„gute aussichten 2016/2017: junge deutsche Fotografie“

gute aussichten 2016/2017: junge deutsche Fotografie
NRW Forum, Düsseldorf
19.11.2016 – 15.01.2017

Eröffnung der Ausstellung "gute aussichten 2016/2017"
Gute Aussichten für Düsseldorf und die junge deutsche Fotografie: Volles Haus bei der Eröffnung von „gute aussichten 2016/2017″ im NRW Forum

Schon zum 13. Mal wird unter dem Label „gute aussichten“ junge deutsche Fotografie präsentiert. Eine Fachjury aus Fotoexperten verschiedenster Couleur, immer wieder auch prominente Namen (diesmal zum Beispiel die wunderbare Herlinde Koelbl; wir haben hier im Blog ihre Retrospektive in Oberhausen besprochen), kürt die Abschlussarbeiten von Absolventinnen und Absolventen deutscher Foto-Hochschulen. Und dann gehen die Arbeiten auf Tour, nicht nur durch die deutschen Top-Museen für Fotografie, sondern auch an internationale Ausstellungshäuser. Hier im artreview Blog haben wir schon über die guten aussichten Nummer 11 (2014/2015) berichtet, bei denen ich erstmals auf die wunderbaren Fotografien von Andrea Grützner (unbedingt anschauen!) gestoßen bin.

Nun aber heißt es erstmals: Auftakt von „gute aussichten“ im Düsseldorfer NRW Forum. Das gefällt mir natürlich nicht nur, weil es sich hier um eine wirklich gute Adresse für Fotografie handelt, sondern (nicht ganz uneigennützig) auch, weil ich das NRW Forum in wenigen Minuten erreichen kann. So nehmen wir die freundliche Einladung der Ausstellungsmacher zur Eröffnung also nur zu gerne an – und das hat sich mehr als gelohnt!

Sieben Preisträgerinnen und Preisträger zeigen eine große Palette von Fotokunst in ihrer ganzen Vielfalt. Der rote Faden? „Das Fremde im Eigenen und das Eigene im Fremden entdecken“, wie es die gute aussichten Macher selber beschreiben. Und das trifft es gut: Die einen reisen für ihre Aufnahmen in die Fremde, um dort als Fremde selbige zu erfahren. Andere bringen die eigene, ihnen innewohnende Fremde aufs Fotopapier. Wieder andere erforschen das Fremde vor der eigenen Haustür.

Foto Julia Steinigeweg, Ein verwirrendes Potenzial, www.guteaussichten.org
Foto Julia Steinigeweg, Ein verwirrendes Potenzial, www.guteaussichten.org

Zu den letztgenannten gehört die Fotografin Julia Steinigeweg, die die Arbeiten ihrer Serie „Ein verwirrendes Potenzial“ zeigt. Aber was genau sehe ich da eigentlich? Einzelporträts, die Hinterköpfe im Anschnitt zeigen? Dann wieder Menschen, die in äußerst stillen Momenten innige Zweisamkeit teilen? Ein Baby? Erst auf den zweiten Blick entdeckt man das Geheimnis der Bilder: Immer ist ein Protagonist eine Puppe. Lebensecht, realistisch. Und das ist der Moment, in dem es einen packt. Bilder von großer Zärtlichkeit, die sich da zwischen Mensch und Puppe abspielt. Und gleichzeitig strahlt eine immense Einsamkeit aus den Bildern. Eine Geborgenheit, die zugleich ein Stück Trostlosigkeit spiegelt. Irgendetwas dazwischen. Eine Puppe als Partner? Eine Puppe als Babyersatz? Und all das in Bildkompositionen, die zum Teil geradezu malerisch, dann wieder fast grafisch daherkommen.

Im Gespräch sagte mir Julia Steinigeweg, dass sie für ihre Darstellung durchaus auch kritisiert würde, dass man ihr beispielsweise vorgeworfen habe, in ihren Bildern keine klare Haltung zu zeigen. Dem wäre einiges entgegenzusetzen.

