„KölnSkulptur #8″

„KölnSkulptur #8“
Skulpturenpark Köln
Juni 2015 – Juni 2017

Einer der Eingänge zum Kölner Skulpturenpark: Das Eingangstor samt Zaun ist auch eine Skulptur!
Zaun? Kunst! Schon die beiden großen Eingangstore des Kölner Skulpturenparks sind selber Skulptur (Edith Dekyndt: „The Fences“)! Also: Keine Fahrräder anketten…

Mitten in Köln, eingebettet zwischen großen Straßen, Brücken und Rhein, stellenweise ordentlich beschallt vom Lärm der Autos, da liegt er, der Skulpturenpark Köln. Und doch ist dieses Kleinod eine wunderbare Insel inmitten der städtischen Hektik. 1997 vom inzwischen verstorbenen Sammlerehepaar Dr. Michael und Dr. Eleonore Stoffel gegründet, ist der Park seit vielen Jahren ein Hotspot für internationale Skulptur. Und das Konzept ist spannend: Alle zwei Jahre wird das Gelände neu bespielt mit der Ausstellungsreihe „KölnSkulptur“, aktuell in der achten Auflage. Und es gibt viel zu sehen: Von den bekannten Granitblöcken Ulrich Rückriems über eine „Weinende Frau“ Thomas Schüttes bis zu einem Bronzekopf Per Kirkebys. Santiage Serra ist mit einem großen schwarzen Sichtbetonwürfel („583 Stunden Arbeit“) vertreten, Nina Carnell zeigt einen Strommast, der auf seiner Wiese steht und seiner eigentlichen Funktion beraubt verloren wirkt („Power (Powerless)“). Besonderes Highlight für mich: Dan Grahams „Greek Cross Labyrinth“. Das begehbare Werk entführt den Besucher in eine Welt von Spiegeln, (halb-)transparenten Durchsichten, Einblicken, Aussichten und Selbstbetrachtungen. Jede Menge Potential zur Reflektion in jedem Sinne. Noch bis einschließlich Juni ist die KölnSkulptur #8 zu sehen. Dann wird umgebaut und am 15. Oktober 2017 eröffnet die neunte Ausgabe. Dann sind wieder zwei Jahre Zeit für einen Besuch! -MM

“Skulpturenpark Waldfrieden”

“Skulpturenpark Waldfrieden”
ganzjährig, Dienstags bis Sonntags

Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal
Cragg-Skulptur vor der Villa Waldfrieden in Wuppertal

Es gibt ihn schon fast seit 10 Jahren zwischen den beiden Wuppertaler Stadtzentren Elberfeld und Barmen, den Skulpturenpark Waldfrieden des Britischen Bildhauers Tony Cragg. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie und seines Zeichen Wahlwuppertaler seit nun mehr fast 50 (!) Jahren bezog das 14 Hektar große Waldgelände am Hesselnberg 2008 und präsentiert dort seitdem nicht nur zahlreiche seiner eigenen phantastischen Werke, sondern auch die anderer namhafter Künstler. Beim Spaziergang auf den festgelegten Parkwegen begegnen einem so z.B. auch Arbeiten von Henry Moore (wie immer wundervoll anzusehende, überdimensionale Handschmeichler, die man natürlich auch hier draußen in freier Natur nicht anfassen darf!), Thomas Schütte, Erwin Wurm, Eva Hild, Hede Bühl, Hubert Kiecol, Richard Deacon und Markus Lüpertz. Um keine der aktuell 40 Skulpturen zu verpassen oder sich gar auf dem hügeligen, wirklich nicht kleinen Gelände zu verlaufen, erhält man am Eingang zur besseren Orientierung einen Übersichtsplan. Für Besucher, die mehr Hintergrundwissen zu Park und Kunst wünschen, findet man auf der Internetseite diverse Angebote zu öffentlichen „Rudelführungen“.

