spätes Schloss gibt. Welch ein Kontrast!

Mehr als 130 Arbeiten zeigt die Ausstellung und gibt einen umfangreichen Einblick in das vielfältige Schaffen Josef Albers‘. „Interaction“ lässt verstehen, welchen künstlerischen Einfluss er hatte (zum Beispiel auf die Minimal Art) – nicht zuletzt auch durch seine Lehrtätigkeit, denn der frühere Bauhaus-Meister leitete in den USA die Design Abteilung an der Yale University in New Haven. Alles in allem eine wirklich spannend kuratierte Schau, die neben vielen im Bottroper „Quadrat“ (immer einen Besuch wert!) beheimateten Arbeiten auch eine große Anzahl Werke zeigt, die sonst nur in den USA zu sehen sind. Das ist sehenswert. Und wer Josef Albers‘ Credo „sehen lernen“ noch besser verstehen will, dem sei die in allen Buchhandlungen bestellbare DVD „To Open Eyes“ anempfohlen, die Albers in Interviews und live als Lehrer zeigt. Spannend. -MM

“Christopher Lehmpfuhl: Faszination Plein Air Malerei“

“Christopher Lehmpfuhl: Faszination Plein Air Malerei“
Kunsthaus Hänisch, Kappeln/Schlei
12. Mai – 17. Juni 2018

Jede Menge Öl rund um den Flügel: Christoph Lehmpfuhl im Kunsthaus Hänisch
Jede Menge Öl rund um den Flügel: Christopher Lehmpfuhl im Kunsthaus Hänisch

Welch eine schöne Überraschung – eine Christopher Lehmpfuhl-Ausstellung in unserem diesjährigen Urlaubsdomizil Kappeln an der Schlei!

Wir hatten echt mehr Glück als Verstand, denn die Schau im Kunsthaus Hänisch lief lediglich 5 Wochen von Mitte Mai bis Mitte Juni, und das auch nur von Donnerstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Als wir die eher am Ortsrand Kappelns gelegene Stadtvilla bei unserem ersten Stadtrundgang entdeckten, war das schon am 10. Juni gegen 15:30 Uhr. Quasi kurz vor Toresschluss – also nichts wie hinein in die gute(n) Stube(n)!

Wow! Im ganzen Haus über zahlreiche kleine und große Räume verteilt gab es Lehmpfuhl pur: kleinformatige Aquarelle und großformatige Ölbilder; Meerlandschaften, Berge und Städteansichten zu allen Jahreszeiten; und das nicht nur bei strahlendem Sonnenschein, sondern auch bei Regen, Schnee und Sturm.

Denn Christopher Lehmpfuhl ist bekannterweise kein „Schönwettermaler“, sondern ein Plein Air Maler durch und durch. Die ebenfalls in den Ausstellungsräumen gezeigten Fotografien seiner Schwester Karena Collet zeigten es recht gut: ob z.B. in Australien, Neuseeland, Island, Irland, auf Helgoland, in den Alpen oder in Berlin: Lehmpfuhl ist immer ganz nah dran am Motiv seiner Wahl. Er benötigt zum Arbeiten kein klassisches Atelier, sondern transportiert die für seine Werke erforderlichen Malgründe und Malfarben immer zum jeweiligen „Objekt“. Auch, wenn das mitten im Nirgendwo liegt. Und das nicht nur bei kleinformatigen luftigen Aquarellen, sondern auch für seine großformatigen Leinwände mit gewichtiger Ölfarbe.

Bei ihrem Anblick stockt mir übrigens jedes Mal der Atem: Lehmpfuhl trägt das von Hause aus cremige Malmaterial teilweise Zentimeterdick mit bloßen (behandschuhten) Händen fast immer direkt aus Farbeimern auf den Untergrund auf. Palette und Pinsel sind für ihn überflüssig. Die Motive scheinen so nahezu dreidimensional, verfügen zumindest immer über eine gehörige Portion „Struktur“. Eben wie die Landschaften selber, die Lehmpfuhl malt. Und das in purem Öl…Einfach atemberaubend schön!

