„Markus Lüpertz – Ein persönlicher Blick“

„Markus Lüpertz – Ein persönlicher Blick“
Museum Burg Vischering, Lüdinghausen
18. Februar – 12. August 2018

Burg Vischering im Münsterland - einzweiter Blick lohnt immer...
Burg Vischering im Münsterland – ein zweiter Blick lohnt immer…

Zugegebenermaßen war ich bislang kein großer Fan vom „Malerfürsten“ und selbsternannten „Genie“ Markus Lüpertz  – weder von seiner neoexpressionistischen Kunst, noch von seinen exzentrischen Auftritten. Und das von Anfang an…
Zur Erklärung dieses Statements eine kurze Anekdote aus dem leben einer jungen Kunstinteressierten: Lüpertz begegnete mir unbekannter Weise Mitte der 90er mit seinem „Gefolge“ – heute vermute ich mit einer Gruppe (ausstellender) Studenten – bei meinem ersten „Rundgang“ durch die Düsseldorfer Kunstakademie. Bedingt durch sein „wichtiges“ Auftreten und seine extravagante Kleidung – schwarzer Anzug, Gamaschen, Stock mit Silberknauf und auffällig großem Siegelring – bekam er von mir spontan den Stempel „eingebildeter, selbstverliebter Gockel“ aufgedrückt. Erst einige Jahre später begriff ich, 1) daß mir hier der damalige Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, einer der bekanntesten deutschen Maler, Grafiker und Bildhauer der Gegenwart höchst persönlich über den Weg gelaufen/gerauscht war und 2) daß ich über eine nicht allzu schlechte Menschenkenntnis verfüge… :-) .
Nichtsdestotrotz nahm ich am letzten Aprilwochenende 2018 die Gelegenheit wahr, im Zuge eines Ausflugs zu diversen Burgen im Münsterland einen persönlichen Blick in die aktuelle Lüpertz-Sonderausstellung des Museums Burg Vischering zu riskieren. In ihrem Fokus stehen vor allem mittelformatige Papierarbeiten des Künstlers: Zeichnungen, (colorierte) Druckgrafiken (Holz- und Siebdrucke) und Gouachen. Gezeigt werden in Lüdinghausen aber auch einige kleinere Skulpturen – ihre direkte Verwandtschaft zu den monumentalen öffentlichen Lüpertz-Arbeiten wie z.B. „Mozart“, Dionysos“ oder „Herkules“ ist unverkennbar.
Ich bin erstaunt, wie weitläufig und umfangreich die Ausstellung ist – diese „Größe“ hätte ich im eher „provinziellen“ Lüdinghausen nicht erwartet! Zudem stelle ich erfreut fest, daß mich die Exponate nicht völlig unberührt lassen; ich gebe gerne zu, daß mich einige der Arbeiten sogar positiv ansprechen! Was lernen wir daraus? Es schadet nie – allen Vorurteilen zum Trotz – einen zweiten (oder auch dritten) Blick auf eine Person/eine Sache/einen Sachverhalt zu werfen. -AEK

P.S.: Für alle Lüpertz-Jünger: Solltet Ihr auf Basis dieses Beitrags einen Ausflug ins Münsterland planen, so erkundigt Euch doch bitte im Vorfeld nochmals genau beim Veranstalter, wie lange die Ausstellung geht! Laut Internetseite wäre sie am 29.04.18 beendet, laut Ausstellungsflyer läuft sie noch bis zum 12.08.18…

„OSTER+KOEZLE“

Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie "architectures" in der Künstlerzeiche Unser Fritz 2/2 in Herne Wanne.
Werfen ihre Schatten voraus: Willy Oster und SG Koezle mitten drin in Arbeiten aus ihrer Serie „architectures“ in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Herne Wanne.