Julia Steinigeweg dokumentiert, ohne Dokumentarfotografie zu machen. Sie setzt künstlerisch in Szene, komponiert und verdichtet Bilder. Bilder, die den Betrachter fesseln, verwirren, vielleicht anstoßen zu weiteren, eigenen Gedanken. Über das Fremde und das Eigene. Und bei all dem ist der Blick der Fotografin durch großen Respekt gegenüber ihrem Sujet und den gezeigten Menschen gekennzeichnet. Etwas verstörend und sehr berührend. All das kann man übrigens auch zu Hause erkunden: „Ein verwirrendes Potenzial“ ist auch als wirklich schön gemachtes Buch bei Peperoni Books erschienen.

Neben Julia Steinigeweg von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg wurden sechs weitere Fotografinnen und Fotografen prämiert. Jede einzelne dieser Abschlussarbeiten ist sehenswert, und wenn ich schon nicht auf alle eingehe, sollen hier zumindest auch die weiteren Preisträger/innen genannt werden:

  • Miia Autio // Variation of White // Fachhochschule Bielefeld
  • Chris Becher  // Boys // Kunsthochschule für Medien Köln
  • Carmen Catuti // Marmarilo // Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Andreas Hopfgarten // Die Weltesche Yggdrasil oder die Suche nach einer verlorenen Erinnerung // Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
  • Holger Jenss // Last Chance Junction // Kunsthochschule Kassel
  • Quoc-Van Ninh // Tenebrae // Hochschule für Künste Bremen

Nach dem Auftakt in Düsseldorf stehen für den aktuellen Ausstellungszyklus von gute aussichten 2016/2017 schon Hamburg, Nicosia, Mailand und Koblenz fest. Weitere Orte werden folgen – ein regelmäßiger Blick auf die gute aussichten Website hilft weiter. Es gibt also noch viele Möglichkeiten, diesen tollen Einblick in die junge deutsche Fotoszene zu entdecken. Nicht entgehen lassen! -MM

“Francis Bacon. Unsichtbare Räume”

Francis Bacon. Unsichtbare Räume
Staatsgalerie Stuttgart
07. Oktober 2016 bis 08. Januar 2017

nur nicht aus dem Rahmen fallen: das Plakat für die Bacon-Ausstellung vor der Staatsgalerie Stuttgart
nur nicht aus dem Rahmen fallen: das Plakat für die Bacon-Ausstellung vor der Staatsgalerie Stuttgart

„Wow, was für Bilder!“ – so mein erster Gedanke beim Betreten der Sonderausstellung „Francis Bacon. Unsichtbare Räume“ in der Staatsgalerie Stuttgart. Vom ersten Augenblick an werde ich direkt in die 40 meist großformatigen Gemälde hineingezogen. Sie machen aus mir unverzüglich eine Art Voyeur, der Bacons Figuren wie Tiere im Käfig oder Kämpfer im Ring beobachtet. Ich schau auf Leidende, meist Nackte mit geschundenen Körpern und verzerrten Gesichtern, einsam oder eng umschlungen zu zweit. Ganz nah und intensiv.
Und genau das hat Francis Bacon wohl auch so gewollt: nur allzu akribisch plante er den Aufbau seiner Bilder inklusive der Platzierung seiner Protagonisten im Bildraum. Oft sind das Menschen aus Bacons Alltag: Bekannte, Freunde oder Liebhaber. Hat er sie überhaupt gemocht? Oder gar geliebt? Wieviel Leid haben sie ihm gebracht? Manchmal malt Bacon auch sich selber. Wäre er gerne ein Anderer gewesen? Was dachte und/oder fühlte Bacon beim Malen seiner Bilder? All das sind Fragen, die mir beim Anschauen der Bilder spontan durch den Kopf gehen.
Ein paar Antworten und Hintergrundinformationen erhalte ich in dem die Ausstellung begleitenden Film – ein wirklich sehenswertes filmisches Portrait des großartigen irischen Malers in Form eines Interviews.
Zudem sieht man einige Fotos aus Bacons Londoner Atelier und Wohnung in der Reece Mews Nr. 7, South Kensington – Chaos pur und alles andere als „akribisch“! Das Atelier wurde übrigens im Jahre 1988 – also bereits 4 Jahre vor Bacons Tod – abgebaut, nach Dublin transportiert und in der Dublin City Gallery The Hugh Lane durch ein Team von Restauratoren, Archäologen und Kuratoren wieder aufgebaut. Hört sich doch nach einem „Must“ für die nächste Dublin-Städtetour an, oder? -AEK.

