„Documenta 14“

„Documenta 14“
Kassel
10.06. – 17. 09.2017

Documenta: "Pantheon der Bücher"; "Liegen statt stehen"
Documenta draußen. Im Hintergrund der Pantheon der Bücher, vorne links innen als Wohnräume gestaltete Röhren: „Liegen statt stehen“ von Hiwa K.

Eines gleich vorweg: Ja, Teile der Documenta haben auch in Athen stattgefunden (8.4.-16-7-). Wir aber waren „nur“ in Kassel, und darum also soll’s hier gehen. Wobei das nicht bedeutet, dass im teils beschaulichen Hessen nicht jede Menge Griechenland steckt – zumindest, was die Kunst angeht. So wird das Museum Fridericianum, quasi traditionelle Documenta Hauptspielstätte, zum Athener Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST): Erstmals wird in Deutschland die EMST-Sammlung gezeigt, während das (ganz neue) Athener Museumsgebäude vollständig zum Documenta-Spielort wird. Und der Griechische Touch steht dem Fredericianum gut! Spannend zum Beispiel die Installation Acropolis Redux (The Director’s Cut) (2004) des Südafrikaners Kendell Geers. Ein riesiges Stacheldrahtlager, das so manche aktuelle Assoziation zulässt. Überzeugend auch Costas Varotsos auf Glas gedruckte, dann zerbrochene Flaggen (Ohne Titel, 2017) diverser Staaten, die den Boden eines ganzen Raumes im Turm bedecken und plakativ aber doch filigran viel über unsere Gegenwart sagen. Dafür hat sich das Anstehen (es dürfen immer nur wenige Personen eintreten) allemal gelohnt. Zugegeben, vieles der weiteren EMST-Sammlung erscheint im Documenta Kontext dann doch geradezu traditionell und nicht sonderlich verstörend. Aber vielleicht macht gerade das die Schau im Fredericianum zur kontrapunktischen Oase, die der an vielen Stellen bemüht wirkenden Documenta 14 durchaus gut tut.

Unübersehbar auf dem Friedrichsplatz thront Der Pantheon der Bücher (1983/2017) von Marta Minujins. Dieses Scheingebäude, dessen Säulen mit unzähligen verbotenen Büchern bestückt sind (mitbringen erlaubt!) kommt zunächst aus der Ferne beeindruckend daher, während sich die pompösen architektonischen Strukturen dann beim Näherkommen in profane Baugerüste verwandeln. Und beim Wandeln durch die Säulen stellt man verwundert fest, welcherlei Bücher schon irgendwo auf der Welt verboten waren oder sind. Mir wäre Harry Potter zumindest nicht direkt eingefallen…

Ansonsten sind natürlich die über die Stadt verteilten Ausstellungsorte an sich schon sehenswert. Die Documenta Halle als interessanter Museumsbau (mein Favorit dort: Die Arbeit „Sound on Paper“ – Soundinstallation für gerahmtes Papier, Lautsprecher, Oszillator – des Amerikaners Alvin Lucier). Der wild rauchende Zwehrenturm am Fredericianum als Kunstwerk von Daniel Knorr. Die Neue Hauptpost, deren Verladebereich kurzerhand umfunktioniert wurde und sich als „Neue Neue Galerie“ mit nicht immer einfach zu durchschauender Kunst in authentischem Industriecharme schmückt. Und natürlich der stillgelegte U-Bahnhof, der in der Tat eine einzigartige Location ist und den man durch einen rostigen Container auf dem Bahnhofsvorplatz betritt, der gleich Assoziationen zum Thema Flüchtlinge aufkommen lässt. Aber all das ist nur ein Ausschnitt, der Ausstellungsorte gibt es noch viele mehr. Und viel Kunst. Und viel Aussage. Und – wie schon oben angemerkt – viel Bemühen um Aussage, was manchmal etwas angestrengt daherkommt.