Mein Tipp: schaut doch mal auf die Webseite des Künstlers! Dort gibt es einige Filme, bei denen man Christopher Lehmpfuhl bei seiner expressiven Outdoorarbeit zuschauen kann. -AEK

„OSTER+KOEZLE“

Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie "architectures" in der Künstlerzeiche Unser Fritz 2/2 in Herne Wanne.
Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie „architectures“ in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Herne Wanne.

OSTER+KOEZLE – Fotografisch basierte digitale Kunst zum Thema Raum
Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Herne (Wanne)
28. April – 20. Mai 2018

Schon seit vielen Jahren, seit 1999 nämlich, arbeiten Willy Oster und SG Koezle gemeinsam als OSTER+KOEZLE und verbinden Fotografie, Malerei (ganz ohne Malerei!) und digitale Möglichkeiten zu einem faszinierenden Kosmos rund um das Thema Raum. Wir haben die Bilder des Künstlerduos vor einigen Jahren für uns auf der „GROSSEN“ in Düsseldorf entdeckt (siehe auch Blogposts aus März 2016 und Februar 2018) und uns von Anfang an in die geometrisch anmutenden Kompositionen, die immer mit einer Irritation des Betrachters einhergehen, verguckt. Um so schöner, dass nun in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eine OSTER+KOEZLE Ausstellung zu sehen ist, die schon fast als Retrospektive durchgehen könnte. Aber eben nur fast – denn dafür reichen die 4 Wände der mit 140 Quadratmetern nicht eben kleinen ehemaligen Weißkaue der Zeche dann doch nicht ganz aus. Und trotzdem bekommt der Besucher einen tollen Einblick in fast 20 Jahre gemeinsames Schaffen und in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, was nicht zuletzt an der schlauen Hängung liegt. Jede der vier Wände widmet sich nämlich einer Werkgruppe, startend mit den „rooms“, in denen noch deutlich der eigentliche Ort – eine leere Halle, ein Hausflur… – zu sehen ist, aber durch digital eingeschobene (Farb-) Flächen ein ganz neuer Raum, eine neue Komposition entsteht. Da drängen sich rote, weiße oder schwarze Rechtecke mit einer Selbstverständlichkeit ins Bild, die den Betrachter zunächst irritiert, dann staunen und schließlich nicken lässt: ja, sicher gehört diese Fläche ganz genau so ins Bild. An der nächsten Wand folgen dann die „perspectives“. Das Prinzip bleibt, digitale Farbflächen brechen sich Bahn, strukturieren, erschaffen neu. Die den Arbeiten zugrunde liegenden Fotografien aber beschränken sich auf Details, lassen schon von sich aus keine klare Raumzuordnung zu, sind klar komponierte Konstruktionen. In den „architectures“, Werkreihe (und Wand) Nummer drei, drehen OSTER+KOEZLE den Spieß quasi um: Hier stehen Farbflächen im Vordergrund, aus deren Oberfläche wie mit einem digitalen Skalpell sauber Teile herausgeschnitten wurden und dort Ausschnitte von (Raum-) Fotografien sichtbar werden lassen, was erneut zu einer ganz anderen Wahrnehmung von Raum führt. Die vierte Serie schließlich heißt schlicht schwarz/weiss, und so kommt sie dann auch daher. Aber vorsicht: Was zunächst erscheint wie sehr kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografien von (Raum?) Details, entpuppt sich dann doch wieder als Spiel mit der Wahrnehmung und als bewußte digitale Intervention. Waren diese Flächen wirklich so tiefschwarz? Was stimmt hier nicht? Obwohl doch wirklich alles stimmt…