„Saul Leiter: Retrospektive“

Saul Leiter: Retrospektive
Saul Leiter
FOMU – Fotomuseum Antwerpen, Belgien
28.10.2016 – 29.01.2017

Das Fotomuseum Antwerpen
Schmökerstunde vor dem Antwerpener FOMU: Wer nicht draußen lesen mag, kann auch drinnen Fotos gucken…

Früheste künstlerische Farbfotografie? Da fallen einem wahrscheinlich William Eggleston ein und Stephen Shore. Schnell ist das ganze dann in etwa in den 1970er Jahren verortet. Und dann stößt man plötzlich auf Saul Leiter und muss das Prädikat „Pionier der Farbfotografie“ in seine Richtung verschieben. Schon ab 1946 nutzte der US-Amerikaner auch (in der Fotokunst zu dieser Zeit durchaus verpönte) Farbfilme für seine künstlerischen Aufnahmen und schuf ein großartiges Werk: Vornehmlich New York Street Photography, die auf fast abstrakte Bildkompositionen mit beeindruckenden Farbakzenten setzt. Immer wieder Straßenszenen von Menschen in Wind und Wetter, halb verdeckt durch ganze Vorhänge von fallenden Schneeflocken, fotografiert durch beschlagene Fenster und verzerrende Spiegel. Die Ausstellung im Antwerpener FOMU zeigt neben den beeindruckenden Farbfotografien auch Schwarz-Weiß-Arbeiten sowie Gemälde und Übermalungen des Künstlers. Leiter nämlich hat sich klar sowohl als Fotograf und als Maler gesehen. Noch eine Überraschung also. Und zwar eine unbedingt sehenswerte! Eine Leiter Retrospektive gab es übrigens schon 2012 in den Hamburger Deichtorhallen (was leider an mir vorbeigegangen ist, aber Antwerpen hat das ja geradegerückt…). Zur Hamburger Ausstellung ist ein schöner Katalog im Kehrer Verlag erschienen, der weiterhin im Buchhandel erhältlich ist. -MM

„MACBA Collection 31“

MACBA Collection 31
MACBA – Museu D’Art Contemporani de Barcelona, Spanien
17.06.2016 – Juni 2017

Kunst im kurvenreichen Richard Meier Bau: Das MACBA in Barcelona
Kunst im kurvenreichen Richard Meier Bau: Das MACBA in Barcelona

Ein weißer Bau von Richard Meier, der sich kräftig von den umliegenden Gassen abhebt – so setzt das Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona schon architektonisch ein zeitgenössisches Ausrufezeichen (und bietet gleichzeitig auf dem Vorplatz reichlich Raum für ebenfalls sehr zeitgenössische Skater, denen man prima zuschauen kann). Aber hier soll es ja um das Innenleben gehen – also nichts wie rein!

