Alle Artikel von Annette

“Anton Corbijn. The Living and the Dead“

Anton Corbijn. The Living and the Dead
Bucerius Kunst Forum, Hamburg
07.06.2018 – 06.01.2019

Reingeschaut: Aus dem Foyer des Bucerius Kunst Forum blinzelt Sinhead O'Connor von Anton Corbijns Fotografie zurück...
Reingeschaut: Aus dem Foyer des Bucerius Kunst Forum blinzelt Sinhead O’Connor von Anton Corbijns Fotografie zurück…

Seit mehr als 15 Jahren schon gehört das Bucerius Kunst Forum am Rathausmarkt für uns fest zur Hamburger Kunstmeile und ist somit neben der Kunsthalle, dem Museum für Kunst und Gewerbe und den Deichtorhallen ein gern besuchtes Ziel im Rahmen unserer regelmäßigen Städtetouren durch Hamburg.
Bei unserem diesjährigen Besuch in der Adventszeit hatten wir das Vergnügen, zahlreiche Stars der Musikszene bestaunen zu können. Denn die Ausstellung „The Living and the Dead“ des Niederländischen Fotografen und Filmregisseurs Anton Corbijn zeigt vor allem fantastische Portraits berühmter Musiker, aber auch anderer Prominenter wie z.B. Schauspieler, bildende Künstler, Modeschöpfer und Models.
So begegnet uns z.B. das „who is who“ der Musikwelt der letzten 40 Jahre. Ob Klassik oder Pop, ob Rock oder Independent: Anton Corbijn hat sie anscheinenden alle vor dem Objektiv gehabt. Darunter auch viele meiner absoluten Favoriten wie z.B. David Bowie, Nick Cave, Blixa Bargeld, John Cale (dessen Konzert in der Elbphilharmonie am Abend des 07.12.18 übrigens großartig war!), Björk sowie die Urbesetzung von Kraftwerk. Und natürlich Joy Division, über deren legendären Sänger Ian Curtis (1956 -1980) Corbijn im Jahre 2007 seinen ersten Spielfilm „Control“ drehte (ein absolutes Muß nicht nur für Joy Division Fans!). Für mich das Besondere an Corbijns Fotografien: Man ist als Betrachter „ganz nah“ dran. Die Celebrities wirken natürlich, eher wie zufällig in den Fokus gerückt denn aufwendig inszeniert.

Einen kleinen Einblick in Corbijns hervorragende Art zu arbeiten – nicht nur in Hinblick auf sein fotografisches Werk, sondern auch bei den von ihm entworfenen Plattencovern und Musikvideos – erhält man in einem die Ausstellung begleitenden Dokumentarfilm mit diversen Ikonen der Musikszene wie z.B. Martin Gore (Depeche Mode), Bono (U2) und Herbert Grönemeyer (unbedingt ansehen – es lohnt sich!)

Witzig, aber darum künstlerisch nicht weniger wertvoll wirkt auf mich die in der zweiten Etage ausgestellte Serie „a.somebody, 2001- 2002“. Die Selbstportraits zeigen Corbijn recht perfekt gestylt als Musikeridole seiner Jugend. So verkörpert er z.B. Janis Joplin, George Harrison, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Freddy Mercuri, Bob Marley und John Lennon.

Etwas ernster hingegen kommt „Cemeteries, 1982 – 1983“ rüber, eine frühe Serie Cobijns, für die er Grabmonumente auf Friedhöfen Österreichs, Norditaliens und Südfrankreichs fotografierte. Allesamt Cobijn-Kunstwerke mal ohne Personen oder gar Persönlichkeiten.

Kurz: Anton Corbijn zählt für mich zu den großen zeitgenössischen Fotografen (und Filmregisseuren) und ist deutlich mehr als „nur“ ein Musik-Fotograf. – AEK

“Christopher Lehmpfuhl: Faszination Plein Air Malerei“

“Christopher Lehmpfuhl: Faszination Plein Air Malerei“
Kunsthaus Hänisch, Kappeln/Schlei
12. Mai – 17. Juni 2018

Jede Menge Öl rund um den Flügel: Christoph Lehmpfuhl im Kunsthaus Hänisch
Jede Menge Öl rund um den Flügel: Christopher Lehmpfuhl im Kunsthaus Hänisch

Welch eine schöne Überraschung – eine Christopher Lehmpfuhl-Ausstellung in unserem diesjährigen Urlaubsdomizil Kappeln an der Schlei!

