Kategorie-Archiv: Zeichnung

„Markus Lüpertz – Ein persönlicher Blick“

„Markus Lüpertz – Ein persönlicher Blick“
Museum Burg Vischering, Lüdinghausen
18. Februar – 12. August 2018

Burg Vischering im Münsterland - einzweiter Blick lohnt immer...
Burg Vischering im Münsterland – ein zweiter Blick lohnt immer…

Zugegebenermaßen war ich bislang kein großer Fan vom „Malerfürsten“ und selbsternannten „Genie“ Markus Lüpertz  – weder von seiner neoexpressionistischen Kunst, noch von seinen exzentrischen Auftritten. Und das von Anfang an…
Zur Erklärung dieses Statements eine kurze Anekdote aus dem leben einer jungen Kunstinteressierten: Lüpertz begegnete mir unbekannter Weise Mitte der 90er mit seinem „Gefolge“ – heute vermute ich mit einer Gruppe (ausstellender) Studenten – bei meinem ersten „Rundgang“ durch die Düsseldorfer Kunstakademie. Bedingt durch sein „wichtiges“ Auftreten und seine extravagante Kleidung – schwarzer Anzug, Gamaschen, Stock mit Silberknauf und auffällig großem Siegelring – bekam er von mir spontan den Stempel „eingebildeter, selbstverliebter Gockel“ aufgedrückt. Erst einige Jahre später begriff ich, 1) daß mir hier der damalige Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, einer der bekanntesten deutschen Maler, Grafiker und Bildhauer der Gegenwart höchst persönlich über den Weg gelaufen/gerauscht war und 2) daß ich über eine nicht allzu schlechte Menschenkenntnis verfüge… :-) .
Nichtsdestotrotz nahm ich am letzten Aprilwochenende 2018 die Gelegenheit wahr, im Zuge eines Ausflugs zu diversen Burgen im Münsterland einen persönlichen Blick in die aktuelle Lüpertz-Sonderausstellung des Museums Burg Vischering zu riskieren. In ihrem Fokus stehen vor allem mittelformatige Papierarbeiten des Künstlers: Zeichnungen, (colorierte) Druckgrafiken (Holz- und Siebdrucke) und Gouachen. Gezeigt werden in Lüdinghausen aber auch einige kleinere Skulpturen – ihre direkte Verwandtschaft zu den monumentalen öffentlichen Lüpertz-Arbeiten wie z.B. „Mozart“, Dionysos“ oder „Herkules“ ist unverkennbar.
Ich bin erstaunt, wie weitläufig und umfangreich die Ausstellung ist – diese „Größe“ hätte ich im eher „provinziellen“ Lüdinghausen nicht erwartet! Zudem stelle ich erfreut fest, daß mich die Exponate nicht völlig unberührt lassen; ich gebe gerne zu, daß mich einige der Arbeiten sogar positiv ansprechen! Was lernen wir daraus? Es schadet nie – allen Vorurteilen zum Trotz – einen zweiten (oder auch dritten) Blick auf eine Person/eine Sache/einen Sachverhalt zu werfen. -AEK

P.S.: Für alle Lüpertz-Jünger: Solltet Ihr auf Basis dieses Beitrags einen Ausflug ins Münsterland planen, so erkundigt Euch doch bitte im Vorfeld nochmals genau beim Veranstalter, wie lange die Ausstellung geht! Laut Internetseite wäre sie am 29.04.18 beendet, laut Ausstellungsflyer läuft sie noch bis zum 12.08.18…

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Taten des Lichts – Mack & Goethe“

Taten des Lichts – Mack & Goethe
Goethe-Museum, Düsseldorf
04. März bis 27. Mai 2018

Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.
Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.