Erfahrung, Zeit und Konflikt – das sind die drei Hauptthemen, mit denen sich die Ausstellung „MACBA Collection 31“ beschäftigt. Und dabei setzt man ausschließlich auf Werke aus der hauseigenen Sammlung. Motto: Die eigene Sammlung ist der Kern für die Identität eines Museums und bestimmt gleichzeitig dessen Fähigkeit, mit der Gegenwart zu korrespondieren, mit künstlerischen Positionen Fragen aufzuwerfen, manchmal auch Antworten, immer jedoch Denkanstöße zu geben. Und das gelingt: Über 80 Werke von 50 Künstlern aus fünf Jahrzehnten werden präsentiert und beleuchten auf vielfältige Weise grundlegende, teils archaische, immer aber auf eigene Art aktuelle Themen. Auf den Punkt bringt das zum Beispiel eine wunderbare Installation von Hans-Peter Feldmann, in der 100 Porträt-Fotografien chronologisch in einem Raum angeordnet sind. Jedes Foto zeigt ein anderes Familienmitglied, jedes steht für ein Lebensjahr. So betrachtet man Menschen im Alter von 0 bis 100 Jahren, verfolgt das Nebeneinander der Generationen und auch das grundsätzliche Älterwerden, die Vergänglichkeit, aber auch den Neuanfang. In der Mitte des Raumes steht ein Blumenstrauß in einer Vase und verwelkt langsam. Pathetisch? Vielleicht, aber wirksam. Ich habe mich lange in diesem Raum aufgehalten. Einen Eindruck der gesamten Ausstellung (auch des Feldmann-Raumes) kann man sich übrigens online verschaffen: Auf der MACBA-Website findet sich unter „Explore the exhibition at home “ ein Link zur virtuellen Tour (hier im Blog natürlich auch)! -MM

Kunstmuseum Gelsenkirchen

Kunstmuseum Gelsenkirchen
Dauerausstellung

Gelungene Kombination aus "alt" und "neu": das Museum Gelsenkirchen an der Horster Straße in Buer
Gelungene Kombination aus „alt“ und „neu“: das Museum Gelsenkirchen an der Horster Straße in Buer

Dass Gelsenkirchen einen Fußballclub hat, das weiß jedes Kind. Dass es dort aber auch ein wirklich tolles Museum gibt, das wissen scheinbar nur Wenige. Denn wann immer Marcus und ich in den letzten Jahren dort waren, gab es neben uns – wenn überhaupt – lediglich eine Handvoll anderer Besucher. Und das bei freiem Eintritt!
Das Kunstmuseum Gelsenkirchen ist ein städtisches Museum mitten im Zentrum von Gelsenkirchen-Buer, nur knapp 3 km entfernt von der Wirkungsstätte des legendären FC Schalke 04. Schon das Museumsgebäude selber ist spannend: eine stattliche alte Gründerzeitvilla, verbunden mit einem recht großen modernen Anbau im Stil der 80er. Geboten wird ein reichhaltiges Kunst-Potpourri von der klassischen Moderne bis hin zu Arbeiten aus jüngster Zeit. Hier ein paar Namen der ausgestellten Künstler: Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Lovis Corinth, Emil Nolde, August Macke, Karl-Schmidt-Rottluff, Laszlo Moholy-Nagy, Victor Vasarely, Max Ernst, René Magritte, Emil Schumacher, Karel Appel, Hans Hartung, Ad Reinhardt, Andy Warhol, Heinrich Siepmann, Gerhard Richter, Konrad Klapheck, Carlos Cruz-Diez, Norbert Thomas und Udo Dziersk.
Zudem gibt es eine umfangreiche, wirklich wundervolle Sammlung Kinetischer Kunst! Die bekanntesten Vertreter hier sind sicherlich die Künstler der deutschen Gruppe ZERO – Günther Uecker, Heinz Mack und Otto Piene – sowie der Italiener Gianni Colombo. Nicht wenige der Werke sind elektrisch betrieben: sie ändern ihr Aussehen, ihre Farbe und/oder geben Geräusche von sich. Mein persönliches Highlight: ein Objekt des New Yorker Konzeptkünstlers David Fried – ein Tisch, auf dem sich Kugeln wie von Geisterhand lautlos fortbewegen. Versprochen: der Gang durch diesen Teil der Ausstellung ist wirklich alles andere als langweilig!
Übrigens: Sehenswert in Gelsenkirchen ist auch das Musiktheater Gelsenkirchen! Es zählt zu den herausragenden Bauten deutscher Nachkriegsarchitektur und beherbergt u.A. große monochrome Bildtafeln und Schwammreliefs von Yves Klein in strahlendem Ultramarinblau und zwei Mobiles von Jean Tinguely. -AEK