Wir hatten echt mehr Glück als Verstand, denn die Schau im Kunsthaus Hänisch lief lediglich 5 Wochen von Mitte Mai bis Mitte Juni, und das auch nur von Donnerstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Als wir die eher am Ortsrand Kappelns gelegene Stadtvilla bei unserem ersten Stadtrundgang entdeckten, war das schon am 10. Juni gegen 15:30 Uhr. Quasi kurz vor Toresschluss – also nichts wie hinein in die gute(n) Stube(n)!

Wow! Im ganzen Haus über zahlreiche kleine und große Räume verteilt gab es Lehmpfuhl pur: kleinformatige Aquarelle und großformatige Ölbilder; Meerlandschaften, Berge und Städteansichten zu allen Jahreszeiten; und das nicht nur bei strahlendem Sonnenschein, sondern auch bei Regen, Schnee und Sturm.

Denn Christopher Lehmpfuhl ist bekannterweise kein „Schönwettermaler“, sondern ein Plein Air Maler durch und durch. Die ebenfalls in den Ausstellungsräumen gezeigten Fotografien seiner Schwester Karena Collet zeigten es recht gut: ob z.B. in Australien, Neuseeland, Island, Irland, auf Helgoland, in den Alpen oder in Berlin: Lehmpfuhl ist immer ganz nah dran am Motiv seiner Wahl. Er benötigt zum Arbeiten kein klassisches Atelier, sondern transportiert die für seine Werke erforderlichen Malgründe und Malfarben immer zum jeweiligen „Objekt“. Auch, wenn das mitten im Nirgendwo liegt. Und das nicht nur bei kleinformatigen luftigen Aquarellen, sondern auch für seine großformatigen Leinwände mit gewichtiger Ölfarbe.

Bei ihrem Anblick stockt mir übrigens jedes Mal der Atem: Lehmpfuhl trägt das von Hause aus cremige Malmaterial teilweise Zentimeterdick mit bloßen (behandschuhten) Händen fast immer direkt aus Farbeimern auf den Untergrund auf. Palette und Pinsel sind für ihn überflüssig. Die Motive scheinen so nahezu dreidimensional, verfügen zumindest immer über eine gehörige Portion „Struktur“. Eben wie die Landschaften selber, die Lehmpfuhl malt. Und das in purem Öl…Einfach atemberaubend schön!

Mein Tipp: schaut doch mal auf die Webseite des Künstlers! Dort gibt es einige Filme, bei denen man Christopher Lehmpfuhl bei seiner expressiven Outdoorarbeit zuschauen kann. -AEK

„Markus Lüpertz – Ein persönlicher Blick“

„Markus Lüpertz – Ein persönlicher Blick“
Museum Burg Vischering, Lüdinghausen
18. Februar – 12. August 2018

Burg Vischering im Münsterland - einzweiter Blick lohnt immer...
Burg Vischering im Münsterland – ein zweiter Blick lohnt immer…