OSTER+KOEZLE – Fotografisch basierte digitale Kunst zum Thema Raum
Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Herne (Wanne)
28. April – 20. Mai 2018

Schon seit vielen Jahren, seit 1999 nämlich, arbeiten Willy Oster und SG Koezle gemeinsam als OSTER+KOEZLE und verbinden Fotografie, Malerei (ganz ohne Malerei!) und digitale Möglichkeiten zu einem faszinierenden Kosmos rund um das Thema Raum. Wir haben die Bilder des Künstlerduos vor einigen Jahren für uns auf der „GROSSEN“ in Düsseldorf entdeckt (siehe auch Blogposts aus März 2016 und Februar 2018) und uns von Anfang an in die geometrisch anmutenden Kompositionen, die immer mit einer Irritation des Betrachters einhergehen, verguckt. Um so schöner, dass nun in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eine OSTER+KOEZLE Ausstellung zu sehen ist, die schon fast als Retrospektive durchgehen könnte. Aber eben nur fast – denn dafür reichen die 4 Wände der mit 140 Quadratmetern nicht eben kleinen ehemaligen Weißkaue der Zeche dann doch nicht ganz aus. Und trotzdem bekommt der Besucher einen tollen Einblick in fast 20 Jahre gemeinsames Schaffen und in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, was nicht zuletzt an der schlauen Hängung liegt. Jede der vier Wände widmet sich nämlich einer Werkgruppe, startend mit den „rooms“, in denen noch deutlich der eigentliche Ort – eine leere Halle, ein Hausflur… – zu sehen ist, aber durch digital eingeschobene (Farb-) Flächen ein ganz neuer Raum, eine neue Komposition entsteht. Da drängen sich rote, weiße oder schwarze Rechtecke mit einer Selbstverständlichkeit ins Bild, die den Betrachter zunächst irritiert, dann staunen und schließlich nicken lässt: ja, sicher gehört diese Fläche ganz genau so ins Bild. An der nächsten Wand folgen dann die „perspectives“. Das Prinzip bleibt, digitale Farbflächen brechen sich Bahn, strukturieren, erschaffen neu. Die den Arbeiten zugrunde liegenden Fotografien aber beschränken sich auf Details, lassen schon von sich aus keine klare Raumzuordnung zu, sind klar komponierte Konstruktionen. In den „architectures“, Werkreihe (und Wand) Nummer drei, drehen OSTER+KOEZLE den Spieß quasi um: Hier stehen Farbflächen im Vordergrund, aus deren Oberfläche wie mit einem digitalen Skalpell sauber Teile herausgeschnitten wurden und dort Ausschnitte von (Raum-) Fotografien sichtbar werden lassen, was erneut zu einer ganz anderen Wahrnehmung von Raum führt. Die vierte Serie schließlich heißt schlicht schwarz/weiss, und so kommt sie dann auch daher. Aber vorsicht: Was zunächst erscheint wie sehr kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografien von (Raum?) Details, entpuppt sich dann doch wieder als Spiel mit der Wahrnehmung und als bewußte digitale Intervention. Waren diese Flächen wirklich so tiefschwarz? Was stimmt hier nicht? Obwohl doch wirklich alles stimmt…

OSTER+KOEZLE selber haben bei der Ausstellungseröffnung übrigens sichtlich Spaß. So erzählt uns Willy Oster, dessen Wurzeln in der Malerei liegen, zum Beispiel noch, dass es ihn immer besonders gefreut hat, bei der Teilnahme an der „GROSSEN“ Kunstausstellung in Düsseldorf nie bei den Fotografen, sondern stets bei den konkreten Künstlern zu hängen (was ja durchaus passt). Und SG Koezle lächelt verschmitz, wenn er erzählt, dass selbst einem Galeristen nach mehrwöchiger Ausstellung schon mal ein wesentliches Bild-Detail verborgen bleibt: „Aktenordner? Wo soll auf dem Bild denn da ein Aktenordner zu sehen sein?“, wird der Galerist zitiert. Aber wahrscheinlich sollte man sich auch nie ganz sicher sein – vielleicht ist da auch wirklich kein Ordner. Sondern das Spiel mit der Irritation und die Aufforderung zum erneuten Hinschauen.