„Taten des Lichts – Mack und Goethe“: das ist der Titel der aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer „Schloß Jägerhof“ – vielen auch bekannt unter dem einprägsamen Namen „Goethe-Museum“. Beherbergt das stattliche Rokoko-Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts doch schon seit mehr als 70 Jahren die immense Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs, seines Zeichen Leiter und Inhaber des Insel-Verlages zu Leipzig, als da sind: ca. 5000 Handschriften, Gemälde, graphische Blätter, Büsten, Medaillen und Münzen nebst einer immensen Bibliothek bestehend aus rund 17000 Büchern und 3000 Musikalien (= Notenblätter) aus der Goethe-Zeit. Und natürlich ein Sammelsurium an optischen Geräten, die Goethe zur Untersuchung seines Steckenpferdes benutzt, der Farbenlehre.
Womit wir wieder beim eigentlichen Thema dieses Beitrages sind: den „Taten des Lichts“.
Denn: der große Dichterfürst beschäftigte sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit einer Vielfalt an Farberscheinungen und veröffentlichte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Artikel zur Disziplin „Optik“, Anfang des 19. Jahrhunderts sogar eine umfangreiche Schrift von mehr als 1600 Seiten mit dem Titel „Zur Farbenlehre“ . Goethe unterschied bei seinen wissenschaftlichen Beobachtungen generell zwischen „physiologischen“, „physischen“ und „chemischen“ Farben. Sein Interesse galt beispielsweise sowohl bestimmten Aspekten des menschlichen Sehens wie farbigen Nachbildern, dem Hell-Dunkel-Kontrast, dem Simultan-Kontrast als auch der Ursache für Fehlsichtigkeiten wie z.B. die der Farbenblindheit. Er untersuchte unter dem Aspekt „Farbe“ die Naturerscheinungen Morgenröte, Abendröte, das Himmelsblau, das Mondlicht, interessierte sich aber auch für die Farbigkeit von Seifenblasen und Schatten. Goethe  beschrieb die farbige Erscheinung einiger chemischer Verbindungen und referierte auch über das Prinzip des Färbens und des Bleichens; zudem beschäftigte er sich mit der Farbigkeit von Flora und Fauna, kommentierte aber auch das reale Mischen von Künstlerfarben.
Alles in allem Themen, die auch heute noch viele moderne Künstler interessieren und faszinieren dürften!
So auch einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer und Maler, den Mitbegründer der renommierten Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack. Auch er befaßte sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen Licht und Farbe – sei es im Zusammenhang mit seinen wundervollen Lichtreliefs, seinen gigantischen Licht-Installationen in der Wüste oder aber in seinen chromatischen Bildern und Grafiken. So heißt es auf Macks Internetseite, der Künstler begreife „Farbe als Licht und Licht als Farbe“ (s.a. Beitrag „Licht Schatten“ an anderer Stelle in diesem Blog).
„Taten des Lichts – Mack und Goethe“ im Goethe-Museum bietet nun bis Mitte Mai diesen Jahres die Gelegenheit, die auf 8 Räume des Hauses verteilten Arbeiten der beiden außergewöhnlichen „Lichtkünstler“ auf einen Schlag zu sehen und miteinander in Bezug zu bringen. Im Ausstellungsflyer wirbt man z.B. mit einer einer „vielschichtige(n) Begegnung zwischen Klassik und Moderne“.
Auf mich persönlich – einem Fan von klaren Formen und Strukturen – wirkt die Präsentation der Werke leider ein wenig „strubbelig“, erinnert sie mich doch spontan an eine „Petersburger Hängung“, bei der in meinen Augen besonders die meist überaus farbigen Werke Macks in der holzdominierten Wohnzimmeratmosphäre des Schlosses Jägerhof deutlich an Brillanz verlieren. Aber das ist ja eine reine Geschmacksache und hat nur mittelbar mit der Qualität der gezeigten Exponate zu tun. -AEK

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK

„Leeds Art Gallery“

Leeds Art Gallery„, Leeds
…seit dem 13. Oktober 2017

Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery
Kunstzentrum im Westen Yorkshires: Die Leeds Art Gallery

Nach langer Schließung und intensiver Restaurierung des viktorianischen Glasdaches heißt es in West-Yorkshires Metropole Leeds nun „We’re Back!“. Die Leeds Art Gallery ist wieder geöffnet, und ganz ohne Eintritt zahlen zu müssen darf man sich Kunst, Architektur und neuem Dach hingeben. Letzteres ist überigens wirklich toll geworden – die große Glasdecke im Viktorianischen Central Court beeindruckt. Und auch sonst macht der Besuch große Freude. In einem Teil des Erdgeschosses findet sich die Ausstelleung „Artist Rooms – Joseph Beuys„, die eine kompakte Einführung in Beuys‘ Leben und Werk gibt und Skulpturen, Zeichnungen und Multiples von den 50er bis in die 80er Jahre bietet. Die Ausstellung „Shelter from the Storm“ liefert einen umfassenden Überblick zum Schaffen des Künstlers John Sell Cotman, der als einer der wichtigsten Aquarellisten des 19. Jahrhunderts gilt (beide zu sehen vom 13. Oktober bis zum 21. Januar 2018). Ansonsten ist unter anderem eine wunderbare Auswahl von Werken aus der hauseigenen Sammlung zu finden. Und – ein echter Hingucker – im großzügigen Treppenaufgang eine große neue Wandmalerei des deutschen Künstlers Lothar Götz, die mit ihren bunten geometrischen Formen als Gegensatz zur Viktorianischen Gebäudearchitektur in ihren Bann zieht.  Kurz und gut: Wer in Leeds ist, sollte auf jeden Fall in die Art Gallery hereinschauen! -MM