Zugegebenermaßen war ich bislang kein großer Fan vom „Malerfürsten“ und selbsternannten „Genie“ Markus Lüpertz  – weder von seiner neoexpressionistischen Kunst, noch von seinen exzentrischen Auftritten. Und das von Anfang an…
Zur Erklärung dieses Statements eine kurze Anekdote aus dem leben einer jungen Kunstinteressierten: Lüpertz begegnete mir unbekannter Weise Mitte der 90er mit seinem „Gefolge“ – heute vermute ich mit einer Gruppe (ausstellender) Studenten – bei meinem ersten „Rundgang“ durch die Düsseldorfer Kunstakademie. Bedingt durch sein „wichtiges“ Auftreten und seine extravagante Kleidung – schwarzer Anzug, Gamaschen, Stock mit Silberknauf und auffällig großem Siegelring – bekam er von mir spontan den Stempel „eingebildeter, selbstverliebter Gockel“ aufgedrückt. Erst einige Jahre später begriff ich, 1) daß mir hier der damalige Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, einer der bekanntesten deutschen Maler, Grafiker und Bildhauer der Gegenwart höchst persönlich über den Weg gelaufen/gerauscht war und 2) daß ich über eine nicht allzu schlechte Menschenkenntnis verfüge… :-) .
Nichtsdestotrotz nahm ich am letzten Aprilwochenende 2018 die Gelegenheit wahr, im Zuge eines Ausflugs zu diversen Burgen im Münsterland einen persönlichen Blick in die aktuelle Lüpertz-Sonderausstellung des Museums Burg Vischering zu riskieren. In ihrem Fokus stehen vor allem mittelformatige Papierarbeiten des Künstlers: Zeichnungen, (colorierte) Druckgrafiken (Holz- und Siebdrucke) und Gouachen. Gezeigt werden in Lüdinghausen aber auch einige kleinere Skulpturen – ihre direkte Verwandtschaft zu den monumentalen öffentlichen Lüpertz-Arbeiten wie z.B. „Mozart“, Dionysos“ oder „Herkules“ ist unverkennbar.
Ich bin erstaunt, wie weitläufig und umfangreich die Ausstellung ist – diese „Größe“ hätte ich im eher „provinziellen“ Lüdinghausen nicht erwartet! Zudem stelle ich erfreut fest, daß mich die Exponate nicht völlig unberührt lassen; ich gebe gerne zu, daß mich einige der Arbeiten sogar positiv ansprechen! Was lernen wir daraus? Es schadet nie – allen Vorurteilen zum Trotz – einen zweiten (oder auch dritten) Blick auf eine Person/eine Sache/einen Sachverhalt zu werfen. -AEK

P.S.: Für alle Lüpertz-Jünger: Solltet Ihr auf Basis dieses Beitrags einen Ausflug ins Münsterland planen, so erkundigt Euch doch bitte im Vorfeld nochmals genau beim Veranstalter, wie lange die Ausstellung geht! Laut Internetseite wäre sie am 29.04.18 beendet, laut Ausstellungsflyer läuft sie noch bis zum 12.08.18…

„Taten des Lichts – Mack & Goethe“

Taten des Lichts – Mack & Goethe
Goethe-Museum, Düsseldorf
04. März bis 27. Mai 2018

Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.
Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.