OSTER+KOEZLE selber haben bei der Ausstellungseröffnung übrigens sichtlich Spaß. So erzählt uns Willy Oster, dessen Wurzeln in der Malerei liegen, zum Beispiel noch, dass es ihn immer besonders gefreut hat, bei der Teilnahme an der „GROSSEN“ Kunstausstellung in Düsseldorf nie bei den Fotografen, sondern stets bei den konkreten Künstlern zu hängen (was ja durchaus passt). Und SG Koezle lächelt verschmitz, wenn er erzählt, dass selbst einem Galeristen nach mehrwöchiger Ausstellung schon mal ein wesentliches Bild-Detail verborgen bleibt: „Aktenordner? Wo soll auf dem Bild denn da ein Aktenordner zu sehen sein?“, wird der Galerist zitiert. Aber wahrscheinlich sollte man sich auch nie ganz sicher sein – vielleicht ist da auch wirklich kein Ordner. Sondern das Spiel mit der Irritation und die Aufforderung zum erneuten Hinschauen.

Mein Fazit: Wunderbar ausgeklügelte  Kompositionen, klare Bezüge zur konkreten Kunst und zur Farbfeldmalerei, die Faszination für die Schönheit, die abstrahierten Architekturen und deren Details innewohnt und vor allem: das lustvolle Spiel mit der Irritation, die all den Bildern eine immense Spannung geben und dazu führen, lange zu schauen und den eigenen Blick zu hinterfragen. Auf zur Zeche Unser Fritz! -MM

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Bilder ohne Schatten“

Bilder ohne Schatten
Eine Auswahl aus der Sammlung Kemp
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
25. März – 17. Juli 2018

Foto nicht ganz ohne Schatten: "Bilder ohne Schatten" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast
Foto nicht ganz ohne Schatten: „Bilder ohne Schatten“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast

Knapp 30 Kunstwerke aus der Sammlung Kemp zeigt das Museum Kunstpalast in seinem  Ausstellungssaal im Erdgeschoss. Und immer, wenn etwas aus dem 2011 dem Kunstpalast gestifteten umfangreichen Fundus Willi Kemps präsentiert wird, lohnt sich ein Besuch.

Kemps sammelte, was in der zeitgenössichen Kunst Rang und Namen hat. Und so findet sich denn auch bei all den „schattenlosen“ Werken das who-is-who der Szene: Von Otto Piene bis K.O. Goetz, von Gotthardt Graubner bis Ulrich Erben. Ihnen allen gemein ist nicht nur, dass die gezeigten Bilder keine Schatten haben. Vielmehr haben sie keine Schatten, weil sie nicht abbilden, sondern für sich selbst stehen. Monochrome Malerei, konkrete Kunst, Hard Edge, Informel – all das ist hier zu finden. Eine schöne Schau, die definitiv einen Abstecher lohnt. -MM

„Taten des Lichts – Mack & Goethe“

Taten des Lichts – Mack & Goethe
Goethe-Museum, Düsseldorf
04. März bis 27. Mai 2018

Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.
Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.