„Andreas Gursky: nicht abstrakt“

Andreas Gursky: nicht abstrakt
Andreas Gursky
K20 – Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
02.07. – 06.11.2016

Interviewheft Andreas Gursky / Marion Ackermann
Sonnige Landschaft: Das für einen Euro zu habende Interview von Marion Ackermann mit Andreas Gursky zeigt auf dem Titel die aktuelle Arbeit „Les Mées“ (2016)

Neue Gursky-Arbeiten in Düsseldorf – das ist für Foto-Liebhaber und Freunde der Düsseldorfer Schule natürlich ein Muss. Und durchaus eine lohnende Sache, werden im K20 doch einige Arbeiten zum ersten Mal überhaupt präsentiert, die zudem eigens für diese Ausstellung und die entsprechende Raumsituation erstellt wurden. (Abstrakte?) Tulpenfelder, weite Hügel, die von Solarpanels überzogen sind, Warenlager in riesigen Formaten und all das begleitet (das gab’s bei Gursky auch noch nie) von einer Soundinstallation des Kanadiers Richie Hawtin (eine schöne zusätzliche Ebene zu den Bildern). Auch das Konzept, neben einem reinen „Gursky-Saal“ noch verschiedene seiner Fotografien in die Sammlungsräume des K20 zu integrieren und sie mit ganz unterschiedlichen Werken anderer Künstler in Dialog treten zu lassen, hat mir gut gefallen. Einziger Wehrmutstropfen: Ich hätte mir mehr Fläche gewünscht. Die Ausstellung ist toll, aber überschaubar. Und der Gedanke, weitere Fotografien in den großen Sälen im K20-Erdgeschoss zu sehen, wäre doch wirklich zu verlockend gewesen. -MM

“Alberto Burri: Das Trauma der Malerei”

“Alberto Burri: Das Trauma der Malerei”
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21 Ständehaus
05. März bis 03. Juli 2016

Alberto Burri im Untergeschoss des Düsseldorfer Staendehauses
Alberto Burri im Untergeschoss des Düsseldorfer Staendehauses…

Die meisten denken bei „großartige italienische Kunst“ sicherlich zuerst an das Werk Leonardo da Vincis, Raffaels oder Sandro Botticellis – mir, als Fan der gegenstandslosen Malerei, fallen hierbei sofort Lucio Fontana, Piero Manzoni und Alberto Burri ein.
Letzterer wäre letztes Jahr 100 Jahre alt geworden – Grund genug für die Kunstsammlung NRW, gemeinsam mit der New Yorker Solomon R. Guggenheim Foundation die Retrospektive „Alberto Burri: Das Trauma der Malerei“ auf die Beine zu stellen.
Statt mit traditioneller Ölfarbe auf Tafelbildern überzeugt Burri mit informeller Kunst aus unterschiedlichsten Materialkombinationen: für seine meist dreidimensionalen collagenartigen Arbeiten verwendet er z.B. Lack, Teer, Bitumen, Emailfarbe, erhitzte Ölfarbe, Schellack, Vinavil, Bimsstein, Sand, Blattgold, Nägel, Holzfurnier, Papier, Textilien und/oder Kunststofffolie, und das auf eher unüblichen Untergründen wie Eisenblech, Cellotex oder Sackleinen. Statt „nur“ gemalt wird bei Burri vor allem montiert, gebrannt, genäht und geschweißt. Das Ergebnis: meist großformatige individuelle Werke mit dem farblichen Schwerpunkt Weiß – Rot – Ocker – Braun – Schwarz. Wirklich traumhaft und ein absolutes Muss für Liebhaber des Informell! -AEK

„No Limits“

No Limits
Mario Testino
Kunstforeningen GL Strand, Kopenhagen, Dänemark
13.05. – 18.09.2016

Mario Testino im GL Strand, Dänemark
Mit dem Fahrrad an den „Strand“: Mario Testinos Fotografien werden im Kunstverein Gamle Strand im Kopenhagener Stadtzentrum gezeigt.