Aber was macht die Documenta nun stets irgendwie besuchenswert? Vielleicht ist es die Tatsache, dass ein ansonsten ganz normales, in vieler Hinsicht durchschnittliches Städtchen alle fünf Jahre für mehrere Monate verwandelt wird. Besucher aus der ganzen Welt, Kunst überall, eine Mischung aus Avantgarde und Reihenhaus, Happening und Wiesen-Picknick. Da entsteht eine feine Atmosphäre, die sich gut anfühlt. Also dann: Entweder bis Mitte September hin – oder 5 Jahre warten. -MM

„Signal – Lichtkunst aus der Sammlung Robert Simon“

Signal – Lichtkunst aus der Sammlung Robert Simon
Kunstmuseum Celle, Celle
19.März – 13. August 2017

Modernes Kleinod in historischer Umgebung: Das Kunstmuseum Celle setzt auf Licht
Modernes Kleinod in historischer Umgebung: Das Kunstmuseum Celle setzt auf Licht

Das ist ja mal was wunderbar schräges! Ein 24-Stunden-Museun! Ein was? Ja, genau. Im – beziehungsweise am – Kunstmuseum Celle gibt es rund um die Uhr was zu sehen. Tagsüber drinnen und gegen Eintritt, bei Dunkelheit dann draußen, rundherum und kostenlos. Und so kann sich das Kleinod am Rande der historischen Altstadt tatsächlich das „erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt“ nennen. Das wäre vielleicht nicht viel mehr als ein netter Gag. Wenn – ja, wenn – da nicht die wirklich spannende Sammlung wäre. Robert Simon, gleichzeitig offenbar großer Kunstliebhaber, Sammler, Museumsgründer und künstlerischer Leiter im Celler Haus, hat nämlich nicht nur eine frische Museumsidee, sondern auch eine sicher subjektiv zusammengestellte, aber vielleicht gerade deshalb umso interessantere Kunstkollektion zusammengetragen. Da finden sich zum Beispiel tolle Arbeiten von Otto Piene (der eigens für das Museum einen Lichtraum installiert hat, der dem in Düsseldorf zu sehenden ZERO-Raum mindestens in nichts nachsteht) oder auch großformatige Bilder von Dieter Krieg, die nur so strotzen von dicken Ölfarbschichten. Wesentlicher Schwerpunkt der Sammlung ist jedoch die Lichtkunst. Und in der aktuellen Ausstellung „Signal“ wird dem in allen Facetten Rechnung getragen. Weit über 40 Arbeiten von fast 40 Künstlerinnen und Künstlern leuchten, flimmern, blinken den Besucher an und lassen ihn staunen. Mein besonderer Favorit: Die Skulptur (oder Installation?) „III“ von Siegfried Kreitner. Eine stehende Plexiglas-Röhre, in der sich blau schimmernde kreisförmige Neonröhren fließend gegeneinander nach oben und unten bewegen. Schwer zu beschreiben, unglaublich toll anzusehen. Ein schon fast meditatives tolles Stück Kunst. Nach ausgiebigem Kunst-gucken sind wir dann auch noch der Kuratorin und stellvertretenden Museumsleiterin Dr. Julia Otto in die Arme gelaufen. Und die hat uns sofort mit so viel Begeisterung, Spaß und Hintergrund von „ihrem“ Museum, der aktuellen und auch von folgenden Ausstellung berichtet, dass es einfach eine Freude war. Ich gebe zu: Bislang hatte ich das Kunstmuseum Celle nicht auf dem Schirm. Das hat sich jetzt in jeder Hinsicht geändert. Wir kommen wieder! -MM

“Auf dem Weg zur Avantgarde – Die Künstlergruppe junger westen“

Auf dem Weg zur Avantgarde – Die Künstlergruppe junger westen“
Kunsthalle Recklinghausen
07. Mai bis 13. August 2017

Moderne Kunst im alten Bunker: Die renovierte Kunsthalle Recklinghausen zelebriert den "jungen westen".
Moderne Kunst im alten Bunker: Die renovierte Kunsthalle Recklinghausen zelebriert den „jungen westen“.