„Taten des Lichts – Mack und Goethe“: das ist der Titel der aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer „Schloß Jägerhof“ – vielen auch bekannt unter dem einprägsamen Namen „Goethe-Museum“. Beherbergt das stattliche Rokoko-Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts doch schon seit mehr als 70 Jahren die immense Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs, seines Zeichen Leiter und Inhaber des Insel-Verlages zu Leipzig, als da sind: ca. 5000 Handschriften, Gemälde, graphische Blätter, Büsten, Medaillen und Münzen nebst einer immensen Bibliothek bestehend aus rund 17000 Büchern und 3000 Musikalien (= Notenblätter) aus der Goethe-Zeit. Und natürlich ein Sammelsurium an optischen Geräten, die Goethe zur Untersuchung seines Steckenpferdes benutzt, der Farbenlehre.
Womit wir wieder beim eigentlichen Thema dieses Beitrages sind: den „Taten des Lichts“.
Denn: der große Dichterfürst beschäftigte sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit einer Vielfalt an Farberscheinungen und veröffentlichte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Artikel zur Disziplin „Optik“, Anfang des 19. Jahrhunderts sogar eine umfangreiche Schrift von mehr als 1600 Seiten mit dem Titel „Zur Farbenlehre“ . Goethe unterschied bei seinen wissenschaftlichen Beobachtungen generell zwischen „physiologischen“, „physischen“ und „chemischen“ Farben. Sein Interesse galt beispielsweise sowohl bestimmten Aspekten des menschlichen Sehens wie farbigen Nachbildern, dem Hell-Dunkel-Kontrast, dem Simultan-Kontrast als auch der Ursache für Fehlsichtigkeiten wie z.B. die der Farbenblindheit. Er untersuchte unter dem Aspekt „Farbe“ die Naturerscheinungen Morgenröte, Abendröte, das Himmelsblau, das Mondlicht, interessierte sich aber auch für die Farbigkeit von Seifenblasen und Schatten. Goethe  beschrieb die farbige Erscheinung einiger chemischer Verbindungen und referierte auch über das Prinzip des Färbens und des Bleichens; zudem beschäftigte er sich mit der Farbigkeit von Flora und Fauna, kommentierte aber auch das reale Mischen von Künstlerfarben.
Alles in allem Themen, die auch heute noch viele moderne Künstler interessieren und faszinieren dürften!
So auch einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer und Maler, den Mitbegründer der renommierten Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack. Auch er befaßte sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen Licht und Farbe – sei es im Zusammenhang mit seinen wundervollen Lichtreliefs, seinen gigantischen Licht-Installationen in der Wüste oder aber in seinen chromatischen Bildern und Grafiken. So heißt es auf Macks Internetseite, der Künstler begreife „Farbe als Licht und Licht als Farbe“ (s.a. Beitrag „Licht Schatten“ an anderer Stelle in diesem Blog).
„Taten des Lichts – Mack und Goethe“ im Goethe-Museum bietet nun bis Mitte Mai diesen Jahres die Gelegenheit, die auf 8 Räume des Hauses verteilten Arbeiten der beiden außergewöhnlichen „Lichtkünstler“ auf einen Schlag zu sehen und miteinander in Bezug zu bringen. Im Ausstellungsflyer wirbt man z.B. mit einer einer „vielschichtige(n) Begegnung zwischen Klassik und Moderne“.
Auf mich persönlich – einem Fan von klaren Formen und Strukturen – wirkt die Präsentation der Werke leider ein wenig „strubbelig“, erinnert sie mich doch spontan an eine „Petersburger Hängung“, bei der in meinen Augen besonders die meist überaus farbigen Werke Macks in der holzdominierten Wohnzimmeratmosphäre des Schlosses Jägerhof deutlich an Brillanz verlieren. Aber das ist ja eine reine Geschmacksache und hat nur mittelbar mit der Qualität der gezeigten Exponate zu tun. -AEK

“DIE GROSSE 2018”

“DIE GROSSE 2018”
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
28. Januar 2018 – 18. Februar 2018

Ganz schön gross - auch von oben... Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau "Die Grosse 2018"
Ganz schön gross – auch von oben… Ausstellungsansicht von Etage 2 nach unten in Düsseldorfs Künstlerschau „Die Grosse 2018″