„Ulrich Rückriem: Multiples 1969 bis heute“

Ulrich Rückriem: Multiples 1969 bis heute. Sammlung Jacobs
Kunsthalle Bielefeld, Bielefeld
02.September – 22. Oktober 2017

Schöner Brocken (aber kein Multiple): Rückriems "Dolomit, gespalten" (1977) im Skulpturenpark der Kunsthalle Bielefeld
Schöner Brocken (aber kein Multiple): Rückriems „Dolomit, gespalten“ (1977) im Skulpturenpark der Kunsthalle Bielefeld

Wirklich alle Multiples des vor allem als Bildhauer bekannten Künstlers Ulrich Rückriem zeigt die Kunsthalle Bielefeld. Möglich wurde das durch eine einzigartige Schenkung: die „Sammlung Jacobs“ ist tatsächlich die einzige bekannte vollständige Sammlung der Rückriem Multiples und wurde der Kunsthalle überlassen. Neben spannenden Rückriem-typischen Skulpturen aus feinsäuberlich geometrisch gesprengten Steinquadern finden sich auch Mappen mit Druckgrafiken. Und natürlich sind auch die zwei schon lange dem Museum gehörenden – und nicht „multiplen“ 😉 –  Werke „Dolomit, gespalten“ und „Dolomit, geschnitten, gespalten“ zu sehen. Wer die besondere Skulpturenwelt Rückriems mag und sich zudem der Arbeitsweise des Künstlers in einem langen zeitlichen Bogen nähern möchte, sollte Bielefeld unbedingt einen Besuch abstatten. Es lohnt sich! Kleiner Zusatzhinweis: Auch einen Besuch wert sind in jedem Falle die „Skulpturenhallen Ulrich Rückriem“ im Kulturzentrum Sintsteden im beschaulichen Rommerskirchen! -MM

„bauhaus in bewegung“

„bauhaus in bewegung“
bauhaus archiv – museum für gestaltung
berlin
01.märz – 13. november

besonderes berliner bau - das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert
besonderer berliner bau – das bauhaus archiv wird bald wieder aufgehübscht und erweitert

von den weit mehr als 175 museen in berlin ist das bauhaus-archiv sicherlich nicht das größte und bekannteste – für mich persönlich jedoch eines der schönsten und interessantesten! beherbergt es doch viele der wunderbaren arbeiten, die zwischen 1919 und 1933 in der von walter gropius gegründeten kunstschule von zahlreichen, noch heute namentlich bekannten lehrern (e.g. lyonel feininger, wassily kandinsky, paul klee, johannes itten, josef albers, oskar schlemmer und lászló moholy-nagy) und schülern (e.g. max bill, wilhelm wagenfeld, marcel breuer, anni albers, marianne brandt, gunta stölzl, andreas feininger, lux feininger und fritz winter) geschaffen wurden!
beim betreten der aktuellen themenausstellung „bauhaus in bewegung“ wird einem sofort klar: die idee „bauhaus“ hat auch heute, rund 100 jahre später, nichts an reiz verloren! denn: im gegensatz zur nicht nur damals üblichen klassischen akademieausbildung setzte man am bauhaus auf eine ausgewogene kombination aus bildender, angewandter und darstellender kunst. so gab es in der „kathedrale der kunst“ keine „klassen“, sondern „werkstätten“, in denen nicht selten parallel gemalt, skizziert, fotografiert, gebaut, getischlert, geschmiedet, getöpfert, gewebt, gesungen, geschauspielert, geschrieben und gedichtet wurde. die meisten der exponate – ein äußerst kreatives sammelsurium aus gemälden, skulpturen, fotografien, skizzen, modellen, möbeln, wandteppichen, lampen, keramiken, schmuck und gegenständen des täglichen gebrauchs – wirken daher auch im 21. jahrhundert eher äußerst modern, denn verstaubt antiquarisch. und sind somit echte „designklassiker“.
einige von ihnen und zahlreiche andere schöne dinge kann man übrigens direkt im anschluss an den ausstellungsbesuch im benachbarten museumsshop käuflich erwerben. keine angst – hier gibt es design für jeden geldbeutel.
aber aufgepasst: im herbst 2017 ist erst einmal schluss mit den inspirierenden ausflügen nach berlin-tiergarten! passend zum 100-jährigen jubiläum wird das 1979 nach einem gropius-entwurf gebaute und in betrieb genommene haus erst einmal saniert und um einen neubau des berliner architekturbüros staab architekten erweitert. die wiedereröffnung ist für 2021 geplant – hoffen wir mal, daß es dem bauhaus archiv berlin in diesem punkt besser ergeht als dem berliner flughafen… -AEK