Wer hätte das gedacht? Glaubt man dem Ausstellungsfleyer hatte bei der Gründung der Künstlergruppe „junger westen“ vor nunmehr 70 Jahren kein geringerer als der Bottroper Bauhausmeister Josef Albers die Finger im Spiel! Inspirierte er doch seinen Freund, den späteren Recklinghäuser Kunsthallendirektor Franz Große-Perdekamp, bereits 2 Jahre nach Kriegsende zu einer Aufsehen erregenden Kunstausstellung in ungewöhnlichen Räumlichkeiten: Große-Perdekamp präsentierte die für die damalige Zeit äußerst experimentell und unkonservativ wirkenden Werke der Ruhrgebietler Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Ernst Herrmann, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann und Hans Werdehausen origineller Weise mitten am Recklinghäuser Markt in der mangels Angebot leeren Lebensmitteletage des Kaufhauses Althoff  – das Vestische Museum der Stadt inklusive seiner Bestände waren bereits 1944 einem Luftangriff zum Opfer gefallen.

Zum siebzigsten Gründungsjubiläum der Gruppe erinnern heuer nicht weniger als sechs RuhrKunstMuseen in diversen Ausstellungen und Veranstaltungen an die sechs Kunstpioniere der Deutschen Nachkriegszeit. Der Schwerpunkt der Kunsthalle Recklinghausen liegt dabei mit Exponaten aus der Zeit von 1947 bis 1962 stark auf der Metamorphose vom bildnerisch Gegenständlichen zum Abstrakten.

Besonders gefallen mir die für Gustav Deppe typischen Industrielandschaften mit modernen Hochspannungsmasten, Kränen und Fabriktürmen. Aber auch die meist kubistisch anmutenden Arbeiten Heinrich Siepmanns. Ebenfalls spannend: die filigranen Objekte Ernst Hermanns (anfassen wie immer verboten!). Und – wen wundert´s – natürlich die immer informeller werdenden Werke des jungen Emil Schumachers! (Kleiner Tipp: bedeutend mehr Schumacher zeigt das Emil Schumacher Museum in Hagen!) Zudem gibt es in Recklinghausen Kunst von mit der Gruppe befreundeten Künstlern – Emil Cimiotti, K. O. Götz, Georg Meistermann und HAP Grieshaber.

Ein weiteres Bonbon dieser Ausstellung: Zur Kunst gibt es noch zahlreiche dokumentarische Fotografien und einen längeren „historischen“ Fernsehbeitrag (unbedingt ansehen – ein echtes Zeitzeugnis!).

Ach ja, für all diejenigen, die es noch nicht wissen… Auch heute noch lieben es die Recklinghäuser Kunstkonsumenten avantgardistisch: Die Kunsthalle Recklinghausen ist seit 1950 in einem ehemaligen Hochbunker schräg gegenüber dem Hauptbahnhof beherbergt. Aber keine Angst! Die Räumlichkeiten haben durch diverse Um- und Anbauten ihren Schrecken, jedoch nicht an architektonischem Reiz verloren. AEK

„NPG – Die Sammlung“

„Die Sammlung“
National Portrait Gallery, London
Dauerausstellung

Die National Portrait Gallery: Altehrwürdige Mauern mit tollem Porträt-Inhalt aus unzähligen Epochen
Die National Portrait Gallery: Altehrwürdige Mauern mit tollem Porträt-Inhalt aus unzähligen Epochen

Zeichnungen, Malerei, Fotografien, Drucke – in der Londoner „National Portrait Gallery“ findet sich alles, was mit Portraits zu tun hat. Schon zwei Mal haben wir hier über Besuche berichtet (Giacometti und Simon Schama’s Face of Britain). Und doch soll nochmals ganz generell auf diesen schönen Ort der Portrait- (Portät-? Immer noch gewöhnungsbedürftig…)-Kunst hingewiesen werden. Gesichter, Techniken, Besonderheiten aus diversen Epochen vom 16. Jahrhundert bis heute werden gezeigt. Und wie meist in Großbritannien ist der Eintritt für die „normale“ Sammlung kostenlos. Wer also gerade mal in der Nähe von Trafalgar- und Leicester-Square unterwegs ist, sollte den Abstecher in die NPG auf jeden Fall wagen. Ausprobieren lohnt! -MM