Gebt zu, Ihr habt schon auf unseren Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der beliebten Düsseldorfer Kunstausstellung „DIE GROSSE“ gewartet!
Wie schon in den Jahren zuvor lohnt sich der Besuch auch heuer (s.a. vorherige Reviews 2015, 2016 und 2017). Denn: Viele der ausgestellten Arbeiten – präsentiert werden rund 160 Künstlerinnen und Künstler – sind wirklich großartig!
Besonders gefallen haben mir z.B. die Fotomontagen von Ralf Werner Fast – man muß schon genau hinschauen, um die dort dargestellten verfremdeten Bauwerke zu begreifen. Es gibt aber auch diverse auf den ersten Blick scheinbar „unverfälschte Fotos“, die wirklich toll sind: So z.B. die Arbeiten von Anja Bohnhof („Tracking Ghandi Salzmarsch“). Ebenso die von Ralf Janowski („Acker – Kevelaer“, „Jagdhochstand – Stenden“ und „Wettener Busch – Kevelaer“). Und natürlich das großformatige „Opernhaus Köln“ von Boris Becker. In meinen Augen „Farbe pur“ gibt es bei Lydia Mammes Acrylbildern „Volume IV“ und „Volume I“. Aber auch bei Raymund Kaisers Großformaten „BLDH7 (250114) und BRH1 (240214) – in beiden Fällen eine nahezu monochrome Kombination aus Öl und Lack auf HDF Schichtplatten. Bei den fast immer quadratischen Formaten der diesjährigen Kunstpreisträgerein Sybille Pattscheck handelt es sich um klassische Enkaustik-Arbeiten auf Acrylglas. Auch hier stehen „Material“ und „Farbgebung“ im Vordergrund und nicht das „realistische Abbild“.
Als „schlicht und ergreifend“ würde ich die Arbeit(en) von Nina Brauhauser bezeichnen: an der Wand Fotografien von je einer geschwungenen feinen Linie, am Boden davor die dazu passende Aluminium-Skulptur „along the line“. Um Linien geht es auch bei den in meinen Augen wunderschönen Papierarbeiten von Frank Weidenbach – hier sind sie jedoch äußerst akkurat zu filigranen Karos verarbeitet worden.
Es gibt aber auch erfrischende Kunstwerke, an denn ich hängen bleibe, ohne gleich den Wunsch „haben!“ zu verspüren. So z.B. die große organische Skulptur aus rosa-weißen Wattestäbchen von Ulrike Walthemathe – was für eine Idee! Gleiches gilt für Beate Höigs überdimensionierte Kette aus zahlreichen Vasenförmigen Gebilden.
Natürlich kann man auch in diesem Jahr alle ausgestellten Arbeiten kaufen. Infos zu Preisen und Detailinformationen zu den Künstlern erhält man bei den größeren Werken über einen ausführlichen Katalog (€ 20). Bei den unter der Rubrik „Das kleine Format“ ausgestellten Bildern steht der Kaufpreis direkt unter dem Bild. Das absolute Highlight hier: Zwei Fotomontagen des Künstlerduos Oster + Koezle, die mit ihren Werken übrigens schon seit 1999 auf der GROSSEN vertreten sind (und inzwischen schon dank der GROSSEN mit zwei Arbeiten in unserer Wohnung hängen :-) -AEK

FORT Limbo

FORT Limbo
Langen Foundation, Neuss

10.09.2017 – 08.04.2018

Die Langen Foundation in Neuss
Limbo in der Langen Foundation: Ausstellungen im Tadao Ando Bau sorgen immer wieder für Überraschungen!

Mit der Ausstellung „Limbo“ des in Berlin lebenden Künstlerduos FORT haben mich die Kuratoren der Langen Foundation echt ein wenig überfordert! Da hat sich glattweg eine Art „kulturelle Hilflosigkeit“ eingestellt.
Laut Ausstellungsfleyer arbeiten Jenny Kropp (*1978 in Frankfurt a. Main) und Alberta Niemann (*1982 in Bremen) bereits seit 10 Jahren zusammen und beschäftigen sich „in ihren meist ortsbezogenen Arbeiten“…“mit dem Verschwimmen der Grenzen von Alltäglichem und Mystischem, von Rationalem und Irrationalem und machen für die Betrachter erfahrbar, wie brüchig diese Ordnung ist.“
Das Werk „Limbo“ (engl.: = die Vergessenheit; die Vorhölle) zeigt z.B. einen verwaisten Zookäfig mit davorgestellten Besucherbänken und erinnert mich in der Tat an zum Glück wenige Zoobesuche in den 1970ern – nur der typische Geruch fehlt. „Little Darlings“ ist eine Gruppierung architektonisch unterschiedlich gestalteter Hundehütten, darunter ein spartanischer Iglu, eine klassische Bauhausvilla, ein traditionelles Fachwerkhaus und eine südländische Finca. Bei dem Kunstwerk „One in a Million“ stehe ich vor einem Schaufenster voller 08/15-Pullover-bekleideter Torsi. Auch die katapultieren mich schlagartig zurück in meine Kindheit… Am ehesten inspirieren mich mehrere an die Wand gelehnte weiß lackierte Wohnungstüren (Titel habe ich leider nicht mehr parat) mit den verschiedensten abgetretenen Fußmatten davor – wer mag da wohl gewohnt haben?
Um ehrlich zu sein: ich bin froh, als Wahl-Neusserin keinen großen Anfahrtsweg gehabt zu haben. Zudem hatten wir den Besuch ja mit der spannenden Schütte-Ausstellung in der Neusser Skulpturenhalle verbunden. Kurz: Besonders viel konnte ich mit der Ausstellung nicht so recht anfangen. Aber vielleicht gefällt es Euch besser?! (Kommentar unbedingt erwünscht!)
Aber aufgepaßt: Wenn Ihr einen Museumsbesuch für Februar 2018 im Rheinland einplant, dann solltet Ihr auf jeden Fall die “Fünfte Jahreszeit“ im Hinterkopf haben! So ist die Langen Foundation z.B. an Weiberfastnacht (8. Februar) und Rosenmontag (12. Februar) geschlossen! -AEK