„Documenta 14“

„Documenta 14“
Kassel
10.06. – 17. 09.2017

Documenta: "Pantheon der Bücher"; "Liegen statt stehen"
Documenta draußen. Im Hintergrund der Pantheon der Bücher, vorne links innen als Wohnräume gestaltete Röhren: „Liegen statt stehen“ von Hiwa K.

Eines gleich vorweg: Ja, Teile der Documenta haben auch in Athen stattgefunden (8.4.-16-7-). Wir aber waren „nur“ in Kassel, und darum also soll’s hier gehen. Wobei das nicht bedeutet, dass im teils beschaulichen Hessen nicht jede Menge Griechenland steckt – zumindest, was die Kunst angeht. So wird das Museum Fridericianum, quasi traditionelle Documenta Hauptspielstätte, zum Athener Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST): Erstmals wird in Deutschland die EMST-Sammlung gezeigt, während das (ganz neue) Athener Museumsgebäude vollständig zum Documenta-Spielort wird. Und der Griechische Touch steht dem Fredericianum gut! Spannend zum Beispiel die Installation Acropolis Redux (The Director’s Cut) (2004) des Südafrikaners Kendell Geers. Ein riesiges Stacheldrahtlager, das so manche aktuelle Assoziation zulässt. Überzeugend auch Costas Varotsos auf Glas gedruckte, dann zerbrochene Flaggen (Ohne Titel, 2017) diverser Staaten, die den Boden eines ganzen Raumes im Turm bedecken und plakativ aber doch filigran viel über unsere Gegenwart sagen. Dafür hat sich das Anstehen (es dürfen immer nur wenige Personen eintreten) allemal gelohnt. Zugegeben, vieles der weiteren EMST-Sammlung erscheint im Documenta Kontext dann doch geradezu traditionell und nicht sonderlich verstörend. Aber vielleicht macht gerade das die Schau im Fredericianum zur kontrapunktischen Oase, die der an vielen Stellen bemüht wirkenden Documenta 14 durchaus gut tut.

Unübersehbar auf dem Friedrichsplatz thront Der Pantheon der Bücher (1983/2017) von Marta Minujins. Dieses Scheingebäude, dessen Säulen mit unzähligen verbotenen Büchern bestückt sind (mitbringen erlaubt!) kommt zunächst aus der Ferne beeindruckend daher, während sich die pompösen architektonischen Strukturen dann beim Näherkommen in profane Baugerüste verwandeln. Und beim Wandeln durch die Säulen stellt man verwundert fest, welcherlei Bücher schon irgendwo auf der Welt verboten waren oder sind. Mir wäre Harry Potter zumindest nicht direkt eingefallen…

Ansonsten sind natürlich die über die Stadt verteilten Ausstellungsorte an sich schon sehenswert. Die Documenta Halle als interessanter Museumsbau (mein Favorit dort: Die Arbeit „Sound on Paper“ – Soundinstallation für gerahmtes Papier, Lautsprecher, Oszillator – des Amerikaners Alvin Lucier). Der wild rauchende Zwehrenturm am Fredericianum als Kunstwerk von Daniel Knorr. Die Neue Hauptpost, deren Verladebereich kurzerhand umfunktioniert wurde und sich als „Neue Neue Galerie“ mit nicht immer einfach zu durchschauender Kunst in authentischem Industriecharme schmückt. Und natürlich der stillgelegte U-Bahnhof, der in der Tat eine einzigartige Location ist und den man durch einen rostigen Container auf dem Bahnhofsvorplatz betritt, der gleich Assoziationen zum Thema Flüchtlinge aufkommen lässt. Aber all das ist nur ein Ausschnitt, der Ausstellungsorte gibt es noch viele mehr. Und viel Kunst. Und viel Aussage. Und – wie schon oben angemerkt – viel Bemühen um Aussage, was manchmal etwas angestrengt daherkommt.