Mein Fazit: Wunderbar ausgeklügelte  Kompositionen, klare Bezüge zur konkreten Kunst und zur Farbfeldmalerei, die Faszination für die Schönheit, die abstrahierten Architekturen und deren Details innewohnt und vor allem: das lustvolle Spiel mit der Irritation, die all den Bildern eine immense Spannung geben und dazu führen, lange zu schauen und den eigenen Blick zu hinterfragen. Auf zur Zeche Unser Fritz! -MM

„Black and White. Von Dürer bis Eliasson“

Black and White. Von Dürer bis Eliasson
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
22.03. – 15.07.2018

Graue welt - und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.
Graue Welt – und einfach atenberaubend: Ausschnitt der begehbaren Installation „The Collector’s House“ des belgischen Künstlers Hans op de Beeck im Museum Kunstpalast.

Alles nur schwarz-weiß? Alles öde? Von wegen! Mit Tristesse hat die schwarz-weiße oder graue Welt , die in ca. 80 Werken im Museum Kunstpalast präsentiert wird, mal überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, hier wurde ein plausibles Oberthema gefunden,  mit dem sich Stile und Epochen über Jahrhundete verbinden lassen. Das Schöne an solcherlei Ausstellungen ist ja gerade, dass ich mir auch Werke anschaue, die nicht unbedingt in mein typisches „Beuteschema“ fallen. So zum Beispiel unglaublich filigrane Bilder auf Glas,  die durch ein besonderes Verfahren Szenen in erstaunlichen Sepiatönen und goldenen Glanzlichtern zeigt. Oder geradezu  atemberaubend plastische Malerei, bei der die dargestellten Relieffs und Figuren so unglaublich dreidimesional wirken, dass ich mich tatsächlich zunächst vergewissern muss, ob es sich nicht doch um Skulpturen handelt. Und alles ganz ohne 3D-Brille… Zudem spart die Ausstellung (die übrigens in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery entstand) wahrlich nicht mit großen Namen. Degas, Tizian, Rubens, Rembrandt, Picasso, Pollock, Richter, Piene, Uecker und so weiter. Zu sehen gibt es also wirklich genug. Favoriten? Das ist schwierig, weil ich irgendwie am liebsten jedes zweite Werk direkt einpacken würde. Also eine minimale Auswahl: Zunächst mal ist da die wunderbare „Annette sitzend“ von Alberto Giacometti. Schon oft gesehen, aber immer wieder zu bestaunen und definitiv ein „all-time-favourite“ meiner Frau, nicht nur wegen des Namens. Es ist schon faszinierend, wie es Giacometti in seinen Bildern und Skulpturen gelingt, so etwas wie eine prototypische Seele des Menschen zu pinseln und zu meißeln. Die ist ja vielleicht auch manchmal ein wenig grau. Und dann ist da definitiv „The Collector’s House“ von Hans op de Beeck. Fast am Ende der Ausstellung angelangt, betritt der Besucher durch eine unscheinbare Flügeltür einen Raum, der einem die Sprache verschlägt. Das „Haus des Sammlers“ ist ein Gesamtkunstwerk, ein Interieur aus purem Grau, ein Zimmer mit Regalen,  Wandbildern, Sitzmöbeln, Tischen, (Skulpturen von) Menschen… und alles alles alles im gleichen Grauton. Wenn dann noch weitere Besucher eintreten und in ihrer (zufälligen, also teils farbigen) Alltagskleidung kontrastierender Teil des Kunstwerkes werden – ein echtes Erlebnis! Danach dann, als tatsächlicher Schlusspunkt des Ausstellung, folgt Olafur Eliassons „Room for one Colour“. Das ist ein Raum, der in eine Art gleißendes, transluzentes Orange getaucht ist. Was das mit schwarz-weiß zu tun hat? Auch hier werden die Besucher Teil des Werkes und wirken, so man sie betrachtet – genau: schwarz-weiß. Eine schöne Volte zum Schluss!

Was ich mich an einigen Stellen gefragt habe ist dann allerdings, inwiefern der Fokus auf schwarz-weiß bei vielen der gezeigten Werke tatsächlich seine Berechtigung hat. Die Ausstellung hat es sich ja zur Aufgabe gemacht zu hinterfragen, was verschiedenste Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder an der schwarz-weiß-graue Welt fasziniert hat, warum sich sich auf die extrem eingeschränkte Farbpalette eingelassen haben. Und irgendwie scheint die Antwort in den meisten Fällen einfach zu sein: warum nicht? Es gibt eben auch schwarz, weiß und grau. Und das wurde auch eingesetzt – neben vielen anderen Farben. Die schwarz-weiß-grauen Werke zu separieren, ist da eher ein Kunstgriff der Kuratoren.