Installation von Klaus Rinke in einem der Ausstellungspavillons im Skulpturenpark Waldfrieden
Da tickt die Uhr… Ein Hauptthema Klaus Rinkes ist „Zeit“

Auch gibt es auf dem Arenal zwei moderne Pavillons für Wechselausstellungen – bis zum 25. Juni z.B. bestückt mit Kunst von Klaus Rinke, der fast zeitgleich zu Tony Cragg im Fach Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte.
Ein weiteres architektonisches Highlight im Park: Die unter Denkmalschutz stehende Villa Waldfrieden. Das 1946 von Franz Krause nach den Richtlinien der anthroposophischen Architektur entworfene Gebäude war lange Zeit bis zu seinem Tod im Jahre 1989 das Wohnhaus des über die Stadtgrenzen Wuppertals hinaus bekannten Lackfabrikanten Kurt Herberts. Aus konservatorischen Gründen ist die Villa in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, kann aber heuer z.B. am letzten Juniwochenende im Rahmen des bundesweiten „Tages der Architektur“ nach entsprechender Anmeldung besichtigt werden.
Kurz: Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Der Skulpturenpark Waldfrieden ist zu jeder Jahreszeit ein Besuch Wert! Ein kleiner Tipp: Festes Schuhwerk kann nicht schaden, Wanderschuhe wären aber deutlich übertrieben. -AEK

„von Anfang an – Malerei und Objekte“

„von Anfang an – Malerei und Objekte“
Jobst Tilmann
Galerie Augarde, Daun
23.03. – 06.05.2017

Jobst Tilmann in Daun: Die Galerie Augarde im Eifelstädtchen hat einiges zu bieten!
Jobst Tilmann in Daun: Die Galerie Augarde im Eifelstädtchen hat einiges zu bieten!

Klein und fein ist sie, die Galerie Augarde im beschaulichen Eifelstädtchen Daun. Und es gibt immer mal wieder etwas zu entdecken. Zum Beispiel die schöne Ausstellung „von Anfang an“ mit Arbeiten von Jobst Tilmann, gebürtiger Niedersachse und lange Jahre Dozent an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim. Zu sehen sind Paperarbeiten, Malerei und Wandobjekte aus den letzten zehn Jahren. Und die stehen alle im Austausch miteinander. Aus Gouache und Tusche kombinierte, oft organische Formen auf Büttenpaper winken herüber zu teils ebenso dunklen, teil farbenfrohen Karton- oder Polsterobjekten, die die Formen der Papierarbeiten aufnehmen und umgekehrt. Groß- und kleinformatige Acrylmalereien stoßen dazu. Auf ihnen immer wieder farbige Bereiche, die sich ihren Weg durch ein großflächiges Neutralgrau erkämpfen und so erst recht aufleuchten. Noch bis zum 06. Mai ist die Ausstellung in Daun zu sehen. Wer’s nicht mehr schafft: Auch ein Blick auf die Website von Jobst Tilmann lohnt sich für einen ersten Eindruck! -MM

„Otto Dix – Der böse Blick“

„Otto Dix – Der böse Blick“
K20 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
11.02 – 14.05.2017 -> verlängert bis zum 28.05.17

...und am Ende der Straße: Dix im K20
…und am Ende der Straße: Dix im K20

Viel treffender kann man eine Ausstellung wohl nicht betiteln. So böse, wie Otto Dix sich auf seinen Selbstporträts dreinschauen lässt, so böse schauen immer wieder die Menschen auf seinen Bildern. Da schaut einer mit bewusst bösem Blick, um hineinzuschauen ins menschliche Seelenleben, in Untiefen und Wunschträume, aber auch in die dreckige Wirklichkeit mit Lust und Schmutz und Krieg, Huren, Künstlern, verstümmelten Veteranen. Einer, der bewusst provozieren will. Und all dem kann man sich kaum entziehen. Wie ist es nur möglich, mit zartesten Aquarellfarben (ja: ein toller Aquarellist war er, der Herr Dix!) wildeste Deftigkeiten und grausamste Morde aufs Papier zu streichen? Und Ölgemälde, bei denen man sich fragt, ob man selber wohl gerne auch von Dix gemalt worden wäre, oder ob man eher Angst vor dem wahrscheinlich nicht vorteilhaften, aber doch treffenden Ergebnis hätte. Ein Ergebnis, das manches Mal sicher irgendwie entstellt, aber immer weit weg von der Karikatur ist. Nur vier Jahre verbrachte Dix in Düsseldorf, und genau dieser Zeit widmet sich die Ausstellung im K20. Das aber mit ungefähr 200 (!) Gemälden, Grafiken und Aquarellen. Eine beeindruckende Schaffenskraft, die da aufleuchtet. Überhaupt: Voller Kraft sind sie alle, diese gezeigten Werke. Oft auch voller Wut, voller Trauer und voller Krieg. Da reicht eigentlich ein einziges Wort aus: Beeindruckend. Wer es nicht nach Düsseldorf schafft: vom 23.6. bis zum 15.10.17 geht es in der Tate Liverpool weiter. -MM