Aber was macht die Documenta nun stets irgendwie besuchenswert? Vielleicht ist es die Tatsache, dass ein ansonsten ganz normales, in vieler Hinsicht durchschnittliches Städtchen alle fünf Jahre für mehrere Monate verwandelt wird. Besucher aus der ganzen Welt, Kunst überall, eine Mischung aus Avantgarde und Reihenhaus, Happening und Wiesen-Picknick. Da entsteht eine feine Atmosphäre, die sich gut anfühlt. Also dann: Entweder bis Mitte September hin – oder 5 Jahre warten. -MM

„Signal – Lichtkunst aus der Sammlung Robert Simon“

Signal – Lichtkunst aus der Sammlung Robert Simon
Kunstmuseum Celle, Celle
19.März – 13. August 2017

Modernes Kleinod in historischer Umgebung: Das Kunstmuseum Celle setzt auf Licht
Modernes Kleinod in historischer Umgebung: Das Kunstmuseum Celle setzt auf Licht

Das ist ja mal was wunderbar schräges! Ein 24-Stunden-Museun! Ein was? Ja, genau. Im – beziehungsweise am – Kunstmuseum Celle gibt es rund um die Uhr was zu sehen. Tagsüber drinnen und gegen Eintritt, bei Dunkelheit dann draußen, rundherum und kostenlos. Und so kann sich das Kleinod am Rande der historischen Altstadt tatsächlich das „erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt“ nennen. Das wäre vielleicht nicht viel mehr als ein netter Gag. Wenn – ja, wenn – da nicht die wirklich spannende Sammlung wäre. Robert Simon, gleichzeitig offenbar großer Kunstliebhaber, Sammler, Museumsgründer und künstlerischer Leiter im Celler Haus, hat nämlich nicht nur eine frische Museumsidee, sondern auch eine sicher subjektiv zusammengestellte, aber vielleicht gerade deshalb umso interessantere Kunstkollektion zusammengetragen. Da finden sich zum Beispiel tolle Arbeiten von Otto Piene (der eigens für das Museum einen Lichtraum installiert hat, der dem in Düsseldorf zu sehenden ZERO-Raum mindestens in nichts nachsteht) oder auch großformatige Bilder von Dieter Krieg, die nur so strotzen von dicken Ölfarbschichten. Wesentlicher Schwerpunkt der Sammlung ist jedoch die Lichtkunst. Und in der aktuellen Ausstellung „Signal“ wird dem in allen Facetten Rechnung getragen. Weit über 40 Arbeiten von fast 40 Künstlerinnen und Künstlern leuchten, flimmern, blinken den Besucher an und lassen ihn staunen. Mein besonderer Favorit: Die Skulptur (oder Installation?) „III“ von Siegfried Kreitner. Eine stehende Plexiglas-Röhre, in der sich blau schimmernde kreisförmige Neonröhren fließend gegeneinander nach oben und unten bewegen. Schwer zu beschreiben, unglaublich toll anzusehen. Ein schon fast meditatives tolles Stück Kunst. Nach ausgiebigem Kunst-gucken sind wir dann auch noch der Kuratorin und stellvertretenden Museumsleiterin Dr. Julia Otto in die Arme gelaufen. Und die hat uns sofort mit so viel Begeisterung, Spaß und Hintergrund von „ihrem“ Museum, der aktuellen und auch von folgenden Ausstellung berichtet, dass es einfach eine Freude war. Ich gebe zu: Bislang hatte ich das Kunstmuseum Celle nicht auf dem Schirm. Das hat sich jetzt in jeder Hinsicht geändert. Wir kommen wieder! -MM

„NPG – Die Sammlung“

„Die Sammlung“
National Portrait Gallery, London
Dauerausstellung

Die National Portrait Gallery: Altehrwürdige Mauern mit tollem Porträt-Inhalt aus unzähligen Epochen
Die National Portrait Gallery: Altehrwürdige Mauern mit tollem Porträt-Inhalt aus unzähligen Epochen

Zeichnungen, Malerei, Fotografien, Drucke – in der Londoner „National Portrait Gallery“ findet sich alles, was mit Portraits zu tun hat. Schon zwei Mal haben wir hier über Besuche berichtet (Giacometti und Simon Schama’s Face of Britain). Und doch soll nochmals ganz generell auf diesen schönen Ort der Portrait- (Portät-? Immer noch gewöhnungsbedürftig…)-Kunst hingewiesen werden. Gesichter, Techniken, Besonderheiten aus diversen Epochen vom 16. Jahrhundert bis heute werden gezeigt. Und wie meist in Großbritannien ist der Eintritt für die „normale“ Sammlung kostenlos. Wer also gerade mal in der Nähe von Trafalgar- und Leicester-Square unterwegs ist, sollte den Abstecher in die NPG auf jeden Fall wagen. Ausprobieren lohnt! -MM