Thomas Schütte

Thomas Schütte
Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung, Neuss
12.01.2018 – 18.03.2018

Eingang zur Schütte-Ausstellung in der Skulpturenhalle in Neuss
Schütte bei Schütte: Hinter den Glastüren der Skulpturenhalle warten wundersame Wesen des Düsseldorfer Bildhauers.

Endlich! Nach knapp zwei Jahren ist es soweit: die im April 2016 eröffnete Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung Neuss präsentiert „Thomas Schütte“! (wir berichteten bereits an anderer Stelle über das neue Haus in Neuss in direkter Nähe zur Museumsinsel Hombroich und zur Langen Foundation).
Ausgestellt sind rund 30 größere, aber auch zahlreiche kleine Arbeiten des in Düsseldorf lebenden und arbeitenden ehemaligen Richter-Schülers und Gewinners des „Goldenen Löwen“ als bester Künstler der Kunstbiennale Venedig 2005.
Schon im Nebenraum des „Kassenhäuschens“ – offiziell „Kuratorenzimmer“ genannt – gibt es ein ganzes Regal mit Miniatur-Modellen aus den verschiedensten Schaffensphasen des Künstlers zu bestaunen. Hier finde ich z.B. auch Schüttes ersten Entwurf für die Neusser Skulpturennhalle – eine flach liegende Streichholzschachtel mit einem gewellten Pringles-Chip als Dach.
Im Hauptgebäude wird die Kunst dann gleich viel größer: Direkt am Eingang steht z.B. die Skulptur „Großer Geist Nr.10“ – ganz klar mein Favorit in dieser Ausstellung. Fast genauso ansprechend: „Zombie IX“ – quasi ein „Großer Geist“, aus dem die Luft rausgelassen wurde. Ebenfalls toll: drei überdimensionierte „Engel“ aus Edelstahl und Silikon, deren kleines Vorbild übrigens auch im anfangs erwähnten Kunst-Setzkasten zu finden ist. Im Zentrum der Halle, rund um 6 rote „Glasgeister“, hängen aber auch einige spannende Skizzenbücher Schüttes.
Alles in allem bietet die Schau einen guten Überblick über das bisherige Werk des international anerkannten Bildhauers. Man ist auf jeden Fall froh, dass das selbstgenannte Todesdatum Schüttes „25.3.1996“ in seinem Kunstwerk „Mein Grab“ (1981) nicht der Realität entspricht, sondern zur Kategorie „fake news“ gehört :-)…
Zum Schluß dieses Beitrags noch ein praktischer Hinweis: die Skulpturenhalle Neuss kann nur am Wochenende (Fr – So, 11 – 17 Uhr) besichtigt werden! -AEK

“Martín y Sicilia – Perdona por las Cosas Que te Dije en Invierno“

Martín y Sicilia im Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael, Puerto del Rosario Fuerteventura
Martín y Sicilia im Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael, Puerto del Rosario Fuerteventura

“Martín y Sicilia – Perdona por las Cosas Que te Dije en Invierno“
Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael, Puerto del Rosario Fuerteventura
26.Oktober 2017 – 12. Januar 2018