Auf sechs bis acht Ausstellungen pro Jahr bringt es die „Kunstforeningen“ (was ungefähr Kunstverein/Kunstgesellschaft bedeutet) inmitten der Kopenhagener City. Und noch bis bitte September hat man sich für Mario Testino entschieden, zeitgenössicher Fotograf, sowohl bekannt für seine Titelseiten bekannter Modemagazine, für seine Aktaufnahmen und auch für seine Bilder diverser „Royal Families“, sei es aus Schweden, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden oder natürlich UK. Das ist mal in der Tat eine große Bandbreite. Und definitiv schön anzuschauen. Nach eigener Aussage kommt es Testino beim Fotografieren auf den „speziellen Moment“ an. Da verzichtet er gerne schon mal auf die hundertprozentige theoretische Perfektion, wenn im Bild stattdessen der „Funke überspringt“. Das kann durchaus bei Aufnahmen sein, die nach dem eigentlichen Shooting zustande kommen. Oder natürlich immer wieder bei seiner leidenschaftlich betriebenen „Street-Photography“, die in der Ausstellung jedoch leider nicht auftaucht. Auf der anderen Seite sieht man vielen der Bilder an, wie aufwändig sie produziert sind, wie viel Planung dahintersteckt. Vielleicht ist es gerade die Mischung von geplanter Inszenierung und Gespür für den Moment, die Testinos Bilder auszeichnet. Und plötzlich kann auch ein offizielles Portrait eines Thronfolger-Paares ein Stückchen Gefühl vermitteln. Ist doch schön, oder? -MM

Design Museum Danmark, Kopenhagen

Design Museum Danmark, Kopenhagen, Dänemark
permanent

Das Design Museum Danmark ist so gross, dass es nicht aufs Foto passt :-)
Das Design Museum Danmark ist so gross, dass es nicht aufs Foto passt :-)

Natürlich gibt es in Kopenhagen auch ein Designmuseum! Man findet es rund 1 km entfernt vom königlichen Schloss Amalienborg im Royal Frederik´s Hospital, dem ersten öffentlichen Krankenhaus Dänemarks.
Für mich sehr überraschend: Das Design Museum Dänemark feierte letztes Jahr bereits seinen 125. (!) Geburtstag, wobei von Anfang an der Sammlungsschwerpunkt des Hauses nicht nur auf einheimischem Design, sondern auch auf Angewandter Kunst aus Japan lag. Zeugnis dafür sind z.B. die vielseitigen Exponate der Dauerausstellung „Learning from Japan“, die Werke aus beiden Ländern direkt gegenüberstellt.
Modefreaks empfehlen wir auf jeden Fall auch den Part „Fashion & Fabric“,  der – wie sollte es anders sein – ca. 400, meist dänische Textilien verschiedenster Art, u.a. Kleider, Jacken, Mäntel, Hüte, Schuhe und Unterwäsche aus den letzten 300 Jahren zeigt.
Unser Tipp für all die, die auf Porzellan stehen: Das Haus beherbergt auch eine große „Porcelain Collection“  mit mehr als 3000 fragilen Kostbarkeiten aus den Jahren 1700 bis 1880!
Meine persönlichen Highlights: Die permanent zu besichtigenden Ausstellungen „Design und Crafts of the 20th Century“ und „Danish Design Now“.  Betrachten sie doch alle Aspekte des (dänischen) Designs und zeigen bunt gemixt gut designte Gegenstände des Alltags wie z.B. Möbel, Haushaltsgegenstände, Kleinelektrogeräte, Leuchten, Fahrräder, Schmuck oder Werbeplakate. (Fast) überall wo man hinsieht eine ausgewogene Mischung aus schlichter Formalität, Minimalismus und Funktionalität. Ich muß doch in diesem Zusammenhang nicht extra erwähnen, dass hier natürlich auch zahlreiche Klassiker der dänischen Designpäpste Verner Panton und Arne Jacobsen vertreten sind, oder?
Zudem gibt es im Dänischen Designmuseum immer wieder variierende Sonderausstellungen. Bis zum 21.08.2016 läuft z.B. noch „Spheres – Perspectives in Precision & Poetry for BMW designed by Alfredo Häberli“.  (Unbedingt einen der wirklich gelungenen Häberli-Sessel ausprobieren!).
Merkt Ihr? Nehmt Euch unbedingt genug Zeit für Euren Besuch des Design Museum Danmark – es lohnt sich! Wie in fast allen Museen sorgt übrigens auch hier ein Café fürs leibliche Wohl. Eine Auswahl „Souveniers designed in Denmark“ gibt es dann in einem (kleinen) Shop. –AEK