Ein Beispiel: Sicher gehört das wunderbare Quadrat von Josef Albers in diese Ausstellung, doch hat er seine Quadrate in unzähligen Farbkombinationen erstellt. Die Verprobung der Farbwirkung von Schwarz- und Grautönen in der gezeigten „Study for Hommage to the Square“ ist da schlicht eine logische Konsequenz in der Arbeit Albers‘. Und ganz ähnliches könnte man über die gezeigten Werke von Ellsworth Kelly, Otto Piene, K.O. Goetz und so weiter und so fort sagen.  Sie alle haben auch Werke in schwarz-weiß erstellt; für fast alle Künstler ist die Beschäftigung mit schwarz-weiß-grauen Arbeiten offenbar spannender Bestandteil ihrer Arbeit. Aber eben nur ein Teil. Aber so ist das wohl stets, wenn eine thematische Klammer gesucht wird. Und so wäre es dann ebenso legitim, die nächste Austellung zum Thema „blau“ zu kuratieren. Und warum auch nicht? Mit welch hoher Qualität das funktionieren kann, zeigt die aktuelle Schau im Kunstpalast ja deutlich. -MM

„Bilder ohne Schatten“

Bilder ohne Schatten
Eine Auswahl aus der Sammlung Kemp
Museum Kunstpalast, Düsseldorf
25. März – 17. Juli 2018

Foto nicht ganz ohne Schatten: "Bilder ohne Schatten" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast
Foto nicht ganz ohne Schatten: „Bilder ohne Schatten“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast

Knapp 30 Kunstwerke aus der Sammlung Kemp zeigt das Museum Kunstpalast in seinem  Ausstellungssaal im Erdgeschoss. Und immer, wenn etwas aus dem 2011 dem Kunstpalast gestifteten umfangreichen Fundus Willi Kemps präsentiert wird, lohnt sich ein Besuch.

Kemps sammelte, was in der zeitgenössichen Kunst Rang und Namen hat. Und so findet sich denn auch bei all den „schattenlosen“ Werken das who-is-who der Szene: Von Otto Piene bis K.O. Goetz, von Gotthardt Graubner bis Ulrich Erben. Ihnen allen gemein ist nicht nur, dass die gezeigten Bilder keine Schatten haben. Vielmehr haben sie keine Schatten, weil sie nicht abbilden, sondern für sich selbst stehen. Monochrome Malerei, konkrete Kunst, Hard Edge, Informel – all das ist hier zu finden. Eine schöne Schau, die definitiv einen Abstecher lohnt. -MM

„Taten des Lichts – Mack & Goethe“

Taten des Lichts – Mack & Goethe
Goethe-Museum, Düsseldorf
04. März bis 27. Mai 2018

Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.
Eine bunte Sache mit bunter Säule: Mack und Goethe geben sich ein Stelldichein im Goethe-Museum Düsseldorf.