„Paloma Varga Weisz“

„Paloma Varga Weisz“
Thomas-Schütte-Stiftung
21. April – 12. August 2017

Beulenmann und kleiner Hirsch - Paloma Varga Weisz in der Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung
Beulenmann und kleiner Hirsch – Paloma Varga Weisz in der Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung

In Thomas Schüttes Skulpturenhalle stellt mit Paloma Varga Weisz eine Künstlerin aus, die genau wie Schütte selber großes Augenmerk auf figürliche Skulpturen legt. Groteske Menschen mit Vogelkopf, „Beulenmänner“, deren Körper mit einer Art Geschwüren übersät zu zerfließen scheinen, eine hängende Frau, die in der Halle schwebt. Geradezu phantastische Welten tun sich da auf. Nicht zu vergessen die filigranen Zeichnungen im kleinen Ausstellungsraum hinter dem Kassenbereich, die ebenso skurril faszinierend daherkommen. Die Ausstellung ist spannend und verstörend zugleich. Schön (und außergewöhnlich!), dass man als Besucher den zur Ausstellung erschienenen Katalog direkt beim Ticketkauf (5 Euro) dazubekommt. Da kann man nochmals mit Freude nachblättern, die guten Fotos der Werke und Ausstellungsansichten betrachten und in Ruhe sinnieren. -MM

„Thousand Suns for a Lonely Man“

„Thousand Suns for a Lonely Man“
Carolin Eidner
Langen Foundation, Neuss
08. April – 20. August 2017

Links Eidner, rechts japansiche Kunst: Flyer der aktuellen Ausstellungen in der Langen Foundation in Neuss
Links Eidner, rechts japansiche Kunst: Flyer der aktuellen Ausstellungen in der Langen Foundation in Neuss

Raumtausch in der Langen Foundation! Während Teile der hauseigenen Sammlung japanischer Kunst lange Zeit – nomen est omen – im Japanraum des immer wieder atemberaubenden Gebäudes von Tadao Ando zu sehen waren, sind diese nun (natürlich viel umfänglicher) in den großen Ausstellungsräumen gelandet. Der Japanraum jedoch beherbergt nun mit der Ausstellung „Thousand Suns for a Lonely Man“ Werke der in Düsseldorf lebenden Künstlerin Carolin Eidner. Die ehemalige Studentin von Rosemarie Trockel zeigt Wandobjekte aus pigmentiertem Gips, die daherkommen als seien sie massive Keilrahmen, die gleich Laubsägearbeiten ausgeschnitten wurden und auf denen sich fast reliefartig Farbschichten herausschälen. Dazu kommen skulpturale Bodenarbeiten aus gestapelten farbigen Glasplatten, die zum Teil geradezu architektonisch anmuten. Glatte, spiegelnde Oberflächen zeigen sich hier im Kontrast zu den matten Gipsarbeiten und ihrer rauen Oberfläche. Und all das noch bis zum 20. August! -MM

„Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus“

Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus
Museum Ludwig, Köln
18. Februar – 14. Mai 2017

Freundliche Farben, tragisches Ende: Die Otto-Freundlich-Retrospektive in Köln ist eine wirklich umfassende Schau zu Leben und Werk des Künstlers.
Freundliche Farben, tragisches Ende: Die Otto-Freundlich-Retrospektive in Köln ist eine wirklich umfassende Schau zu Leben und Werk des Künstlers.

Die große Retrospektive eines Mannes, dessen Werk lange Zeit nur wenig präsent schien in der Öffentlichkeit, zeigt das Museum Ludwig in Köln. Es geht um Otto Freundlich, abstrakter Künstler des 20. Jahrhunderts, Maler, Bildhauer, Erschaffer von Mosaiken und Fenstern. Von den Nazis als „entartet“ gebranntmarkt und 1943 in einem KZ ermordet. Einer der ersten, in den Worten der Kuratorin auch „der originellsten Abstrakten“. Und eine lehrreiche und sehenswerte Ausstellung, die mit Hilfe von rund 80 Ex­po­nat­en Werk, Denken und Leben Freundlichs skizziert. Freundlich, so die Ausstellungsmacher auf der Museumswebsite, verstand Abstraktion „als Aus­druck ein­er radikalen Neuerung, die weit über die Kunst hi­naus­ging. Die gekrümmten Flächen sein­er Gemälde re­flek­tieren et­wa das Raumkonzept der Physik Al­bert Ein­steins, mit der er früh ver­traut war. Die Über­win­dung der Ge­gen­ständlichkeit hat aber auch eine soziale Di­men­sion. Für Fre­undlich war alle dingliche Wahrneh­mung von Be­sitz­denken durch­drun­gen und damit über­holt.“ Das lässt sich in der Ausstellung gut verfolgen und nachvollziehen. Und gleichzeitig kann man sich hineinziehen lassen in die wunderbare strahlende Farbigkeit von Freundlichs Kompositionen. Ein großer Schatz, den das Museum Ludwig da aus unzähligen Leihgaben zusammengetragen hat. Zu spät für einen Besuch in Köln? Der kosmische Kommunismus geht weiter im Kunstmuseum Basel vom 10. Ju­ni bis zum 10. Septem­ber 2017! -MM