„Eye Attack – Op Art and Kinetic Art 1950 – 1970“

„Eye Attack – Op Art and Kinetic Art 1950 – 1970“
Louisiana Museum of Modern Art, Humblebaek, Dänemark
4.2.2016 – 5.6.2016

Katalog Eye Attack im Louisiana Museum
Echter Hingucker: Auch mit dem Programmheft und dem wirklich schönen „Eye Attack“ Katalog machen die Dänen den Betrachter schön schwindelig.

Keine Frage – da kann einem schon mal schwindelig werden. Das gilt für einen Louisiana-Besuch eigentlich sowieso, denn allein schon die umwerfende Küsten-Lage des Museums und der phantastische Blick durch den Park auf das Wasser können dafür sorgen. Die aktuelle Ausstellung „Eye Attack – Op Art and Kinetic Art 1950 – 1970“ aber macht das Kunst-Anschauen an vielen Stellen tatsächlich zu einer körperlichen Erfahrung. Also Augen auf und rein ins Vergnügen – hier ist wirklich vertreten, was Rang und Namen hat. Zuvorderst Victor Vasarely und Bridget Riley, aber auch alte ZERO-Bekannte wie Uecker oder Mack. Besonders beeindruckt hat mich in all der Vielfalt eine Rauminstallation von Gianni Colombo. In Spazio Elastico (Elastischer Raum) von 1967/68 hat der 1993 verstorbene Italiener in einem nur durch UV-Licht erhellten Raum fluoreszierende elastische Bänder in einer dreidimensionalen Gitterstruktur gespannt, die zudem durch Elektromotoren bewegt und verschoben werden. Man betritt den Raum, bewegt sich selber durch die Installation, während sich die Umgebung ständig verändert, für Desorientierung und Verunsicherung sorgt, dabei gleichzeitig einfach unglaublich schön ist. Eine starke Erfahrung – da wollte ich gar nicht mehr raus…

Louisiana Museum für moderne Kunst
Calder an der Küste: Im „Louisiana“ ist Kunst auch ein Outdoor-Erlebnis. Gerne auch mit einem Tässchen Kaffee auf der Terrasse…

Aber das galt eigentlich für die gesamte „Eye Attack“ Ausstellung. Da wird man optisch getäuscht, stehendes bewegt sich scheinbar, kinetisches sorgt für erstaunliche Effekte. Dabei taucht zwangsläufig immer wieder die Frage nach Illusion und nach der Zuverlässigkeit der eigenen Wahrnehmung auf. Und gleichzeitig fühlt sich die Ausstellung an wie eine große Wunderwelt, wie ein Spielplatz für Erwachsene (und Kinder auch). Ach, wie schön ist Louisiana! -MM