Vielleicht verschlägt es ja auch Euch mal z.B. im Zuge einer Kanaren-Kreuzfahrt in die Inselhauptstadt Fuerteventuras, Puerto del Rosario?! Dann solltet Ihr auf jeden Fall dem Kunstzentrum Centro de Arte Juan Ismael einen Besuch abstatten. Denn in dem wirklich pfiffig umgebauten ehemaligen Kino – ca. 15 Minuten fußläufig vom Kreuzfahrtterminal entfernt – findet Ihr auf mehreren Etagen Gemälde, Plastiken und audiovisuelle Kunstwerke vor allem von kanarischen Künstlern.
Aktuell zeigt man die Ausstellung „Perdona por las Cosas Que te Dije en Invierno“ (= „Entschuldige bitte die Dinge, die ich im Winter gesagt habe“) des Künstlerduos „Martín y Sicilia“. Jose Arturo Martín und Javier Sicilia – beide Anfang der 1970er auf Teneriffa geboren – arbeiten bereits seit mehr als 20 Jahren zusammen. Ihre Werke – klassische Tafelbilder auf Leinwand und eindimensionale Skulpturen/Installationen aus Holz – würde ich dem Realismus zuordnen. Auf den ersten Blick handelt es sich um banale Alltagsthemen, die jedoch für mich vor allem aufgrund einer besonderen Art von perspektivischer Darstellung alles andere als alltäglich-langweilig sind. So haben Martín und Sicilia die Begabung, auf ein Format von ca. 3 x 4 m ganze Wohnungen bestehend aus Küche, Schlafzimmer und Bad zu zaubern. Nicht selten sind die Künstler übrigens selber in den Motiven zu finden.
Ein weiterer Ausflugstipp auf Fuerteventura: Überall in Puerto del Rosario sind spannende Street Murals („hochwertige Grafittis“) und beeindruckende Skulpturen zu finden. Interesse zu Details? Die erhaltet Ihr im örtlichen tourist office in Form von Flyern/Lageplänen (aktuell: „Puerto zu Fuß – eine kulturell Reiseroute um die Hauptstadt zu entdecken“ und „Street Mural Guide of Puerto del Rosario“). -AEK

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ / „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ /
„Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst”

MARTa, Herford
05. November 2017 bis 07. Januar 2018 / 14. Oktober 2017 bis 04. Februar 2018

Ausstellungen zu Gerrit Rietveld und Mart Stam im Herforder Museum MARTa
Gerrit und Mart im Marta: 2 Ikonen erobern Herford