„Foam Talent | London: 24 young artists shaping the future of photography”

„Foam Talent | London: 24 young artists shaping the future of photography”
Beaconsfield Gallery, Vauxhall, London, UK
18.05. – 18.06.2017

Galerie mit Atmosphäre: Internationale "FOAM" Talente stellen in London/Vauxhall aus
Galerie mit Atmosphäre: Internationale „FOAM“ Talente stellen in London/Vauxhall aus

Regelmäßig zeichnet die in Amsterdam ansässige Organisation Foam Fotografie-Talente aus – unter anderem verbunden mit einer Ausstellung im stets sehenswerten Foam Museum in der Keizersgracht. Und manchmal wandert diese Ausstellung dann noch weiter – wie zum Beispiel in diesem Fall in Richtung Beaconsfield Gallery in London. 24 Fotografinnen und Fotografen, alle unter 35 (das ist Voraussetzung bei „Foam Talent“), zeigen also ihre Arbeiten in einer sehenswerten Gruppenausstellung. Die Räume sind spannend (zum Teil unterm Dach, zum Teil in einem Gewölbe unterhalb der Bahnlinie), die Bilder ebenso. Zunächst mal ist auch hier erneut Andrea Grützner mit Teilen ihrer Serie „Erbgericht“ zu sehen. Hier im Blog haben wir schon ein paar Mal über sie geschrieben. Und ich tue das gerne und immer wieder, weil die sehr grafischen und fast abstrakten Bilder so toll sind (ja, ich oute mich als eine Art „Fan“). Aber auch sonst gibt es sehr viel zu entdecken. Zum Beispiel die „Rio de Janeiro“ Arbeiten der Österreicherin Stefanie Moshammer, die in eindringlicher Farbigkeit und klarer Komposition zwischen Dokumentation und konzeptioneller Fotografie changieren. Oder eine Serie von Antonio Ottomanelli, in der er fotografisch den Weg einer Drone in Kabul verfolgt. Vielfalt prägt die Ausstellung, immens viele fotografische Ansätze, die sich da gegenüber gestellt werden. Viel Inspiration! –MM

„Wolfgang Tillmans: 2017“

„Wolfgang Tillmans: 2017“
Tate Modern, London, UK
15.02. – 11.06.2017

Vitrinen, Bücher, Wandbilder: Typischer Tillmans Raum in der Tate Modern
Vitrinen, Bücher, Wandbilder: Typischer Tillmans Raum in der Tate Modern

Wolfgang Tillmans, weltbekannter Fotograf und erster mit dem Turner-Preis ausgezeichneter Nicht-Brite, lebte lange im Vereinigten Königreich. Jetzt stellt er erstmalig in der Tate Modern aus. Ein ganzer Etagenflügel steht ihm zur Verfügung, und er bespielt die Räume in bekannter Manier: Fotos in verschiedensten Größen, sehr konkretes, viel abstraktes, zum Teil einfach an die Wand genagelt, zum Teil gerahmt, manchmal in Acrylkästen, all das arrangiert über ganze Wandflächen hinweg. Porträts, Landschaften, Stillleben. Eindrücke aus allen Lebensbereichen, privates, politisches. Einfache Kost und leichtverdauliche Schönheiten sind Tillmans Sache sicher nicht. Da stehen wir nun in dieser Welt – was machen wir draus?, so scheint er zu fragen. Und lässt uns darüber nachdenken. –MM

„KölnSkulptur #8″

„KölnSkulptur #8“
Skulpturenpark Köln
Juni 2015 – Juni 2017

Einer der Eingänge zum Kölner Skulpturenpark: Das Eingangstor samt Zaun ist auch eine Skulptur!
Zaun? Kunst! Schon die beiden großen Eingangstore des Kölner Skulpturenparks sind selber Skulptur (Edith Dekyndt: „The Fences“)! Also: Keine Fahrräder anketten…