“Gerhard Richter – Neue Bilder”

“Gerhard Richter – Neue Bilder”
Museum Ludwig, Köln
09.02.2017 – 01.05.2017

Ludwig auf Gerhard: Der Ausstellungsflyer unterm Eintrittsticket zeigt ein "Abstraktes Bild" (WV 946-1) aus dem Jahr 2016
Ludwig auf Gerhard: Der Ausstellungsflyer unterm Eintrittsticket zeigt ein „Abstraktes Bild“ (WV 946-1) aus dem Jahr 2016

„Neue Bilder“ im wahrsten Sinne des Wortes gibt es aktuell in Köln zu bestaunen – und das von keinem geringerem als von Gerhard Richter, dem derzeit teuersten lebenden Gegenwartskünstler.
Das Museum Ludwig zeigt 26 bislang noch nie gezeigte Arbeiten des nunmehr 85jährigen, allesamt entstanden im Jahr 2016 und allesamt absolut „richteresk“: wunderbar abstrakt und von einer brillanten Farbigkeit.
Wie schon zuvor verarbeitet Richter bei diesen neuen Werken die Ölfarbe nicht allein klassisch mit einem Pinsel, sondern auch mit Messern, Spachteln und Rakeln. Und wie immer frage ich mich: wie schafft er es, all diese zahlreichen Farbschichten so aufzutragen, daß sie nicht „matschig“ aussehen bzw. ein neutrales „Mischgrau“ ergeben? Wo man hinschaut leuchtende Farbpartien vornehmlich in blau, rot, gelb, grün und rosa!
Spontan fallen mir bei drei nebeneinander hängenden großformatigen Bildern sogar die Seerosenbilder von Claude Monet ein. Aber vielleicht habe ich da in die abstrakten Bilder zuviel hineininterpretiert…
Neben diesen Neuigkeiten nutzt man in Köln die Chance, viele bedeutende Richter-Werke aus dem rund 50 jährigen Sammlungsbestand zu präsentieren. So gibt es ein freudiges Wiedersehen mit Richters Ex-Frau Ema („Akt auf einer Treppe“) und mit den „48 Portraits“ – allesamt historische männliche Persönlichkeiten wie z.B. Komponisten, Philosophen, Schriftsteller und Wissenschaftler, die der Künstler für den deutschen Pavillon der Venedig Biennale im Jahr 1972 malte. (Wäre schon mal spannend zu wissen, wieso Richter hier keine Frauen miteinbezogen hat…). Und immer wieder faszinierend ist für mich die imposante, fragile Skulptur „11 Scheiben“, die seit 2003 ihren ständigen Platz im Museumsfoyer gefunden hat.
Ach ja, was mir spontan bei der Kombination „Richter/Köln/Glas“ noch einfällt: Seit mehr als 10 Jahren gibt es im Kölner Dom ein 113 m² großes Fenster bestehend aus 11500 Glas-Quadraten in 72 unterschiedlichen Farben, das seine Optik je nach Wetterlage und Lichteinfall ändert. Einfach göttlich! Unbedingt ansehen. AEK

„Die Grosse Kunstausstellung NRW 2017“

„Die Grosse Kunstausstellung NRW 2017“
Museum Kunstpalast
19. Februar – 12. März 2017

"Grosse" Kunst in Düsseldorf: Ein "Systemmer" von David Fried umgeben von Kollegen
„Grosse“ Kunst in Düsseldorf: Ein „Systemmer“ von David Fried umgeben von Kollegen

Alle Jahre wieder – das hört sich nach langweiliger Routine an. Aber mitnichten! „Die Grosse“ ist immer wieder ein Highlight im Düsseldorfer Kunstbetrieb. Bekannte und weniger bekannte Künstler, junge und alte, Bildhauer, Maler, Fotografen. Ein großer Genuss für Auge, Herz und Hirn. Und eine große Versuchung, sind doch fast alle ausgestellten Arbeiten käuflich. Hier stellen wirklich sehr viele tolle Künstlerinnen und Künstler aus – es gibt jede Menge zu sehen.