„Taten des Lichts – Mack und Goethe“: das ist der Titel der aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer „Schloß Jägerhof“ – vielen auch bekannt unter dem einprägsamen Namen „Goethe-Museum“. Beherbergt das stattliche Rokoko-Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts doch schon seit mehr als 70 Jahren die immense Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs, seines Zeichen Leiter und Inhaber des Insel-Verlages zu Leipzig, als da sind: ca. 5000 Handschriften, Gemälde, graphische Blätter, Büsten, Medaillen und Münzen nebst einer immensen Bibliothek bestehend aus rund 17000 Büchern und 3000 Musikalien (= Notenblätter) aus der Goethe-Zeit. Und natürlich ein Sammelsurium an optischen Geräten, die Goethe zur Untersuchung seines Steckenpferdes benutzt, der Farbenlehre.
Womit wir wieder beim eigentlichen Thema dieses Beitrages sind: den „Taten des Lichts“.
Denn: der große Dichterfürst beschäftigte sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit einer Vielfalt an Farberscheinungen und veröffentlichte ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Artikel zur Disziplin „Optik“, Anfang des 19. Jahrhunderts sogar eine umfangreiche Schrift von mehr als 1600 Seiten mit dem Titel „Zur Farbenlehre“ . Goethe unterschied bei seinen wissenschaftlichen Beobachtungen generell zwischen „physiologischen“, „physischen“ und „chemischen“ Farben. Sein Interesse galt beispielsweise sowohl bestimmten Aspekten des menschlichen Sehens wie farbigen Nachbildern, dem Hell-Dunkel-Kontrast, dem Simultan-Kontrast als auch der Ursache für Fehlsichtigkeiten wie z.B. die der Farbenblindheit. Er untersuchte unter dem Aspekt „Farbe“ die Naturerscheinungen Morgenröte, Abendröte, das Himmelsblau, das Mondlicht, interessierte sich aber auch für die Farbigkeit von Seifenblasen und Schatten. Goethe  beschrieb die farbige Erscheinung einiger chemischer Verbindungen und referierte auch über das Prinzip des Färbens und des Bleichens; zudem beschäftigte er sich mit der Farbigkeit von Flora und Fauna, kommentierte aber auch das reale Mischen von Künstlerfarben.
Alles in allem Themen, die auch heute noch viele moderne Künstler interessieren und faszinieren dürften!
So auch einen der bedeutendsten deutschen Bildhauer und Maler, den Mitbegründer der renommierten Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack. Auch er befaßte sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen Licht und Farbe – sei es im Zusammenhang mit seinen wundervollen Lichtreliefs, seinen gigantischen Licht-Installationen in der Wüste oder aber in seinen chromatischen Bildern und Grafiken. So heißt es auf Macks Internetseite, der Künstler begreife „Farbe als Licht und Licht als Farbe“ (s.a. Beitrag „Licht Schatten“ an anderer Stelle in diesem Blog).
„Taten des Lichts – Mack und Goethe“ im Goethe-Museum bietet nun bis Mitte Mai diesen Jahres die Gelegenheit, die auf 8 Räume des Hauses verteilten Arbeiten der beiden außergewöhnlichen „Lichtkünstler“ auf einen Schlag zu sehen und miteinander in Bezug zu bringen. Im Ausstellungsflyer wirbt man z.B. mit einer einer „vielschichtige(n) Begegnung zwischen Klassik und Moderne“.
Auf mich persönlich – einem Fan von klaren Formen und Strukturen – wirkt die Präsentation der Werke leider ein wenig „strubbelig“, erinnert sie mich doch spontan an eine „Petersburger Hängung“, bei der in meinen Augen besonders die meist überaus farbigen Werke Macks in der holzdominierten Wohnzimmeratmosphäre des Schlosses Jägerhof deutlich an Brillanz verlieren. Aber das ist ja eine reine Geschmacksache und hat nur mittelbar mit der Qualität der gezeigten Exponate zu tun. -AEK

„Pizza is God“

„Pizza is God“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl...
Alles aus Teig? Von wegen! In Düsseldorf gibt es auch jede Menge Pizzakartons. Oder Pizza aus Stoff, in Acryl oder Öl. Nein, kein Olivenöl…

Nun denn: die Pizza hat ihre erste hochoffizielle eigene Kunstausstellung. Zusammengetragen wurden Werke unzähliger Künstler, die sich allesamt mit dem schmackhaften Teigfladen beschäftigen. Und ja: Nahrung und essen an sich sind natürlich nicht erst seit gestern wichtiges Sujet der Kunst. Und da die Pizza mittlerweile in die Liste der immateriellen Güter des Weltkulturerbes ausgenommen wurde, bot sie sich wohl besonders an fürs Rampenlicht. „Was macht die Faszination der Pizza aus?“ – so fragt die Website zur Ausstellung, die „die kulturelle Bedeutung und ikonische Kraft der Pizza“ untersuchen will. Ein Schelm, wer beim Lesen dieser Zeilen nicht wenigstens ein bisschen grinsen muss. Durchaus haben mir einige Werke in der Ausstellung gefallen. Und die Beziehung zur Pizza hat in jedem einzelnen Sinn gemacht. Aber ich gebe zu: Die Pizza als sinnstiftendes und verbindendes Element für eine Kunstausstellung scheint mir… gewagt. Aber Kunst muss ja auch Spaß machen, und das funktioniert ganz sicher nicht schlecht zwischen Teig und Lieferkarton. Und ich wage jetzt auch mal was: Ich schlage den Burger, vielleicht in einer Doppelausstellung mit dem Hot Dog vor. Obwohl ich Pizza eigentlich lieber mag. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. –MM