Mitten in Köln, eingebettet zwischen großen Straßen, Brücken und Rhein, stellenweise ordentlich beschallt vom Lärm der Autos, da liegt er, der Skulpturenpark Köln. Und doch ist dieses Kleinod eine wunderbare Insel inmitten der städtischen Hektik. 1997 vom inzwischen verstorbenen Sammlerehepaar Dr. Michael und Dr. Eleonore Stoffel gegründet, ist der Park seit vielen Jahren ein Hotspot für internationale Skulptur. Und das Konzept ist spannend: Alle zwei Jahre wird das Gelände neu bespielt mit der Ausstellungsreihe „KölnSkulptur“, aktuell in der achten Auflage. Und es gibt viel zu sehen: Von den bekannten Granitblöcken Ulrich Rückriems über eine „Weinende Frau“ Thomas Schüttes bis zu einem Bronzekopf Per Kirkebys. Santiage Serra ist mit einem großen schwarzen Sichtbetonwürfel („583 Stunden Arbeit“) vertreten, Nina Carnell zeigt einen Strommast, der auf seiner Wiese steht und seiner eigentlichen Funktion beraubt verloren wirkt („Power (Powerless)“). Besonderes Highlight für mich: Dan Grahams „Greek Cross Labyrinth“. Das begehbare Werk entführt den Besucher in eine Welt von Spiegeln, (halb-)transparenten Durchsichten, Einblicken, Aussichten und Selbstbetrachtungen. Jede Menge Potential zur Reflektion in jedem Sinne. Noch bis einschließlich Juni ist die KölnSkulptur #8 zu sehen. Dann wird umgebaut und am 15. Oktober 2017 eröffnet die neunte Ausgabe. Dann sind wieder zwei Jahre Zeit für einen Besuch! -MM

“Skulpturenpark Waldfrieden”

“Skulpturenpark Waldfrieden”
ganzjährig, Dienstags bis Sonntags

Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal
Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal

Es gibt ihn schon fast seit 10 Jahren zwischen den beiden Wuppertaler Stadtzentren Elberfeld und Barmen, den Skulpturenpark Waldfrieden des Britischen Bildhauers Tony Cragg. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie und seines Zeichen Wahlwuppertaler seit nun mehr fast 50 (!) Jahren bezog das 14 Hektar große Waldgelände am Hesselnberg 2008 und präsentiert dort seitdem nicht nur zahlreiche seiner eigenen phantastischen Werke, sondern auch die anderer namhafter Künstler. Beim Spaziergang auf den festgelegten Parkwegen begegnen einem so z.B. auch Arbeiten von Henry Moore (wie immer wundervoll anzusehende, überdimensionale Handschmeichler, die man natürlich auch hier draußen in freier Natur nicht anfassen darf!), Thomas Schütte, Erwin Wurm, Eva Hild, Hede Bühl, Hubert Kiecol, Richard Deacon und Markus Lüpertz. Um keine der aktuell 40 Skulpturen zu verpassen oder sich gar auf dem hügeligen, wirklich nicht kleinen Gelände zu verlaufen, erhält man am Eingang zur besseren Orientierung einen Übersichtsplan. Für Besucher, die mehr Hintergrundwissen zu Park und Kunst wünschen, findet man auf der Internetseite diverse Angebote zu öffentlichen „Rudelführungen“.

Installation von Klaus Rinke in einem der Ausstellungspavillons im Skulpturenpark Waldfrieden
Da tickt die Uhr… Ein Hauptthema Klaus Rinkes ist „Zeit“

Auch gibt es auf dem Arenal zwei moderne Pavillons für Wechselausstellungen – bis zum 25. Juni z.B. bestückt mit Kunst von Klaus Rinke, der fast zeitgleich zu Tony Cragg im Fach Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte.
Ein weiteres architektonisches Highlight im Park: Die unter Denkmalschutz stehende Villa Waldfrieden. Das 1946 von Franz Krause nach den Richtlinien der anthroposophischen Architektur entworfene Gebäude war lange Zeit bis zu seinem Tod im Jahre 1989 das Wohnhaus des über die Stadtgrenzen Wuppertals hinaus bekannten Lackfabrikanten Kurt Herberts. Aus konservatorischen Gründen ist die Villa in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, kann aber heuer z.B. am letzten Juniwochenende im Rahmen des bundesweiten „Tages der Architektur“ nach entsprechender Anmeldung besichtigt werden.
Kurz: Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Der Skulpturenpark Waldfrieden ist zu jeder Jahreszeit ein Besuch Wert! Ein kleiner Tipp: Festes Schuhwerk kann nicht schaden, Wanderschuhe wären aber deutlich übertrieben. -AEK