Liebhaber der modernen Architektur sollten in diesem Winter unbedingt das MARTa in Herford besuchen! Präsentiert das Museum für Kunst, Architektur und Design doch gleich zwei der bedeutendsten Pioniere der Architektur und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts: Mart Stam und Gerrit Rietveld.
“Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ bietet eine hervorragende Übersicht zum facettenreichen Leben und Werk des niederländischen Designers und Architekten Mart Stam, welcher sich schon in jungen Jahren einen Namen aufgrund seiner Teilnahme am Stuttgarter Projekt „Weißenhof-Siedlung“ machte (s.a. an anderer Stelle in diesem Blog). Neben einer Vielzahl an Texten zu den einzelnen Stationen Stams gibt es anschauliche Originalpläne, Fotografien und historisches Filmmaterial wie z.B. den 1931 entstandenen Dokumentarfilm von Ella Bergmann-Michel „Wo wohnen alte Leute“ über die moderne und zukunftsweisende Architektur des Budge-Heims in Frankfurt. Und natürlich dürfen auch zwei Modelle von Stams berühmtem Freischwinger nicht fehlen, gilt er doch als künstlerischer Urheber für den „Stuhl ohne Hinterbeine“. Unbedingt empfehlenswert ist zudem der ca. ½ stündige Film am Ende des Ausstellungsparcours, indem auch ehemalige Wegbegleiter wie Max Bill über ihre teilweisen skurrilen, persönlichen Begegnungen mit Mart Stam berichten.
Im Erdgeschoß des wirklich wunderbaren, von keinem geringeren als dem Stararchitekten Frank Gehry entworfen Museumsbaus gibt es mit „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst“ die sicherlich auf den ersten Blick optisch ansprechendere Ausstellung. Gezeigt werden ca. 140 Exponate aus der weltweit umfangreichsten Rietveld-Sammlung des Centraal Museums Utrecht . Allem voran natürlich Gerrit Rietvelds berühmter „Rot-Blauer Stuhl“. Anlaß der Ausstellung ist das 100jährige Jubiläum der niederländischen Künstlergruppe De Stijl , der neben Rietveld als Schlüsselfigur u.A. auch die Maler Piet Mondrian und Friedrich Vordemberge-Gildewart angehörten. Ergänzt wird das Werk Rietvelds durch Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie z.B. Imi Knöbel, Erik van Lieshout, Silvie Fleury, Sofia Hulté, Katja Mater, El Lissitzky und natürlich Rietvelds Weggefährten von De Stijl – Piet Mondrian, Theo van Doesburg und Friedrich Vordemberge-Gildewart.
Unser Tipp: Absolut lohneswert nicht nur für Rietveld-Fans ist ein Besuch des 1924 erbauten „Haus Schröder“ in Utrecht!  Einen Vorgeschmack auf das wirklich phantastische Gebäude bekommt man schon in der Herforder Ausstellung über ein Architekturmodell, Fotos, Bauzeichnungen und Filmmaterial vermittelt. Eine ausführliche Führung durch das Original bringt einem die architektonischen Finessen des Baus und des individuellen Interieurs natürlich deutlich näher! -AEK

bauhaus Ballette: Das mechanische Ballett * TRIAS – das triadische Ballett

bauhaus Ballette: Das mechanische Ballett * TRIAS – das triadische Ballett
Theater der Klänge, Capitol Theater Düsseldorf
12.Oktober – 15. Oktober 2017

Der Ausstellungskatalog von 1994: „Oskar Schlemmer: Tanz, Theater, Bühne“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Der Ausstellungskatalog von 1994: „Oskar Schlemmer: Tanz, Theater, Bühne“ in der Duesseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Kaum zu glauben aber wahr: Seit fast 25 Jahren träume ich davon, einmal ein bauhaus Ballett „live“ sehen zu können! Und zwar waren es die zahlreichen Zeichnungen und Kostüme der Ausstellung „Oskar Schlemmer: Tanz, Theater, Bühne“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf im Jahre 1994, die diesen Wunsch in mir weckten.
Nun ist es soweit: wir haben Karten für ein double feature im Düsseldorfer „Theater der Klänge“ – ein Musik- und Tanztheater, welches sich bereits seit seiner Gründung im Jahre 1987 intensivst mit den bauhaus-Bühnenwerken beschäftigt. Zu dessen Repertoire gehören inzwischen sowohl das „Mechanische Ballett“ der ehemaligen bauhaus Schüler Kurt Schmidt und Georg Teltscher aus dem Jahr 1923 als auch das von Oskar Schlemmer und den beiden Tänzern Albert Burger und Elsa Hötzel bereits ein Jahr zuvor in Stuttgart uraufgeführte Stück „TRIAS – Das triadische Ballett“.
Und da tanzen sie auch schon vor meinen Augen, die bunten Figurinen und menschgewordenen Mosaike aus unterschiedlichsten geometrischen Formen! Sie alle schweben über die Bühne, als ob ihre Kostüme am Körper angewachsen sind. Leicht sieht es aus, wie sie sich präzise zur avantgardistisch-jazzigen Musik der Live-Kapelle auf der Bühne bewegen. Wie zierliche Figuren auf einer Spieldose. Unmenschlich, unnahbar. Ein wenig wie von einer anderen Welt. Ein unvergeßliches Erlebnis, an das ich mich auch noch in den nächsten 25 Jahren gerne zurück erinnern werde!
Lust auf eine Kostprobe? Dann klickt bitte hier oder dort. -AEK