„Herlinde Koelbl“

„Herlinde Koelbl“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Koelbl "unterm Dach rechts" - eine große Fotografin mit einer etwas zu kleinen Ausstellung im NRW Forum
Koelbl „unterm Dach rechts“ – eine große Fotografin mit einer etwas zu kleinen Ausstellung im NRW Forum

Der Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V. hat Herlinde Koelbl in die „BFF-Hall of Fame“ aufgenommen. Keine Frage: Da gehört sie auch hin. Besonders bekannt für ihre fotografischen Langzeitstudien (zum Beispiel von Angela Merkel und weiteren Politikern und Wirtschaftsführern, die sie in ihrem wunderbaren Zyklus „Spuren der Macht“ portraitierte), hat es Koelbl in all ihren Bildern stets verstanden, Geschichten zu erzählen. Die Fotos faszinieren, seien es die Gegenüberstellungen von Menschen in ihrer Privat- und Arbeitskluft („Kleider machen Leute“), die intime Nähe in der Serie „Haare“ oder aber die „Targets“, meist Menschen nachempfundene Ziele für militärische Schießübungen auf der ganzen Welt.

Zum Anlass der Aufnahme in die Hall of Fame also wird Koelbl eine Ausstellung im NRW Forum ausgerichtet. Und von allen wesentlichen Serien ihrer Arbeit sind Teile zu sehen. Das reicht für einen ersten Überblick, und doch wird die Ausstellung Herlinde Koelbl aus meiner Sicht nicht gerecht. Zu dicht gehängt, zu viel auf zu kleinem Raum gewollt. Das ist Schade. Verdient hätte sie einen, wenn nicht gleich beide große Gebäudeflügel im Erdgeschoss des NRW Forums. Denn Koelbl ist sowohl Chronistin, einfühlsame Beobachterin, Fragestellerin und Bildkünstlerin. Eine große Fotografin. –MM

„Louise Dahl-Wolfe: A Style of her Own“

„Louise Dahl-Wolfe: A Style of her Own“
NRW Forum, Düsseldorf
16. Februar bis 20. Mai 2018

Feine Fotografie im Forum: Louise Dahl-Wolfe mit Modefotos
Feine Fotografie im Forum: Louise Dahl-Wolfe mit Modefotos

Mehr als 100 Fotografien der Modefoto-Pionierin Louise Dahl-Wolfe zeigt das NRW-Forum in einer umfassenden Retrospektive. Großer Unterschied zur Modefotografie ihrer Zeitgenossen: Dahl-Wolfe mochte es „à plein air“, sie führte Ihre Modelle nach draußen, arbeitete unter freiem Himmel und mit natürlichem Licht. Das hat nicht nur eine eigene Ästhetik, sondern bringt plötzlich auch eine andere Art von Natürlichkeit aufs Fotopapier. Unterstrichen wird das noch, weil die abgebildeten Frauen so gar nicht in Heim- und Herd-Klischees passen, sondern selbständig daherkommen, unterwegs sind, Unabhängigkeit ausstrahlen. All das natürlich in hochprofessionellen, fein austarierten Bildkompositionen. Für Freunde der Modefotografie ein Muss. –MM

„Möbel und Innenarchitektur“

„Möbel und Innenarchitektur“
Lippisches Landesmuseum Detmold
Dauerausstellung

Sitzgelegenheit im Lipperland: Die feine Stuhlsammlung unterm Dach des Lippischischen Landesmuseums
Sitzgelegenheit im Lipperland: Die feine Stuhlsammlung unterm Dach des Lippischischen Landesmuseums