„Taten des Lichts – Mack und Goethe“: das ist der Titel der aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer „Schloß Jägerhof“ – vielen auch bekannt unter dem einprägsamen Namen „Goethe-Museum“. Beherbergt das stattliche Rokoko-Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts doch schon seit mehr als 70 Jahren die immense Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs, seines Zeichen Leiter und Inhaber des Insel-Verlages zu Leipzig, als da sind: ca. 5000 Handschriften, Gemälde, graphische Blätter, Büsten, Medaillen und Münzen nebst einer immensen Bibliothek bestehend aus rund 17000 Büchern und 3000 Musikalien (= Notenblätter) aus der Goethe-Zeit. Und natürlich ein Sammelsurium an optischen Geräten, die Goethe zur Untersuchung seines Steckenpferdes benutzt, der Farbenlehre.
Womit wir wieder beim eigentlichen Thema dieses Beitrages sind: den „Taten des Lichts“.
Denn: der große Dichterfürst beschäftigte sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit einer Vielfalt an Farberscheinungen und veröffentlichte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Artikel zur Disziplin „Optik“, Anfang des 19. Jahrhunderts sogar eine umfangreiche Schrift von mehr als 1600 Seiten mit dem Titel „Zur Farbenlehre“ . Goethe unterschied bei seinen wissenschaftlichen Beobachtungen generell zwischen „physiologischen“, „physischen“ und „chemischen“ Farben. Sein Interesse galt beispielsweise sowohl bestimmten Aspekten des menschlichen Sehens wie farbigen Nachbildern, dem Hell-Dunkel-Kontrast, dem Simultan-Kontrast als auch der Ursache für Fehlsichtigkeiten wie z.B. die der Farbenblindheit. Er untersuchte unter dem Aspekt „Farbe“ die Naturerscheinungen Morgenröte, Abendröte, das Himmelsblau, das Mondlicht, interessierte sich aber auch für die Farbigkeit von Seifenblasen und Schatten. Goethe  beschrieb die farbige Erscheinung einiger chemischer Verbindungen und referierte auch über das Prinzip des Färbens und des Bleichens; zudem beschäftigte er sich mit der Farbigkeit von Flora und Fauna, kommentierte aber auch das reale Mischen von Künstlerfarben.
Alles in allem Themen, die auch heute noch viele moderne Künstler interessieren und faszinieren dürften!
So auch einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer und Maler, den Mitbegründer der renommierten Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack. Auch er befaßte sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen Licht und Farbe – sei es im Zusammenhang mit seinen wundervollen Lichtreliefs, seinen gigantischen Licht-Installationen in der Wüste oder aber in seinen chromatischen Bildern und Grafiken. So heißt es auf Macks Internetseite, der Künstler begreife „Farbe als Licht und Licht als Farbe“ (s.a. Beitrag „Licht Schatten“ an anderer Stelle in diesem Blog).
„Taten des Lichts – Mack und Goethe“ im Goethe-Museum bietet nun bis Mitte Mai diesen Jahres die Gelegenheit, die auf 8 Räume des Hauses verteilten Arbeiten der beiden außergewöhnlichen „Lichtkünstler“ auf einen Schlag zu sehen und miteinander in Bezug zu bringen. Im Ausstellungsflyer wirbt man z.B. mit einer einer „vielschichtige(n) Begegnung zwischen Klassik und Moderne“.
Auf mich persönlich – einem Fan von klaren Formen und Strukturen – wirkt die Präsentation der Werke leider ein wenig „strubbelig“, erinnert sie mich doch spontan an eine „Petersburger Hängung“, bei der in meinen Augen besonders die meist überaus farbigen Werke Macks in der holzdominierten Wohnzimmeratmosphäre des Schlosses Jägerhof deutlich an Brillanz verlieren. Aber das ist ja eine reine Geschmacksache und hat nur mittelbar mit der Qualität der gezeigten Exponate zu tun. -AEK

„Pizza is God“

„Pizza is God“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl...
Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl…

Nun denn: die Pizza hat ihre erste hochoffizielle eigene Kunstausstellung. Zusammengetragen wurden Werke unzähliger Künstler, die sich allesamt mit dem schmackhaften Teigfladen beschäftigen. Und ja: Nahrung und essen an sich sind natürlich nicht erst seit gestern wichtiges Sujet der Kunst. Und da die Pizza mittlerweile in die Liste der immateriellen Güter des Weltkulturerbes ausgenommen wurde, bot sie sich wohl besonders an fürs Rampenlicht. „Was macht die Faszination der Pizza aus?“ – so fragt die Website zur Ausstellung, die „die kulturelle Bedeutung und ikonische Kraft der Pizza“ untersuchen will. Ein Schelm, wer beim Lesen dieser Zeilen nicht wenigstens ein bisschen grinsen muss. Durchaus haben mir einige Werke in der Ausstellung gefallen. Und die Beziehung zur Pizza hat in jedem einzelnen Sinn gemacht. Aber ich gebe zu: Die Pizza als sinnstiftendes und verbindendes Element für eine Kunstausstellung scheint mir… gewagt. Aber Kunst muss ja auch Spaß machen, und das funktioniert ganz sicher nicht schlecht zwischen Teig und Lieferkarton. Und ich wage jetzt auch mal was: Ich schlage den Burger, vielleicht in einer Doppelausstellung mit dem Hot Dog vor. Obwohl ich Pizza eigentlich lieber mag. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. –MM