„von Anfang an – Malerei und Objekte“

„von Anfang an – Malerei und Objekte“
Jobst Tilmann
Galerie Augarde, Daun
23.03. – 06.05.2017

Jobst Tilmann in Daun: Die Galerie Augarde im Eifelstädtchen hat einiges zu bieten!
Jobst Tilmann in Daun: Die Galerie Augarde im Eifelstädtchen hat einiges zu bieten!

Klein und fein ist sie, die Galerie Augarde im beschaulichen Eifelstädtchen Daun. Und es gibt immer mal wieder etwas zu entdecken. Zum Beispiel die schöne Ausstellung „von Anfang an“ mit Arbeiten von Jobst Tilmann, gebürtiger Niedersachse und lange Jahre Dozent an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim. Zu sehen sind Paperarbeiten, Malerei und Wandobjekte aus den letzten zehn Jahren. Und die stehen alle im Austausch miteinander. Aus Gouache und Tusche kombinierte, oft organische Formen auf Büttenpaper winken herüber zu teils ebenso dunklen, teil farbenfrohen Karton- oder Polsterobjekten, die die Formen der Papierarbeiten aufnehmen und umgekehrt. Groß- und kleinformatige Acrylmalereien stoßen dazu. Auf ihnen immer wieder farbige Bereiche, die sich ihren Weg durch ein großflächiges Neutralgrau erkämpfen und so erst recht aufleuchten. Noch bis zum 06. Mai ist die Ausstellung in Daun zu sehen. Wer’s nicht mehr schafft: Auch ein Blick auf die Website von Jobst Tilmann lohnt sich für einen ersten Eindruck! -MM

„Otto Dix – Der böse Blick“

„Otto Dix – Der böse Blick“
K20 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
11.02 – 14.05.2017 -> verlängert bis zum 28.05.17

...und am Ende der Straße: Dix im K20
…und am Ende der Straße: Dix im K20

Viel treffender kann man eine Ausstellung wohl nicht betiteln. So böse, wie Otto Dix sich auf seinen Selbstporträts dreinschauen lässt, so böse schauen immer wieder die Menschen auf seinen Bildern. Da schaut einer mit bewusst bösem Blick, um hineinzuschauen ins menschliche Seelenleben, in Untiefen und Wunschträume, aber auch in die dreckige Wirklichkeit mit Lust und Schmutz und Krieg, Huren, Künstlern, verstümmelten Veteranen. Einer, der bewusst provozieren will. Und all dem kann man sich kaum entziehen. Wie ist es nur möglich, mit zartesten Aquarellfarben (ja: ein toller Aquarellist war er, der Herr Dix!) wildeste Deftigkeiten und grausamste Morde aufs Papier zu streichen? Und Ölgemälde, bei denen man sich fragt, ob man selber wohl gerne auch von Dix gemalt worden wäre, oder ob man eher Angst vor dem wahrscheinlich nicht vorteilhaften, aber doch treffenden Ergebnis hätte. Ein Ergebnis, das manches Mal sicher irgendwie entstellt, aber immer weit weg von der Karikatur ist. Nur vier Jahre verbrachte Dix in Düsseldorf, und genau dieser Zeit widmet sich die Ausstellung im K20. Das aber mit ungefähr 200 (!) Gemälden, Grafiken und Aquarellen. Eine beeindruckende Schaffenskraft, die da aufleuchtet. Überhaupt: Voller Kraft sind sie alle, diese gezeigten Werke. Oft auch voller Wut, voller Trauer und voller Krieg. Da reicht eigentlich ein einziges Wort aus: Beeindruckend. Wer es nicht nach Düsseldorf schafft: vom 23.6. bis zum 15.10.17 geht es in der Tate Liverpool weiter. -MM