Wer sich für Architektur interessiert, ist ja oftmals auch dem Sitzmöbel nicht abgeneigt – gilt doch gerade der Stuhl als die kleine aber feine Form der Baukunst, der sich schon seit Jahrzenten neben Designern auch die berühmtesten Architekten widmen. Und so wird dem Stuhl in Museen gehuldigt, zum Beispiel im formidablen Vitra Design Museum, im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder auch im Kölner Museum für angewandte Kunst. Dass jedoch ausgerechnet das Lippische Landesmuseum in Detmold – an sich Regionalmuseum mit Wurzeln im naturhistorischen Bereich – eine tolle Stuhlsammlung beherbergt, dürfte für viele eine echte Überraschung sein. Hintergrund: Architektur und Innenarchitektur lernt man an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (ehemals FH Lippe). Und so ist vor vielen Jahren eine Kooperation zustande gekommen, deren Resultat die Ausstellung „Möbel und Innenarchitektur“ ist. Und da sind sie alle zu bestaunen, die alten, neuen und vielleicht zukünftigen Sitz-Klassiker: Rietvelds Zig-Zag Stoel oder verschiedene Eames Modelle, Alvar Aaltos kurvige Holzwunder oder futuristische Alu-Entwürfe von Konstantin Grcic, spacige (und tolle) neue Entwürfe wie das Dai Sofa von Kazuko Okamoto oder die stilprägenden Plastik-Ikonen Verner Pantons aus den 60ern. All das dargeboten auf zwei Etagen unterm Dach in einer toll gemachten Präsentation auf schrägen Podesten. Und ganz frische Entwürfe von experimentierfreudigen lokalen Studierenden gibt’s auch noch dazu. Klasse Sache! Freunde von Stuhl & Design: Kommt nach Detmold! -MM

„Carmen Herrera: Lines of Sight“

Carmen Herrera: Lines of Sight
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
02. Dezember 2017 – 08. April 2018

Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20
Zeigt klare Kante: Carmen Herrera im Düsseldorfer K20

Was gibt es doch für Geschichten! Da studiert eine junge Frau Architektur in Havanna, dann Malerei in News York, ist mit Barnett Newman befreundet, zieht nach Paris, kennt Sonia Delaunay, malt und konstruiert und malt… und wird über Jahrzehne hinweg von der Kunstwelt schlichtweg ignoriert. Aber sie macht weiter, malt und malt und malt. 1915 wurde Carmen Herrera in Havanna geboren. Und sie musste tatsächlich zunächst stolze 89 (neunundachtzig!) Jahre alt werden, bevor sie ihr erstes Bild verkaufte. Heute ist sie bereits 102, arbeitet noch immer in News York und gilt als eine der Pionierinnen der geometrischen Abstraktion in Amerika.

Die Ausstellung im Düsseldorfer K20 zeigt über 70 Arbeiten Herreras. Malerei, Grafik, Skulptur, die ältesten Werke von 1947, die jüngsten erst 2017 fertiggestellt. Und die Bilder und Skulpuren sind wirklich toll. Oft klar komponierte Farbflächen, meist nur aus zwei Farben bestehend, die mir ihre Signalstärke und Flächigkeit förmlich um die Ohren hauen. Welch eine Energie! Skulpturen, sogenannte „estructuras“, die wie dreidimensional gewordene Bilder aus der Wand wachsen. Und andere, freistehende Skulpturen, die erst heute durch ihre vollkommen plane Lackierung ihre volle Wirkung entfalten (war es Herrera doch offenbar ein Anliegen, den individuellen Pinselstrich aus ihren Arbeiten zu verbannen). Herrera zeigt mit ihrer scharfen Linienführung „klare Kante“, ist sich trotz des fast ein ganzes Leben andauernden „übersehen werdens“ treu geblieben – über so viele Jahre und Jahrzehnte. Wie schön ist es da, dass diese Künstlerin ihren späten Ruhm, ihre Anerkennung noch erleben darf. Und wier schön ist es, dass sie noch immer Werke von großer Kraft schafft. In der Ausstellung ist ein Video zu sehen, das Carmen Herrera bei der Arbeit zeigt. Das spricht Bände. Anschauen! -MM