Sofort begeistern mich zum Beispiel einige orangerote Skulpturen, filigrane Geflechte, die wie Seifenblasen-Skelette fast schwebend den Boden kaum berühren. Mir kommen die „In Bed with Lucy and Dolly“ Arbeiten von David Fried in den Sinn (tatsächlich Photogramme von Seifenblasen) – und wirklich: Treffer! Die „Systemmer“ Skulpturen sind von Fried. Und am liebsten würde ich eine mitnehmen. Aber da reichen weder Platz noch Geldbeutel…

Und dann ist da „City Squash“, die fantastische Fotografie eines Squash Courts von Bianca Voss. Wand, Boden, Spielfeldlinien bilden eine sehr grafische Komposition. Die durch abertausende Ballberührungen abgenutzte Wand lässt einen das trockene „Plock“ unzähliger Spiele geradezu hören. Trotz Leere und Abwesenheit ist die Aura der Spieler noch deutlich da. Schönheit und Tristesse… Das ist wunderbar!

Oder die Arbeit „Casa“ von Christine Erhard, die wie eine Kombination aus Fotografie und Grafik wirkt, den Betrachter in verrätselte Architekturen und Geometrien zieht. Ich finde Linien und Flächen, suche nach dem Abbild einer Fassade? Eines Innenraumes? Da hat man lange zu schauen.

Kurz und gut: „Die Grosse“ ist immer wieder toll. Nicht verpassen. Und auch für 2018 schon rot im Kalender ankreuzen! -MM

„Tony Cragg: A Rare Category of Objects“

Tony Cragg: A Rare Category of Objects
Yorkshire Sculpture Park, Wakefield
04.03. bis 03.09.2017

Wuppertal? Wakefield! Cragg Skulpturen im Yorkshire Sculpture Park
Wuppertal? Wakefield! Cragg Skulpturen im Yorkshire Sculpture Park

Der Brite Tony Cragg ist ja nicht nur international bekannter Bildhauer, sondern gerade aus der Region rund um Düsseldorf nicht mehr wegzudenken. Der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie residiert schon seit vielen Jahren in Wuppertal, wo er einen wunderbaren Skulpturenpark rund um das Haus Waldfrieden eingerichtet hat. Immer einen Besuch wert! Und nun startet die bislang größte Tony Cragg Ausstellung im Vereinigten Königreich, seiner alten Heimat. Wir hatten das große Glück, beim Besuch des Yorkshire Sculpture Parks schon vor der Eröffnung viele Exponate anschauen zu können, zum Teil auch den Aufbau mitzuerleben. Das ist schon beeindruckend, wenn meterhohe Großskulpturen per Lastenkran mit größter Vorsicht vom Hänger gehievt werden. Apropos beeindruckend: Die Cragg Arbeiten finden im Yorkshire Sculpture Park eine wirklich tolle Heimat auf Zeit. Mitten im ländlichen Teil West Yorkshires gelegen und bereits vor 40 Jahren eröffnet, bietet dieser erste permanente Skulpturenpark Englands eine atemberaubende Szenerie. Hügel, Seen, Wälder – wunderbar.

Keine leichte Sache: Craggs Großskulpturen beim Aufbau der Aussenausstellung im YSP
Keine leichte Sache: Craggs Großskulpturen beim Aufbau der Aussenausstellung im YSP

Und darin zu finden sind Skulpturen von Weltgrößen wie Henry Moore und Barbara Hepworth (beide mit starkem Bezug zur Region) bis hin zu ganz aktuellen Arbeiten zum Beispiel von Julian Opie, der in einer seiner LED Skulpturen ein stilisiertes Pferd durch die Landschaft galoppieren lässt. Und nun also bis September Tony Cragg ganz umfassend mit einer Vielzahl von Werken. Organische Säulen winden sich gen Himmel, wundersame Wesen ducken sich in Hecken, majestätisch wirkende Formationen thronen auf Hügelkuppen. Und in der „Underground Gallery“, einem der Indoor-Ausstellungsplätze im Park, sind weitere, meist kleinere (nun ja, zumindest im Vergleich) Skulpturen zu finden. Das hilft natürlich auch, wenn’s regnet ;-). So oder so: Cragg und der „YSP“ passen perfekt zusammen. Materialität, Landschaft, organische Formen und eine gewisse Einzigartigkeit. Wie schön. -MM